Wie die Digitalisierung die Partnersuche für immer verändert hat

16. Februar 2026von 2,8 Minuten Lesezeit

Es begann mit Online-Dating und veränderte mit der „Swipe-Ära“ die Partnersuche an-sich. Unser soziales Sein wurde durch die Digitalisierung bereits grundlegend verändert – und es geht weiter.

Als Tinder 2012 die Swipe-Funktion einführte – links zum Ablehnen, rechts zum Liken –, war das mehr als nur eine neue Bedienoberfläche. Dieses System schickte sich an, in nur wenigen Jahren Online-Dating, die Partnersuche und damit das soziale Sein des Menschen selbst nachhaltig zu verändern. Es wurde zu einem gamifizierten und hochgradig suchterzeugenden Erlebnis.

Tinder war nur der Anfang. Andere Dating-Apps kopierten das Prinzip schnell. Die Dating-Websites, die den Weg für Tinder und Co. bereitet hatten, funktionierten noch anders: Dort las man in Ruhe Profile, tauschte Nachrichten aus – einen Algorithmus gab es (noch) nicht. Heute entscheidet ein Algorithmus in Sekundenbruchteilen, wer dir präsentiert wird – wie in einem endlosen Spiel mit schnellen Entscheidungen.

Eine aktuelle Untersuchung aus den USA zeigt, wie dieses „Spiel“ die Welt verändert hat. Rund 40 % der heterosexuellen Paare in den USA lernen sich inzwischen online kennen – ein dramatischer Anstieg gegenüber den niedrigen einstelligen Prozentwerten Mitte der 1990er Jahre. Online entstehen die meisten Paare, erst dahinter kommen Freunde, die das Kennenlernen ermöglichen.

Zwei Technologie-Wellen trieben diese Entwicklung voran: der Aufstieg des Internets ab Mitte der 90er und dann ab 2007 die Smartphone-Revolution mit iPhone und Tinder als Katalysator.

Forscher Michael Rosenfeld, Reuben Thomas und Sonia Hausen schrieben bereits 2019: „Wir stellen fest, dass das Kennenlernen im Internet die Rolle von Familie und Freunden bei der Zusammenführung von Paaren verdrängt.“ Online-Dating hat die Liebe nicht neu erfunden, sondern den Pool potenzieller Partner massiv erweitert und zugleich einen wesentlichen Teil unseres Alltags ins Digitale abwandern lassen.

Allerdings erlebt die Swipe-Ära inzwischen eine Art Müdigkeit. Jüngere Generationen, insbesondere Gen Z, bevorzugen wieder reale Begegnungen. Daten zeigen, dass die Installationen und Nutzungssitzungen von Dating-Apps zwischen Januar 2023 und Dezember 2024 um 13 % im Jahresvergleich zurückgingen. Während der Covid-Pandemie erlebten sie allerdings ein Hoch, als man Menschen de facto ins Digitale zwang.

Aktuelle Zahlen aus 2025 und 2026 deuten darauf hin, dass Online-Dating in manchen Kontexten noch weiter zunimmt, gleichzeitig wird aber von „Dating-App-Fatigue“ und einem „Great Analog Reset“ gesprochen. Viele Nutzer berichten von Überforderung durch zu viele Optionen, Ghosting und oberflächliche Kontakte. Manche Studien legen sogar nahe, dass Paare, die sich offline kennenlernen, langfristig zufriedener und leidenschaftlicher sind.

Die Digitalisierung hat die Partnersuche schon jetzt radikal beschleunigt. Ob sie sie besser gemacht hat, bewerten Menschen vermutlich unterschiedlich. Ob Plattformen wie Tinder wirklich wollen, dass ihre Nutzer – die ein Abo abgeschlossen haben – eine Partnerschaft finden, das Abo kündigen und die App löschen, darf man allerdings sicher bezweifeln. Die soziale Vereinsamung hat mit dem Aufkommen der Digitalisierung ebenso zugenommen, zugleich haben Menschen (auch in Beziehungen) immer weniger Sex. Es gibt Untersuchungen, die durchaus auf eine Kausalität und nicht nur auf Korrelation hindeuten.

Wie wir uns verlieben, hat sich bereits für immer verändert. Nun drängt auch noch die KI in diese Sphäre. Schon jetzt haben nicht wenige Menschen romantische virtuelle Beziehungen mit Chatbots. Tendenz steigend. Diese Bots wischen dann auch nie nach links, um den Menschen abzulehnen.

Bild „Tinder“ by theglobalpanorama is licensed under CC BY-SA 2.0.

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11 Kommentare

  1. Jurgen 16. Februar 2026 um 19:51 Uhr - Antworten

    Man was bin ich froh, dass ich den ganzen App-Wisch-Quatsch nicht in meinem Leben habe…
    Meine Anzeige zur Partnersuche würde daher wohl nur so aussehen: kritischer, ungeimpfter, terranischer Gartenzwerg, Souverän im Handelsrecht, sucht wesensgleiche Gartenzwergin mit Oberweite zwecks gemeinsamer Lebensplanung in umfassender Autarkie… oder so ähnlich ;-)

  2. 1150 16. Februar 2026 um 14:00 Uhr - Antworten

    ganz oben in den k.o. kriterien ist der impfstatus –
    geimpft ja, schon durchgefallen
    geimpft nein, schaun wir einmal

    • Gabriele 16. Februar 2026 um 18:24 Uhr - Antworten

      Mindestens die Hälfte davon lügt problemlos, wenn sie das Gegenüber trotzdem kennenlernen wollen…

  3. local.man 16. Februar 2026 um 12:30 Uhr - Antworten

    Es treffen hier viele Punkte zusammen, warum Online Dating mehr Schaden anrichtet als es Nutzen bringt.

    Das hat auch sehr viel mit den Mann-Frau Dynamiken zu tun und wie diese Partner wählen, bei gleichzeitiger Optionsvielfalt, die ungleich verteilt ist.

    In der Regel führt es zu massenhaft vereinsamten Männern und Frauen die in ihren jungen Jahren bis Ende 20, Anfang 30, sich völlig verlieren in immer wieder einem anderen Partnerkarussell und am Ende sehr beziehungsunfähig werden und durch viele viele Erfahrungen, nicht etwas bekommen haben, sondern die Fähigkeit verloren haben stabil zu sein und sich zu entscheiden.. Es könnte ja noch immer einen „Besseren“ geben, aber Glück funktioniert so überhaupt nicht, wird aber überall auch durch Film Fernsehen und Social Media als Scheinwelt vorgegaukelt..

    Männer die sich so anpassen wie es die Filmindustrie als Top zeichnet und genetisch Glück gehabt haben mit einem hübschen Gesicht, ziehen sogut wie alle Frauen auf sich und der Rest schaut ins Leere. Diese Herren nutzen diese Plattformen dann nur dazu, sich sexuell auszutoben. Die Damen erlernen/erleben dann mit diesem angeblichen Traumtypen, eben auch Traumata und zerstören sich mit dieser Strategie ihre Lebenswege.
    Wenn dann der Körper, also die Waffe der Frau nachlässt, suchen sie sich entweder die Versorger, die immer keine Chance hatten, oder werden die Singlefrauen mit Katzen oder dem Hund, weil kein Partner mehr gut genug erscheint und die Ansprüche niemand mehr erfüllen kann und auch will.

    Wir erleben ein für das System wunderbares Modell einer Gesellschaft, für die Gesellschaft selbst ist es eine Atombombe.

    Die Herrschenden gewinnen, Steuereinnahmen x2, zeitige Kontrolle über Kinder wenn beide Arbeiten, schwache Familien, Single Frauen konsumieren bis zu 80% mehr als Frauen in einer Familie, da sie nachweislich mehr auf Geld achten.
    Eine Gesellschaft die sich von Innen heraus selbst schwächt und der Krieg Mann vs. Frau der medial begleitet wird, ist ein Spaltungswerkzeug, um dies noch weiter vonranzutreiben.

    Die Gesellschaft selbst ist vereinsamt, flüchtet sich in Pornoindustrie, Frauen verkaufen sich für leichtes Geld an diese Sexualindustrie, Beziehungen haben wenig Substanz und scheitern schnell, auch Ehen werden getrennt und im Leben da Draußen spürt man eine noch massivere Wertung. Man lernt den Menschen nicht mehr kennen, man mustert sofort aus und stellt seine Forderungsliste auf, die bei Frauen idR. 100x so lang ist wie bei einem Mann.

    Man will hübsche, liebevoll harmonische, loyale Frau, die sich ihm anschliesst und ihn stärkt.

    Frauen wollen: Die Kommentarspalte reicht nicht aus dafür, und dann sind sie immer auf der Suche nach einem vermeintlich Besseren.

    Leider führt das beide Seiten in dieses Unglück. Dabei ist es sehr einfach glücklich zu sein, mal abgesehen davon, dass dieses System über die Niederhaltung es eh maximal verhindert und mit Illusion von Glück und Falschidentitäten füllt.

  4. Peter Ruzsicska 16. Februar 2026 um 12:07 Uhr - Antworten

    Eskalierende Technik ist gleich eskalierende Verwaltung ist gleich Herrschaft ist gleich Extremst-Nudging in Zirkelschlussgefängnisse von Begierden aller Art als auch gleichzeitiglichst in mephistophelische Honigfallen jedwederlichster Ärtlichkeiten – völlig gleichgültig ob bewußt, verdrängt, dissoziert, ignoriert.

    Herrschaft ist immer k-r-i-m-i-n-e-l-l.

    Herrschaft ist einfach.
    Nichtung ist Güte.
    Der Vorteil, welchen sich der Geringe zu erheischen wähnet, nähret immer dessen Untergang.

    Die Firma dankt und wütet fürderhin…

  5. Gabriele 16. Februar 2026 um 11:26 Uhr - Antworten

    Da ist immer nur von „Liebe“ und Partnerfinden die Rede. Wenn es nur das wäre…. aber um wie viel leichter es durch diese netten Social Media-Möglichkeiten geworden ist, den Partner / die Partnerin zu betrügen und bequem zu hintergehen, davon redet man selten. Möchte nicht wissen, wie viele Ehen der ganze Kram schon zerstört hat. Samt der Kanäle, wo man immer darauf hingewiesen wird, die die ideale andere Hälfte zu sein oder auszusehen hat… Pornos einmal ganz am Rande. Es ist grauenhaft, wohin, sich das alles entwickelt – Ehrlichkeit und echte Nähe wird zwar verlangt, aber kaum mehr gesucht oder gar gefunden. Traurig genug, aber es bleibt die Hoffnung auf den gegenteiligen Trend, weil jedes blinde Huhn und jeder Hahn einmal draufkommt, wo es wirklich ein brauchbares Korn gibt.

    • Jakob 16. Februar 2026 um 12:17 Uhr - Antworten

      Sie haben völlig Recht, dass diese Techniken Möglichkeiten auch zum Schlimmen ermöglicht haben.
      Aber es ist noch immer der einzelne Mensch der entscheidet was er tut.

      • Gabriele 16. Februar 2026 um 12:47 Uhr

        Ja, sicher – nur tut er ES jetzt wohl bedeutend öfter… weil der Karotte vor der Nase rennt ein Esel immer gern hinterher.

      • Jakob 16. Februar 2026 um 13:23 Uhr

        @Gabriele
        Wo Karotten doch so gut schmecken.🤭
        Aber ich gebe Ihnen recht.

    • Peter Ruzsicska 16. Februar 2026 um 12:39 Uhr - Antworten

      Die sich selbstbeschleunigende Eskalation von Herrschaft erzeugt auf sämtlichen Ebenen immer nur Herrschaft einschließlich sämtlich sich selbstverstetigende Kollateralkatastrophen und sonst gar nichts.

      Herrschaft ist das destruktivste Überlebenskonzept des Menschen, im Wahne die naturgemäß grundsätzliche menschliche Abhängigkeit in individuelle Unabhängigkeit umzukehren zu können –
      Die eigene Abhängigkeit nach Außen von sich selbst abwenden zu glauben, in nach Außen in alle Unendlichkeit selbstreproduzierende Abhängigkeitsverstrickungen durch herbeigeführte Zirkelschlussautomatiken reinster Herrschaft bewerkstellen zu können.

      • Peter Ruzsicska 16. Februar 2026 um 12:48 Uhr

        Herrschaft ist sohin ein logisches Zirkelschlussgefängnis sich selbst reproduzierender Abhängigkeiten aller Art – Der Herrscher ist davon nicht ausgenommen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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