
Die syrische Kurdenfrage oder geht es um den Iran?
Droht die nächste Flüchtlingswelle? Die Kurden Syriens hatten über 10 Jahre den USA und der Türkei dabei geholfen, die säkulare Regierung von „Assad“ in Damaskus und seine Bevölkerung auszuhungern, das Öl zu stehlen und die Feldfrüchte vorzuenthalten. Nun wurden sie von den USA weitgehend aufgegeben und durch die türkisch geführte HTS überrannt. Die USA „vermitteln“ jetzt, ähnlich wie im Fall von Gaza.
Historisch gesehen war Syrien lange Jahre ein sicherer Hafen für in der Türkei verfolgte Kurden gewesen. Eine beträchtliche Menge davon konnten auch die syrische Staatsbürgerschaft bekommen, wenn sie familiäre Bindungen an das Land hatten. Die Zentralregierung in Damaskus hatte sich aber immer geweigert, einer Föderalisierung zuzustimmen, da sie a) die Kontrolle nicht verlieren wollte und b) Vertreibungen von Nicht-Kurden aus den kurdischen Siedlungsgebieten befürchtete.
Die Geschichte des „Bürgerkrieges“
Als 2011 die Terroristengruppen im Irak und Syrien ihr Unwesen trieben, angelockt aus der ganzen Welt, und oft über die Türkei nach Syrien eingesickert, sahen Kurden ihre Chance und wandten sich gegen die Zentralregierung.
Es gab genügend Warnungen an die Kurden, nicht den Verlockungen der USA zu folgen. Ein kurdischer Staat, nicht einmal eine absolut autonome kurdische Region würde niemals von der Türkei akzeptiert werden, und auch daran würden die USA nicht vorbei kommen. Aber die Führer der Kurden erlagen weltlichen Versuchungen. Vielleicht glaubten sie, mit den zehntausenden von ISIS-Kämpfern in ihren Gefangenenlagern ein Faustpfand zu besitzen. Sie hatten sich 10 Jahre geweigert, die Terroristen den Justizbehörden der säkularen Regierung in Damaskus zu übergeben, wollten sie offenbar als Druckmittel behalten. Aber schauen wir zurück was Tim Anderson in „Dirty War on Syria“ oder in Deutsch „Der schmutzige Krieg gegen Syrien“ schon schrieb:
„Als Mitte 2014 Washington mit dem Einverständnis der Regierung des Irak seine ‚Anti-ISIS‘ Koalition gründete (Drennan 2014), gelang es ihr, mit dem Militär einen ‚Fuß in die Tür‘ des östlichen Syrien zu setzen, ohne dafür das Einverständnis der Regierung Syriens zu erhalten. Aber schon bald wurde klar, dass es nur einen sehr begrenzten Willen gab, ISIS in Syrien oder dem Irak anzugreifen. Die Luftwaffe der USA und ihrer Partner wurden zwar gegen ISIS im nördlichen Teil beider Länder eingesetzt, die kurdisch besiedelt sind, aber in keiner Weise, als ISIS in Richtung der Syrischen Armee marschierte, wie im Fall von Deir eZorr und Palmyra. Es handelte sich um eine ‚Viehtreiber‘-Operation, mit der die Fanatiker weggetrieben wurden von Gebieten, in denen die USA Vereinbarungen über eine Zusammenarbeit geschlossen hatten (insbesondere mit Elementen der kurdischen Führung); die den Fanatikern aber freie Hand ließen, im Osten Syriens Boden zu erobern und Basen zu errichten. Ein syrisch-amerikanischer Analyst beobachtete: ‚Während ISIS keine der kurdischen Kräfte oder Rebellen angreifen konnte, ohne dass die ‚Anti-ISIS Koalition‘ sich eingemischt hätte, konnte ISIS vollkommen unbehelligt in die von der Armee Syriens kontrollierten Gebiete einmarschieren, ohne dass ihre Konvois von einem einzigen ‚Anti-ISIS-Koalitions‘-Flugzeug angegriffen wurden, und ohne dass die syrische Luftwaffe von der Bedrohung durch die ISIS informiert worden wäre‘ (Fadel 2015b).“
Mit anderen Worten: Die Kurden waren nicht nur im Irak als Werkzeuge der USA tätig, um die Zentralregierung in Bagdad zu schwächen, sondern auch in Syrien im Kampf gegen die Baath-Regierung von Präsident Assad.
Ende 2024, Anfang 2025 überrannte eine Terrorgruppe, die HTS, entstanden aus al-Kaida und ISIS, mit Hilfe der Türkei und ukrainischen Drohnen, die vollkommen durch Sanktionen ausgelaugte Armee Syriens, wobei sicher auch Korruption im Spiel war, zumindest zu Beginn des Durchmarsches bis Damaskus. Der Rest ist Geschichte, Assad versuchte eine möglichst unblutige Übergabe der Macht zu organisieren und ging nach Moskau ins Exil. Der ehemals mit zweistelligen Millionen-Dollar-Kopfgeld gesuchte Terrorist al-Jolani wurde über Nacht zum „Übergangspräsidenten„, dem die gesamte westliche Welt den Hof machte.
2026 die Abrechnung
Die Kämpfe zwischen den kurdisch geführten Syrian Democratic Forces (SDF) und der syrischen Übergangsregierung unter Übergangs-„Präsident“ Ahmed al-Sharaa aka al-Jolani begannen Anfang Januar 2026 als Eskalation aus Verhandlungsstreitigkeiten über die Integration der SDF in staatliche Strukturen. Der Konflikt wurzelt in früheren Abkommen aus März 2025, die bis Ende 2025 umgesetzt werden sollten, aber scheiterten. Die Chronologie:
Am 5. Januar 2026 greift die SDF einen syrisches Checkpoint in der Nähe von Dayr Hafir an, verletzt drei Kämpfer und beschädigt Fahrzeuge. In Aleppo starten SDF-Kämpfer Drohnenangriffe auf Regierungsfahrzeuge, was die Regierung als Provokation nutzt um intensive Kämpfe gegen die Kurden zu beginnen.
Am 6. Januar eskalieren Zusammenstöße in Aleppos-Stadtteilen wie Sheikh Maqsood und Ashrafieh. Die neue syrische Armee, jetzt bestehend aus den alten Kämpfern der Terrorgruppen, startet eine Offensive, um SDF-Exklaven zu reduzieren. Asayish-Kräfte (SDF-Sicherheit) töten einen Soldaten und verletzen vier. Die Regierung der HTS erklärt die Gebiete zu „legitimen Zielen„.
Am 7. Januar brechen heftige Auseinandersetzungen mit Artillerie und Panzern aus. die neue syrische Armee, also die alten Feinde der Kurden, versucht, in die Viertel vorzudringen, in denen sich Kurden verschanzt haben, wird aber abgewehrt. Mindestens ein Asayish-Mitglied und vier syrische Kämpfer sterben. Die SDF-Hardliner ignorieren Waffenstillstands-Versuche.
Am 10. Januar einigen sich die Kämpfer der HTS-Regierung mit der SDF auf einen Waffenstillstand. SDF zieht die Kämpfer aus Aleppo nach Nordost-Syrien ab. Die neue Regierung aus alten Terroristen übernimmt Sheikh Maqsood und Ashrafieh.
Dann wird es richtig hässlich. Die Kämpfer von al-Jolani nutzen Stammesaufstände arabischer Clans gegen die SDF-Herrschaft und dringen in die östliche Aleppo-Provinz vor, südöstlich des Assad-Sees. Die SDF zieht sich zurück, um Kurdengebiete zu schützen. Dann erreichen die Kämpfe, trotz „US-Warnungen„, den Euphrat. Am 16. Januar versichert al-Sharaa aka al-Jolani, dass Kurden syrische Bürgerrechte hätten, wie Staatsbürgerschaft und Anerkennung der kurdischen Sprache. Vermutlich auf Druck westlicher Berater, welche versuchen das Image aufrecht zu erhalten.
Am 17. Januar erreichen die Kämpfe die Raqqa-Provinz. Es werden schwere Zusammenstöße nahe Dibsi Faraj und al-Tabqa gemeldet. Syrische Kämpfer feuern Raketen auf SDF-Positionen. Die SDF berichtet von anhaltendem Widerstand, während arabische Stämme aus der Koalition austreten.
Am 18. Januar wird das erste umfassende Abkommen vereinbart. SDF und Regierung einigen sich auf einen Waffenstillstand. SDF zieht aus Raqqa, Deir ez-Zor und Teilen von Aleppo ab. Die Integration der SDF in die syrische Armee und Institutionen wird vereinbart, mit Garantien für kurdische Rechte. Syrische Kämpfer rücken in al-Tabqa ein. Aber dort brechen Kämpfe aus.
Am 19. Januar bricht der Waffenstillstand endgültig zusammen. Es entstehen Kämpfe um die Gefängnisse in Shaddadeh und Hasakah. Die Kämpfer von al-Jolani befreien ihre Terroristen-Kollegen. Ca. 120–1.500 ISIS-Gefangene fliehen während der Zusammenstöße. Beide Seiten werfen sich Verletzungen des Waffenstillstands vor. Die SDF zieht aus ISIS-Gefangenenlagern wie al-Hol zurück. Die ehemaligen Terroristenkämpfer, jetzt „syrische Soldaten“ genannte, rücken in Hasakah vor. Es sollen nun ca. 20.000 ehemaliger ISIS-Terroristen in die Freiheit entlassen worden sein. Menschen, die zum größten Teil nichts anderes gelernt haben, außer zu Morden.
Am 20. Januar verkünden „Syrien„, also die neuen Herrscher in Damaskus unter al-Jolani und die SDF eine neue viertägige Waffenruhe. Es folgen Verhandlungen, wie die SDF in die Organisation, welche derzeit von alten Terrorgruppen dominiert ist, integriert werden kann.
Was hat das mit dem Iran zu tun?
Scott Ritter ist der Meinung, dass der Abbruch des Angriffs der USA auf den Iran ein genialer Schachzug von Donald Trump gewesen sein könnte. Damit habe er das Agentennetzwerk des Mossad dem Iran auf dem Silbertablett serviert, ohne aber wie behauptet, sich militärisch zu engagieren, gleichzeitig habe die CIA wichtige Informationen darüber sammeln können, was der Iran im Fall eines bevorstehenden Angriffs genau und im Detail unternimmt. So hätte er die Falken in Israel für die nächste Zeit stillgelegt, aber für die USA die Möglichkeit eines Militärschlages verbessert. Aber das ist nur der Anfang einer gewagten These.
In kurdischen Kreisen zirkulieren Texte, welche behaupten, dass die Zerschlagung der Kurden und die Befreiung von zehntausenden von ISIS-Kämpfern die Vorbereitung für eine Bodenoffensive unter Führung von Ankaras Geheimdienst sei, die so mit Donald Trump abgesprochen sei.
„Erdoğan bot Donald Trump einen Bodenangriff auf den Iran an, ähnlich dem Angriff auf Assad. Trump nahm Erdoğans Angebot an. Was genau bot Erdoğan an?
Unter dem Kommando von Abu Mohammad al-Jolani könnten 100.000 Dschihadisten aus aller Welt in Syrien mobilisiert werden (was bereits geschieht), um anschließend den Iran anzugreifen. Erdoğan bat Trump jedoch, Jolani grünes Licht zu geben, die Kurden von der Frontlinie abzuziehen und ihm Zugang zum Irak zu gewähren, damit er sich dort mit den Sunniten verbünden und einen Angriff auf den Irak vorbereiten könne, um dann in den Iran vorzudringen.
Trump stimmte zu und lud Jolani ins Weiße Haus ein. So begann der Angriff auf die Kurden.
Derzeit befindet sich in Aleppo, Syrien, ein Operationszentrum. Dort halten sich Mitglieder des IS, der HTS und des türkischen Geheimdienstes auf. Sie bringen Dschihadisten aus aller Welt nach Syrien. Ein weiteres Operationszentrum befindet sich in der Türkei, in der Stadt Gaziantep. Die Flucht der IS-Gefangenen war kein Zufall, sondern Teil des Plans. Das syrische Regime wird alle IS-Mitglieder freilassen und sie auf den nächsten Schritt vorbereiten.
Erdoğans Ziel ist die Vernichtung der Kurden in Syrien, dann im Irak und schließlich im Iran. Plan und Organisation: Tom Barrack. Wer überzeugte Trump, Jolani grünes Licht für den Angriff auf die Kurden zu geben? Tom Barrack“
In dem X.com-Thread werden weitere Details des Plans veröffentlicht. Wer die Quelle des Leaks war, dessen Dokumentation in Kurdisch erfolgte, bleibt unbekannt. Natürlich gibt es keinerlei offizielle Bestätigungen über den Plan. Und er kling nicht nur „verwegen„, sondern selbstmörderisch. Aber schon öfter in der Vergangenheit hatten Herrschende, wenn die ihnen zuarbeitenden Extremisten nicht mehr benötigt wurden, sie in Selbstmordaktionen geschickt.
Eine Bewertung
Tatsächlich könnte ein Angriff der ISIS-Terroristen zunächst auf den Irak dem Ziel dienen, den Widerstand gegen US-Basen in dem Land zu verringern. Zur Erinnerung: Nach dem letzten Abzug der USA hatten ISIS-Kolonnen fast Bagdad erreicht, wären nicht die Iraner im letzten Moment zur Hilfe geeilt. Erst danach hatten die USA sich bereit erklärt, im Krieg gegen die Terrorgruppen zurück in den Irak zu kommen, das sie nun eben nicht mehr verlassen wollen. Und der Hebel, um die immer wieder aufkommenden Wünsche des irakischen Parlaments nach einem Abzug aller US-Soldaten aus dem Land, beseitigen zu können, ist natürlich ein Angriff der Terrorgruppen.
Dass es 100.000 Terroristen gelingen könnte, durch den Irak bis in den Iran vorzudringen darf als unwahrscheinlich angenommen werden. Selbst wenn die USA keine Luftangriffe fliegen sollten, würden die Angreifer durch Schiitische Milizen und Kurden im Norden des Irak drastisch reduziert werden, und der Rest wäre sozusagen „ein gefundenes Fressen“ für die iranischen Streitkräfte, sollten sie in die Nähe der Grenze kommen.
Allerdings scheinen sich die Nachrichten zu verdichten, dass die USA mit Israel den Angriff gegen den Iran gar nicht so lange verschoben haben, sondern nur auf die dritte zu eröffnende Front warten. Und vielleicht könnte die Front von ISIS gegen den Irak die vierte geplante Front sein. Eine US-Flugzeugträgergruppe auf dem Weg in die Region hat dem Vernehmen nach die Transponder abgeschaltet.
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