
Warum Japan so wenige Erkrankungen vom Coronavirus hat
In Japan gibt es laut Worldometers.info gerade mal 1193 COVID-19 Fälle, das sind 9 Fälle pro Million und 0,3 Todesfälle pro Million Einwohner. Und das trotzdem es keine Ausgangssperre gibt und voriges Wochenende viele Japanerinnen und Japaner zum Kirschblüten-Fest Hanami zum gemeinsamen Essen und Trinken unterwegs waren.
Japan hat sicherlich sogar erheblich mehr Besucher aus China als Italien und ist dank der hohen Bevölkerungszahl generell sehr vorsichtig mit Infektionen. Dazu kommt, dass knapp 30% der Menschen über 65 Jahre alt sind (Österreich 19%, China 12%). Dennoch hat Japan lediglich die Schließung der Schulen für zwei Wochen vor den Ferien verfügt. Restaurants und Geschäfte blieben offen, Telearbeit wurde kaum genützt.
Die Hotspots der Erkrankungen
Japan fällt gegenüber China und Südkorea völlig aus dem Rahmen und noch mehr gegenüber Europa und den USA. Die Frage stellt sich, warum das so ist.
Nochmal kurz die Fakten: China hatte 81.218 Erkrankte und 3281 Todesfälle, Italien als Nummer 2 hält bei 69.176 Infizierten und unglaublichen 6820 Todesfällen, Südkorea kommt auf knapp 10.000 Infizierte mit 126 Toten. Massive Fallzahlen sind nun auch in USA, Spanien, Deutschland, Frankreich, Schweiz, UK und anderen europäischen Ländern zu beobachten-
Medikamente und Mittel gegen Viren
Das Problem ist: Es gibt keine Medikamente und (noch) keine Impfungen. Behandelt werden Symptome, aber nicht die vom Coronavirus ausgelöste Erkrankung. Es wird wie bei der Grippe eine Impfung geben, aber breit verfügbar erst in der zweiten Hälfte von 2021.
Der Körper hat ein zuverlässiges Mittel gegen Viren und das ist das eigene Immunsystem. Es gibt passive und aktive Bekämpfungsmechanismen, die locker mit dem Coronavirus fertig werden. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass das Immunsystem gesund und stark ist. Der US-amerikanische Forscher James Allison und der japanische Wissenschaftler Tasuku Honjo wurden 2018 für ihre Erkenntnisse ausgezeichnet, wie man durch eine Stärkung des Immunsystems sogar Krebs erfolgreich bekämpfen kann.
Es lohnt also, angesichts der Unterschiede in den Fallzahlen bei der COVID-19 Erkrankung zu schauen, was das Immunsystem so schwächt, dass das Virus die Erkrankung hervorrufen kann. Nicht nur in Japan, sondern auch in allen anderen Ländern gibt es einen hohen Prozentsatz von Infizierten, die keinerlei Krankheitssymptome aufweisen. In Island wurde der Anteil mit einer breitflächigen Messung mit rund 50% ermittelt. In Japan muss der Anteil sogar wesentlich höher sein.
Luftverschmutzung und Lungenkrankheiten
Grundsätzlich ist hilfreich, dass in Japan jeder eine Maske trägt, sobald es auch nur leichte Krankheitssymptome gibt. Das ist einfach ein Gebot der Höflichkeit.
Den Berichten zufolge weisen die schweren Fälle der Erkrankung fast durchwegs Vorerkrankungen auf. In Italien wurden Diabetes, Bluthochdruck, Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs genannt. Meist eine Folge von Ernährung mit zu vielen Kohlehydraten bzw Zucker.
Nun aber zur Luftverschmutzung. Laut WHO verursachen Rauchen, Feinstaub und insbesondere Stickstoffdioxid Lungenschädigungen, die aber oftmals nicht erkannt oder behandelt werden. In China sind 70% der Erkrankten männlich, 50% der Männer rauchen, aber nur 2% der Frauen.
Auf der Karte der Luftverschmutzung erkennt man, dass Japan weitgehend im grünen Bereich ist, Südkorea und China aber gefährliches Rot anzeigen. Dass eine durch lange andauernde Luftverschmutzung geschädigte Lunge dann anfällig für das Lungenkrankheit verursachende Coronavirus ist, liegt nahe.
Auch in Norditalien ist insbesondere in den Wintermonaten die Luftverschmutzung ziemlich stark wie die Daten der Messstelle im Zentrum von Como zeigen.

Immunsystem …
Wir wissen, dass das Immunsystem zu 80% im Darm sitzt. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) besteht ein eklatanter Unterschied bei den Antibiotika-Resistenzen in Deutschland mit einer Kennziffer von 0,4 und in Italien mit stolzen 26,8. Antibiotika-Resistenzen sind auf häufige Einnahmen zurückzuführen, auch in Fällen wo Antibiotika nicht angezeigt wären.
Wir wissen, dass Antibiotika das Mikrobiom im Darm schädigen und damit auch das Immunsystem. Damit kommt es zu einem doppelten Problem: Das Immunsystem wird mit der Virenlast nur sehr langsam fertig. Es kommt zu Lungenentzündung und in der Folge zu einer Sepsis, die mit Antibiotika wegen der Resistenz nicht mehr behandelt werden kann.
… und Ernährung
Noch mal zurück zu dem weltweit höchsten Anteil von alten und sehr alten Menschen in Japan. Ein Grund dafür ist die gesunde Ernährung mit viel Algen, Fisch und Gemüse, aber wenig Kohlehydraten. Süßigkeiten, wie sie bei uns nirgends fehlen dürfen, sind in Japan unbekannt. Auch Softdrinks sehen anders aus. In den 10.000 japanischen Supermärkten von Lawson gibt es dafür Wasser mit 1 Gramm Vitamin C pro Liter.
Der Effekt ist, dass die meisten Japanerinnen und Japaner schlank und rank und auch im hohen Alter noch fit und vital sind, Demenz und Alzheimer unbekannt. Und ohne die Vorerkrankungen, ohne Lungenschaden, kann den Menschen das Virus nichts anhaben, sie werden zwar infiziert erkranken aber nicht.
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In Japan essen die Leute sehr viel Braunalge mit einem hohen Jodgehalt. Während in Europa und den USA Jodmangel normal ist, haben Japaner eine Zufuhr von bis zu mehreren mg Jod pro Tag. Davon profitiert nicht nur die Schilddrüse, sondern auch das Immunsystem. Außerdem verhindert das Krebs.
„Süßigkeiten, wie sie bei uns nirgends fehlen dürfen, sind in Japan unbekannt. Auch Softdrinks sehen anders aus. In den 10.000 japanischen Supermärkten von Lawson gibt es dafür Wasser mit 1 Gramm Vitamin C pro Liter.“
Hier musste ich gerade etwas lachen. Die meisten Japaner die ich kenn lieben Süssigkeiten, vor allem mit viel Zucker. Auch zuckerhaltige Sotdrinks. Und auch bei uns gäbe es Drinks die besser wären als Softdrinks. Nur die grosse Masse kauft sie halt leider nicht…ich denke die Akzeptanz von Masken im Alltag ist der Hauptgrund warum es in Japan weniger Coronafälle gibt als bei uns.
Zwei Dinge: Ja, die Konsemgrwohnheiten haben sich auch in Japan geändert, das vor allem aber bei der jungen Generation, die ohnehin wenig gefährdet ist. Alte Menschen leben und ernähren sich noch sehr traditionell und sind daher wenig gefährdet. Das beweist die extrem geringe Zahl an Todesfällen. Die Masken sind zweifelsfrei ein Grund für die verringerte Zahl an Infizierten.
Sehr geehrter Herr Mayer,
Vielen Dank für die Ausführungen. In der Berichterstattung im Vorfeld zu den Olympischen Spielen beziehungsweise der Absageentscheidung wurde auch berichtet, dass es äußerst schwierig wäre sich in Japan testen zu lassen. Ein weiterer Baustein dazu, die Zahlen nur begrenzt zu vergleichen zwischen Ländern heranzuziehen.
Im übrigen wird im aktuellen deutschen Ärzteblatt über Adipositas als Risikofaktor berichtet https://www.aerzteblatt.de/archiv/213454/Charakteristik-von-50-hospitalisierten-COVID-19-Patienten-mit-und-ohne-ARDS
Freundliche Grüße,
Guido Goliasch
Wir kennen solche Berichte, dass es schwierig sei sich testen zu lassen auch sehr häufig aus Österreich und aus anderen Ländern. Relevant sind aber immer auch die Todeszahlen, in Japan bisher 77. Vergleichen Sie das mit bisher 1444 Toten in Deutschland, das kleiner ist und den ersten Fall wesentlich später hatte. Es gibt übrigens noch weitere Länder in Asien, die kaum betroffen sind, wie etwa Vietnam mit 240 Erkrankten, 0 Toten bei immerhin 96 Millionen Einwohnern.
Guten Morgen,
vielen Dank für den interessanten Artikel. Könnten die geringen Zahlen vielleicht mit der Olympia-Thematik zu tun haben? Das man Olympia retten wollte? Oder mit dem Medikament Avigan?
Gruß Maximilian
Einen Zusammenhang mit Olympia halte ich für sehr unwahrscheinlich, weil sich seit der Absage an den täglichen Zuwächsen nichts geändert hat. Abgesehen davon gibt es einige weitere asiatische Länder mit ähnlich tiefen Zahlen und ähnlichen Verhältnissen wie in Japan wie etwa Vietnam mit 240 Erkrankten, 0 Toten und 96 Millionen Einwohnern.