Kritik an der Forderung des Auschwitz Komitee nach AfD Verbot durch Vereinigung von Holocaust-Überlebenden

17. Februar 2026von 4,1 Minuten Lesezeit

Das Internationale Auschwitz Komitee fordert den deutschen Innenminister Dobrindt auf, ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten. Dagegen spricht sich ebenfalls in einem Brief an Dobrindt „We for Humanity“ aus, eine internationale Vereinigung von Holocaust-Überlebenden, ihren Nachkommen sowie Menschen guten Willens.

Der Spiegel schreibt über das Ansinnen des Auschwitz Komitee. „»Gerade in diesen Tagen wird deutlich, dass die AfD mittlerweile in ihrer Gänze zu einer Partei geworden ist, die die Demokratie immer wieder massiv attackiert. Ihre Verachtung der Demokratie wird nur noch von der Geldgier mancher ihrer Repräsentanten übertroffen«, sagte die Auschwitz-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees, Dr. Eva Umlauf. …. Rechtsextreme Fanatiker und Profiteure würden in Parlamente eingeschleust, um sich schamlos zu bedienen und gleichzeitig die Demokratie von innen heraus auszuhöhlen, so Umlauf weiter.“

„We for Humanity“ weist entschieden zurück, dass das Auschwitz Komitee im Namen aller Überlebenden spreche: „Sie spricht nicht in unserem Namen. Innerhalb der Gemeinschaft der Überlebenden bestehen unterschiedliche politische Einschätzungen, und diese Pluralität verdient Anerkennung.“

Weiter heißt es in dem Brief an Dobrindt:

Eine Demokratie muss Raum für rechtmäßige Opposition und politischen Wettbewerb lassen, ohne ein Klima zu schaffen, in dem abweichende Meinungen allein zum Ausschluss führen. Der Schutz des Pluralismus im Rahmen der Verfassung ist selbst Teil der historischen Verantwortung Deutschlands. ….

Die Erinnerung an den Holocaust trägt ein enormes moralisches Gewicht. Gerade deshalb sollte sie nicht als Instrument in gegenwärtigen parteipolitischen Auseinandersetzungen verwendet werden. Die Bewahrung der Erinnerung bedeutet auch Zurückhaltung in ihrer politischen Inanspruchnahme.

Eine Demokratie muss Raum für rechtmäßige Opposition und politischen Wettbewerb lassen, ohne ein Klima zu schaffen, in dem abweichende Meinungen allein zum Ausschluss führen. Der Schutz des Pluralismus im Rahmen der Verfassung ist selbst Teil der historischen Verantwortung Deutschlands.

Die Gründerin von „We for Humanity“ und TKP-Gastautorin Mascha Orel kritisiert, sie hätten Menschen wie sie missbraucht. Jeder, der eine Sonderstellung für die Juden fordert, fördere Antisemitismus, und sei es so ein vom Staat gegründeter Verein. Denn jede Phobie wurzelt in Aussonderung. „Und wir sind nicht auserwählt, auserwählt ist, wer Gutes tut. Und wenn einer auserwählt ist, ist der Andere das nicht – das ist Eugenik!“

So beschreibt sich „We for Humanity“:

Wir sind eine internationale humanitäre Vereinigung von Überlebenden des Holocaust und ihren Nachkommen sowie von Menschen des guten Willen, die unser Streben nach einem Leben in Freiheit, Selbstbestimmung, Würde und Wahrhaftigkeit teilen.

Aus unserer historischen Erfahrung heraus warnen wir: Es ist das Ende jeder pluralistischen demokratischen Gesellschaft, wenn sich Medizin, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Justiz, Kultur und Medien dem Diktat der politischen Exekutive sowie der Profitgier unterordnen.

Wenn Juden für etwas auserwählt wurden, dann – so glauben wir – um die Menschen mit unserer Erfahrung in dieser Zeit der größten Not zu schützen. Wir bitten SIE, uns zu helfen, gehört zu werden: unsere Botschaft weiterzugeben, sich bei denen zu melden, an die wir uns wenden, eine Botschaft an Ihre Nachbarn zu senden, zu Ihren Überzeugungen zu stehen – das heißt, Verantwortung für Ihr Leben und das Leben anderer zu übernehmen.

Hier ist der Brief von „We for Humanity“ an Dobrindt:

An Dobrindt betreffend AfD Verbot

Weitere Instrumentalisierungen des Holocaust

Ähnlich missbraucht werden auch Gedenkfeiern für die Befreiung von KZs.

Das österreichische Mauthausen Komitee hat sich in ähnlicher Weise für den US-Imperialismus und EU-politisch instrumentalisieren lassen. TKP berichtete am 25. April 2023 über den Ausschluss der Befreier des KZ-Mauthausen von der Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung:

„…. Mauthausen-Komitee erneut kläglich versagt hat. Man konnte den Medien entnehmen, dass es russische Offizielle vom Gedenktag der KZ-Befreiung am 7.5.2023 ausgeschlossen hat.

Nachdem bei der sogenannten „Mühlviertler Hasenjagd“ auch etwa 350 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden, ist es besonders empörend, dass Russland als Nachfolgestaat der Sowjetunion nicht zur Gedenkfeier eingeladen wird.

Ähnlich wurde die Gedenkfeier für den Jahrestag der Befreiung von Auschwitz für die eigene Kriegspolitik instrumentalisiert. 2023 wurde der Befreier Russland mit der Begründung ausgeladen Russland sei „kein Teil der zivilisierten Welt“ wie hier berichtet. Das ist eine Aussage über Russland, die ältere und geschichtsinteressiert Menschen früher schon gehört haben.

Der Direktor des Auschwitz-Museums machte auch im September 2024 deutlich, dass russische Vertreter nicht willkommen seien, nachdem er erklärt hatte: „Es ist schwer vorstellbar, dass Russland, das den Wert der Freiheit offensichtlich nicht versteht, anwesend sein könnte. Eine solche Präsenz wäre zynisch.“ Bei der Veranstaltung wurde auch die Rolle der Roten Armee bei der Befreiung des berüchtigtsten Todeslagers der Welt ignoriert.


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Das Versagen des Mauthausen Komitees

Der 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz war ohne Russland unvollständig

Russland „kein Teil der zivilisierten Welt“ von Auschwitz-Gedenken ausgeladen

2 Kommentare

  1. VerarmterAdel 17. Februar 2026 um 15:59 Uhr - Antworten

    Wann schaut sich „We for Humanity“ das Folgende mal an?

    „Unter dem Titel „Sühne für Auschwitz“ berichtet „Welt im Film“ über die Urteile im Krakauer Auschwitz-Prozeß von 1947/48.

    O-Ton: „Insgesamt kamen nahezu 300.000 Menschen verschiedenster Nationen im Konzentrationslager Auschwitz um. (…) Das Konzentrationslager Auschwitz bleibt als Mahnmal der Schande so erhalten, wie es heute steht. Zum bleibenden Gedenken an seine 300.000 Opfer.““

    — „Welt im Film 137/1948“ – https://v.gd/CAdfGY

    Was wohl passiert, wenn die Leute mehrheitlich die kognitive Dissonanz beiseiteschieben und die Fakten realisieren? Dann möchte man sicher nicht in der Haut gewisser Kreaturen sein.

  2. Anna 17. Februar 2026 um 14:55 Uhr - Antworten

    Ich gestehe, täglich mehr antisemitisch zu werden!

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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