Orbán: Wir wollen nicht für die Ukraine sterben

6. Oktober 2025von 3 Minuten Lesezeit

Ungarn muss sich aus dem Krieg in der Ukraine heraushalten – das war die Kernaussage von Ministerpräsident Viktor Orbán in seinem jüngsten Interview, das er nach der Teilnahme am EU-Gipfel in Kopenhagen gab.

Der Ministerpräsident wies die Vorstellung zurück, dass es sich hierbei lediglich um eine Meinungsdebatte innerhalb der EU handele. „Es ist kein Meinungsunterschied, sondern ein Unterschied in der Vorgehensweise“, sagte er und betonte damit die wachsende Kluft zwischen der Haltung Ungarns und dem Ansatz Brüssels.

Ministerpräsident Orbán bezeichnete die europäische Kriegsstrategie als grundlegenden Fehler. Die Annahme, dass Russland vor Europa kein Geld mehr haben werde und dass diese wirtschaftliche Erschöpfung einen Rückzug Russlands erzwingen würde, habe sich nicht bewahrheitet. „Das alles basiert auf einer Illusion“, warnte er und verwies auf die 170 bis 180 Milliarden Euro, die die EU bereits ausgegeben habe, ohne dass ein Ende in Sicht sei.

Laut Premierminister Orbán ist es in der Geschichte der Kriegsführung beispiellos, dass die gegnerischen Seiten Verhandlungen ablehnen. Er argumentierte, dass die Europäische Union die Ukraine nicht zu weiteren Konflikten drängen, sondern stattdessen auf die Aufnahme von Gesprächen mit Russland hinarbeiten sollte. „Je länger der Krieg dauert, desto mehr Menschen werden sterben“, sagte er unverblümt.

Eines der drängendsten Anliegen, das Premierminister Orbán ansprach, ist die mögliche EU-Mitgliedschaft der Ukraine. Er bekräftigte, dass ein solcher Schritt die einstimmige Unterstützung aller 27 Mitgliedstaaten erfordert – eine Hürde, die Ungarn nicht unterstützen wird. „Das ungarische Volk will keine Union mit der Ukraine“, erklärte er und argumentierte, dass eine EU-Mitgliedschaft Ungarn effektiv in den Krieg hineinziehen würde.

Die ungarische Regierung, so der Ministerpräsident, unterstütze eine bilaterale Partnerschaft mit der Ukraine – ähnlich wie die Vereinbarungen mit Großbritannien und der Türkei –, aber keinen Vollbeitritt. „Wenn wir die Ukraine aufnehmen, befinden wir uns im Krieg mit Russland. Wir wollen nicht für die Ukraine sterben“, sagte er und betonte die Notwendigkeit, ungarische Leben und Interessen zu schützen.

Diese Meinungsverschiedenheit mit der EU hat Premierminister Orbán dazu veranlasst, zu einer nationalen Unterschriftenaktion gegen die Kriegspläne Brüssels aufzurufen. „Wir brauchen politische Unterstützung, um klar zu machen: Ungarn unterstützt keine Kriegsstrategie“, sagte er und warnte, dass Ungarn, sollten Oppositionsparteien wie Tisza oder DK an die Macht kommen, „in den Krieg hineingezogen“ und gezwungen werden würde, die Bemühungen der Ukraine auf Kosten ungarischer Familien zu finanzieren.

Der Ministerpräsident bekräftigte, dass die Frage der Familienunterstützung weiterhin im Mittelpunkt der innenpolitischen Agenda der Regierung stehe, wobei sich die Regierung dazu verpflichtet habe, Familien direkt zu unterstützen, anstatt Gelder an multinationale Unternehmen oder ausländische Konflikte umzuleiten.

Der Einfluss Brüssels, fügte Ministerpräsident Orbán hinzu, habe unbeabsichtigte Folgen gehabt – wie die Stärkung der Beziehungen zwischen Ungarn und der Slowakei im gemeinsamen Verteidigung der Souveränität. „Kleine Nationen sitzen im selben Boot“, sagte er und beschrieb die aktuelle politische Lage als eine wachsende Solidarität gegen den zentralistischen Druck der EU.


Unsere Arbeit ist spendenfinanziert – wir bitten um Unterstützung.

Folge TKP auf Telegram oder GETTR und abonniere unseren Newsletter.



EU und Medien im Kriegstaumel – Macron lässt Schiffe im Mittelmeer kapern

Kommission bastelt an Superstaat und EU-Armee

Drohnenkampagne: Das Playbook

3 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer 8. Oktober 2025 um 10:57 Uhr - Antworten

    Elon Musk teilt die Erklärung von Jeffrey Sachs über Ursachen des Ukraine Krieges
    2024_11_12
    https://tkp.at/2024/11/12/elon-musk-teilt-die-erklaerung-von-jeffrey-sachs-ueber-ursachen-des-ukraine-krieges/
    https://x.com/elonmusk/status/1856172877688570095

  2. Jan 6. Oktober 2025 um 14:35 Uhr - Antworten

    Dieser Ansatz ist sehr vernünftig, enthält viel Richtiges und sollte zu einem Umdenken führen!

  3. Patient Null 6. Oktober 2025 um 12:35 Uhr - Antworten

    Orbán: Wir wollen nicht für die Ukraine sterben

    Keiner, so weit ich weiß, nichtmal die meisten Ukrainer.
    Das Fatale ist die Ukraine hat sich vom Westen drängeln lassen den Krieg zu führen. Dabei standen sie kurz vor einem Verhandlungs Ergebnis in der Türkei damals. So wurde die Ukraine zum Spielball des Westens, zwischen hey wie liefern euch heute mal Waffen und hey wieso schafft ihr es nicht damit Russland zu besiegen. Insofern ist auch die Ukraine Opfer und das auf mehreren Ebenen. Die Verantwortlichen sitzen hinter sauberen Schreibtischen mit ihren dicken Diäten und Aktienoptionen und sind weiter am Anfeuern.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

Aktuelle Beiträge