
Über Köche und Politik
In der fortgeschrittenen Industriegesellschaft hat sich der Staat scheinbar aufgelöst. Übrig bleibt Verwaltung und Regierung und eine Politik, die sich nur noch als Polizei bestimmt. Giorgio Agamben über den Polizeistaat der Gegenwart.
Es ist gut, über den Satz nachzudenken, der Lenin zugeschrieben wird – auch wenn es nicht so scheint, als hätte er ihn je ausgesprochen –, wonach „jede Köchin lernen kann und muss, den Staat zu regieren“. Hannah Arendt kommentiert den pseudoleninistischen Spruch und schreibt, dass in der klassenlosen Gesellschaft „die Verwaltung der Gesellschaft so einfach geworden ist, dass jede Köchin die Qualitäten hat, sich darum zu kümmern“. Lucio Magri bemerkte Jahre später zu Recht, dass Lenins Satz umgedreht werden sollte, in dem Sinne, dass „der Staat nur in dem Maße von einer Köchin geleitet werden kann, in dem es keine Köchinnen mehr gibt“.
In dem einzigen Absatz, in dem eine Köchin in seinen Schriften vorkommt, sagt Lenin tatsächlich etwas anderes und weitaus Differenzierteres. „Wir sind keine Utopisten“, schreibt er in einem Artikel von 1917. „Wir wissen, dass eine Köchin oder ein einfacher Arbeiter nicht sofort in der Lage sind, an der Staatsverwaltung teilzunehmen. Darin stimmen wir mit den Kadetten, mit Breshkovskaya, mit Tsereteli überein. Aber wir unterscheiden uns von diesen Bürgern darin, dass wir die sofortige Abkehr von dem Vorurteil fordern, dass nur reiche Beamte oder aus reichen Familien stammende Beamte den Staat regieren, die laufende, tägliche Verwaltungsarbeit erledigen können. Wir fordern, dass die bewussten Arbeiter und Soldaten eine Ausbildung in der Staatsverwaltung erhalten und dass dieses Studium sofort begonnen wird oder, mit anderen Worten, dass sofort damit begonnen wird, alle Arbeiter, alle Armen an dieser Ausbildung teilnehmen zu lassen“.
Wie Lenins Worte andeuten, verbirgt sich hinter dem utopischen Paradigma der Regierung durch die Köchin das des administrativen Staates, wonach, sobald die Herrschaft des Kapitalismus beseitigt ist, die Politik dem Platz mache, wie auch Engels betont, für die einfache „Verwaltung der Dinge“. Oder, wenn man will, die Politik würde sich in der Form der „Polizei“ darstellen, die, ausgehend von den Theoretikern der Polizeiwissenschaft im 18. Jahrhundert, der Begriff ist, der das griechische politeia übersetzt. „Polizei“ liest man noch in der Übersetzung Plutarchs durch Marcello Adriani, die 1819 in Florenz veröffentlicht wurde, „bedeutet die Ordnung, mit der eine Stadt regiert wird und ihre gemeinsamen Angelegenheiten verwaltet werden; und so sagt man, es gebe drei Polizeien, die monarchische, die oligarchische und die demokratische“.
Dies ist das Paradigma des administrativen Staates, das von Sunstein und Vermeule theoretisiert wurde und sich heute in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften durchsetzt, in denen der Staat sich scheinbar in Verwaltung und Regierung auflöst und die „Politik“ sich vollständig in „Polizei“ verwandelt. Es ist bezeichnend, dass gerade in einem Staat, der in diesem Sinne als „Polizeistaat“ verstanden wird, der Begriff letztendlich den am wenigsten erbaulichen Aspekt der Regierung bezeichnet, nämlich die Körperschaften, die letztlich mit Gewalt die Umsetzung der gouvernementalen Berufung des Staates sicherstellen sollen. Was wir heute mit brutaler Klarheit sehen, ist tatsächlich, dass gerade dieser scheinbar neutrale Staat, der vorgibt, nur die gute Ordnung der Dinge und der Menschen zu verfolgen, sich eben deswegen in seiner Handlung als grenzenlos erweist. Der Koch ist heute die Figur par excellence des Tyrannen.
In keinem Fall kann sich die Politik in der einfachen Verwaltung erschöpfen, sei es auch in der Form eines guten Regierens, das sich fatalerweise in schlechtes Regieren verkehrt. Insofern sie mit der freien Lebensform der menschlichen Wesen zusammenfällt, ist die Politik wesentlich unregierbar und unverwaltbar. Deshalb stellt das Fresko von Lorenzetti in Siena, das als das des guten Regierens bekannt ist, im Vordergrund tanzende Mädchen dar. Das „gute Regieren“ ist kein Regieren.
Giorgio Agamben, Jahrgang 1942, lehrt als Professor für Ästhetik an der Facoltà di Design e Arti der Universität Iuav in Venedig, an der European Graduate School in Saas-Fee sowie am Collège International de Philosophie in Paris. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er war der einzige lebende Weltphilosoph, der von Februar 2020 gegen das Covid-Regime angeschrieben hatte. Deshalb wurde er auch weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs gecancelt. Der Text Ancora su cuochi e politica erschien am Blog von Agamben auf Italienisch.
Berichtigung innerhalb des dritten Absatzes von Unten (oberhalb der Literaturliste):
… (= Pflegliche Abschaltung der Selbstwahrnehmung von Kognitiven Dissonanzen bis zur völligen erweiterten Selbstvernichtung bzw. Suizid).
Zur wiederholten Erinnerung an sich ewig wiederholende Herrschaftsfestspiele in selbstprisonierenden Zirkelschussgefängnissen grundbanalst reinster Herrschaft
Präludium:
Herrschaft ist einfach.
Nichtung ist Güte.
Der Vorteil, welchen sich der Geringe zu erheischen wähnet, nähret immer dessen Untergang.
Einige wenige von extremstextremistischt ihre Abhängigenmassen völlig zernutznießendsten Caposchräten, die nach unzählichsten globalen Veranstaltungshysterien vermutlich übrig bleiben, einschließlich der Creme de la Creme ihrer grundgeneigten Kammerdienern, Palastwächtern, Kammermetzgern, Hofschranzen, Mundschenken, Hoflieferanten, Konkubinen, Lustknaben, Hofnarren und Tafelphilosophen etc. werden sich wie schon immer das Leben allerbestens zur Hölle machen – Schon alleine wegen ihrer Hufe scharrend in gierigster Erwartung befindlicher Testamentslümmelhorden…
Thomas Bernhard’s Übertreibungen gemahnen an lieblichstes Kosen ob dieser wundersam glorreichen Aussichtsarabeske auf allerherrlichste Gezeiten in Luce Transhumanster Äone…
Zur Sache:
Der Staat hat immer Recht.
Der Staat, ein fortschreitend gekapertes Gewaltdispositiv überstaatlicher Herrschaftsinteressen, dessen Gewaltentrennung sich längst schon als pure Illusion erwies, schiebt nebst dem Recht Vasallenbeidienst in Kontroll- und Repressionsfunktionen – Auch im Westen nichts Neues.
Trennung der Staatsgewalten – Eine selbstverstetigende Illusion
Das inhärente Gewaltgebarungsproblem rechtlicher Exegese durch Gerichte, liegt grundsätzlich auch in der übermäßigen Verrechtlichung ausufernder Legatur durch die Gesetzgebung selbst, welche bloß eine offensichtliche als auch strukturimmanente Gewalteskalation nebst der Gerichtsbarkeit darstellt.
Alles was verrechtlicht wird, dem wohnt gleichzeitig seine Verunrechtlichung inne, da die Durchsetzung des Rechts zunächst vermittelter letztlich physischer Gewalt unterworfen ist. – Siehe Römisches Recht!
Der Staat ist grundsätzlich eine Gewaltsame Veranstaltung – Das stellt sich in dessen mehr oder weniger verwirklichten Monopolisierungstendenzen von physischer als auch struktureller Gewalt in Form wirksamer Exekutivgewalt auf unterster Ebene klar dar.
Selbst wenn Polizeigewalt mehr oder weniger ausgelagert ist, was letztlich zur instabilität staatlicher Macht in letzter Konsequenz führen muß.
Durch die Geschichte ziehen sich zahllos wenigstens hinreichende Belege dessen…
Die fundamentale Selbsterhaltungsmaßname des Staates ist die Unterbrechung von Gewalt –
inklusiv sämtlicher Kollateralkatastrophen auf allen Ebenen.
Der Staat ist, durch dessen Rechtsstruktur substanziell ersichtlich, Herrschaftlicher Gesetzmäßigkeit selbstunterworfen (Siehe erstes Semester Rechtswissenschaft!).
Die Exekutive als zweite Gewalt, tritt umso offensichtlicher als auch repressiver in Erscheinung, umso unübersichtlicher deren strukturelle Gewaltgebarung aus dem Gleichgewicht gerät.
Der Staat „begreift“ sich quasi als Lebewesen, welches sich selbst zu schützen geneigt ist, umso mehr „er“ bzw. es sich bedroht „fühlt“. Dies deshalb, weil die Menschen welche in diesem Sozialraumgefüge verortet, naturgemäß ihr eigenes Leben in erster Linie schützen wollen, ja müssen und es mit mehr oder weniger Eleganz auch tun – Der Schutz des eigenen Lebens der Funktionssubjekte des Staates wird inhärent auf Strukturerhaltung des Staates selbst projiziert.
Da der „Staat“ kein Lebewesen ist als auch nicht sein kann, weil er bloß ein Gewaltkonvolut ist, in welchem sich unterschiedliche Kräfte auch von sich außerhalb sozialraumbezogener Gewalt- als Interessensräume dynamisch strukturieren.
Der Staat war immer schon eine sehr fragile Veranstaltung rücksichtslosester Durchsetzung von Interessen aller Art gemäß tatsächlicher Gewaltkonstellationen, welche nach allen Regeln der Künste selbstdarstellerischer Extremstcamouflage reinster Herrschaft sich erzeitigt und ist selbst seiner eigenen Herrschaftlichen Verhaftetheit von Ausdehnungstendenzen aller Art unendlich selbstunterworfen – Nicht mehr und nicht weniger.
Schon allein dieses Monster „Staat“ in dessen gegenwärtig fundamentalster Selbstzersetzungstendenz, begleitet durch fortschreitende Fundamentalkaperung von außerstaatlichen Gewaltmonopolen durch die Mehrheit seiner eigenen mittlerweile völlig durchgeknallten FunktionsträgerInInnen, einer halbwegs erfolgreichen Unterbrechung ausuferndster Gewaltakte von Abhängigkeitseskalationen aller Art zu verwirklichen, gemahnt an klare Aufgabenstellungen.
Es reicht!
(21.- 22.08.2023, 21.11.2023)
Das Recht
Das Recht ist die Sprache der Gewaltsamkeit, besonders die des Hegemons, insbesonders wenn selbiger schweigt…
Das Recht erweist sich im Rahmen tatsächlich wirksamer Gewalt schon immer als bloß bedeutungslos sprachliches Konstrukt, welches beliebigster Gewaltgebarung selbst des wankenden Hegemons grundsätzlich unterworfen war und ist.
Nicht nur die fromme Advokatie lukriert damit seit Längstem…
Das Recht muß man sich leisten können – Daran ändern selbst benevolenteste Rechtshilfekonstruktionen, als auch ausufernste Charity-Euergesien nicht das Allergeringste.
Die Generalillusion des rechtsuchend Rechtunterworfenen in Gestalt des Rechts als Schutz des Schwachen vor dem Starken erweist wie erwies sich immer schon als pure Euphemie, nicht bloß zur scheelen Selbstberuhigung des Abhängigen, des schleimig schielend um sein Gnadenrecht Bettelnden – Sämtliche Ausnahmen bestätigten immer schon als auch bestätigen sämtliche Regeln.
Die konsequente Rechtsuche erweist sich in Labyrinthen Tretminenverseuchtester Herrschaftsgehege als lockendstes Kreuzwegsangebot krudester Verzückungen in den unheiligsten Wahnsinn des Rechtsuchenden Subjekts – Nichts weiter als pure Herrschaftstechnik.
Das Recht notiert wie gesprochen, ist die fundamental sprachliche Herrschaftsmethode des tatsächlich wirkend Gewaltigen in sämtlichen Zivilisationssystemen Herrschaftlich organisierter Hierarchien.
(07.08.2023)
Sinngemäß nach Bertolt Brecht
Die Ursache jedes Verbrechens hat immer zumindest einen Namen und eine Adresse.
Hast Du die Gewalt, Gesetze zu erstellen und jene durchzusetzen, bestimmst Du, was ein Verbrechen ist.
Es gibt Verbrechen, die ihre Feststellung durch Gesetzte nicht benötigen.
Wenn der gute Bürgersmensch Gesetze befolgt, die sein und anderer Leben bedrohen, offenbart sich das Verbrechen im Augenblick.
Dazu ist kein Gesetz nötig.
Der korrekte Bürgersmensch hat gelernt, genau in diesem Augenblick wegzusehen, nicht aufzuhören und zu schweigen.
Der Rest ist durch einfache Logik bestimmt und lange kann es dauern bis der Tod eintritt.
Die Frage drängt sich auf: Zu wessen Gunsten?
Gesetze können, gewitzt gesetzt, jede Art von Verbrechen legitimieren.
Das ist der Normalfall, nicht nur hier zu Lande. Nichts weiter, als eine Art des Krieges.
Der Krieg dient immer jenen, die nicht an der Schlacht teilnehmen.
Aber besonders dient der Krieg immer jenen,
welchen letztere bedingen, die nicht an der Schlacht teilnehmen.
Die Pflege und Darstellung des Leidens dient immer der Vertuschung allen Unrechts.
Das Ende allen Leidens ist die Stille nach der Schlacht,
eine Art von Schönheit,
wie ein Ort des Friedens
für Gewinner – und Verlierer,
sofern bei letzteren bereits der Tod eintrat…
(21.03.2012)
Fazit:
Nicht bloß gelegentlich ignoriert der Gospode jedes Recht, so es ihm gemutet.
Das Recht, sowie gleichzeitig Moral als auch Ethik, ist die biegsame Hausordnung des Gospoden und ist dessen Willkür unterworfen, solange das Gesinde nicht den Laden übernommen hat – So wohl als auch nicht folglich selbst dem selben prinzipiellen Fehler in des‘ Verlockung unterliegt, erlangt‘ Gewaltsamkeit verstetigend zu überdehnen…
(14.08.2023-19.04.2024)
Einzelwesen und Gemeinschaft
Jede Sozialstruktur verheizt (verdaut, zernutzt, verausbraucht, zerschindet, zerschändet) rücksichtslos zu Gunsten eigener Überlebensmöglichkeit letztfolglich alle anderen von sich Abhängigen – auch solche, welche sich innerhalb letzterer befinden.
Dieses basale Überlebensverhalten ist jeder Sozialstruktur eigentümlich, bis hinab zum Individuum selbst.
Daraus folgt unmissverständlich, daß in kleinen Sozialstrukturen das gedeihlich soziale Ausregelungsverhalten der Individuen untereinander gemäß klarer Interessenslagen durchaus möglich ist, was durch Überlieferungen und Beobachtungen von Jahrtausende alten indigenen Naturvölkern bewiesen.
Je größer, als auch umfänglicher eine Sozialstruktur gestaltet, umso mehr dominieren Interessenslagen als auch Abhängigkeiten verhängnisvollst.
Das Herrschaftsprinzip tendiert sich selbst zu stabilisieren, indem es zu unendlicher Expansion strebt und sohin das Verhängnis zu totaler Selbstvernichtung als auch zu totaler Kollateral(ver)nichtung formallogisch in sich trägt.
Das Prinzip des Lebens ist mit dem Prinzip der Herrschaft innerhalb menschlicher Existenz sowie aller Lebewesen grundsätzlich verwoben – Der Mensch ist ein Lebewesen, welches naturgemäß sozial strukturiert ist und dessen Aufgabe innerhalb seines Lebens ist es folglich, Gleichgewichte herzustellen.
Und zwar, gleichzeitig zwischen sich als Individuum in ihm selbst, seiner Sozialräume als auch der Natur in ihrer gleichgültigen Unbeherrschbarkeit.
Der Mensch kann sich weder als Individuum noch als artifizielles Sozialsystem über seine eigene Natur hinwegsetzen, da er als Teil der Natur immer den fundamentalen Naturgesetzen unterworfen ist.
Jeder einzelne Mensch ist zur Selbstbeobachtung als auch Wahrnehmung dessen Umgebung fähig als auch zur Erkenntnis universeller Gesetzmäßigkeiten.
Es braucht weder Bildung noch irgend eine besondere Intelligenzfähigkeit des Menschen, sondern bloß die Fähigkeit zur Wahrnehmung an sich.
Unter „bloßer Fähigkeit zur Wahrnehmung“ verstehe ich die Wahrnehmung, welche sich erst im Gleichgewicht von Selbstbeobachtung (was ständig geübt werden muss) und gleichzeitiger unmittelbarer möglichst umfänglicher Außenwahrnehmung einstellt.
In Stresssituationen von Affirmationssuchttriggerung, also äußerer Verhaftetheit zur Gesellschaftserklärung und Alltagsüberlebensstrategien, zu dieser der „Normalo“ (der Gemeine Gedungene als auch Dingende) derzeit genötigt, wobei selbiger die Reizüberflutung durch Einigelung in selbstberuhigende Weltbildangebote gerne bereitwilligst annimmt – Das gezeitigt pure Herrschaftstechnik als auch selbstnötigende Zustimmung zu dieser im Individuum selbst.
Um den Einladungsbombartements in beständige Affirmationsangebote zu entgehen, braucht es erst ein klares Problembewußtsein bei gleichzeitiger Wahrnehmungsmächtigkeit des Individuums um praktische Abwehrmechanismen als auch Ausstiegsszenarien entwickeln zu können.
„Erleuchtung“ aller Art oder besondere Reife braucht es eigentlich nicht, eher ein entsprechend kultiviert ziviles basales Szenario möglichst haltbarer kleiner Sozialbeziehungen in Richtung von Daseinsmächtigkeit (siehe z. B. Ivan Illich).
Innen und Aussen in Gemeinschaften und Daseinsgehegen aller Art
Innerliche und Äusserliche Voraussetzungen zu ausgewogener Gedeihlichkeit sind untrennbar miteinander verbunden, zu denen „man“ sich immer erst auf den Weg machen muß.
Das ist eben ein Prozess, welcher Zeit benötigt, nicht mehr und nicht weniger.
In allärtlich generierten bzw. bereits bestehenden Stressszenarien geht das einfach nicht, weil Nichts und Niemand sich über Universalgesetze hinwegsetzen kann…
Herrschaft, Moral, Ethik, Recht
Herrschaftsprobleme, auch solche Probleme welche durch Herrschaft herbeigeführt, sind niemals mittels Moral, Ethik als auch Recht aller Art lösbar.
Da Herrschaft selbst, Moral, Ethik als auch Recht grundsätzlichst immer zu Gunsten des Hegemons opportun zurechtdefiniert bzw. in definitionsobskuranten Diskursräumen als pässliche Erzählungen reinster Willkür prächtig postuliert, verlautbart und gebietet etc… – Das ist fundamentale Herrschaftstechnik.
Moral, Ethik als auch Recht sind Hausordnungen von Sozialräumen verschiedenster Art und charakterisieren schlicht ausgesprochen als auch verschriftlicht sowie unausgesprochen konkludent interpretierbare Interessen.
Die Interpretation von Hausordnungen aller Art ist den Gleichgewichtszuständen von Kräftegefügen der jeweiligen Sozialräume mit allen Folgen und Widersprüchlichkeiten letztlich selbst unterworfen, da der Mensch schließlich ein soziales Lebewesen als auch naturgemäßer Freiheitsentfaltung ist.
Die Funktion von Moral, Ethik und Recht innerhalb von Herrschaftsstrukturen einschließlich der gesamten daraus erwachsenden Widersprüche sollte in aller Öffentlichkeit schonungslos thematisiert und wahrhaftig ausdiskutiert werden.
Mir ist jedoch auch klar, daß nachgerade dieses Tabuthema sehr unangenehm ist, weil es jeden Einzelnen und jede soziale Konstellation ausnahmslos als auch unmittelbar betrifft…
Letztlich entscheiden faktisch wirkmächtige Kräfteverhältnisse von Abhängigkeiten im Rahmen sich ereignender Gewalten immer mehr die Handlungen von reaktiv wie aktiv abhängigen Individuen.
Jedoch keineswegs irgendwelche rationale Entscheidungen, wenngleich sochselbige mit der Gewaltkonstellation korrelieren können…
(26.11.-13.12.2023, 20.04.2024)
Herrschaftsstrukturen menschlicher Sozialsysteme
Menschliche Gemeinschaften aller Art sind in Sozialräumen strukturiert, welche durch abhängige Interessenslagen unterstrukturiert sind (Quasi eine räumliche Art von Pyramidensystem, welches sich gut zweidimensional abbilden läßt, aber sich auch als Abbild irgendwann unübersichtlich gestaltet).
Auf jeder Stufe der Abhängigkeitspyramide versucht sich jede einzelne Person als auch die ihr mehr oder weniger umfängliche Sozialstruktur möglichst zu stabilisieren.
Nach einem sich nach und nach einstellenden Gleichgewicht kann sich das zwar kurz- bis mittelfristig stabilisieren, bricht aber irgendwann auseinander, geschuldet zu großer Komplexität von Abhängigkeiten…
Durch Jahrtausende andauernde Ignoranz der Ausgleichsgesetzmäßigkeit, sowie der Begrenztheit von komplexen Abhängigkeiten, welche der Natur fundamental innewohnt, kommt es schließlich zu immer instabileren Ereignissen innerhalb von Sozialstrukturen aller Art.
Da der Mensch als soziales Lebewesen naturgemäß strukturiert ist und sich nun nicht durch seine ihm eigene Selbstbeschränkungsmöglichkeit sowie durch die Selbstbeschränkungsfähigkeit seiner unmittelbaren und übergeordneten Sozialsysteme maßvoll ausregeln kann, kommt es zu immer größeren chaotischen Spannungen und Brüchen seiner Sozialräume.
Ein Kardinalproblem von Herrschaftsstrukturen menschlicher Sozialsysteme ist sohin vor allem die (Selbst)Verhaftetheit im Konzept der Unendlichkeit, welches die naturgemäße Endlichkeit des einzelnen Lebewesens als auch seiner Sozialsysteme ignoriert oder in abhängige Sozialstrukturen auslagert.
Herrschaft ist das parasitärst fundamentaldestruktivste Überlebenskonzept, welches letztlich selbst seiner Verlockung unterliegt –
Selbstverstetigend angewandt als verewigt selbstverzehrendste Kriegseskalation auf allen denkbaren als auch undenkbaren Ebenen, kann dieser Prozess auch Jahrtausende andauern –
Die Natur in ihrer scheinbaren Widersprüchlichkeit von unvorstellbarer Gewaltfähigkeit bei gleichzeitig unergründlich zartester Verletzlichkeit, gleicht schlicht alles aus.
Unterbrechung von Gewalt, Beendigung von Gewaltspiralen in gegenwärtigen Wirkungsbereichen
Da es zur Zeit ein globales Ausarten ungezügelter struktureller Gewalt gibt, ist erst abzuwarten, bis sich diese Gewalteskalation quasi selbst vernichtet hat.
Die Abhängigkeiten sind derzeit offenbar zu groß, so daß der einzelne Mensch in dessen Abhängigkeitsgefügen auf sich völlig zurückgeworfen ist.
In diesem Szenario kann das Ganze lokal in den völligen Failed-State (bzw. globaler Failed-States Konstellationen) jederzeit kollabieren, oder, was sich mir momentan als wahrscheinlicher darstellt, könnten lokale Sozialgefüge in Richtung noch total autoritärer sich gestaltender Sachzwangskonstellationen (politisch als auch unmittelbarer Art restriktivster Selbstverwaltungen) ausarten.
(13.-24.03.2023, 24.06.- 09,07.2024)
Affirmationsverhalten des Menschen innerhalb seiner Sozialräume
Grobe Schätzung meinerseits bez. innerhalb des Kulturbereiches von Deutschland, Österreich und der Schweiz:
Nicht die intellektuelle Kapazität ist ausschlaggebend für rationale Entscheidungen aller Art, sondern der Grad der tatsächlichen Abhängigkeit der Menschen in ihren Existenzgefügen – Ausnahmen bestätigen alle Regeln…
Ein Drittel der Menschen haben sich vielleicht schon während oder unmittelbar nach ihrer Pubertät dazu entschieden, alle ihre sozialen als auch individuellen Entscheidungen zur Gänze von Außen, d.h. von sozialer Affirmation (= Bestätigungssucht) abhängig zu machen.
Ein weiteres Drittel können zwar eigene Entscheidungen teilweise unabhängig überdenken, neigen aber bei (empfundener bzw. herbeigeführter) Bedrohung der Instabilität des größeren Sozialraumes zu bedingungsloser Affirmation und „glauben“ daher Entscheidungen auf Grund objektiver Sachzwänge vornehmen zu müssen, sowie verinnerlichen ihre Entscheidungen als der Wirklichkeit entsprechende „Wahrheiten“ (= Pflege von Kognitiven Dissonanzen bis zur völligen erweiterten Selbstvernichtung bzw. Suizid).
Das letzte Drittel, weiß zwar ganz genau, daß übergeordnete Herrschaftsinteressen völlig falsch sein können, fühlen das auch authentisch, aber sind auf Grund strategisch bzw. taktischen Gründen bereit, auch jederzeit (selbst)destruktivste Entscheidungen mitzutragen.
Aus dieser Gruppe gibt es eine Anzahl Menschen, die auch letztere Entscheidungen nicht mittragen wollen…
Alle Ausnahmen davon, bestätigen die Regel – Jeder Mensch hat grundsätzlich selbst die Möglichkeit in sich, seine Standortbestimmung im Kräftegefüge außerhalb sowie einschließlich in sich selbst vorzunehmen.
(21.02. – 21.09.2023)
Literatur:
Gerhard Köbler,
Juristisches Wörterbuch für Studium und Ausbildung (15., 16., 18. Aufl.) – Vahlen Verlag
Uwe Wesel, Geschichte des Rechts – 5.Auflage. 2022 Verlag: C.H. Beck
Elias Canetti, Masse und Macht, 1980
Rainer Mausfeld, Hybris und Nemesis
Westend Verlag, 2023
Hannah Arendt, Macht und Gewalt – 1970, Verlag: Piper
(Die Originalausgabe erschien 1970 unter dem Titel
»On Violence« bei Harcourt, Brace & World, Inc., New York,
und bei Allen Lane, The Penguin Press, London)
Hauke Brunkhorst, Macht und Verfassung im Werk Hannah Arendts
Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft – Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft (EUROPÄISCHE VERLAGSANSTALT)
siehe daraus Kapitel 13: Ideologie und Terror (Quelle: Klaus Piper (Hrsg.), Offener Horizont. Festschrift für Karl Jaspers, München: Piper, 1952, S. 229-254.)
Hannah Arendt, Vita Activa oder vom tätigen Leben, 1960
(Hannah Arendt’s Hauptwerk der politischen Theorie, welches sie selbst aus dem Englischen ins Deutsche übersetzte – Englische Originalpublikation „The Human Condition“, USA, 1958)
Peter Gostmann – Peter-Ulrich Merz-Benz (Hrsg.)
Macht und Herrschaft, Zur Revision zweier soziologischer Grundbegriffe
VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2007
Springer VS, 2. erweiterte Auflage, 2021
Peter Imbusch (Hrsg.)
Macht und Herrschaft: Sozialwissenschaftliche Theorien und Konzeptionen
(Lehrbuch), 2012
Springer VS, 2. überarbeitete Ausgabe, 2013
Ivan Illich, Selbstbegrenzung – Eine politische Kritik der Technik, 1975, 1998
Katharina Pistor, Der Code des Kapitals
Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft
Suhrkamp 2021
Renate Dillmann, Der soziale Staat – Über nützliche Armut und ihre Verwaltung – 2018, VSA-Verlag
Der administrative Staat als Räderwerk, das nur geschmiert werden muss, gerät bei fundamentalen Änderungen, meist der Ressourcenlage, an seine Grenzen. Da braucht es kluge Köpfe, um Wirtschaftseinbruch und Krieg zu vermeiden. Diese muss die Köchin zumindest organisieren.