
Autosupermacht China setzt auf Technologieoffenheit und smarte Verbrenner
Die Automärkte in Europa sind dank der EU-Politik rückläufig. China boomt hingegen, nicht zuletzt wegen herausragender Technologie und günstigen Preisen. Die reinen E-Autos sind rückläufig, die Hybriden mit hoher Reichweite boomen.
In China wurden 2024 über 31,2 Mio. Fahrzeuge gebaut, ein Zuwachs von 3,7%. Damit ist China mit weitem Abstand der weltweit führende Automobilproduzent. In Europa hingegen wird eine Schrumpfung der Produktion um 700.000 Stück im Vergleich zu 2023 mit 14,8 Mio. erwartet, der Rückgang seit 2019 liegt sogar bei 3,2 Mio.!
Europäische Medien titeln „über 12 Mio. Elektroautos in China gebaut“, unterschlagen aber, dass die „New Energy Vehicles“ (NEV) in China auch Hybride umfassen, die sowohl mit E-Motor als auch Verbrenner ausgestattet sind. Und zwar nicht zu knapp. Über 40% aller NEV haben einen Verbrenner, diese Kategorie ist stark im Steigen begriffen, im Gegensatz zu Marktanteilsverlusten von 10,4% bei den reinen Batterieautos (BEV).
Somit ist die Rechnung klar, über 75% (> 23,5 Mio.) aller in China gebauten Fahrzeuge haben einen Verbrenner an Bord, zu fast 60% ausschließlich und, sehr stark wachsend in schlauen Hybriden, über 5,1 Mio Fahrzeuge.
- Schubert, Dr. Dr. Christian(Autor)
Beim Marktführer BYD mit über einer halben Million verkauften Autos pro Monat (!) ist das Verhältnis intelligente Hybride zu BEV schon 60 zu 40. Der BYD SEAL U DM-i im Bild oben ist so ein NEV. Hohe Reichweite bei geringen Verbrauch sind der bei keinem westlichen Autokonzern zu findenden neuen Technologie geschuldet: Im Hybrid-Modus fungiert der Xiaoyun-Motor als Generator, der die Batterie auflädt, während die Räder vom Elektromotor angetrieben werden.
Auch China ist bestrebt, möglichst effiziente Fahrzeuge zu erzeugen, da es (gleich wie die EU) den allergrößten Anteil seines Primärenergiebedarfes (weltweit übrigens zu ca. 80% mit Öl, Kohle und Gas bestritten) importiert, aber die machen das eben undogmatisch.
In Österreich und Deutschland bietet BYD dagegen von 8 Modellen 7 also reine E-Autos an, nur einziges, nämlich den SEAL U DM-i, in der Hybridversion. Es ist günstiger als die BEV und hat etwa die doppelte Reichweite.
Sogar reine Elektromarken ändern ihre Strategie und rüsten mit Hybriden nach, weil im sehr kalten chinesischen Winter Elektro einfach nicht funktioniert. Range anxiety ist auch in China bekannt und es ist bezeichnend für den Zustand der deutschen Automobilindustrie, dass sich da nicht das Wort Angst im Englischen durchgesetzt hat.
In China werden inzwischen fast immer beide Varianten angeboten, nach Europa kommen dann in der Regel nur die reinen BEV, weil das da so gewollt ist. Die liefern das gerne in gigantischen Schiffen, in die 7000 (!) Autos passen und die Europäische Autoindustrie zahlt noch dafür, aufgrund der 2025 neuerlich verschärften CO2 Flottenvorgaben.
Wie dumm kann man nur sein, vor allem hat China praktisch alle Ressourcen bei der Batterieherstellung in der Hand, in Europa geht Northvolt in die Insolvenz trotz Milliarden von VW, BMW und Co.
So konkret sind die Auswirkungen des Verbrennerverbotes der EU, massive Desinvestition verbunden mit bedauerlichen Arbeitsplatzverlusten hier, Zuwächse und Optimismus dort. Der Green Deal ist ein Wachstumsplan für wucherndes Gestrüpp über Industriebrachen. Von den Brombeeren, die dort dann im Idealfall wachsen kann man aber schlecht leben, zumal die Kapazitäten ja anderswo wieder aufgebaut werden, in der Regel mit weniger strengen Umweltnormen und mehr CO2 Ausstoß.
Trump hat gestern Abend für die USA das Ruder herumgeworfen, der Green Deal mit allen seinen Einschränkungen ist abgeschafft und „jeder Amerikaner kann das Auto kaufen, das er will“. In Europa sind ab heuer große SUVs gar nicht mehr erhältlich, weil sie den Flottenverbrauch zu sehr verschlechtern würden.
Bild: Alexander-93, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Hybride sind wie Universalküchenmaschinen. Sie können alles ein bißchen, aber nichts richtig gut. Vor allem schleppen sie die meiste Zeit unnötiges Gewicht mit rum.
Da wir gerade bei Gewicht sind. Die lezten 50 Jahre haben die Designer noch jede Verbrauchtsreduzierung durch Gewichtszunahme der Autos zu nichte gemacht. Ein Golf 1 wog mal 750kg. Wie weit man mit wenig Ressourcen kommen kann, hat der Trabbi gezeigt.
Energetisch sinnvoller wäre IMHO die Produktion von synthetischen Treibstoffen und der Einsatz von effizienten Verbrennern, die streng gewichtslimitiert sind.
Wenn wird die Profitorientierung der Wirtschaft mal überwunden haben werden, sind sicherlich auch standardisierte Triebwerke denkbar, die austauschbar sind. So könnte man bei Kurzstreckenbetrieb ein E-Triebwerk wählen und bei der längeren Urlaubsfahrt einen Verbrenner installieren.
Hallo,
übrigens; reine Elektroautos haben wegen der Drehmomentcharakteristik von Elektromotoren eine Beschleunigung, die Spaß macht, aber die Reichweite, wenn öfter Vollstrom gegeben wird …
Diese Hybride dürften zwar insgesamt nicht gerade sportlich ausgelegt sein und auch nicht für maximale Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn, aber die Drehmomentcharakteristik und Beschleunigung von Elektromotoren haben sie.
Also für Auto-Freaks, die Spaß an sportlichem Fahren haben, d.h. Bremsen, Kurve, aus der Kurve heraus beschleunigen und von vorn, nächste Kurve … für solche Auto-Freaks könnten diese Hybride durchaus interessant sein, denn geringer Einstiegspreis, straffere Dämpfer rein, kräftigere Bremsen nachrüsten und dann kann so eine Karre höchstwahrscheinlich schon Spaß machen.
(diese Auto-Freaks sind nicht der Massenmarkt, aber auch ein kleiner Markt)
Moin, lieber Konrad Veritas ~
was die von Ihnen technisch beschriebenen Hybrid-Fahrzeuge (= Autos) betrifft überzeugen mich diese schon, aber ich vermisse bei / in Ihren Beiträgen Angaben zu sogenannten Überwachungs-Technologien, weswegen ich Autos ohne solche bevorzuge …
Lassen sich chinesische Autos auch ohne sogenannte Überwachungs-Technologien etc. betreiben (?!?) => Soll heißen sind die Fahrzeuge auch ohne GPS-Ortung, ohne Weitergabe irgendwelcher (= jeglicher !!!) Daten erhältlich, bzw. nach entsprechendem Ausbau, nutzbar bzw. fahrtüchtig (?!?) => Oder ist, wäre so was rein technisch schon nicht möglich => Und sind, wären neue Autos ohne sogenannte Überwachungs-Technologien (= deaktiviert bzw. ausgebaut) in der EU, BRD, Österreich & Schweiz überhaupt noch zulassungsfähig (?!?) …
Vielleicht finden Sie ja die nötige Muße sich diesen Fragen mal zu widmen, nachzugehen => Mille Grazie (!!!) …
Herzlichst ut Ostfreesland ~