
US-Leak über israelische Angriffspläne auf den Iran
Nach dem Vergeltungsangriff des Iran wegen der Mordanschläge Israels haben Netanyahu und andere Regierungsmitglieder ihrerseits Vergeltung für die Vergeltung angekündigt. Mittlerweile sind drei Wochen vergangen und am 18. Oktober wurden Israels geheimste Pläne veröffentlicht. Die Frage ist wer dahinter steckt.
Der Telegram Channel Middle East Spectator berichtet laufend über die Kämpfe in Palästina, sowohl in Gaza, als auch Westbank und Ost-Jerusalem, sowie im Libanon. Dazu über Angriffe Israels auf Syrien, sowie die Aktionen der Huthis, und verschiedener Resistance Gruppen. Der oder die Admins sitzen im Iran und sind offenbar sehr gut informiert. Das trifft auch auf andere Channels zu, die über den Mittleren Osten bzw. über den Krieg zwischen NATO und Russland berichten.
Am 18. Oktober erschien dann unter der Überschrift Breaking diese Nachricht:
Eine informierte Quelle innerhalb der US-Geheimdienstgemeinschaft hat uns ein äußerst sensibles „streng geheimes“ US-Geheimdienstdokument der NGIA vom 15. und 16. Oktober zur Verfügung gestellt, in dem die israelischen Vorbereitungen für einen umfassenden Schlag im Iran detailliert beschrieben werden
Dem Bericht zufolge haben die USA beobachtet, dass die israelische Luftwaffe seit dem 8. Oktober auf dem Luftwaffenstützpunkt Hatserim ALBMs (luftgestützte ballistische Raketen) wie „Golden Horizon“ (mindestens 16) und „ROCKS“ (mindestens 40) einsetzt. Sollten alle diese Raketen eingesetzt werden, wäre dies ein Großangriff.
Zwischen dem 15. und 16. Oktober hat die israelische Luftwaffe auch mehrere ASM (Luft-Boden-Raketen) auf den Luftwaffenstützpunkten Ramot David und Ramon abgefertigt, was auf einen bevorstehenden Angriff hindeutet.
Darüber hinaus führte die israelische Luftwaffe am 15. Oktober eine LFE-Übung durch, um die Luftbetankung sowie Such- und Rettungseinsätze mit einer großen Anzahl von Flugzeugen zu üben, darunter mindestens drei KC-707-Tankflugzeuge, ein G-550 Gulfstream AWACs-Flugzeug und möglicherweise Kampfjets.
Dieser als Verschlusssache eingestufte Bericht stammt von der National Geospatial-Intelligence Agency, einem Teil des US-Verteidigungsministeriums.
Dazu wurden zwei der geleakten Dokumente gepostet, die unter dem Link oben noch einsehbar sind.
Heute gab Stephen Bryen dazu eine informierte Einschätzung ab. Er ist ehemaliger stellvertretender Unterstaatssekretär des Verteidigungsministeriums und ein führender Experte für Sicherheitsstrategie und Technologie. Er kann sich daher wohl auch auf Einschätzungen des US-Militärs und von Geheimdiensten stützen.
Er bezweifelt die Angaben des Middle East Spectator, es handele sich um eine unabhängige Operation in Teheran. Da „Nachrichten“ und Informationen im Iran sehr streng kontrolliert würden, meint Byren, dass der Spectator diese Dokumente nur mit Genehmigung der Regierung veröffentlichen konnte. Denn es handle sich um außerordentlich wertvolles Material, das der Iran zur Vorbereitung seiner Verteidigung nutzen kann und wahrscheinlich auch wird.
Bei Byren kommt da die Standardsicht der Amis über den Rest der Welt durch. Tatsächlich sind die Präsidentschaftswahlen im Iran, bei der ein Reihe von Kandidaten zu Wahl stand und die Entscheidung erst in einer Stichwahl stattfand, demokratischer als das Wahltheater in den USA, wo Milliardäre bestimmen, wer die beiden Kandidaten sein dürfen. Und diese dürfen sich nur in Details unterscheiden.
In einer Pressemitteilung erklären die Betreiber des TG-Channels: „Middle East Spectator ist ein Open-Source-Nachrichtenaggregator. Wir sind unabhängige Journalisten und nicht an eine staatliche Einrichtung oder Organisation gebunden..“
Sie erklären weiter die beiden Dokumente am Freitug und etwa 01:15 Teheran Zeit von einem anonymen TG-Nutzer erhalten zu haben. Sie sind davon ausgegangen, dass die Information auch andere verteilt wurde.
Selbst wenn die Channel-Betreiber die Leaks, wie erklärt, direkt bekommen haben, ist verständlich, dass sie diese dem Militär ihres Landes vor Veröffentlichung zukommen lassen. Und dass eine Veröffentlichung von Material, das hoch relevant für die Sicherheit des Staates ist, abgestimmt wird, liegt ebenfalls auf der Hand. Durchaus möglich, dass exakt das Gleiche auch in den USA stattfand.
Bryen geht dann weiter mit einer Analyse der Bedeutung des Leaks:
„Eines der beiden durchgesickerten Dokumente ist als streng geheim eingestuft. Dieses Dokument trägt die Überschrift NOFORN, was bedeutet, dass das Dokument nicht an ausländische Regierungen weitergegeben werden darf. ….
Die Dokumente beschreiben eine israelische „Großeinsatzübung“ am 15. und 16. Oktober.
Wer auch immer es Teheran zugespielt hat, warnte vor einem bevorstehenden israelischen Schlag. Außerdem wurden die Iraner über die Art der eingesetzten Waffen und die wahrscheinlichen Ziele informiert, wobei es sich bei letzteren hauptsächlich um iranische Luftabwehranlagen und Langstreckenradare handelt. …
Die beiden Dokumente enthalten sehr detaillierte Informationen über die Vorbereitungen der israelischen Luftwaffe auf einen Angriff und beschreiben ausführlich die Aktivitäten auf drei israelischen Luftwaffenstützpunkten, die von den USA massiv überwacht werden. In dem Bericht werden die Arten von Marschflugkörpern, die Israel vorbereitete, sorgfältig identifiziert, nämlich ein System namens ROCKS (bei dem es sich ansonsten um Israels luftgestützten Langstrecken-Marschflugkörper Crystal Maze oder Crystal Maze II handeln könnte) und Golden Dawn, eine andere Art von Marschflugkörper, bei dem es sich um ein Derivat der Sparrow-Serie handeln könnte, die als Zielsystem zur Nachahmung iranischer Langstreckenraketen entwickelt wurde. Der Bericht besagt auch, dass die Plattform, die diese Raketen trägt, die F-15I und nicht die israelischen F-35 „Adir“ Jets sein werden. Der Bericht enthält auch Angaben zu den Tankflugzeugen und Überwachungsplattformen, die Israel einsetzen würde.
Es gibt noch mehr. In dem als weniger geheim eingestuften Dokument (Geheimhaltungsstufe) werden Israels ballistische Mittelstreckenraketen vom Typ Jericho II erörtert, von denen man annimmt, dass sie ein wichtiger Bestandteil der israelischen nuklearen Abschreckung sind. Die Rakete verfügt über einen Feststofftreibstoff und kann in einem Silo oder auf einem TEL stationiert werden. Der Kontext des Dokuments bedeutet, dass die USA anerkennen, dass Israel über Atomwaffen verfügt, auch wenn die USA dies noch nie offiziell zugegeben haben. Aus dem Dokument geht hervor, dass Israel die Jericho-Raketen möglicherweise disloziert hat, um zu verhindern, dass sie von Iran ins Visier genommen werden. Außerdem heißt es in dem Dokument, dass die USA keine Vorbereitungen Israels für seine Jericho II-Raketen entdeckt haben und dass ein israelischer Atomschlag unwahrscheinlich ist.
Es besteht kein Zweifel daran, dass das Durchsickern von Geheimdienstinformationen aus der US National Geospatial-Intelligence Agency (NGA) Israel erheblichen Schaden zugefügt hat. Es ist auch wahrscheinlich, dass viel sensiblere Informationen an die Iraner weitergegeben wurden, die der Iran möglicherweise vor der Öffentlichkeit schützt. Einige Veröffentlichungen auf dem Spectator-Kanal geben dies zu.
Warum sollte die iranische Regierung (entweder über Spectator oder mit Erlaubnis von Spectator) IRGENDWELCHE der Informationen weitergeben?
Einige spekulieren, dass es darum ging, Israel davon zu überzeugen, dass der Vergeltungsplan dem Iran bekannt war – und so Israel von einem Angriff abzuschrecken, den die iranische Regierung WIRKLICH nicht durchführen wollte. Zweitens ging es vielleicht darum, zu warnen, dass der Iran von den Vereinigten Staaten mit geheimen Informationen versorgt wurde, was Israel dazu veranlasste, sich Gedanken darüber zu machen, was sonst noch kompromittiert worden war.
Das iranische Leck wurde am 18. Oktober veröffentlicht. Am 19.Oktober griff eine mutmaßlich von der Hisbollah stammende Drohne das Privathaus des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Caesarea nahe der Küste an. Um das Haus von Netanjahu genau anvisieren zu können, war ein „Scene Matching“ erforderlich, da eine Drohne aus dem Libanon, Syrien oder dem Irak wahrscheinlich nicht mehr über Funk zu erreichen gewesen wäre. Der „Szenenabgleich“ würde eine erhebliche nachrichtendienstliche Vorbereitung erfordern.
War man zuversichtlich, dass Netanjahu während des Angriffs zu Hause sein würde? Oder vertraute man darauf, dass er nicht zu Hause sein würde – ein Angriff auf das Haus in dem Wissen, dass er nicht da war, wäre eine weitere Möglichkeit, Israel mitzuteilen, was der Iran weiß, ohne mit den Vergeltungsmaßnahmen konfrontiert zu werden, die sicherlich auf ein tatsächliches Attentat folgen würden.
Waren US-Agenten mitschuldig? Mit anderen Worten: War die undichte Stelle ein Verstoß gegen das Gesetz oder war sie eine Handlung der Regierung oder einiger Mitglieder der Regierung mit politischen Motiven? Das kann noch niemand sagen.
All dies wird wahrscheinlich zu einer erheblichen Neubewertung in Israel führen. Zumindest werden die Israelis die Meinung vertreten, dass die US-Geheimdienste unzuverlässig und unterwandert sind. Darüber hinaus werden einige die USA als offen feindselig und gegen Israel handelnd verstehen. (Nach dem Drohnenangriff erhielt der Premierminister Anrufe von Staatsoberhäuptern sowie vom ehemaligen Präsidenten Trump und dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses Mike Johnson. Weder Präsident Biden noch Vizepräsident Harris riefen an.)
…
Nach Angaben des Sprechers des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, haben die USA offenbar eine Untersuchung eingeleitet. Dokumente dieser Art werden häufig über das sichere Internet an sicherheitsüberprüfte Personen übermittelt. Es könnten Hunderte, vielleicht sogar noch mehr sein, die Zugang haben. Es könnte möglich sein, die Zeitstempel derjenigen zu überprüfen, die auf die Dokumente zugegriffen oder sie kopiert haben, was die Suche möglicherweise einschränken würde. Es könnte auch möglich sein, Dokumente, die außerhalb der USA verschickt wurden, mit Hilfe der umfangreichen Möglichkeiten der NSA zu verfolgen. Vieles hängt davon ab, ob die Untersuchung ernsthaft durchgeführt wird.
Eine Vermutung, die geäußert wurde, ist, dass die Dokumente vielleicht gehackt wurden. Aber solch sensible Informationen werden nicht nur auf geheimen Kanälen transportiert, sondern sind auch verschlüsselt, so dass ein Hackerangriff kaum zu brauchbaren Ergebnissen führen dürfte. Im Übrigen gibt es keine öffentlichen Berichte über Hackerangriffe auf US-Sicherheitsinformationen.
Es ist nicht klar, was Israel tun wird. Es wäre leichtsinnig, Vergeltung zu üben, jetzt, da zumindest einige der israelischen Pläne und Vorbereitungen bekannt geworden sind – und das war die ganze Idee. Israel hatte sich Berichten zufolge bereits mit den USA darauf geeinigt, weder die iranischen Öl- noch die Atomanlagen anzugreifen. Wird diese Vereinbarung nun Bestand haben, oder wird Israel sie als ungültig betrachten?
Darüber hinaus muss Israel befürchten, dass auch seine anderen Operationen – gegen iranische Stellvertreter vom Roten Meer bis zum Gazastreifen, im Libanon und in Syrien – durch die undichten Stellen im US-Geheimdienst gefährdet sind.“ so Bryen abschließend
Zu hoffen wäre jedenfalls, dass im Mittleren Osten Frieden möglich wird und die Spirale von Mord, Völkermord, Attentate, Vergeltung dafür und Vergeltung für die Vergeltung durchbrochene werden kann. Es werden laufend Menschen getötet oder verletzt, Häuser zerstört und Infrastruktur verwüstet. Es gibt einen klaren völkerrechtlichen Rahmen für die Zweistaatenlösung mit Palästina und Israel und es gibt völkerrechtlich bindende Konventionen über Völkermord, Kriegsverbrechen und wer zu Selbstverteidigung berechtigt ist, Besatzungsmächte jedenfalls nicht.
Vielleicht ist der Leak eine Chance der Gewaltspirale zu entkommen.
Davidi Vardi Pikiwiki Israel, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons
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„Dazu wurden zwei der geleakten Dokumente gepostet, die unter dem Link oben noch einsehbar sind.“
Unter dem Link ist nichts einsehbar, weil er nicht funzt!
In den UncutNews behauptet heute eine Analyse, Israel habe den eigenen Todesurteil unterschrieben:
https://uncutnews.ch/widerstandspakt-unterschreibt-israels-todesurteil/
Dann soll es wohl so sein – ich war nie im Leben dort und wüsste keine Gründe, mit dem rabiat vorgehenden Land irgendwelche Solidarität zu verspüren.
„Eine informierte Quelle innerhalb der US-Geheimdienstgemeinschaft hat uns ein äußerst sensibles „streng geheimes“ US-Geheimdienstdokument der NGIA vom 15. und 16. Oktober zur Verfügung gestellt, in dem die israelischen Vorbereitungen für einen umfassenden Schlag im Iran detailliert beschrieben werden“.
Ehrlich ?
Da werden „Whistleblower“ a la Snowden und Assange bis aufs Blut verfolgt und jetzt kursiert „streng geheimes“ durch die Medienlandschaft……aha.
Trotzdem : „Es ist nicht klar, was Israel tun wird“. Ach so.
Eine militärische Aufrüstung weltweit ist erwünscht und beabsichtigt. Mit dem Ukrainekonflikt wird Europa militarisiert und der Nahostkonflikt trägt militärischen „Schwung“ in den Osten. Bewirkt höhere Rüstungsetats im Osten. Die Bevölkerung wird durch andauernde „eskalierende Konflikte“ und Atomkriegsszenarien in Panik gehalten.
Der wahre Krieg ‼️ gegen die eigenen Bevölkerungen hat längst begonnen…..subtil, unerbittlich mit gekauften Darstellern. Inszenierte Kriegskonflikte sind lediglich Programmpunkte….Beschäftigungsprogramm.