Drohnen-Coup der Ukraine – und was er bedeutet

2. Juni 2025von 3,1 Minuten Lesezeit

Die Ukraine landete am Sonntag ihren bisher größten militärischen Erfolg im Krieg. Der Schlag gegen die strategische Luftwaffe Russlands überschattet die Verhandlungen und könnte den Charakter des Krieges ändern. 

Am Sonntag gelang Kiew der vermutlich bisher größte militärische Coup seit Beginn des Krieges. Drohnen attackierten Stationen der russischen strategischen Luftwaffe. Mindestens sechs Tu-95-Bomber wurden zerstört. Am Boden befindet sich die Ukraine weiterhin in einem langsamen, aber stetigen Rückzug. Kurz vor einer Verhandlungsrunde in Istanbul gelang es jedoch, mehrere Militärbasen mit Drohnen – jeweils im Wert von nur wenigen Hundert Euro – anzugreifen und Bomber zu zerstören, die jeweils mehrere Hundert Millionen Euro wert sind und nicht so schnell ersetzt werden können.

Zivile Logistik als Kriegsmittel

Die Ukraine nutzte dabei zivile Logistik – eine Strategie, die bereits beim israelischen Pager-Angriff gegen die Hisbollah zu sehen war. Vermutlich ein Teil der künftigen hybriden Kriegsführung. „Nach Angaben von Augenzeugen wurden Kleindrohnen aus Lastwagen gestartet, die in der Nähe der Militärbasen geparkt waren. Reihenweise attackierten sie daraufhin die in den Basen stationierten strategischen Bomber. In manchen Fällen sollen die Lastwagen gleich danach verbrannt worden sein“, berichtet der Kriegsberichterstatter Nikita Gerassimow. Wie viele Basen angegriffen wurden, ist unklar. Manche sprechen von zwei, andere von vier.

Die Ukraine gibt an, dass die Operation über ein Jahr lang geplant wurde. Die große Entfernung zwischen den Basen in Irkutsk und Murmansk, wo es gesicherte Verluste gibt, spricht dafür. Da die ukrainischen Geheimdienste eng mit dem Westen zusammenarbeiten und westliche Technologie sowie Informationen benötigen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass die NATO involviert war. Das Weiße Haus dementiert jedoch eine Vorabinformation. Gerassimow:

Im russischen Generalstab herrschte wohl Schock nach dem Angriff, und es wurden schwere Vorwürfe erhoben. Selbst im vierten Kriegsjahr gelang es nicht, die strategische Luftwaffe zu schützen – oder man hielt es nicht für nötig, was ebenfalls fatal ist. Gerassimow zitiert die Kritik: Die Verantwortlichen hätten „immer noch nicht verstanden, dass Entfernungen zum Kriegsgebiet (wie etwa bei Irkutsk) in der modernen Kriegsführung keinerlei Bedeutung mehr haben“, weil Operationen mit Drohnen tief im Hinterland mit verheerender Wirkung ausgeführt werden können. „Andererseits, was soll man von Menschen erwarten, die als Sicherheitsmaßnahme Flugzeuge mit Autoreifen bedecken oder Flugzeuge auf Asphalt malen, um westliche Aufklärungssatelliten zu täuschen“, kritisiert eines der auflagenstärksten russischen Portale die Armeeführung.

Sieg oder Kapitulation?

Der Angriff überschattet sogar eine weitere Operation der Ukraine, die in der Nacht auf Sonntag erfolgreich Bahnbrücken zerstörte. Dabei gab es auch zivile Opfer.

Kurz nach dem Angriff auf die Militärbasen veröffentlichte Selenskyj seinen Forderungskatalog für die Verhandlungen in Istanbul. Dieser umfasst unter anderem die Nichtanerkennung russischer Gebietsgewinne, also einen vollständigen Rückzug Russlands aus der Ukraine (einschließlich der Krim). Damit wäre der Krieg jedoch nicht zu Ende, denn die Ukraine fordert auch russische Reparationen, die Moskau vermutlich in eine Staatspleite stürzen würden. Eine NATO-Mitgliedschaft strebt Selenskyj ebenfalls an.

Vor den Verhandlungen in Istanbul stehen die Zeichen auf Eskalation. „Beide Kriegsparteien beharren auf Forderungen, die einen Kompromiss unmöglich machen. Die Forderungen beider Seiten laufen auf die vollständige Kapitulation der jeweils anderen Seite hinaus. Es scheint, als setzten beide Kriegsparteien weiterhin auf einen militärischen Sieg“, analysiert der Russland-Experte Gerhard Mangott.

Bild „Anti-terrorist operation in eastern Ukraine (War Ukraine)“ by Ministry of Defense of Ukraine is licensed under CC BY-SA 2.0.

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10 Kommentare

  1. Andreas I. 2. Juni 2025 um 22:15 Uhr - Antworten

    Hallo,
    nett, aber selbst wenn in diesem Artikel einiges … ein Blog, der Korybko veröffentlicht und das nicht mal aus Versehen, sondern regelmäßig, hat sich selber disqualifiziert.

  2. therMOnukular 2. Juni 2025 um 19:32 Uhr - Antworten

    Was Zelensky „anstrebt“ ist irrelevant, er ist eine Marionette.

    Wer so etwas ein Jahr lang planen muss, der wird nie einen Krieg gewinnen.

    Pure Propaganda-Aktion ohne größeren Mehrwert. Sämtliche Marschflugkörper und Raketen, die diese Bomber einsetzen können, können auch von anderen Waffengattungen eingesetzt werden bzw werden es auch regelmäßig. Die 1000en Gleitbomben werden sowieso von ganz anderen Flugzeugen „geliefert“, die bei diesem Angriff nicht betroffen waren.

    Mehr peinlich und kostspielig für Russland, aber kein großer Unterschied in der Kriegsführung. Es wird das Ergebnis nur insoweit beeinflussen, dass die Russen jetzt noch ein gutes Stück wütender sind als eh schon. Der Westen hat nur noch heftiger am Watschenbaum gerüttelt, damit endlich mal auch ein paar „Früchte“ in Deutschland usw. zu Boden fallen….denn genau das wollen die.

  3. Verschwoerungspraktiker 2. Juni 2025 um 10:58 Uhr - Antworten

    „….Drohnen – jeweils im Wert von nur wenigen Hundert Euro – “

    DAS darf ja wohl mal massiv bezweifelt werden! Dafür gibt es vielleicht Consumerelektronik – Spielzeuge.
    Eher von wenigen Hunderttausend Euro.

  4. Gabriele 2. Juni 2025 um 10:58 Uhr - Antworten

    Nur weiter so – und die ganze Welt in Brand setzen…. koste es, was es wolle. Tote Söhne, Kinder, Enkel und Urenkel. Widerwärtig, wie die Volkspresse heute über diesen großen „Erfolg“ jubelt… so, als würden sie um die erste Atombombe geradezu betteln… es ist zum Kotzen.
    Nur ja keinen Millimeter abrücken vom eigenen Wahn, darum geht es. RECHT bekommen in vollem Ausmaß – alles andere wäre räääächts und böse.
    Frieden ist rääächts, Frieden ist böse. Frieden ist nur gut, wenn ich alles, alles bekomme, was ich will – sei ich auch der größte Spinner der Geschichte.
    Weder das Altertum, noch das Mittelalter kann in seiner hirnlosen Brutalität schlimmer gewesen sein.

    • Karsten Mitka 2. Juni 2025 um 19:50 Uhr - Antworten

      Es sind ja immer nicht deren Söhne, Kinder, Enkel und Urenkel, sondern die von anderen.

  5. Sting2 2. Juni 2025 um 10:56 Uhr - Antworten

    Bei mir hat es so richtig „eingeschlagen“, als ich den Artikel mit diesem Foto entdeckt habe:

    https://rtnewsde.online/international/246380-moskau-sind-bei-einsatz-von-taurus-bereit-vergeltungsschlag-deutschland/

    ANDREI KARTAPOLOW, hochdekorierter Vorsitzender des Verteidigungsausschusses der RUSSISCHEN STAATSDUMA und ehemaliger Stellvertretender Verteidigungsminister, vor der Vollversammlung der Staatsduma…

    Ein MANN mit hoher Intelligenz, einem weichen Herz, aber Stärke für sein Land. Er strahlt für mich Vertrauen und Zuverlässigkeit aus.

    ER ZEIGT UNS SEIN GESICHT UND VERSTECKT SICH NICHT HINTER HOHLEN PHRASEN, wie man es in D leider von vielen Politikern gewohnt ist. Meine Intuition sagt: Die Menschen in Deutschland sollten es endlich 100% ernst nehmen, was dieser Mann sagt! Er ist in Weimar geboren, kennt beide Kulturen und Mentalitäten aus eigener Lebenserfahrung.

    Die Russen wissen ganz genau, daß hier u.a. in Bayern, u.a. in sogen. „Tech-Start-Ups“ tödliche Waffen für den Einsatz gegen sie produziert werden.

    Mit welchem Grund? Was ist aus der deutsch-russischen Freundschaft geworden?
    Weshalb mischen sich die Deutschen in diesen Krieg ein und unterstützen die Ukraine (weder EU- noch NATO-Mitglied) mit Milliardenbeträgen ungeachtet der „Baustellen“ im eigenen Land?

    Und was noch unerklärlicher ist – weshalb wird der tiefsitzende Haß der Ukrainer gegen ihr Russisches Brudervolk (!) von den Deutschen übernommen und in deren Namen ausgefochten? Mit welchem Grund? Nur, um sich durch Waffengeschäfte zu bereichern?

  6. Verschwoerungspraktiker 2. Juni 2025 um 10:55 Uhr - Antworten

    „….Drohnen – jeweils im Wert von nur wenigen Hundert Euro – “

    DAS darf ja wohl mal massiv bezweifelt werden! Dafür gibt es vielleicht Consumerelektronik – Spielzeuge.
    Eher von wenigen Hunderttausend Euro.

  7. Varus 2. Juni 2025 um 10:28 Uhr - Antworten

    Mindestens sechs Tu-95-Bomber wurden zerstört.

    Geräte aus den 1950er Jahren, die man kaum noch verwenden kann. Die Schäden an den moderneren Tu160 wurden nicht bestätigt – so groß ist also der banderistische „Endsieg“ doch nicht. Dafür ist das russische Volk wütend. Was halten China und Indien davon, dass Banderas Sponsoren russische strategische Kräfte angreifen? Das dürfte eine Rolle spielen, sollte Lindsey Graham doch noch globale Handelskriege gegen Russlands Partner durchsetzen.

  8. Sting2 2. Juni 2025 um 10:04 Uhr - Antworten

    HIER ABSTIMMEN KRIEG ODER FRIEDEN – DAS VOLK MUSS ABSTIMMEN !!

    https://krieg-oder-frieden.de

    ALL UNSERE KRIEGSTREIBER SIND ANTIDEMOKRATEN !!

  9. fdik 2. Juni 2025 um 9:54 Uhr - Antworten

    Ein Propaganda-Erfolg für Selensky, der einen nuklearen Gegenschlag provoziert, und das einen Tag vor geplanten Friedensverhandlungen. Offensichtlich sollen die keine Chance haben.

    Relevant zum Thema ist der Hinweis von Jens Berger:

    «Dieser „Erfolg“ der ukrainischen Operation war übrigens nur möglich, da Russland und die USA sich im Rahmen des „New START“-Abkommens verpflichtet haben, ihre strategischen Atombombern nicht in sichereren Hangars zu verstecken, sondern transparent und offen so zu stationieren, dass sie gegenseitig von Satelliten überwachbar sind. Zwar haben sowohl die USA als auch Russland Teile dieses Abkommens mittlerweile ausgesetzt, der Kern des Abkommens wird jedoch bis jetzt von beiden Seiten eingehalten, um die Gefahr eines unbeabsichtigten Atomkriegs durch einen Fehlalarm zu senken.»

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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