
Warum aus Antisemitismus Israelunterstützung wächst
Immer wieder wird behauptet, wer Israel und dessen Völkermord als solches bezeichnet, sei ein Antisemit. Allerdings stellt man das Gegenteil in der Praxis fest. Wer Wurzeln im Antisemitismus hat fühlt sich magisch durch Israels Rassismus und Gewaltanwendung angezogen.
Entscheidend war die Entwicklung, in der behauptet wurde, dass Antizionismus gleichbedeutend sei mit Antisemitismus. Dies sprach praktischerweise alle Antisemiten von Schuld frei, wenn sie nur kräftig Israel bei ethnischen Säuberungen und Völkermord unterstützten. Diese Behauptung wurde als „Definition“ sogar in manchen Fällen verrechtlicht! Sogar jüdische Aktivisten, welche sich für die Menschenrechte der Palästinenser einsetzen werden so zu Antisemiten. Aber immer mehr junge Menschen jüdischen Glaubens, die mit den klassischen Werten von Liberalität und Fairness aufwuchsen, widersetzen sich. Dazu später mehr.
Tatsächlich sind aber die heftigsten und brutalsten Unterstützer der Apartheid Israels und seines Völkermordes in Gaza Persönlichkeiten und Organisationen, die ihre Wurzeln im Antisemitismus, im Judenhass haben. Einige der glühensten Unterstützer Israels haben sich an anderer Stelle als Judenhasser geoutet. Eine CNN-Untersuchung (ja so etwas gab es) enthüllte zum Beispiel, dass die Randalierer, die das pro-palästinensische Camp an der UCLA angriffen, weder mehrheitlich jüdisch noch israelisch sondern amerikanische Trump-Anhänger waren. Und nun kommt die Überraschung: Ihre Profile in den Sozialen Medien strotzten nur so von antisemitische Karikaturen über die „Weltherrschaft der Rothschilds„.
Beispiele für weitere Antisemiten mit Liebe zu Israel
Nur eine Woche nachdem Donald Trump von der Zionist Organization of America für seine unerschütterliche Unterstützung Israels ausgezeichnet worden war, speiste er mit dem Antisemiten Kanye West und dem Holocaustleugner Nick Fuentes. Trump erhielt den Theodor-Herzl-Preis der Zionist Organization of America (ZOA) am 13. November 2022. Das Abendessen mit Kanye West (der für antisemitische Aussagen bekannt ist) und Nick Fuentes (einem Holocaust-Leugner) fand am 22. November 2022 statt, also etwa eine Woche später.
In Frankreich wurde Marine Le Pens Partei Rassemblement National (RN) von ehemaligen Nazi-Kollaborateuren gegründet – Faschisten, die französische Juden für den Völkermord zusammentrieben. Die Partei (ursprünglich Front National) wurde 1972 von Personen mit Verbindungen zu Nazi-Kollaborateuren gegründet, darunter ehemalige Waffen-SS-Mitglieder und Vichy-Kollaborateure, die an der Deportation französischer Juden beteiligt waren. Marine Le Pen hat die Partei umstrukturiert und unterstützt Israel stärker als andere französische Politiker, etwa durch Solidaritätsbekundungen und eine pro-israelische Haltung im Kontext der Hamas-Angriffe zum Beispiel.
In Deutschland hat die im Mainstream als rechtsextrem geltende Partei Alternative für Deutschland (AfD), deren Anhänger man dem Lager der Konservativen zurechnen sollte, zwar keine direkten Nazi-Wurzeln, aber die 2013 gegründete Partei weist Verbindungen zu rechtsextremen Elementen auf, einschließlich Revisionismus zur NS-Zeit, zumindest, wenn man Wikipedia glaubt. Ihr Spitzenkandidat Maximilian Krah (Europawahl 2024) relativierte die Rolle der SS, indem er sagte, nicht alle SS-Mitglieder seien automatisch Kriminelle. Was viele andere kluge Dinge, die er äußerte, in Frage stellt. Die AfD gilt als israelfreundlich, unterstützt Israel oft gegen muslimische Einwanderung, ist aber intern von Antisemitismus geprägt und nutzt dies instrumentell. Die AfD ist Deutschlands israelfreundlichste Partei. Sie stritt sich im Bundestag mit anderen Pareien darum, dass SIE die größte Unterstützerin Israel sei, größer als alle anderen Parteien. Und tatsächlich stritten sich die im Bundestag vertretenen Parteien darum, wer den jetzt der größere Unterstützer Israels sei.
In Italien unterstützt die Regierung von Giorga Meloni Israel, während Mitglieder der Jugendorganisation ihrer Partei den Hitlergruß zeigen und antisemitische Beleidigungen verwenden. Melonis Regierung (Fratelli d’Italia) unterstützt Israel stark, z. B. durch Solidaritätsbekundungen und Kritik an der Hamas. Gleichzeitig wurden Mitglieder der Jugendorganisation (Gioventù Nazionale) in Undercover-Videos bei faschistischen Saluts, „Sieg Heil„-Rufen und antisemitischen Äußerungen gefilmt. (Meloni distanzierte sich natürlich davon.)
Der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon, der nicht wollte, dass seine Kinder mit Juden zur Schule gehen, bezeichnete MAGA als die „israelfreundlichste Gruppe“ des Landes, während MAGA-Anhänger Massenmorde in Synagogen verüben. Bannons Ex-Frau gab in Gerichtsunterlagen an, er habe sich gegen eine Schule mit vielen jüdischen Schülern gewehrt und antisemitische Bemerkungen gemacht. Bannon bezeichnet MAGA als pro-israelisch und wurde als „Warrior for Israel“ geehrt. MAGA-nahe Rechtsextreme verübten Synagogen-Attentate, z. B. Pittsburgh (2018) und Poway (2019), motiviert durch weiß-nationalistische und anti-immigrantische Ideen.
In Ungarn hat Viktor Orbán Kampagnen gegen den jüdischen Milliardär George Soros organisiert und dabei klassische antisemitische Stereotype bedient: „Wir kämpfen gegen einen Feind, der anders ist als wir. Nicht offen, sondern versteckt; nicht direkt, sondern listig; nicht ehrlich, sondern niederträchtig; nicht national, sondern international; er glaubt nicht an Arbeit, sondern spekuliert mit Geld; er hat kein eigenes Heimatland, glaubt aber, ihm gehöre die ganze Welt.“ Orbán führte Kampagnen gegen Soros mit antisemitischen Vorurteilen (z. B. Geldspekulation, heimatlose Internationale). Das Zitat stammt aus einer Rede 2018. Orbáns Regierung ist Israels engster Verbündeter im Europäischen Rat, blockiert oft anti-israelische Resolutionen und hat enge bilaterale Beziehungen.
Als Elon Musk anfing, antijüdische Verschwörungstheorien zu verbreiten und Milliarden von Dollar ausgab, um Twitter für weiße Nationalisten zu öffnen, wurde er nicht zur Rede gestellt – stattdessen posierte Netanyahu strahlend mit ihm für Fotos. Diese Aussage ist belegt. Musk hat antijüdische Verschwörungstheorien unterstützt, z. B. die „Great Replacement„-Theorie, die Juden als Förderer von Einwanderung darstellt, die Weiße ersetzen soll. Aber Netanyahu traf Musk 2023 in Israel und posierte mit ihm für Fotos, trotz der Kontroversen um Musks Antisemitismus-Vorwürfe.
Zionisten und Antisemiten: Zwei Seiten einer Medaille
Diese symbiotische Beziehung zwischen Zionisten und Antisemiten lässt sich bis zur Gründung der modernen zionistischen Bewegung durch Theodor Herzl vor etwas mehr als einem Jahrhundert zurückverfolgen. Während der Entstehung der Nationalstaaten waren einige europäische Nationalisten der Ansicht, Juden sollten in das „Land ihrer Vorfahren“ zurückgeschickt werden. Und so mancher der blutrünstigsten Antisemiten der Welt war fasziniert, als er von einer jüdischen Bewegung erfuhr, die die Vertreibung der Juden aus Europa zum Ziel hatte. Der britische Außenminister Arthur Balfour gab 1917 seine Erklärung zur Unterstützung einer jüdischen Heimstätte in Palästina genau deshalb ab, weil er keine jüdischen Flüchtlinge in England haben wollte. Tatsächlich sah Herzl in Antisemiten Verbündete für die jüdische Auswanderung. Europäische Nationalisten, inklusive Antisemiten, unterstützten Zionismus, um Juden zu vertreiben.
Die Balfour-Erklärung war in Wirklichkeit antisemitisch und unterstützte die Deklaration, um jüdische Einwanderung nach Großbritannien zu verhindern; er hatte zuvor den Aliens Act von 1905 initiiert, der jüdische Immigration einschränkte.
Rechtsgerichtete wie der britische Premierminister Winston Churchill oder der deutsche NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg waren beide überzeugt, dass die revolutionären Bewegungen, die die Welt am Ende des Ersten Weltkriegs erschütterten, von einer geheimen jüdischen Kabale orchestriert wurden. Für beide lag die Antwort in der Unterstützung des Zionismus, um Juden so von subversiven Bewegungen fernzuhalten. Churchill glaubte an jüdische Verschwörungen hinter Revolutionen und sah Zionismus als Lösung, um Juden von solchen Bewegungen fernzuhalten. Rosenberg teilte ähnliche Ansichten und unterstützte Zionismus taktisch, um Juden aus Deutschland zu entfernen.
Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, notierte in seinen Tagebüchern:
„Die Antisemiten werden unsere verlässlichsten Freunde, die antisemitischen Länder unsere Verbündeten sein.“
Dies war keine bloße Theorie: Mitte 1903 reiste Herzl nach St. Petersburg, um sich mit dem Minister des Zaren, Wjatscheslaw von Plehwe, zu treffen, der für die grausamen Pogrome gegen Juden verantwortlich war. Die beiden Männer vereinbarten, die Auswanderung von Juden aus Russland zu fördern, um sie von den revolutionären Bewegungen fernzuhalten, die den Zaren bedrohten.
Die Zusammenarbeit von Zionisten und Nationalsozialisten im „Dritten Reich“ unter dem Dach der so genannten Ha’avara Vereinbarung ist ausreichend dokumentiert, und einer beschönigenden Weise sogar in Wikipedia.
Christlicher Zionismus
Heute sind fundamentalistische Christen die verlässlichsten Verbündeten des Zionismus in den Vereinigten Staaten. John Hagee, Leiter einer Megakirche in San Antonio, war im vergangenen November einer der Hauptredner bei der Kundgebung für Israel in Washington. Er hatte bereits 2018 bei der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem ein Gebet gesprochen. Hagee glaubt, dass Juden nach Jerusalem zurückkehren müssen, um die „Endzeit“ einzuleiten – seiner Ansicht nach inszenierte Gott den Holocaust, um diesen Prozess voranzutreiben. Wie er in den 1990er Jahren über den Holocaust sagte: „Wie konnte es geschehen? Weil Gott es zugelassen hat. Warum geschah es? Weil Gott sagte: ‚Meine oberste Priorität für das jüdische Volk ist es, dass es ins Land Israel zurückkehrt.‘“ Er glaubt außerdem, dass die Banken von den Rothschilds und anderen jüdischen Familien kontrolliert werden. Nochmal: Seine Unterstützung basiert auf Endzeittheologie, inklusive Konversion oder Tod der Juden. Israel akzeptiert solche „Freunde“ trotz Antisemitismus, weil sie helfen, Apartheid, ethnische Säuberungen und Völkermord zu begehen.
Hagee ist ein klassischer Antisemit – und dennoch ein Freund Israels. Er unterstützt Israel, weil er glaubt, dass Juden Jesus ermordet haben und dass sie alle zum Christentum konvertieren oder getötet werden müssen, damit das Himmelreich kommen kann. Man könnte annehmen, dass die israelische Führung einem solchen „Freund“ misstrauen würde. Dennoch spricht Hagee für eine Koalition von Millionen antisemitischer Christen in den USA, die verlässlich für endlose Waffenlieferungen an Israel stimmen.
Netanjahu soll Beratern gesagt haben, dass „amerikanische Juden nicht so wichtig seien, dass sie in ein oder zwei Generationen nicht mehr jüdisch sein würden und dass man mehr gewinnen könne, indem man Beziehungen zu Evangelikalen pflege“. Netanjahus Botschafter in Washington bestätigte, dass „das Rückgrat der Unterstützung für Israel in den Vereinigten Staaten die evangelikalen Christen sind“. Netanyahu priorisiert Evangelikale über US-Juden, da letztere assimilieren; er sieht mehr Gewinn in der Evangelikalen-Beziehungen.
Obwohl oft argumentiert wird, dass Gegner Israels antisemitisch seien, weisen wissenschaftliche Studien in die entgegengesetzte Richtung. Wie Peter Beinart in Jewish Currents anmerkt, zeigen Studien, dass Menschen, die Israel unterstützen, sogar eher antisemitischen Aussagen wie „Juden haben zu viel Einfluss in diesem Land“ zustimmen. Pro-israelische Länder neigen dazu, antijüdisch zu sein, und umgekehrt. Das klingt widersprüchlich, aber es hat eine gewisse Logik: Genau wie in der Vergangenheit sind Menschen, die Juden nicht mögen, froh, wenn sie weit weg sind.
Unterstützung Israels oft vergleichbar mit „Juden raus!“
Doch wie jüdische Marxisten wie Abraham Leon argumentierten, ist Antisemitismus ein Produkt der Klassengesellschaft, und der moderne Antisemitismus entstand mit der Entstehung kapitalistischer Nationalstaaten. Abraham Leon analysierte in „Die Judenfrage: Eine marxistische Interpretation“ den Antisemitismus als Produkt der Klassengesellschaft, insbesondere im Feudalismus und Kapitalismus, wo Juden in spezifische ökonomische Rollen gedrängt wurden. Jeder Staat sollte einer ethnisch und kulturell homogenen Nation entsprechen – und Juden, die nicht perfekt hineinpassten, wurden oft der „doppelten Loyalität“ verdächtigt. Für viele Antisemiten bestand das Ziel darin, Juden zur Auswanderung zu bewegen oder, in den Worten des Nazis Rosenberg, sie auf die eine oder andere Weise „über die Grenze“ zu bringen. Der moderne Antisemitismus entstand mit den kapitalistischen Nationalstaaten, die ethnische Homogenität forderten, und Juden wurden als „fremd“ angesehen. Viele Antisemiten unterstützten die Auswanderung als Lösung der „Judenfrage„.
Wenn die europäische Rechte „Solidarität mit Israel“ sagt, könnte sie genauso gut „Juden raus!“ rufen, kann man leicht überspitzt sagen. Deshalb sind sie so vehement gegen die bloße Existenz antizionistischer Juden, die ethnisch homogene Gesellschaften ablehnen und womöglich sogar lieber in der Diaspora bleiben würden.
Die Dreyfus-Affäre brach 1894 in Frankreich aus, als ein jüdischer Offizier der Armee der Spionage für Deutschland beschuldigt wurde. Die Menschen waren schockiert, dass das scheinbar zivilisierte Frankreich seine schrecklichen Vorurteile offenbarte. Französische Sozialisten wie Jean Jaurès mobilisierten daraufhin die Arbeiterklasse, um Juden zu verteidigen und sich jeder Form von Unterdrückung entgegenzustellen. Konservative Persönlichkeiten wie Herzl zogen jedoch die gegenteilige Schlussfolgerung. Wie er in sein Tagebuch schrieb:
„In Paris … gewann ich eine freiere Haltung gegenüber dem Antisemitismus, den ich nun historisch zu verstehen und zu verzeihen begann. Vor allem erkannte ich die Leere und Sinnlosigkeit des Versuchs, den Antisemitismus zu ‚bekämpfen‘.“
Herzls Zionismus basierte auf dem extrem pessimistischen Glauben, der Antisemitismus sei unbesiegbar. Der einzige Weg, Juden zu schützen, bestand darin, sie in einen eigenen Nationalstaat zu drängen, hinter Stacheldraht und schließlich „Atombomben“. Dies erforderte Bündnisse mit den Kolonialmächten und allen, die Juden aus Europa vertreiben wollten.
Dies hat den Zionismus in seine gegenwärtige Sackgasse geführt: Da er sich mit Persönlichkeiten wie Trump und deren zutiefst reaktionären und antisemitischen Ansichten verbündet, aus der schleichenden ethnischen Säuberung Palästinas nun sogar einen Völkermord machten, wenden sich junge Juden, wie bereits eingangs erwähnt, vom Zionismus ab. Sie verstehen die Notwendigkeit, gegen Trump, Le Pen, Meloni und all diese anderen Reaktionäre zu kämpfen. Daraus folgt logischerweise, dass sie auch gegen den engsten Verbündeten der extremen Rechten im Nahen Osten kämpfen müssen: Netanjahu. Eine neue Generation junger jüdischer Aktivisten engagiert sich bereits international im Kampf gegen die extreme Rechte.
Der Zionismus hatte den Krisen des Kapitalismus, die zu endlosem Leid für Juden führten, nie etwas entgegenzusetzen. Sozialisten erkannten, dass Antisemitismus aus ihrer Sicht, wie jede Form der Unterdrückung, letztlich ein Produkt der Klassengesellschaft sei und daher durch eine weltweite sozialistische Revolution beseitigt werden kann. Heute bedeutet dies, für den Aufbau einer revolutionären Arbeiterpartei zu kämpfen, die den Kampf gegen den Kapitalismus zu einem erfolgreichen Abschluss bringen soll. Der Zionismus wurde aus linker Sicht kritisiert, da er den Kapitalismus und seine Schäden für die Menschen nicht beendet, sondern verschlimmert. Zionismus ist die Verlängerung des Kolonialismus unter anderem Namen.
Der Ablassbrief
Im Mittelalter konnten Christen sich von schlimmsten Sünden befreien lassen, wenn Sie einen Ablassbrief kauften. Menschen, die ihre Wurzeln im vernichtenden Antisemitismus haben, werden gerne mit „Nazis“ bezeichnet, auch wenn die Ideologie die Phase der Vernichtung alles Jüdischen längst hinter sich gelassen hat. Der neue Rassismus wird dann zum pro-jüdischen Rassismus, um dem Vorwurf zu entgehen, man sei „Nazi„. Der Begriff „Philosemitismus“ (pro-jüdische Haltung) wird oft als „Kehrseite des Antisemitismus“ kritisiert: Er dient als Alibi, um rassistische Positionen (z. B. antimuslimisch) zu kaschieren, ohne echten Wandel in der rassistischen Weltsicht. Rechtsextreme nutzen Israel-Unterstützung also, um sich als „nicht-nazistisch“ zu präsentieren.
Je heftiger solche Kreise glauben, sich gegen den Vorwurf, Nazis zu sein, verteidigen zu müssen, desto größer ist die erklärte Liebe und Zuneigung zu Israel mit der Behauptung, man tue dies „für die Juden“. Israelunterstützung ist für solche Kreise der moderne Ablassbrief:
„Seit beinahe 20 Jahren bittet die deutsche und österreichische Rechte bei den jeweiligen israelischen Regierungen um Ablass und eröffnet in der Schlussstrichdebatte sozusagen eine zweite Front. Die Anerkennung durch den „Juden unter den Staaten“ könnte sie nicht nur vom Antisemitismus freisprechen, sondern gar als glaubwürdigsten Antisemitenjäger inaugurieren.“
Judaismus vs Zionismus
Wenn „Thora-Juden“ den Zionismus als größten Feind und das Gegenteil des Judaismus bezeichnen, erklärt sich das nicht nur aus der Verachtung der Zionisten gegenüber „schwachen Juden„, die man lieber nicht nach Israel holten wollte, als ihnen in Deutschland die Vernichtung drohte. Thora Juden sehen Zionismus als Antisemitismus in Reinkultur. Ultraorthodoxe Gruppen wie Neturei Karta sehen den Zionismus als Häresie und Gegensatz zum traditionellen Judentum, da ein jüdischer Staat nur durch den Messias errichtet werden dürfe, nicht durch menschliches Handeln. Sie protestieren gegen Israel und fordern dessen Auflösung. Sie sind die heftigsten Kritiker des Völkermordes in Gaza, nicht nur aus Mitgefühl, sondern weil dadurch Hass gegen Juden weltweit geschürt wird, da Israel behauptet, alle Juden zu vertreten.
Der Widerspruch zwischen Judaismus und Zionismus kann durch die Äußerung eines einflussreichen zionistischen Rabbis vielleicht am Besten dargestellt, indem dieser behauptete, dass Hitler nicht schlecht war, sondern nur auf der falschen Seite stand. Was man auch wieder an neuesten Aussagen von israelischen Politikern gespiegelt sieht.
„Wie Hitler sagte: ‚Ich kann nicht leben, wenn ein Jude übrig bleibt‘, so können wir hier nicht leben, wenn ein [Palästinenser] in Gaza zurückbleibt.“
Der Widerstand vieler Juden gegen die Vereinnahmung durch Israel erklärt sich auch aus der Tatsache, dass man den Zionismus als das Gegenstück zum Islamismus ansieht. Rassistisch, außerwähltes Volk, expansiv und rücksichtslos gegen alles was der eigenen Expansion im Wege steht. Natürlich ist der Vergleich als „Gegenstück„, als einer Seite der gleichen Medaille, polemisch: Zionismus ist säkular-nationalistisch, Islamismus religiös-fundamentalistisch. Aber gerade aus der Tatsache, dass der Zionismus als nationalistisch-säkular eingestuft wird, ist bewiesen, dass er nicht identisch ist mit Judaismus. D.h. Juden sind nicht automatisch Zionisten. Vielmehr sind die mächtigsten Zionisten eben keine Juden, sondern politische Entscheider und Förderer aus nicht religiösen Gründen.
Warum wird immer von „Juden“ gesprochen, wenn „Zionisten“ gemeint sind?
Immer wieder wird behauptet: „Die wollen alle Juden ermorden, einen zweiten Holocaust durchführen„. Auch wenn die Beschuldigten immer wieder beteuern, dass sie gegen das weltliche, staatliche System des zionistischen Apartheidstaates kämpfen. Organisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch verwenden „Apartheid“ für Israels Politik in den besetzten Gebieten, ohne Antisemitismus zu implizieren. Der Grund für diese bewusste Falschbewertung liegt klar auf der Hand. In dem Augenblick, wenn ein Beobachter erkennt, dass es nicht um „die Juden“ geht, sondern um das zionistische Unterdrückungssystem und seine Vertreter, fällt die „Holocaust-Karte“ aus. Deshalb wird ALLES in Bewegung gesetzt, um zu erklären, dass, wer gegen Israel ist, automatisch alle Juden töten wolle.
„Warum aus Antisemitismus Israelunterstützung wächst“
Warum wächst aus Antisemitismus Israelunterstützung? Beides passt gut zusammen: „Ich bin etwas Besseres als du, du bist mir im Weg, du gehörst weg, deine Unterdrückung ist legitim“
Es ist das rassistische Grundmuster, das Gegenteil von Moral, die auf der Anerkennung und Gleichsetzung anderer Menschen beruht. Auch der Rechtfertigung der „Impfpflicht“ lag dasselbe Muster zugrunde, sie machte „Ungeimpfte“ zu Aussätzigen. Leider haben das viele damals davon Betroffene nicht verstanden und wenden dasselbe Muster an, halt gegen andere Gruppen gerichtet …
Richtig ist, dass weltlicher Zionismus nicht identisch ist mit religiösem Judaismus. Wenn aber ultra-orthodoxe Gruppen den Zionismus ablehnen, dann nur, weil er eben nicht (ausreichend) religiös fundiert ist. Die wollen einfach keinen säkularen Staat. Aber die Grenzen sind ohnehin fließend – es gibt ja auch religiöse Zionisten (Bezalel Smotrich gehört der religiös-zionistischen politischen Partei „Mafdal – HaTzionut HaDatitan“ – an). Wenn es aber um die rassistische Vertreibung oder Vernichtung der Palästinenser oder die expansionitische Politik zur Gründung Groß-Israels geht, dann spielen die Unterschiede zumeist ohnehin keine Rolle. Faschistoid sind beide.
Des Holocaust-Überlebende und Anti-Zionist Israel Shahak hat in seinem Buch „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion – Der Einfluß von 3000 Jahren“ den Zusammenhang zwischen dem jüdisch-orthodoxen Fundamentalismus und dem rassistischen Zionismus gezeigt und insbesondere den faschistoiden Charakter des babylonischen Talmud angeprangert.
Zitat: „Ich besann mich auf mein in der Jugend erworbenes Wissen und begann, jene talmudischen Gesetze zu studieren, die die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden regeln. Dabei wurde mir klar, daß sowohl der angeblich vorwiegend areligiöse Zionismus als auch die seit der Staatsgründung betriebene israelische Politik und ganz besonders die Israel unterstützende Politik der jüdischen Diaspora nur zu verstehen ist, wenn man den starken Einfluß dieser Gesetze und die dafür verantwortliche Ideologie berücksichtigt“.
Und weiter: „Der historische Judaismus und seine beiden Nachfolger, die jüdische Orthodoxie und der Zionismus, sind beide eingeschworene Feinde des Konzepts einer Offenen Gesellschaft, soweit es auf Israel angewandt wird“.
Ob solche Gedankenspiele zu etwas führen?
Ich bin sicher, dass viele gläubige Juden die Politik Bibis ablehnen und sie auch nicht als zielführend für ihre Religion sehen.
Der deutsche Präsident Steinmeier ist Protestant und in protestantischen Kreisen gut vernetzt. Dennoch kann man die Protestanten weltweit nicht dadurch für Merz haftbar machen!
Als Mitglied der Berufsgenossenschaften, die Bedingung für die Ausübung eines Berufes war, war man plötzlich NSDAP-Mitglied. Das weiß ich von den Großvätern. Bei der SS musste man sich offenbar bewerben, aber wenn man groß und blond war bekam man vielleicht Angebote?
Kommunismus vs Zionismus, die rechte und die linke Hand des Teufels.
„Some may call it Communism, but I call it what it is: Juadism!“ — Rabbi Stephen Wise
Sehr viele sowohl deutsche als auch österreichische Protestanten waren überzeugte Nationalsozialisten und damit überzeugte Judengegner.
Aus mir nicht schlüssig erklärbaren Gründen wurde daraus ein Schuldkult den Juden gegenüber. Dieses Schuldbewusstsein wurde in den evang. Gemeinden und Familien an die nachfolgenden Generationen weitergegeben.
Die Juden sind ob ihrer Zerstreutheit nicht so leicht konkret erfassbar, Israel als Staat jedoch schon.
Dieses Schuldbewusstsein konnte so auf dieses konkrete Gebilde projiziert werden und die persönliche Schuld (eingebildet oder nicht) an Israel abgearbeitet werden.
Die Schuld steht jetzt zwar nicht mehr im Vordergrund, aber die Unterstützung für den Staat ist geblieben. Natürlich auch geschickt genährt durch die missbräuchliche Aneignung der biblischen Geschichte.
Und jetzt wird Israel genauso gedankenlos (und gewissenlos?) unterstützt wie damals der Nationalsozialismus.
Diejenigen, welche sehr wohl den von den Zionisten verübten Völkermord verstehen, aus ihrem Israel freundlichen Weltbild allerdings nicht herauskommen, retten sich aus dieser Zwangslage indem sie die gesamte Schuld auf eine einzige Person, auf Netanjahu konzentrieren. In ihrer Meinung würde alles gut werden, wäre Netanjahu weg.
Das sind meine Beobachtungen mit den Menschen der mir bekannten evang. Gemeinden meiner Umgebung.
Naja, hûstel…arg konstruiert.
Es ist viel einfacher…die „Rechten“ kritisieren Isr. nicht, weil die Linken dann die Antidingsbumskeule schwingen, sie anzeigen und nach Parteiverbot plärren.
Der Antidingsbums ist traditionell sozistisch, s. N-sozisten und National-K-isten unter Stalin. Warum? Na weil sie das Kapital haben….;-) tobender Applaus, tiefe Verbeugung, danke-danke-danke…tritt ab, Vorhang…standing ovations, Zugabe!
Naja, hûstel, hüstel…
ja, Der Antidingsbums ist traditionell sozistisch.
So wie Schuschnigg und Dollfuß, ja, ja, schlimme Sozialisten und DESHALB Antidings waren.
Danke, so klärt sich alles ;-)
Ausnahmen bestätigen die Regel.