Anteil der Infizierten und Immunen in Österreich, Deutschland und Schweiz

Wie viele Menschen waren bei uns bisher infiziert? Wie hoch ist der Anteil in der Bevölkerung, der Immunität erlangt hat? Wann kommt die Epidemie durch Herdenimmunität zum Erliegen? Für England nimmt der Ex-Chief-Science-Officer von Pfizer, Michael Yeadon, an, dass Herdenimmunität erreicht ist. Hier der Versuch einer Abschätzung des Anteils der bisher Infizierten und daher Immunen für Österreich, Deutschland und die Schweiz.

In den meisten europäischen Ländern wurde die Zahl der Tests auf akute Infektionen laufend gesteigert. Aussagen über das tatsächliche Infektionsgeschehen, also über den Anteil der zu einem bestimmten Zeitpunkt infizierten sowie der bisher insgesamt mit dem Virus in Kontakt geratenen Personen gibt es von den Behörden so gut wie gar nicht. Die Zahl er „bestätigten Fälle“ sagt fast nichts aus, sie war im Frühjahr dank einer geringen Zahl von Test auch erheblich niedriger. Vergleichbar ist lediglich die Positivenrate, allerdings auch nur begrenzt, da der PCR-Test unter einem erheblichen Anteil falsch-positiver Ergebnisse leidet, so er bei Personen ohne Symptomen durchgeführt wird.

Es gibt einige repräsentative Untersuchungen um die Dunkelziffer der Infektionen aufzuhellen. Daraus hat der führende Medizin Wissenschaftler John Ioannidis eine zuverlässige Schätzung herausgearbeitet, die offenbar auch von der WHO geteilt wird.

Laut seiner auch von der WHO veröffentlichten Studie beträgt die so genannte Infection Fatality Rate (IFR), also der Anteil von Menschen, die an einer Infektion versterben, zwischen 0,15 und 0,20 Prozent. Menschen unter 70 Jahren haben sogar ein für Infektionskrankheiten ungewöhnlich niedriges Risiko von 0,03 bis 0,04 Prozent. Das ist der aktuellsten Version seiner Studie zu entnehmen, die in der Wiley Online Library veröffentlicht wurde.

Daraus kann man umgekehrt die Anteile der bisher infizierten und daher immunen Personen herausrechnen. Nimmt man den oberen Wert der IFR mit 0,20% so errechnen sich auf Grund der veröffentlichen Todesfälle folgende Werte:

  • Österreich: 1,75 Millionen Infizierte/Immune oder 20% der Bevölkerung
  • Deutschland: 9,4 Millionen oder 11%
  • Schweiz: 2,6 Millionen oder 29%

Der Wert von 0,20% ist durchaus plausibel angesichts der in Europa ausgeführten Antikörper Studien beginnend mit Heinsberg in Deutschland mit 0.36%, Slowenien mit 0,16%, Ischgl mit 0,26%, Schweiz mit etwa 0,30% in Genf und Zürich oder USA im Bundesstaat Indiana mit 0,26%. Das waren alle so genannte Seroprävalenz Studien, wo nur auf Antikörper, aber nicht auf T-Zellen getestet wurde. Antikörper verschwinden relativ rasch wieder, T-Zellen sind auch bei im Jahr 2003 mit SARS-1 Infizierten noch im Jahr 2020 anzutreffen, wie eine Studie in Singapur kürzlich gezeigt hat.

Lang anhaltende Immunität

Wir wissen, dass SARS-Cov-2 schon wesentlich länger als Februar 2020, wo die ersten Fälle bekannt wurden, bei uns kursiert. In Italien fand man bei eingefrorenen Blutproben bis in den September 2019 zurück noch Antikörper, in Abwasserproben in Barcelona auch aus dem März 2019.

Ich habe mich zu Silvester 2019 in Wien infiziert, Mitte April waren Antikörper noch schwach nachweisbar, drei Wochen später aber nicht mehr. T-Zellen sind jedoch noch bei einem Test Mitte November sehr schön stark und immunisierend vorhanden. Nach Infektionen ohne Symptomen oder mit milden Verläufen entstehen entweder gar keine Antikörper oder sie verschwinden sehr rasch, wie viele Studien nachgewiesen haben. Antikörper Studien unterschätzen daher die tatsächliche Verbreitung von Infektionen.

Die Immunität gegen SARS-ähnliche Viren bleibt nach all dem was wir bisher wissen sehr lange erhalten. Aktiver Schutz wurde auch 17 Jahre nach der Infektion mit SARS-1 bei der Studie in Singapur mit Infizierten aus dem Jahr 2003 festgestellt. Eine Studie im La Jolla Institute of Immunulogy in Kalifornien hat auch acht Monate nach einer Infektion noch genügend Immunzellen vorgefunden um das Virus abzuwehren und eine Erkrankung zu verhindern.

Diese Menge an Memory-Zellen würde wahrscheinlich verhindern, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen über viele Jahre hinweg mit einer schweren Erkrankung im Krankenhaus landet“, sagte Shane Crotty, Virologe am La Jolla Institute of Immunology, Ko-Autor der Studie.

Vor allem das Coronavirus richtet nur langsam Schaden an, so dass das Immunsystem genügend Zeit hat, in Gang zu kommen.

Es kann schnell genug beendet werden, so dass sie nicht nur keine Symptome haben, sondern auch nicht infektiös sind“, sagte Alessandro Sette, Immunologe am Institut für Immunologie in La Jolla und Ko-Leiter der Studie.

Herdenimmunität teils in Sicht

Das heißt, dass in der Schweiz ein recht hoher Anteil an Menschen schon immun ist und die Verbreitung des Virus daher bereits deutlich gebremst wird. Das ist aus der Grafik oben auch ersichtlich, die den Anteil der positiven PCR-Testergebnisse zeigt. Auch in Österreich ist dieser Anteil bereits rückläufig, offenbar reichen schon etwa 20% dafür aus, während die 11% in Deutschland noch zu wenig sind um einen Rückgang der Positivrate zu erreichen.

Wirksam beim Einbremsen der Infektionsrate ist nicht nur die durch Infektion mit SARS-Cov-2 erreichte Immunität, sondern auch die Grund- oder Kreuzimmunität, die durch Infektion mit den bekannten Corona-Erkältungsviren entsteht. Auch das haben schon viele Studien bewiesen.

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5 Kommentare zu „Anteil der Infizierten und Immunen in Österreich, Deutschland und Schweiz

  1. Inhaltlich sehr logisch und interessant. Demnach müsste die Anzahl der Coronatoten in Österreich und der Schweiz bald deutlich gegen null gehen – so wie in Schweden.

    Die Rechtschreibung könnte besser sein, das erhöht auch die Glaubwürdigkeit.
    Etwa heute:
    „Es kann schnell genug beendet werden, so dass Sie nicht nur keine Symptome haben, sondern auch nicht infektiös sind“, sagte Alessandro Sette, Immunologe am Institut für Immunologie in La Jolla und Ko-Leiter der Studie.“ Hier schreibt man bitte „sie“ anstatt „Sie“.

    1. Der Herr Sette hat das auf Englisch gesagt und ermeinte tatsächlich „Sie“, aber auf Deutsch macht „sie“ mehr Sinn, da gebe ich Ihnen recht.

  2. Trotzdem bleibt vieles Glaskugelschau – auch wenn man die Zahl der Infizierten so hochrechnen könnte. Ungeklärt ist für mich nach wie vor, wie die CovId-19-Todesfälle genau bestimmt werden. Werden beispielsweise schwer Vorerkrankte, die im Prinzip jederzeit auch an anderen Infekten sterben könnten, bei einem pos. Test als Covid-19-Tote gezählt? Welche Kriterien werden da herangezogen? Ich will Opferzahlen nicht schönreden, aber eigentlich müssen bei jedem Sterbefall, der Covid-19 zuzurechnen sein könnte, die genauen Umstände erfasst werden. Zieht man die reine Bettenbelegung lt. AGES heran, so steht eigenartigerweise Wien gut da, vielleicht weil hier die im Artikel angesprochene Herdenimmunität bereits ausgeprägter ist, aber auch das bleibt ohne serologische Studien (macht die gerade wer?) vage. Wenn man ourworldindata Glauben schenkt, hat Österreich im Vgl. zu DE und SW momentan sehr hohe Opferzahlen, dafür gibt es sicher Gründe, die genauer analysiert gehören.
    P.S.

    1. Das einzig verlässliche sind die die Sterbezahlen. Die Zahl der angeblich an Covid-19 gestorbene, also eine Teilmenge aus den totalen Sterbezahlen, ist leicht manipulierbar. Das fängt damit an, dass Krankenhäuser für Patienten mit positivem Test (nicht notwendig positive DIAGNOSE!) mehr Geld bekommen.

      Also die totalen Sterbezahlen. Und was ist da zu sehen? Nichts außergewöhnliches! Wo sind also die Opfer der angeblich grassierenden Seuche?

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