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Politik

Prinz Reuß: Das erste Interview nach seiner Verhaftung

2 Kommentare 20. Oktober 2026 4 Minuten Lesezeit von Thomas Oysmüller

Fast vier Jahre nach seiner Festnahme im Dezember 2022 sitzt Heinrich XIII. Prinz Reuß noch immer in Untersuchungshaft. Nun wandte er sich erstmals in einem Interview mit Roland Tichy an die Öffentlichkeit.

Heinrich XIII. Prinz Reuß soll laut deutschem Staat der Kopf des Reichsbürger-Putsch-Netzwerks sein, das im Dezember 2022 medienwirksam festgenommen wurde. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, eine terroristische Vereinigung angeführt und einen gewaltsamen Umsturz der Bundesrepublik vorbereitet zu haben. Reuß bestreitet das entschieden. Ein Urteil steht nach Beginn der Hauptverhandlung im Mai 2024 am Oberlandesgericht Frankfurt noch aus. Er sitzt weiter in U-Haft.

Auf die Frage nach konkreten Putschabsichten antwortet Reuß klar und deutlich: „Das war in der Tat nie geplant.“ Was die Ermittler als konspirative Gruppe betrachten, beschreibt er als losen Gesprächskreis oder „Thinktank“, den er auf Bitten anderer in seinem Haus ermöglicht habe. Er habe Räume zur Verfügung gestellt, für Essen und Getränke gesorgt und Menschen zusammengebracht – nichts Ungewöhnliches für ihn, der sein Haus schon früher für Diskussionen geöffnet habe.

Die Runde sei bereits im Sommer 2022 auseinandergefallen, Monate vor der Verhaftung. Er warnt davor, politische Debatten über hypothetische Entwicklungen kriminalisieren zu wollen: Andernfalls könne man jeden dritten Stammtisch verhaften.

Die Geschichte von Reuß ist auch eine Geschichte über das Phänomen QAnon. Das hatte besonders in den ersten Jahren der 2020er-Jahre einen enormen Zulauf. Bei Reuß wurde die sogenannte Erdallianz vorstellig. Sie erklärte sich als mächtige, im Verborgenen wirkende Allianz – angeblich als Zusammenschluss zwischen Außerirdischen und dem US-Militär (unter der Führung Trumps, obwohl noch Biden Präsident war) –, die den großen globalen Umsturz organisieren würde. In etwa so ist die Kurzfassung der QAnon-Geschichte. Heute bezeichnet Reuß das als Fantasiegebilde.

„Ich bin eindeutig drauf reingefallen“, sagt er. Selbstsichere Personen hätten ihn mit Desinformationen beeinflusst. Erst sein Verteidiger habe ihm später die Augen geöffnet. 50.000 Euro hat er an einen Mitangeklagten überwiesen, um die angebliche Befreiung missbrauchter Kinder aus unterirdischen Anlagen zu unterstützen. „Ich wollte den Kindern helfen“, begründet er die Zahlung. Rund um QAnon gibt es allerdings durchaus offene Fragen: Es wirkte wie eine enorm professionelle Kampagne. Wer steckte da dahinter? Es dürften Apparate mit gewissen Ressourcen gewesen sein. Reuß war und ist keinesfalls das einzige Opfer.

Reuß berichtet auch dramatisch und traumatisch über seine Verhaftung. Am 6. Dezember 2022 sei er von Thüringen nach Frankfurt gefahren, um einen Geburtstag zu feiern. Am nächsten Morgen sei er in seiner Wohnung von Polizisten überwältigt worden. Seine pflegebedürftige Tochter mit Down-Syndrom sei ebenfalls anwesend gewesen. „Ich durfte nicht nach meiner Tochter gucken, erst nach einer Stunde“, schildert er.

Hier das absolut sehenswerte Interview:

Als er sie schließlich sah, habe sie sich in einem erschreckenden Zustand befunden. Seither dürften Vater und Tochter sich nur noch einmal im Monat sehen. Waffen für einen Putsch habe er nicht besessen; in seinem Besitz sei lediglich eine alte Luftgewehrkiste gewesen. Für Waffen anderer Beteiligter könne er nicht verantwortlich gemacht werden. Pläne zu einer Erstürmung des Reichstags habe es in seinem Umfeld nicht gegeben.

Reuß rechnet mit einer hohen Strafe, die die lange Untersuchungshaft im Nachhinein rechtfertigen könnte. Auf die Frage, ob er damit rechne, nicht mehr freizukommen, antwortet er: „Noch bin ich ziemlich stabil. Aber ich weiß nicht, wie lange das hält.“ Es gibt Mitangeklagte, die in der Haft bereits gestorben sind. Einen Deal mit dem Gericht, der ihm frühere Freiheit bringen könnte, lehnt er ab. Lieber bleibe er inhaftiert, als ein Verbrechen zuzugeben, das er nicht begangen habe.


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2 Kommentare

  1. cwsuisse
    Antworten

    In Deutschland ist von der ehemaligen Rechtsstaatlichkeit nicht mehr viel übrig geblieben. Wer gegen die Massenimmigration der Unqualifizierten ist, muss um seine Freiheit fürchten.

  2. Jan
    Antworten

    Es ehrt Reuß, dass er Kinder aus der Hölle befreien wollte! Können das die Selbstgerechten von sich behaupten?

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