Regelmäßiges Ausdauertraining hält das Immunsystem jünger und fitter

19. Dezember 2025von 4,7 Minuten Lesezeit

Ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden, dass die Körper älterer Ausdauersportler ein biologisches Geheimnis bergen: Immunzellen, die mit der Kraft und Effizienz der Jugend funktionieren.

Körperliche Aktivität verbessert nicht nur die Muskelkraft und die Herz-Kreislauf-Gesundheit, sondern stärkt auch das Immunsystem. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie mit älteren Erwachsenen, die seit langem Ausdauertraining betreiben, darunter Ausdauersportarten wie Langstreckenlauf, Radfahren, Schwimmen, Rudern und Wandern. Ein internationales Team von Wissenschaftlern untersuchte die Immunzellen dieser Personen und stellte fest, dass ihre „natürlichen Killerzellen”, die den Körper patrouillieren, um Viren und abnormale Zellen zu eliminieren, anpassungsfähiger, weniger anfällig für Entzündungen und energieeffizienter waren.

Die Studie von Luciele Guerra Minuzzi et al mit dem TitelNatural killer cells from endurance-trained older adults show improved functional and metabolic responses to adrenergic blockade and mTOR inhibition“ (Natürliche Killerzellen von ausdauertrainierten älteren Erwachsenen zeigen verbesserte funktionelle und metabolische Reaktionen auf adrenerge Blockade und mTOR-Hemmung) wurde im Sommer 2025 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Sie zeigt, dass jahrzehntelanges regelmäßiges körperliches Training mehr bewirkt als nur den Aufbau von Muskeln und Ausdauer. Es programmiert die Zellen, die den Körper vor Krankheiten schützen, neu und eröffnet damit eine neue Dimension des Konzepts des gesunden Alterns.

Seit Generationen wird das Altern als unvermeidlicher Verfall beschrieben, bei dem die Abwehrkräfte des Körpers schwächer werden und anfälliger für Fehlfunktionen sind. Diese neuen Erkenntnisse stellen diese Sichtweise auf den Kopf und legen nahe, dass ein wesentliches Element des Alterns kein feststehendes Schicksal ist, sondern ein formbarer Prozess, der stark vom Lebensstil beeinflusst wird. Die Auswirkungen sind enorm für eine alternde Weltbevölkerung, die zunehmend von chronischen, entzündungsbedingten Krankheiten belastet ist.

Ein Blick nach China reicht. Ich habe im nasskalten Oktober in der Kleinstaddt Dengfeng in der Nähe des Shaolin Klosters jede Menge älterer Menschen im Park beim Tai Chi gesehen. Aber auch beim Tanzen nach Walzer Musik. Und an der Nebenfahrbahn sitzend beim Go spielen.

Natürliche Killer: Die erste Verteidigungslinie des Körpers

Im Mittelpunkt dieses Durchbruchs stehen die natürlichen Killerzellen (NK-Zellen), eine wichtige Art von weißen Blutkörperchen. Sie patrouillieren ständig im Körper, identifizieren und zerstören virusinfizierte Zellen, abnormale Zellen und Krebszellen im Frühstadium, ohne zuvor mit ihnen in Kontakt gekommen zu sein. Sie sind unsere erste interne Verteidigungslinie. Mit zunehmendem Alter werden diese zellulären Wächter träge, anfällig für übermäßige Entzündungen und leicht erschöpft. Dieser Prozess wird als Immunoseneszenz bezeichnet.

Die Studie unter der Leitung von Forschern der Staatlichen Universität São Paulo (UNESP) in Brasilien und der Justus-Liebig-Universität Gießen in Deutschland verglich NK-Zellen von zwei Gruppen von 64-Jährigen: Eine Gruppe war sitzend tätig, während die andere seit über 20 Jahren Ausdauertraining betrieb. Der Unterschied war nicht subtil, sondern revolutionär. Die NK-Zellen der Sportler widersprachen völlig dem erwarteten Alterungsmuster.

Um die Tragweite dieses Vorteils zu verstehen, unterzogen die Wissenschaftler die NK-Zellen extremen Stresstests im Labor. Sie blockierten mit Medikamenten wichtige zelluläre Kommunikationswege – insbesondere die Wege für Adrenalin und Wachstumssignale –, die für die Funktion der Immunzellen von entscheidender Bedeutung sind. Unter Bedingungen, die zum Versagen führen sollten, versagten die Zellen der bewegungsarmen Personen und erschöpften sich. Die Zellen der Sportler hingegen funktionierten weiterhin effektiv.

Die Überlegenheit der Immunzellen der Sportler erstreckte sich bis in ihren Kern: ihre Energieproduktion. Die Forscher fanden heraus, dass diese Zellen deutlich mehr Energie erzeugten und größere Energiereserven aufwiesen als die Zellen ihrer bewegungsarmen Altersgenossen.

Entzündung beherrschen

Die vielleicht bedeutendste Erkenntnis betrifft Entzündungen, die in Bezug auf die Immunität ein zweischneidiges Schwert sind. Akute Entzündungen sind notwendig, um Infektionen zu bekämpfen, aber chronische, leichte Entzündungen sind eine zerstörerische Kraft, die mit fast allen altersbedingten Erkrankungen in Verbindung gebracht wird, von Herzkrankheiten und Diabetes bis hin zu Krebs und Demenz.

Die Forschung zeigte, dass die ausdauertrainierten älteren Erwachsenen diese Entzündungsreaktion weitaus besser kontrollieren konnten. Als sie im Labor simulierten Infektionen ausgesetzt wurden, leisteten ihre Zellen eine angemessene, wirksame Abwehr, ohne die übermäßigen, schädlichen Entzündungsschübe, die bei Zellen von Menschen mit sitzender Lebensweise zu beobachten waren. Bemerkenswert ist, dass Meisterathleten in den Fünfzigern und Sechzigern eine besser regulierte Entzündungskontrolle zeigten als selbst hoch trainierte Athleten in den Zwanzigern.

Dies deutet darauf hin, dass lebenslanges Training die Immunantwort nicht abschwächt, sondern trainiert. Das System lernt durch jahrzehntelange wiederholte akute Entzündungsepisoden durch Training, präzise zu reagieren – stark genug, um wirksam zu sein, aber kontrolliert genug, um Kollateralschäden am körpereigenen Gewebe zu vermeiden.

Von Bettruhe zu biologischer Widerstandsfähigkeit

Diese Forschung markiert einen entscheidenden Moment in einem sich seit langem entwickelnden Verständnis der menschlichen Gesundheit. In der Medizin wurden Ruhe und Energieeinsparung lange Zeit als entscheidend für Genesung und Langlebigkeit angesehen. Im 20. Jahrhundert wurde Bewegung aufgrund des Fokus auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit als lebenswichtig für das Herz angesehen, aber oft als stressige, katabole Aktivität dargestellt, die vorübergehend die Immunität unterdrücken könnte.

Diese neue Studie widerlegt diese engstirnige Sichtweise eindrucksvoll. Sie positioniert konsequentes, lebenslanges Ausdauertraining nicht als Stressfaktor, der bewältigt werden muss, sondern als grundlegende Investition in die „Immunresilienz”.

Wie der Orthomolukularmediziner und Triathlet Dr. Ulrich Strunz immer wieder geschrieben hat: „Laufschuhe anziehen und raus in die Natur.“


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4 Kommentare

  1. local.man 20. Dezember 2025 um 10:10 Uhr - Antworten

    Sport hat durchaus Auswirkungen auf die generelle Verfassung, Lebensenergie und Stärke. Jedoch zeigt meine Erfahrung, dass die passende Ernährung den größeren Stellenwert hat. Nicht als Gegenspieler, sondern gemessen als Grundlage.
    Kein Sport der Welt wird dich vor Problemen schützen, die man mit der krankmachenden Ernährung anrichtet. Eine Ernährung die jedoch stetig den Körper frei von Schadstoffen hält, dazu zählen ebenfalls Impfungen, oder Medizin, Rauchen und alles was man sich eben zuführt gilt hier als Ernährung des Körpers, also auch gute saubere Luft z.B., sowie die Nährstoffe bietet die der Körper braucht, bietet erst die Grundlage, überhaupt die Lust, Kraft und den schmerzfreien, beweglichen Körper zu haben, Sport zu treiben. Man sollte den Schlaf noch erwähnen, der ebenfalls maßgeblich relevant ist und ausreichend lang, und am besten zeitig in der Nacht und ca. im selben Rhythmus stattfinden sollte.

    Den älteren Leuten fällt es zusehens schwerer überhaupt nicht etwas zu machen, weil ihr Körper nicht nur weh tut, meistens durch die ständige Übersäuerung und dann chronische Schmerzen, sondern weil eine stark abgetötete Nahrung, auch gar keine echte Lebensenergie mehr liefert. Man hat dann auch gar keine mentale Kraft mehr und welkt dahin.

    Wer diesen Kreislauf brechen will, muss also zu allererst mal wieder den Körper frei bekommen und das geht am Besten immer mit einer rohen Früchtekost und etwas rohen Gemüse.. Aber es hat auch massive Auswirkungen je älter man ist. Wenn der Arzt, der eigene Körper, endlich sich von Schadstoffen befreien kann, die über Jahrzehnte nur einbekunkert wurden, dann wird es zwangsläufig zu starken körperlichen Entgiftungserscheinungen kommen.
    Zudem die Zellen sich durch andere Nahrung, dann auch durch diese erst neu aufbauen, was viele Monate dauert teils, je nach dem welche Zellen es im Körper sind. Schleimhäute gehen schneller, Knochen, Nerven brauchen wesentlich länger.
    Und vergessen wir dabei Sucht und Gewohnheiten nicht, die man überwinden muss, sowie ein anfängliches stetiges Hungergefühl, weil eine solche Kost Leichtigkeit verspüren lässt und das Gefühl im Bauch von Schwere fehlt, besonders bei sauren Früchten stärker als bei Süßen. Man sollte auch genug Zeit zwischen Mahlzeiten lassen, damit im Magen keine giftigen Reaktionen durch Vermischen entstehen.

    Aber ich kann gleich sagen, dass ohne eine vernünftige Ernährung, mindestens ältere Menschen sich schwer tun werden mit Sport und die Auswirkungen schnell zu eher körperlichen Problemen führen werden, da der Körper viel zu kaputt gespielt ist und Sport hier noch wie ein Brecheisen auf eh schon z.B. entzündete Stellen wie Gelenke wirken wird.
    Ohne eine Ernährungsumstellung und dies nicht mit Schummelei, sondern wirklich eine Umstellung, werden die Wünsche von einem gesunden Körper über Sport eben auch nur das bleiben.. Träume.

  2. Bernhard 19. Dezember 2025 um 17:36 Uhr - Antworten

    Danke für die wissenschaftliche Bestätigung von etwas, was Wesen und Weisheit der Natur so mit sich bringt!
    Ein Großonkel von mir wurde über 100 Jahre alt. Er ist nach dem ersten Weltkrieg über weite Strecken zu Fuß aus einem Arbeitslager in Sibirien bis nach Hause geflohen. Die Russen mochten übrigens laut seiner Aussage Österreicher mehr als andere.
    In späteren Jahren ist er als Bürgermeister jahrelang neben der Arbeit als Bauer zu den Amtstagen zweimal in der Woche fünf Kilometer zu Fuß an die 500 Höhenmeter den Berg hinunter- und wieder hinaufgegangen.
    Mit 98 hat er mit einer Hand, die andere hatte er bei einem Arbeitsunfall verloren, noch einen Rehbock geschossen. Er war also bis zuletzt sehr viel in der Natur und hat aus dem wohl nicht einfachen Leben etwas gemacht.
    Laut Schwiegertochter war er, auch wenn alle anderen in der Familie z.B. wegen einer Verkühlung das Bett hüten mussten, selbst nie krank.

  3. Serkalo 19. Dezember 2025 um 16:31 Uhr - Antworten

    Laufschuhe alleine tun´s aber nicht, wie ich als jahrzehntelanger Nurläufer sagen muss. Richtig gut geht´s mir erst jetzt, nachdem ich schon ein paar Jahre notgedrungen (Knieprobleme) sehr wenig laufe (10-30 Minuten zum Aufwärmen) und ansonsten mit Freiübungen (in Modernsprech „High Rep Calisthenics“) meine Sporteinheiten mache. Meine Schulter- und Nackenprobleme habe ich damit schmerzfrei im Griff und das tägliche Leben geht viel leichter von der Hand…

    Aber ok, mit Triathlontraining wird sicher auch der ganze Körper gefordert. Aber das ist mir zu Aufwendig und bei den jetzigen Verkehrsverhältnissen macht das Radfahren auch keinen Spaß mehr… ;-)

    • Vortex 19. Dezember 2025 um 21:52 Uhr - Antworten

      Tägliches Fahrradfahren wäre (auch) optimal, zu dem ich mich erneut motivieren sollte, denn derweil betätige ich mich eher als virtueller Jäger & Sammler (jpst.it/41jxi) und suche nach Gesundheitsinfos (justpaste.it/bewusst-gesund), um sie zu archivieren, denn wer weiss, wie lange das Internet noch echte Erkenntnisse für jedermann zur Verfügung stellt … :-)

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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