Bündnis „Neutralität schafft Frieden“ veranstaltet Mahnwache vor Beginn des Neujahrkonzerts in Wien

2. Januar 2025von 6,8 Minuten Lesezeit

Direkt gegenüber dem Eingang zum Wiener Musikverein setzte eine kleine Gruppe von Aktivisten am 1.1.2025 ein deutliches und nicht überhörbares Zeichen für Frieden und für den Erhalt der Neutralität Österreichs.

Im Zuge einer Mahnwache wurden – unterbrochen von Trauermusik – Botschaften auf Deutsch und Englisch vom Band abgespielt, die auf die Gefahr des Verlustes der Neutralität in aller Deutlichkeit hinwiesen. Diese waren an die Besucher des Neujahrskonzertes gerichtet, um Impulse für den Erhalt der Neutralität zu setzen.

Warum eine Mahnwache vor Beginn des Wiener Neujahrskonzerts?

Wie man beim ORF erfahren kann, soll das Neujahrskonzert 2025 als „Friedensbotschaft“ in die Welt gesendet werden – ein Gedanke, den das Bündnis „Neutralität schafft Frieden“ begrüßt und teilt. Es gibt nichts Wichtigeres in dieser Zeit, als Zeichen für Frieden zu setzen.

Aus Sicht des Bündnisses „Neutralität schafft Frieden“ ist es aber nicht glaubhaft, wenn eine „Friedensbotschaft“ von einem Land ausgeht, das in den vergangenen Jahrzehnten nach und nach seine immerwährende (!) Neutralität zerstört hat. Darum hat man die Mahnwache für den 1.1.2025 von 9.30 bis 11.10 Uhr wie folgt bei der Versammlungsbehörde in Wien angemeldet:

„Ist das Neujahrskonzert 2025 ein Friedensprojekt und findet es noch in einem ‚neutralen Österreich‘ statt?“

Die Begründung seitens des Bündnisses „Neutralität schafft Frieden“ für die Mahnwache: Das Neujahrskonzert wurde nach dem 2. Weltkrieg als „Friedenskonzert“ ins Leben gerufen und findet jetzt in einem Land statt, das sich aber finanziell an Kriegen beteiligt, an Sanktionen teilnimmt, durch das Hissen von Flaggen kriegsbeteiligter Länder seine Parteilichkeit zeigt und im Mai 2024 in Brüssel seinen Beitritt zur europäischen Sky-Shield-Initiative besiegelte. Das ist das faktische Ende der österreichischen Neutralität.

Ziel der Veranstaltung war es daher, die Besucher der Veranstaltung – in der Mehrheit Entscheidungsträger aus Politik, Medien und Industrie aus dem In- und Ausland – auf diesen schleichenden Verlust der österreichischen Neutralität aktiv hinzuweisen und den Widerstand der Menschen in Österreich dagegen deutlich machen.

Zunächst wurde der angemeldete Veranstaltungsort direkt am Eingang des Wiener Musikvereins seitens der Versammlungsbehörde aus Sicherheitsgründen abgelehnt. Die kooperative Zusammenarbeit zwischen der Versammlungsbehörde bzw. Einsatzleitung der Polizei und dem Bündnis führte aber zu einer Lösung, die für alle akzeptabel war. Seitens der Exekutive wurde das Anliegen des Bündnisses offensichtlich akzeptiert und man war bemüht einen Kompromiss zwischen der Sicherheit der anwesenden Prominenz und den Interessen der Mahnwachen-Teilnehmer zu finden. Dem Bündnis wurde für die Mahnwache ein Platz 50 Meter vom Eingang entfernt zugewiesen, der sowohl in Sicht- als auch Hörweite der Besucher des Neujahrskonzertes lag. Damit war das Anliegen der Veranstalter erfüllt und die Veranstaltung wurde wie geplant umgesetzt.

Auf die Frage, warum die Mahnwache ausgerechnet an diesem Tag und Ort angemeldet wurde, sagt Versammlungsleiter Bernhard Schlager: „Es gibt im Moment nichts Wichtigeres als sich für Frieden und die österreichische Neutralität einzusetzen. Da gibt es kein Datum, das richtig oder falsch ist. Wenn man Entscheidungsträger auf der politischen Ebene und einflussreiche Menschen in der Wirtschaft erreichen kann, muss man etwas tun. Und wir haben diese Menschen erreicht, denn sie haben uns gesehen bzw. zumindest gehört. Was sie aus diesem Impuls machen, liegt an ihnen.

Dass die akustische Botschaft, die auch im angrenzenden Park noch hörbar war, für alle gut zu verstehen war, bestätigte ein Mitarbeiter der Medien, die das Konzert für das Fernsehen aufzeichneten. Er ging extra auf die Kundgebungsteilnehmer zu und gratulierte ihnen für die gute Gestaltung der Tonspur. Die Texte, Musikauswahl und Sprecher würden professionellen Ansprüchen entsprechen. Keiner der Besucher kann daher sagen: „Ich habe nichts gewusst!“

Warum Aktivismus am Neujahrsmorgen?

Während sich die meisten Menschen am 1.1. morgens um 9.00 Uhr noch im Bett von der Silvesternacht erholten, standen die Aktivisten, die großteils aus Oberösterreich angereist waren, um diese Zeit bereits in der Kälte vor dem Wiener Musikverein. Hier die Begründungen seitens der Teilnehmer dafür.

Bernd: „Es gibt keine Alternative. Daheim sitzen geht gar nicht, man muss einfach für die Neutralität Gesicht zeigen.“

Carina: „Ich stehe für Frieden. Auch in der Kälte, denn für meine Kinder muss ich auf die Straße gehen.

Christa: „Frieden ist mir ein wichtiges Anliegen, darum bin ich auch sehr oft bei den Spaziergängen in Steyr dabei. Man muss für Frieden und Freiheit aufstehen.

Elias: „Wenn Bernhard mich anruft, dann hebe ich eigentlich nur ab und frage: ‚Wann und wo‘. Diesmal war es sehr kalt und sehr entspannt und in Anbetracht des Termins haben uns viele gehört.

Georg: „Mir ist Neutralität, die auch militärisch verteidigt werden muss, ein sehr starkes Anliegen. Ich bin ein Gegner von Krieg und Sky Shield. Für Frieden einzustehen, bedeutet eben auch mal, um 5 Uhr morgens aufzustehen.

Herbert: „Wenn man eine positive Veränderung haben will, muss man eben etwas machen. Von nix, kommt nix. Und das machen wir schon eine Zeit lang.

Robert: „Für die meisten Österreicher gehört die Neutralität zu ihrem nationalen Selbstverständnis – dieses öffentlich zu demonstrieren ist aktuell umso wichtiger, wo die österreichische Regierung ihre Gelegenheiten dazu versäumt.

Roland: „Ich weiß, dass die Neutralität nicht mehr das ist, was sie vorgibt zu sein. Solch eine Kundgebung ist eine Möglichkeit, auf diesen Missstand aufmerksam zu machen.

Rosie: „Mir ist es wichtig, dass meine Enkelkinder in Frieden aufwachsen können.

Yvy: „Frieden ist mir ein wichtiges Anliegen. Am Neujahrstag um 4 Uhr 30 aufzustehen ist zwar anstrengend, aber ich habe gestern an meinen Großvater gedacht. Wenn man bedenkt, was die Leute früher mitgemacht haben, da ist das gar nichts.

Auf den Punkt gebracht:

Wir wollen, dass von Österreich noch echter Frieden ausgeht! Darum stehen wir hier!

Welche Botschaften wurden an die Besucher des Konzerts gerichtet?

Hier der vollständige Text der Tonspur, der von drei verschiedenen professionellen Sprechern aus Deutschland, England und Österreich eingesprochen wurde:

Während wir hier um die Neutralität trauern, findet im Musikverein Wien das traditionelle Neujahrskonzert statt, das ursprünglich 1948 als Friedenskonzert gedacht war.
ALL WE are saying is:  GIVE PEACE A CHANCE!
Österreichs Neutralität wird 2025 endgültig zu Grabe getragen! Was wird hier gefeiert?
Nach den Schrecken des 2. Weltkriegs – Wo stehen wir jetzt?
1948 war das Neujahrskonzert ein Friedenskonzert – Was ist es heute?
Wer sitzt heute beim Konzert im Publikum? – und – Wer verdient am Krieg?
Sind Kriegs-Lobbyisten auch unter den andächtigen Konzert-Zuschauern?
Wer im Publikum ist ein Friedensstifter?
Wie können Menschen wie Sie in einem High Society-Event feiern, während in Gaza, Ukraine, Syrien, Libanon oder Jemen und anderswo, Menschen wie die Fliegen sterben?
Wer von den Politikern, die unsere Neutralität begraben, ist heute beim Konzert dabei?
Stehen Mozart, Strauß und Co. für Frieden oder Krieg?
Sind auch Ihre Gedanken bei Strauß und Co. friedvoll?
Was tun Sie für den Frieden, außer der Musik zu lauschen?
Wie können Sie in einem Land feiern, das seine Neutralität begräbt und kriegstüchtig werden möchte?
Feiern Sie nur die Schein-Neutralität Österreichs oder engagieren Sie sich auch für unsere immerwährende Neutralität?
Wird 2025 friedlicher als 2024?

ALL WE are saying is:  GIVE PEACE A CHANCE!

Verlieren wir die Neutralität, kommt einiges auf Österreich zu.
Wollen Sie, dass wir uns an Umstürzen beteiligen?
Wollen Sie, dass wir noch mehr Länder sanktionieren?
Wollen Sie, dass wir die Zahl der Auslandseinsätze weiter erhöhen?
Wollen Sie, dass wir Nato-Einsätze aktiv unterstützen?
Wollen Sie, dass wir aktuelle Konflikte mitfinanzieren und aktiv daran teilnehmen?
Dem friedensverwöhnten Österreich drohen erhebliche Opfer.
Wir dienen jetzt schon dank Sky Shield als Angriffsziel.
Soldaten und Soldatinnen sterben auf Nato-Kriegsfeldern den Heldentod.
Mütter müssen wieder um ihre gefallenen Kinder trauern.
Über Generationen werden die Menschen wieder unter neuen Kriegstraumata leiden.
Wollen Sie das?

Impressionen der Mahnwache


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Trauer um die österreichische Neutralität

General Günther i.R. Greindl: Braucht Österreich „Sky Shield“?

Liste Petrovic: Österreich demontiert Neutralität

 

4 Kommentare

  1. therMOnukular 2. Januar 2025 um 19:08 Uhr - Antworten

    Danke!

    Aber btw: ich bin um 9 auch im Bett gelegen – aber weil ich um 5 von einer 12h-Arbeits-Schicht nach Hause kam…..

    Ich glaube aber nicht, dass die österr. Neutralität noch zu retten ist. Alles, was man noch tun kann, ist amS Gewalt (dazu zähle ich auch abzuwarten, bis die eigene Gewalt der Regime zu einem Zusammenbruch führt).
    Wenn man es einmal rein logisch durchdenkt, dann sieht es erst recht düster aus: Fakt ist ja, dass Politikern mittlerweile keine Konsequenzen mehr drohen, sie können machen was sie wollen, die Justiz ist „gezähmt“. Wohin führt das nun, wenn Menschen für ihre Taten keine Konsequenzen fürchten müssen? Und welche einzige Möglichkeit gibt es dann noch, doch Konsequenzen zu setzen?…..

    Ein gewisser „Health“-CEO könnte dazu mehr erzählen.

  2. Whoy Knowsy 2. Januar 2025 um 14:11 Uhr - Antworten

    Sehr gute und unterstützenswerte Aktion!

    Ich hoffe, dass die designierten Neutralitätsabschaffer (ÖVP, SPÖ, Grüne und Neos) möglichst bald in eben jener (Abfall-) Tonne der Geschichte landen, in die sie die Österreichische Neutralität gerne treten möchten.

    Jedenfalls ist es höchst bemerkenswert, welch tiefgreifende Verachtung die Parteiführer und -innen (Heislreiniger et al) und deren parlamentarische Mitläufer gegenüber ihrem Land haben dürften.

    Anders lässt es sich kaum erklären, dass 70% unserer Volksvertreter einen der wesentlichen Gründungsgedanken unserer 2. Republik, nicht zuletzt nach leidvoller Kriegserfahrung, mit primitivster Argumentation einfach abschaffen möchten. Vermutlich dem schnöden Mammon wegen.

    Wie formulierte eine ÖVP-Parlamentarierin so erfrischend ehrlich: „Auf’s G’wissen wird g’schissen!“ – Hauptsache diese „Menschen“ können die Steuergelder der Bürgen weiterhin genüßlich zum ihrem persönlichen Vorteil verprassen.

    Ein wahres Demokratiezuckerl des 21. Jahrhunderts. Und die Masse der Bürger schläft noch immer …

    • Sabine Schoenfelder 3. Januar 2025 um 9:32 Uhr - Antworten

      „Auf’s G’wissen wird g’schissen!“ …..gehen wir einfach davon aus, daß solche Volksvertreter, solche Politclowns, unser gewähltes Gewissen sind….
      So gesehen ist dieser Vorschlag durchaus akzeptabel.
      Es gilt Nietzsche in der modernen Modifikation…´also sprach Zarathustra ˋ:
      Wenn Du zum Bellen gehst, vergiss das Klopapier nicht….💩

  3. Sabine Schoenfelder 2. Januar 2025 um 12:38 Uhr - Antworten

    Wunderbar…und Riccardo Muti griff den Gedanken bei seinem NEUJAHRSGRUß an die internationale FANGEMEINDE des Neujahrskonzerts auf. 🤝👍🏽✌️PACE ❤️
    Wünsche Ihnen ein tolles Jahr 2025, Frau Drescher. Danke für Ihr Engagement. Sie helfen stets, die Welt zu verbessern. 😎

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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