Die EU kapituliert vor Amerika

28. Juli 2025von 4,7 Minuten Lesezeit

Von der Leyen hat mit der totalen Kapitulation der EU vor den USA etwas Großes geschafft: Alle politischen Lager empören sich vereint über diesen „Deal“ und kritisieren die EU und ihre Kommission. Der Deal wird die Deindustrialisierung und „Puertoricoisierung“ der EU weiter antreiben.

Am Sonntag haben die Europäische Union und die Vereinigten Staaten eine Handelsvereinbarung abgeschlossen: 15 Prozent Zoll auf die meisten EU-Exporte nach Amerika – TKP hat berichtet. Trump nennt den „Deal“ triumphierend „den größten von allen“ – die Börsen und Aktien drehen nach oben. Was Trumps Administration besonders wichtig ist. Die Bürger der EU werden unter die Räder kommen.

Der 15-prozentige Zoll auf EU-Waren, die in die USA gelangen, ist deutlich höher als die 10 Prozent, die Brüssel zu verhandeln gehofft hatte. Unterdessen hat die EU, wie Trump selbst prahlte, „ihre Länder mit null Prozent Zoll“ für amerikanische Exporte geöffnet. Das ominöse „Chlorhuhn“ aus den USA könnte alsbald im Supermarkt in der EU zu finden sein – vermutlich sogar billiger als so manches Grillhuhn des Diskonters.

Weiter geht es: EU-Stahl und -Aluminium werden weiterhin mit einem erdrückenden 50-prozentigen Zoll konfrontiert, wenn sie auf dem US-Markt verkauft werden. Für EU-Produzenten wird das eine schwere Benachteiligung am Markt und erhöht die Kosten für strategische Branchen wie Automobilindustrie, Pharmazeutika und Fertigung – Sektoren, die die transatlantische Handelsbeziehung der EU in Höhe von 1,97 Billionen Dollar stützen.

„Die sogenannten „Ausgleichsmaßnahmen“ neigen das Spielfeld eindeutig zugunsten der USA und zwingen die europäischen Volkswirtschaften, höhere Kosten zu absorbieren, nur um den Zugang zu den amerikanischen Märkten zu erhalten. Noch schlimmer ist, dass die EU sich zu 600 Milliarden Dollar an neuen US-Investitionen verpflichtet hat, sowie zu 750 Milliarden Dollar an langfristigen Energieeinkäufen und vermehrten Beschaffungen amerikanischer Militärhardware. Das vertieft die strukturelle Abhängigkeit des Kontinents von US-Energielieferungen und militärischen Ressourcen weiter“, schreibt das britische Magazin UnHerd.

Tatsächlich sind die politischen Reaktionen in Europa vernichtend. Egal aus welchem Lager, ob pro-russisch oder pro-ukrainisch, ob pro-israelisch oder pro-palästinensisch, eine Welle der Empörung zieht über den Kontinent.

Der geopolitische Kommentator Arnaud Bertrand bemerkte: „Im Austausch für all diese Zugeständnisse und die Extraktion ihres Reichtums erhält die EU… nichts. Das erinnert nicht im Entferntesten an die Art von Abkommen, die zwei gleichberechtigte souveräne Mächte abschließen. Es sieht eher aus wie die Art ungleicher Verträge, die Kolonialmächte im 19. Jahrhundert aufzwingen – nur dass Europa diesmal am empfangenden Ende ist.“

Doch mit dem Deal hat Europa – und vor allem jene Bürger, die die EU weiterhin verteidigen – einige wichtige Lektionen gelernt:

Die EU stärkt ihre Mitgliedsstaaten nicht, wie seit Jahrzehnten behauptet wird, weil sie die Verhandlungsmacht erhöhen würde. Die Geschichte geht so: Die EU als supranationaler Block kann, indem die Staaten ihre Souveränität aufgeben, ein Gewicht gegen globale Mächte sein. Die Wirklichkeit ist das Gegenteil: Die EU untergräbt systematisch die Fähigkeit einzelner Nationen, flexibel auf innere und äußere Herausforderungen zu reagieren, basierend auf ihren eigenen wirtschaftlichen und politischen Prioritäten.

Unherd dazu:

Das starre Rahmenwerk des Blocks – seine mehrschichtige und bürokratische Entscheidungsstruktur, der chronische Mangel an demokratischer Rechenschaftspflicht und die erdrückende regulatorische Überregulierung – verschärfen diese Schwächen.

Indem Brüssel die europäischen Nationen in eine supranationale Zwangsjacke sperrt, hat es sie der souveränen Werkzeuge beraubt – Industriepolitik, Handelsflexibilität und Energieunabhängigkeit, Geldpolitik  –, die notwendig sind, um ihre eigenen Interessen zu verteidigen. Darüber hinaus war die EU immer ideologisch und strategisch dem Atlantizismus verpflichtet – und ihre progressive Integration mit der Nato in den letzten Jahren hat ihre Unterordnung unter die USA nur vertieft. Diese Ausrichtung ist unter von der Leyen peinlich offensichtlich geworden.

Infolgedessen hat die EU statt Europa „stärker zusammen“ zu machen, einen beispiellosen Verlust an Hebelwirkung und Autonomie geliefert. Der Block ähnelt nun genau dem, was er überwinden sollte: einer Sammlung von Vasallenstaaten, die unfähig sind, einen unabhängigen Kurs zu steuern, und zunehmend auf die Rolle eines wirtschaftlichen Protektorats Washingtons reduziert werden.

Trump hat nicht ganz unrecht, wenn er die EU unfairer Handelspraktiken beschuldigt. In den letzten zwei Jahrzehnten hat Brüssel ein hyper-merkantilistisches, exportgetriebenes Wachstumsmodell angenommen, das die inländische Nachfrage systematisch unterdrückt, um die Preiswettbewerbsfähigkeit auf der globalen Bühne zu stärken und Importe niedrig zu halten. Mit anderen Worten, es hat konsequent Handelsüberschüsse priorisiert, anstatt die interne wirtschaftliche Entwicklung.

Ein Ausgleich war tatsächlich längst überfällig. Aber dieses Abkommen stellt die schlimmste mögliche Art von Ausgleich dar. Statt diesen Moment als Gelegenheit zu nutzen, um ihre grundlegend fehlerhafte wirtschaftliche Strategie zu überdenken – indem sie europäische Löhne erhöhen, die inländische Nachfrage ankurbeln und akzeptieren, dass Exporte dadurch weniger wettbewerbsfähig werden könnten –, hat die EU genau jenes Modell verdoppelt, das ihre eigene wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ausgehöhlt hat.

Statt zu einem gesünderen, stärker innengetriebenen Wachstumspfad überzugehen, hat Brüssel gewählt, sein exportgetriebenes Paradigma, um jeden Preis zu erhalten. Das bedeutet nun, die industrielle Basis Europas einem Strom von Importen auszusetzen, die Deindustrialisierung zu beschleunigen und die Abhängigkeit von ausländischen Märkten zu vertiefen.

Bild „President Donald Trump greeting Ursula von der Leyen“ by European Communities is licensed under CC BY 4.0.

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10 Kommentare

  1. Ale 29. Juli 2025 um 21:13 Uhr - Antworten

    Kann mir bitte jemand erklären, welche Legitimation diese Frau hat, um für die in der EU vereinigten Staaten rechtsgültig zu verhandeln?
    Müssen die jeweiligen EU Mitglieder diesen „Deal“ widerstandslos schlucken? Ich kann’s nicht glauben.

  2. Daisy 29. Juli 2025 um 5:26 Uhr - Antworten

    Wofür hat die Schlangenhäuptige uns verkauft? Was wurde im Hintergrund vereinbart?
    Ich vermute mal, dass Trump nun in Bidens Fußstapfen tritt und den Krieg gegen Russland weiterhin unterstützt mit Waffen aus US und Soldaten aus der EU-NATO. VdL zeigte sich hochzufrieden, die Energiezufuhr aus Russland komplett einstellen zu können. Trump meint nun, er wird das Ultimatum auf 10 Tage verkürzen und dann alle bestrafen, die Öl und Gas aus Russland beziehen und es an die EU weiterverkaufen – das trifft China, Indien, aber auch die Türkei. Zudem hat er ja neulich aufgrund der Schleimerei✴ von Rutte den Artikel 5 der NATO akzeptiert, den er zuvor noch kritisierte und erklärt hatte, er gelte nicht für US.
    ✴Es gibt dazu eine gute Psychoanalyse von Rainer Rupp – Trump – Narzisstische Verletzbarkeit und gefährliche politische Schmeicheleien
    Tatsächlich dürfte es so sein, dass sich damit das ständige Hin und Her am besten erklären lässt. Trump ist sehr anfällig, was Schmeicheleien betrifft. Besonders gut kônnen das natürlich Selenskistein und Bibi. Und bleibt das aus, wird er zornig…

    Alles nimmt die übelste Entwicklung.
    EUropa – in erster Linie Deutschland und seine aufopferungswilligen Funz:innen – gibt sich hin, um Amerika zu retten. Es wird auch für Amerika in den Krieg gegen Russland ziehen. NATO-Beate beeilt sich gerade, unsere Neutralität abzuschaffen, indem sie einen NATO-Beitritt Österreichs vorbereitet, damit wir uns auch beteiligen dürfen, denn was die Ukraine am meisten braucht, das sind Soldaten.

    Ich schätze, dass schließlich die Amerikaner Öl und Gas aus Russland kaufen und es dann an die EU weiterverkaufen werden – vielleicht in 5L Kanistern.

    Wenn Trump seinen Zollwahn gegen China und die BRICS fortführt, könnte es aber auch sein, dass die uns „die Gas ganz abdrehn“. Die brauchen uns nämlich nicht.

    • Rumpelstilz 29. Juli 2025 um 13:44 Uhr - Antworten

      „Trump ist sehr anfällig, was Schmeicheleien betrifft.“

      Das denken die Leute. Das SOLLEN sie sogar denken.

      Und dann gehen sie hin nach einem solchen Briefing „Schmeichelt ihm, dann wird er weich“ und kriechen ihm in aller Öffentlichkeit masochistisch grinsend in den Allerwertesten wie Rutte und unterstellen ihm ins Gesicht, er hätte sich benommen wie ein Vater, der seien Kinder züchtigt, und andere unerwachsene Peinlichkeiten mehr.

      Und das, obwohl sie ihn abgrundtief hassen wie die Pest und sich ganz offen auf der Seite seiner Gegner gestellt haben und dort auch verblieben sind, und er das ganz genau weiß und garantiert nicht vergessen hat. (Man stelle sich vor, ein Russe würde sich so Putin gegenüber benehmen oder ein Chinese Xi!)

      Fein, sagt sich der Trump, der viel normaler ist als sie, jetzt hab‘ ich sie wo ich sie haben will, und verdoppelt im Geist schon mal die Preise. Denn er kann sie fast noch weniger ausstehen.

      Und jetzt können sie nicht mehr zurück.

      Das Ergebnis kann man jetzt besichtigen.

  3. Bernhard 29. Juli 2025 um 0:17 Uhr - Antworten

    Wie lange noch werden sich die Leute in Europa das gefallen lassen? Wann wird diese aufgezwungene – und medial verstärkte – suizidale Energie der Mehrheit zu viel?
    Eigentlich ein sehr guter Zeitpunkt zum Umdenken. Europa muss sich geopolitisch sowieso neu aufstellen.
    Mit BRICS-Ländern wären da sicher bessere, weniger einseitige und zukunftsfähigere Beziehungen möglich.
    Z.B. über die Seidenstraße, die Eurasien der Geografie entsprechend verbindet statt künstlich trennt.

  4. Vivarium Eins 28. Juli 2025 um 20:34 Uhr - Antworten

    Macht die EU nieder!

  5. Glass Steagall Act 28. Juli 2025 um 18:46 Uhr - Antworten

    Super gemacht Uschi, auf dass „Klo-Huhn“ haben wir uns schon lange gefreut.
    Hier zeigt sich schön, was die Umstellung auf den Superstaat EU wirklich bedeutet. Nämlich dass eine vom Volk ungewählte korrupte Politikerin, für 450 Millionen Menschen, einen Deal ganz allein aushandeln darf … ohne Parlament und ohne demokratische Prozesse!

    • Daisy 28. Juli 2025 um 19:16 Uhr - Antworten

      Ich glaub nicht, dass sie das alleine beschlossen hat. Die Frage ist nur: Wer sind ihre Hintermänner?

    • Daisy 29. Juli 2025 um 5:46 Uhr - Antworten

      Wenn sie das wieder ohne Absprache à la Pfizer-Deal im Alleingang gemacht hat, ist sie fällig. Nun kommt von allen Seiten Kritik, auch aus Frankreich. Zudem stellt man fest, sie kann die Milliarden gar nicht versprechen.

      Berliner Zeitung: „Nach Deal mit Trump: EU rudert bei Investitionszusage plötzlich zurück – Bericht“

      Wem dient Leyen? Sie kann nur dem woken amerikan. Deep State dienen, denn Trump hat ja den Klimawahn abgesagt, Leyen nicht. Weiters gibt es noch viele Unterscheidungen, was die div. selbstschädigenden Agenden betrifft. Zudem hat Amerika nun RFK Jr. als Gesundheitsminister..

      Nur eine klare Linie ist erkennbar bei ihr: die totale Zerstörung Deutschlands und in Folge auch der EU. Und wer möchte so etwas? Die irren Spekulanten beim WEF?

  6. Nurmalso 28. Juli 2025 um 17:34 Uhr - Antworten

    Tja was will man denn noch von so einer Stiefelleckerin erwarten ? Unterwerfungen im Sadomasoclub vor den ganz Großen scheint ihr absolut zu gefallen.

  7. Pfeiffer C 28. Juli 2025 um 17:20 Uhr - Antworten

    Von der Leyen hat mit der totalen Kapitulation der EU vor den USA etwas Großes geschafft

    „Die EUropäische Führerin Ursula Leyen, deren Vater vom „Dritten Reich“ so begeistert war, daß er als niedersächsischer Ministerpräsident verfügte, verurteilte Naziverbrecher wieder zum Staatsdienst in höchsten Ämtern zuzulassen, mußte sich am 10. Juli einem sogenannten Mißtrauensvotum stellen. Daß daraus nichts wird, war von vornherein klar: Zum einen ist nicht nur Leyen selbst bis ins Knochenmark korrupt, sondern auch der größte Teil des sogenannten EU-Parlaments, das ein solches nur im strengsten Wortsinn ist – weil „parlare“ nun mal „reden“ und nicht „repräsentieren“ oder „entscheiden“ bedeutet.

    Zum anderen mißtraut zwar der größte Teil der europäischen Bevölkerung der unfähigsten und kriminellsten „Politikerin“ seit dem „Dritten Reich“, aber diese Bevölkerung besteht nun mal aus Untertanen…“

    © Michael Sailer

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