Coronavirus T-Zellen sorgen für längere Immunität als Antikörper

Eine der wichtigeren Fragen bei der Corona Pandemie ist, wie eine längerfristige Immunität erreicht werden kann. Sehr viele Infektionen – 85 Prozent oder mehr – enden, ohne dass Symptome aufgetreten sind. Es liegt also Immunität vor. Das Fehlen von Antikörpern oder deren rasches verschwinden insbesondere bei Menschen ohne Symptome oder mit einem milden Verlauf hat Fragen nach der Dauerhaftigkeit einer Immunität aufgeworfen.

In einem Artikel für Science Immulogy legen Daniel M. Altmann und Rosemary J. Boyton vom Imperial College, London, dar, dass nicht nur Analysen von Antikörpern als Reaktion des Immunsystems auf das Coronavirus durchgeführt wurde, sondern auch Studien über T-Zellen bei symptomlosen, milden und schweren Verläufen der Infektion. Die SARS-CoV-2-T-Zell-Immunität wurde hinsichtlich Spezifität, Funktion, Haltbarkeit und Rolle beim Schutz beleuchtet.

Antwort des Immunsystems: Antikörper und T-Zellen

Eine allgemein bestätigte Beobachtung aus den Patientenkohorten ist, dass es bei der Mehrheit der infizierten Menschen eine Antikörper- und eine T-Zell-Antwort durch das Immunsystem gibt. Das Ausmaß der beiden korreliert häufig und bis zu einem gewissen Punkt ruft eine schwerere und langwierigere Krankheit eine größere Reaktion hervor.

Es ist jedoch auch der Fall, dass bei einer SARS-CoV-2-Infektion die Entstehung von T-Zellen und B-Zellen entkoppelt werden, entweder weil eine milde Infektion eine T-Zell-Immunität ohne nachweisbaren Antikörper ausgelöst hat oder weil die Antikörperantwort vorübergehend war und bereits zu einem Zeitpunkt abgenommen hat, als der T-Zellen-Speicher noch robust ist.

Ursprünglich hat man sich vor allem auf die Reaktion mit Antikörpern konzentriert um relativ rasch zuverlässige Tests zu bekommen und damit die Seroprävalenz, die Durchseuchung, der Bevölkerung feststellen zu können. In Bezug auf Impfstoffe und Therapeutika kam der Anstoß von der Wahrscheinlichkeit, dass Anti-Spike-neutralisierende Antikörper einen Schutz vor Erkrankung bei Infektion garantieren könnten.

Mit der Zeit wurde erkannt erkannt, dass es sich bei infizierten Personen sowohl eine B-Zell- als auch eine T-Zell-Immunität einstellt, also sowohl mit Antikörpern als auch spezifischen T-Zellen.

Immunität auch ohne Antikörper

Die Forscher berichten, dass ein mit SARS-CoV-2 assoziierter Störfaktor anscheinend eine Entkopplung zwischen Antikörper– und T-Zellen-Reaktion verursacht. Eine relativ kurzlebige Antikörperantwort und eine dauerhaftere T-Zell-Immunität wurden durch Erfahrungen mit den eng verwandten MERS- und SARS-CoV-1-Infektionen vorhergesagt.

Aus all dem, was über die virale Immunologie im Allgemeinen und die Immunität gegen Coronavirus-T-Zellen im Besonderen bekannt ist, ist anzunehmen, dass das SARS-CoV-2-T-Zellgedächtnis wahrscheinlich jahrelang anhält und Schutz bietet.

In zahlreichen Studien ist die grundlegende Beobachtung bei der Mehrheit der infizierten Menschen (mit Ausnahme der vielleicht schwersten Fälle) eine robuste T-Zell-Aktivierung, die auf das Virus reagiert.

Immunität durch frühere Infektionen mit Coronaviren

Ein umstrittener Bereich der SARS-CoV-2-Immunität war das Ausmaß des kreuzreaktiven Immungedächtnisses aufgrund früherer Infektionen durch entfernt verwandte Grippe-Coronaviren. Nach der anfänglichen Annahme, dass der gegenwärtige Ausbruch ohne vorherige Immunität in der Bevölkerung sehr gefährlich sei, zeigten Antikörperstudien tatsächlich eine Kreuzreaktivität. Personen, die niemals SARS-CoV-2 ausgesetzt waren, können kreuzreaktive Antikörper nachweisen.

Ein signifikanter Anteil der Blutspenderproben vor COVID-19 zeigt eine kreuzreaktive Immunität gegen SARS-CoV-2. Weniger überraschend ist, dass Menschen mit einem Immungedächtnis für SARS-CoV-1 gute, kreuzreaktive Reaktionen auf SARS-CoV-2 zeigen. Alles in allem ist der Beweis stark, dass eine Untergruppe von Menschen durch Exposition gegenüber verwandten Coronaviren ein kreuzreaktives T-Zell-Repertoire besitzt. Es muss noch näher untersucht werden, wie stark der Einfluss auf die Immunität gegen Erkrankung ist. Ist dies beispielsweise ein Faktor, der die verminderte Anfälligkeit von Kindern im schulpflichtigen Alter untermauern könnte, die vermutlich regelmäßig durch die Exposition gegenüber Erkältungs-Coronaviren verstärkt wird.

Zu Beginn der Pandemie war ein zentrales Mantra der Forscher, dass wir als Game-Changer die Antikörperdaten brauchten, um zu verstehen, wer infiziert war und wie viele geschützt waren. Da nun mehr über diese Infektion bekannt ist, stellen die Wissenschaftler abschließend fest, dass die T-Zell-Daten immer mehr an Bedeutung gewinnen.

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