Drei EU-Regierungen an Spitze der abgelehnten Regierungschefs

11. Februar 2026von 8,9 Minuten Lesezeit

Natürlich gibt es keine Rangliste der unbeliebtesten Regierungschefs, sondern nur eine Rangliste der beliebtesten, und natürlich ist es dann nicht die Spitze, sondern das Ende der Liste, wo man die drei wichtigsten Industrieländer der EU mit ihren Regierungschefs findet.

Wenn man sich die Liste der Zustimmungsraten von führenden „Weltführern“ in Statista anschaut, stellt man fest, dass ganz am Ende Friedrich Merz (Deutschland) mit 65% Ablehnung, Keir Starmer (Großbritannien) mit 68% und Emmanual Macron (Frankreich) mit 77% gelistet werden. Es sind die drei letzten Nennungen.

Das Wunder der Demokratie

Ist Demokratie nicht etwas Wunderbares? Sie schenken uns Führer, welche uns, egal was wir von ihnen halten, treu bleiben bis zum Ende. Nun ist es nichts Neues, dass die Politik macht, was die Massen gar nicht wollen. Und Angela Merkel hatte ja schon 2010 erklärt, dass das vollkommen richtig gewesen sei, dass alle wichtigen Entscheidungen gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung gefällt wurden. Früher konnten die Fehler der Politiker durch den Fleiß der Menschen ausgeglichen werden, und dann war alles nicht mehr so schlimm, fiel erst mal nicht auf. Aber die Zeiten sind vorbei. Die Fehlentscheidungen der Herrschenden haben sich dermaßen aufgetürmt, dass auch Massenanstrengungen das nicht mehr stemmen oder drehen können.

Der anonyme Schreiber Simplicius veröffentlichte in Substack einen vernichtenden Kommentar dazu (Titel übersetzt: „Europas Triumvirat der Witzfiguren steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe„), den man auch deutschsprachigen Lesern zugänglich machen sollte.

Deutschland

„Hinter der vorgetäuschten Solidaritätsbekundung mit der Ukraine und der zur Schau gestellten Stärke Europas versinken Europas Staats- und Regierungschefs in beispiellosen Krisen. Die Führungsspitzen der drei großen Nationen – Deutschland, Großbritannien und Frankreich – erleben den totalen Zusammenbruch ihrer jeweiligen Fraktionen und ihrer Herrschaft im Allgemeinen, während ihre Zustimmungswerte auf einem Tiefpunkt angelangt sind. Tatsächlich hat der jüngste Artikel der BILD die Werte auf ein noch erschreckenderes Niveau aktualisiert – Merz‘ Ablehnungsrate liegt nun bei 67 %. Laut BILD zeigen aktuelle Umfragen nicht nur Merz‘ dramatischen Abstieg, sondern auch den seiner Union, die weiterhin hinter der aufstrebenden AfD zurückliegt“

Der Autor zitiert dann die BILD, welche erklärt, dass die CDU/CSU auf 25% gefallen sei, während die AfD auf 26 gestiegen war. Er schlussfolgert, dass die Menschen die Nase voll haben von der völligen Abschaffung demokratischer Prinzipien – sofern diese überhaupt jemals existiert hätten. Er führt als Beispiel das Mercosur-Abkommen an, das deutsche Landwirte in den Ruin treiben werde, worauf  Merz gefordert habe, nachdem das „demokratische“ EU-Parlament das Abkommen kürzlich verzögert hatte, dessen „vorläufige“ Verabschiedung – also die Anwendung des Abkommens ohne den der sogenannten EU-„Demokratie“ innewohnenden demokratischen Prozess. Allerdings, so meint der Autor, sei dies typisch für die Globalisten, die Wahlergebnisse, wenn sie nicht passten, annulierten, oder Wahlten so lange wiederholten, bis die gewünschten Ergebnisse vorlagen, wie z.B. in Rumänien gesehen. Der „totalitäre Apparat der EU„, so Simplicius, diene lediglich dazu, den Anschein einer „demokratischen“ Regierungsführung zu wahren, während er in Wirklichkeit die echte Demokratie bei jeder Gelegenheit aushöhle.

Frankreich

Nach Merz nimmt er sich dann Macron vor, der auch nicht besser dastehe. Politico habe diese Woche den Beginn seiner „lahmen Ente“-Ära angekündigt, da der französische Präsident alle Versuche, auch nur den Anschein von Relevanz zu erlangen, vergeblich unternommen habe. Ähnlich wie im Fall von Merz und der aufstrebenden AfD weise Politico darauf hin, dass Macron nach Ablauf seiner Amtszeit mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Mitglied des rechtsgerichteten Rassemblement National (RN) abgelöst werde.

Gabriel Attal, Macrons ehemaliger Premierminister und jetziger Vorsitzender der Partei des französischen Präsidenten, habe letzten Monat in einem Interview mit französischen Medien bestätigt, dass er seinen Anhängern mitgeteilt habe, der Haushalt markiere das Ende von Macrons zweiter Amtszeit.

Großbritannien

Doch niemand stehe so nahe am Abgrund wie der britische Premierminister Starmer, von dem allgemein erwartet werde, dass er heute eine Rede halten und möglicherweise sogar seinen Rücktritt ankündigen würde – so dramatisch sei sein Fall. Sein Stabschef Morgan McSweeney sei bereits unter Schimpf und Schande zurückgetreten, ebenso wie sein Kommunikationsdirektor Tim Allan. Er verweist dann darauf, wie wenig die Schlagzeilen der letzten Tage gewesen seien und führt eine Reihe davon aus.

„Diese Günstlinge ertrinken förmlich in ihren selbstverschuldeten Skandalen und politischen Misere. Im Fall von Starmer war die Mandelson-Epstein-Affäre der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte und die desaströse Amtszeit des ‚Koran Keir‘ (oder ‚Koscher Keir‘, je nachdem, wen man fragt) endgültig beendete. Dann zitiert der Artikel Stephen in der Financial Times:

‚Ich habe die Labour-Fraktion im Parlament (PLP) seit dem Sommer 2016, als Großbritannien für den Brexit stimmte, nicht mehr so unzufrieden und wütend erlebt – und das über alle Fraktionen und Traditionen hinweg. Viele Abgeordnete gaben Jeremy Corbyn eine Mitschuld an der Situation, da er sich nur halbherzig für den Verbleib in der EU eingesetzt hatte. Diese Wut führte zu einer Führungsherausforderung, die allerdings schlecht durchdacht und offensichtlich zum Scheitern verurteilt war. Die Amtszeit des Premierministers befindet sich in einer Endphase, und weder er noch seine engsten Berater scheinen in der Lage zu sein, das Ruder herumzureißen. Kurzfristig gesehen habe ich jedoch den Sturz von drei Premierministern miterlebt (Theresa May, Boris Johnson und Liz Truss), und nur in einem Fall (dem von Liz Truss) ging es schnell.'“

Es folgt eine grafische Darstellung der Abstürze der letzten britischen Regierungschefs im Economist.

„Ob Starmer tatsächlich überlebt oder nicht, ist irrelevant: Fakt ist, dass Europa in einer tiefen Glaubwürdigkeitskrise steckt und nicht einmal mehr einen Hauch moralischer Autorität über den Rest der Welt besitzt. Das Absurde daran ist jedoch, dass diese westlichen Regierungen keine wirklichen Lösungen für ihre Probleme haben, weil diese so grundlegend strukturell sind, dass allein das Eingeständnis ihrer Ursachen den totalen Zusammenbruch der gesamten westlichen globalistischen Ordnung bedeuten würde, die sie in den letzten Jahrzehnten aufgebaut hat.

Die alternde und verbitterte Bevölkerung dieser Länder, die wirtschaftlichen Probleme, die galoppierende Inflation, die schlechten Jobaussichten und der soziale Zerfall – all diese Missstände werden von der ebenso korrupten Führung auf dieselbe Weise bekämpft: mit kurzfristigen, improvisierten Lösungen und oberflächlichen Maßnahmen, die die Probleme nur noch verschlimmern. Denn diese kurzfristigen Lösungen dienen lediglich dazu, das politische Ansehen durch leicht zitierfähige Statistiken oder modische Umfragewerte kurzfristig zu steigern, während sie letztendlich die wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen jedes Landes untergraben. Das prominenteste Beispiel ist die vermeintliche ‚Schnelllösung‘ der Massenmigration, die kurzfristig die Wirtschafts- und Beschäftigungszahlen für die politische PR verbessern soll, während sie jedes Aufnahmeland in eine kulturelle Kloake verwandelt, die langfristig zur Aushöhlung aller wichtigen gesellschaftlichen Säulen führt.“

Deshalb, so der Autor weiter, gewönnen Zivilisationen wie China heute, weil ihre Planung generationenübergreifend angelegt sei. Europäische Länder steckten in einem Teufelskreis unlösbarer Probleme fest, die sich nur notdürftig flicken ließen, denn würde eine grundlegende Lösung erfordern, „in die unangenehmen Geheimnisse der Eliten einzutauchen„.

Ein weiteres Beispiel sei die aktuelle Zensurwelle: Anstatt die wahren Probleme anzugehen, die diese Eliten so sehr beunruhigen, sie offen anzusprechen und einen ehrlichen Dialog darüber in der Gesellschaft zu führen, bevorzugten die Eliten die kurzfristige „Schnelllösung“, jegliche abweichende Meinung oder Diskussion über „sensible Themen“ mit immer brutaleren und rücksichtsloseren Methoden zu unterdrücken. Simplicius nimmt an, dass die Eliten glauben, damit würden die Probleme verschwinden, doch stattdessen schürte es tiefen Unmut, Unzufriedenheit und Misstrauen gegenüber allen Machtorganen – von den Medien über die Regierung bis hin zu allen dazwischenliegenden Institutionen. Würde man diese Themen jedoch offen und vernünftig in der Öffentlichkeit diskutieren, würde das gesamte Kartenhaus zusammenbrechen und die Verantwortlichen in eine ausweglose Situation bringen.

Politico beschreibe, wie der europäische Apparat in den kommenden Wochen mehrere verzweifelte Konferenzen zum drängenden Problem des europäischen Niedergangs abhalten werde – die zentrale Frage wird sein, wie die EU gerettet oder besser gesagt, über Wasser gehalten werden kann. Und wieder zitiert er: „BRÜSSEL – Die EU bereitet sich auf eine ereignisreiche Woche vor, in der sich die Staats- und Regierungschefs mit einigen der schwierigsten Fragen des Kontinents auseinandersetzen werden. Ihre Mission: Europa zu einem starken globalen Akteur in einer zunehmend rücksichtslosen Welt zu machen. Das bedeutet, die EU wirtschaftlich wettbewerbsfähiger zu gestalten, die Abhängigkeit von den USA zu verringern und die Ukraine im Kampf gegen Russlands zermürbende, vierjährige Invasion zu unterstützen.“

Das Urteil des Autors: Zweifellos würde die „intellektuell bankrotte Nomenklatura“ erneut eine Flut schädlicher Ideen präsentieren, die als vermeintlich vielversprechende Schnelllösungen getarnt würden. Einen ersten Vorgeschmack darauf habe kürzlich die unqualifizierte EU-Mitarbeiterin Kaja Kallas angeboten, die Mark Carneys Rede in Davos als Aufruf zur Abschaffung der europäischen Souveränität und zur stärkeren Zentralisierung der totalitären Macht der EU verdrehte. Und er zitiert sie mit den Worten: „Wir müssen die Kultur weg vom Denken in Nationen verändern …

Dann verweist Simplicius auf einen anderen Artikel, in dem diskutiert wurde, wie sich einige Länder in letzter Verzweiflung China zuwenden, um die Zeit des „Überlebenskampfes“ nach der Krise zu überstehen. Kurz darauf habe sich auch Starmer nach China „geschleppt„, um verzweifelt um eine neue Chance zu buhlen. Und als besonders aufschlussreiches Beispiel für die beiderseitige „Transparenz“ erwähnt er dann die offiziellen Stellungnahmen Großbritanniens und Chinas nach Starmers unterwürfigem Geplänkel mit Xi:

Offizielle chinesische Stellungnahme zu den Gesprächen

Britische Stellungnahme

Bemerkenswert sei, dass die chinesische Version zahlreiche kritische Erwähnungen der verschiedenen antidemokratischen und unfreundlichen Übergriffe des Westens enthält, während die britische Version jegliche peinliche Kritik beschönige und verschweige, die Starmer in Xis würdevoller Gegenwart als den „verarmten, zappeligen Landstreicher“ erscheinen lasse, der er tatsächlich war.

„Wie bereits erwähnt, finden die europäischen Eliten keinen Ausweg aus ihrer Falle der versenkten Kosten: Umzukehren hieße, so ungeheuerliche Sünden einzugestehen, dass sie die Lebensgrundlage der gesamten europäischen Zivilisation verspielt haben; für diese Verbrecher gibt es keinen anderen Weg als vorwärts. Setz alles auf eine Karte und hoff, dass deine Gegner vor dir einknicken. Denn im schlimmsten Fall … gibt es immer noch den globalen Krieg.“

Bild: Auszug aus Zustimmungsraten in Statista, aufgerufen am 10.02.2026

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Ein Kommentar

  1. Jochen Mitschka 11. Februar 2026 um 7:02 Uhr - Antworten

    „Warum fehlen in der Liste die Namen von Putin und Xi?“
    „Weil das sind Diktaturen, da kann man keine neutrale Umfrageergebnisse erzielen…“
    Ganz sicher ist das so! (Satire aus)

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