
Die Samaritaner – und die Angst der Zionisten
Wer sind Samaritaner, warum bedrohen sie die Narrative der Zionisten? Samaritaner sind die eigentlichen Ur-Juden. Und sie distanzieren sich vom Zionismus. Wenn überhaupt jemand irgendeinen Anspruch aus den „heiligen Büchern“ haben könnte, dann wären es die Samaritaner. Schauen wir uns an, was die Massenmedien uns darüber vorenthalten wollen.
Während Zionisten, von denen die meisten nach DNS-Untersuchungen von irgendwann zum Judentum übergetretenen Osteuropäern stammen, immer wieder behaupten, ihnen sei Erezt-Israel vor ein paar tausend Jahren von Gott versprochen worden, deshalb sei Palästina (und benachbarte Regionen) eigentlich ihr Eigentum, gibt es da noch die Samaritaner. Und vor deren Kultur und Geschichte haben die Zionisten Angst, deshalb wollen sie nicht, dass ihre Geschichte bekannt wird.
Die Samaritaner betrachten sich als direkte Nachfahren der alten Israeliten, insbesondere der Stämme Ephraim und Manasse. Sie glauben, dass sie die authentische Tradition des antiken Judentums bewahren, im Gegensatz zu den Juden, die sie als Abweichler betrachten. Die Spaltung zwischen Samaritanern und Juden begann vermutlich nach dem babylonischen Exil (6. Jahrhundert v. Chr.). Die Samaritaner akzeptieren nur die fünf Bücher Mose (die Tora) als heilige Schrift und lehnen die weiteren Schriften des jüdischen Tanach ab.
Die Tempelfrage
Die samaritanische Religion ist eine monotheistische Glaubensrichtung, die eng mit dem Judentum verwandt ist, aber eigene Traditionen und Praktiken hat. Der Berg Gerizim gilt als heiliger Ort, im Gegensatz zum Tempelberg in Jerusalem, den die Juden verehren. Worauf basiert ihre Überzeugung? Die samaritanische Version der Tora (die fünf Bücher Mose) weicht in Schlüsselstellen von der jüdischen (masoretischen) Version ab. In Deuteronomium 11:29–30 und 27:4–7 wird Gerizim explizit als Ort des Segens und des Altars genannt. Wichtig: In samaritanischen Texten steht in Stellen wie Deuteronomium 12:5 (über den „Ort, den der Herr wählen wird“) die Vergangenheitsform „hat gewählt“ (was auf Gerizim hinweist), während die jüdische Version die Zukunftsform „wird wählen“ hat, die auf Jerusalem verweist. Samaritaner argumentieren, dass Juden die Texte im babylonischen Exil (6. Jahrhundert v. Chr.) geändert haben, um Jerusalem zu favorisieren. Was natürlich von zionistischen Historikern geleugnet wird. Sie sagen, ja die älteren Textvarianten sind eindeutig historisch nachzuweisen, aber die Unterschiede seien kein Beweis für eine „Fälschung“, sondern eben der Spaltung der religiösen Gruppen.
Ausgrabungen haben einen samaritanischen Tempel auf dem Berg Gerizim bestätigt, der um 450–400 v. Chr. gebaut wurde – also zur Perserzeit, kurz nach dem babylonischen Exil. Der Tempel ähnelte dem in Jerusalem und diente als Rivale dazu. Er wurde um 110 v. Chr. von dem jüdischen König John Hyrcanus zerstört. Funde umfassen Münzen, Inschriften in Hebräisch, Aramäisch und Griechisch, die den Tempel Yahweh (dem Gott der Israeliten) widmen. Samaritaner sehen das als Beweis, dass ihr Tempel der „originale“ war, während Jerusalem eine spätere Erfindung sei. Was von pro-zionistischen Wissenschaftlern wie Yitzhak Magen bestritten wird, welche den Tempel jedoch auf das 5. Jahrhundert v. Chr. datierten. Wodurch es quasi einen „Gleichstand“ zwischen zionistischer Tempelgeschichte und samaritanischer Tempelgeschichte gibt.
Die Bibel unterstützt jedoch die Ansicht der Samaritaner. Die Bibel (z. B. 2. Samuel 24, 1. Könige 6–8) lokalisiert den Tempel auf dem Berg Moriah in Jerusalem. Archäologische Funde wie der Titusbogen in Rom (1. Jahrhundert n. Chr.) zeigen Artefakte aus dem Zweiten Tempel, der 70 n. Chr. zerstört wurde. Zionisten behaupten, es sei eine Fälschung, die nach der Teilung vorgenommen worden sei.
Zurück zur Tora: Die samaritanische Tora, die älteste, jemals gefunden also, weicht in etwa 6.000 Details vom jüdischen masoretischen Text ab, wobei die meisten Unterschiede allerdings geringfügig sind.
Politische Brisanz
Nun zur Politik. Samaritaner sind theoretisch neutral. Aber sie leben lieber in palästinensischen Gemeinschaften, als in zionistischen, und lehnen die Eroberungskriege Israels ab. In den palästinensischen Gebieten haben die Samaritaner in Nablus eine besondere Stellung. Sie besitzen sowohl israelische als auch palästinensische Pässe und bewegen sich in einem komplexen politischen Umfeld. Einige haben sich jedoch sogar der palästinensischen Widerstandsbewegung angeschlossen. Darunter auch die Hamas, die als einzige Organisation der Muslimbruderschaft die Mitgliedschaft von Nicht-Muslimen zulässt. Weshalb man auch Christen in ihren Reihen findet.
In den letzten Tagen wurde Nader Saleh Sadaqa (auch Nader Mamdouh Saleh Sadaqa genannt), ein 48-jähriger Samaritaner aus der Gemeinschaft auf dem Berg Gerizim in Nablus (Westjordanland) aus israelischen Gefängnissen entlassen. Er wurde als Teil der ersten Phase eines Waffenstillstandsabkommens zwischen Israel und Hamas freigelassen, nach mehr als 21 Jahren in israelischen Gefängnissen.
Wie gesagt lehnen die Samaritaner die israelische Besatzung ab, aber sie erkennen auch den „Staat Israel“ nicht an.
Nader wurde in Nablus geboren und wuchs dort auf. Er studierte Geschichte und Archäologie an der An-Najah-Nationaluniversität in Nablus. Mit Ausbruch der Zweiten Intifada (Al-Aqsa-Intifada) im Jahr 2000 schloss er sich der Popular Front for the Liberation of Palestine (PFLP) an, einer linken palästinensischen Organisation, und wurde in deren militärischem Flügel aktiv. Er war an Operationen gegen die israelische Besatzung beteiligt, was zu seiner Verhaftung führte.
Im Jahr 2003 wurde er von israelischen Sicherheitskräften festgenommen und zu sechs lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Die Anklagen bezogen sich auf seine Rolle im palästinensischen Widerstand, einschließlich Beteiligung an bewaffneten Aktionen.
Während seiner über 21-jährigen Haftzeit wurde Nader zu einer respektierten Figur unter den Häftlingen. Er entwickelte sich zu einem intellektuellen Schwergewicht und hielt Vorträge über palästinensische Geschichte und Identität. Israelische Behörden weigerten sich wiederholt, ihn in früheren Gefangenenaustauschen freizulassen, und nutzten ihn als „Warnung“ für andere Samaritaner, die sich der Besatzung widersetzen könnten. Er galt auch als Führer innerhalb der samaritanischen Gemeinschaft.
Über 20 Jahre in israelischen Gefängnissen hatten ihn nicht gebrochen, aber Israel verweigerte seine Rückkehr in die Heimat und deportierte ihn nach Ägypten. In Ägypten angekommen, hielt Sadaqa eine kurze Rede, in der er Gaza und den palästinensischen Widerstand lobte. Er sagte unter anderem: „Hiçbir şey Gazze’nin üstünde değildir“ (Nichts ist über Gaza) und betonte die Stärke und den Widerstandswillen der Menschen in Gaza. Er wird als Symbolfigur der palästinensischen Einheit gefeiert, da er als Samaritaner die Narrative über den Konflikt herausfordert. Er ist der lebende Beweis, dass Zionismus kein „Glaubenskrieg“ oder „Krieg einer Demokratie gegen ein unzivilisiertes Volk“ ist, sondern ein siedlerkoloniales Konstrukt.
Die Brisanz
Ohne Zionismus, das beweist sein Beispiel, und das vieler Christen, können Muslime und andere Religionen, einschließlich der ursprünglichsten jüdischen Gruppen, in Einklang und Harmonie miteinander existieren.
Die Narrative der Zionisten, alle Kriege seid der Nakba 1948 seien nur „Verteidigung“ und neuerdings wieder aktuell, sie müssten Eretz-Israel „befreien“, werden nicht nur von den Tora-Juden, sondern eben auch von den eigentlichen Quellen jüdischen Glaubens, den Samaritanern bestritten. Ebenso wird von diesen Gruppen der Versuch bekämpft, eines der heiligsten Orte des Islam, die Al Aqsa Mosche zu zerstören, und an seiner Stelle den „3. Tempel“ zu erbauen. Ein Versuch, der schon durch Untertunnelung und damit Zerstörung der Fundamente der Moschee unter dem Vorwand von archäologischen Ausgrabungen ziemlich weit gekommen ist. „Schändungen“ der Al Aqsa Moschee durch jüdische Extremisten hatten den 7. Oktober 2023 ausgelöst.
Nach meinem groben Recherche- und Kenntnisstand sind Zionisten ebenso eine Art Teilmenge der Juden / Israelis (von Millionen – aber nicht derart klar abgrenzbar wie wohl ca. 800-850 Samaritaner, Stand 2022/2023), wie die ethnischen Samaritaner (aus dem ehemaligen Nordreich Israel / Samaria, das sich nach der Reichsteilung von Juda trennte (ca. 10. Jh. v. Chr.), die allerdings eine verschwindend kleine Minderheit darstellen. Allerdings sind Zionisten keine ethnische, sondern eine ideologisch-politische Gruppe. Ethnisch gehören Samaritaner ebenso zu den weltweit ca. 280 Millionen Semiten (als Sprachfamilie), wie die Araber (weltweit ca. 450 Millionen) und Palästinenser (weltweit ca. 14 Millionen), so dass der Anteil der Juden an den Semiten mit weltweit ca. 17 Millionen nur ca. 6% beträgt. Das zeigt, dass der Begriff Antisemitismus zwar verfehlt ist, sich aber dennoch als Bezeichnung für Judenfeinschaft etabliert hat und laut Wikipedia eine „Erfindung“ eines deutschen Journalisten Wilhelm Marr aus dem Jahr 1879 ist. Aber das ist wieder ein anderes Thema, dass ich mit deshalb erwähne, weil auch die Ansicht geäußert wird, der Begriff Zionisten werde oft benutzt, um das Wort Juden zu vermeiden, in Wirklichkeit also oft eine sprachliche Verdeckung von Antisemitismus sei.
Wie dem auch sei: Danach ist jedenfalls rein zahlenmäßig eine „Angst“ der Zionisten vor den Samaritanern nicht nachvollziehbar.
Sehr interessant, danke! Das wusste ich gar nicht. Und das vom „13. Stamm“ weiß ich auch nicht, weil Arthur Koestlers Buch hoffnungslos vergriffen äh war, grad hab ich ein gebrauchtes ergattert… „Der dreizehnte Stamm. Das Reich der Khasaren und sein Erbe“
„Ohne Zionismus, das beweist sein Beispiel, und das vieler Christen, können Muslime und andere Religionen, einschließlich der ursprünglichsten jüdischen Gruppen, in Einklang und Harmonie miteinander existieren.“
Ja, doch wird das !eider so weitergegen. Ich fürchte, der Trump-Frieden diente nur dazu, die Geiseln freizulassen.