Die neuen Linken und ihr Hass nach unten

7. Mai 2025von 16,4 Minuten Lesezeit

Alexander Wendts Buch Verachtung nach unten setzt sich kritisch mit der Identitätspolitik auseinander und insbesondere mit der schneidenden Verachtung, welche die „Wohlgesinnten“ gegenüber allen äußern, die nicht so sind wie sie. Wendt sieht die Ursache für diese Entwicklung vor allem in der Eigenlogik des intellektuellen Feldes. Seine Lösungsvorschlag – die Wiederherstellung der „Bürgergesellschaft“ – überzeugt nicht.

Inzwischen gibt es zahlreiche Bücher, die sich mit den Verwerfungen der Identitätspolitik beschäftigen, angefangen von Sahra Wagenknechts Die Selbstgerechten über die Psychologin Esther Bockwyth mit ihrem Buch Woke bis zur Journalistin Pauline Voss, die mit ihrem Buch Generation Krokodilstränen den Wokismus unter Verweis auf Foucault – den Säulenheiligen der „Wachen“ – kritisierte.

Auf den ersten Blick scheint es so, als würde Alexander Wendt die Identitätspolitik eher von Links kritisieren. Hierfür sprechen sowohl der Titel seines Buches als auch diejenigen Passagen, die er in der Bibliothek des Konservatismus am 19. April 2024 vorgetragen hat.[1]

Andererseits ist er aber auch Redakteur des rechten Magazins Tichys Einblick. Es macht schon neugierig, wie das zusammenpasst. Die Antwort ist einfach: Gar nicht. Zwar zieht Wendt die traditionelle Linke der heutigen Identitätslinken vor, aber er lehnt erstere ebenfalls ab. Insbesondere im letzten Kapitel breitet er seine konservativen Bekenntnisse aus, die letztlich nicht weiterführen und eher nicht dazu geeignet sind, dem zerstörerischen Wirken der Identitätslinken etwas entgegen zu setzen. Auch seine Beschreibung mancher Cancel-Vorgänge ist einseitig und damit unvollständig.

Dennoch ist Wendts Buch wertvoll. Er hat sich nicht nur an Medienbeiträgen abgearbeitet, sondern auch selbst recherchiert und es ist ihm gelungen, mit Vertretern beider Seiten, also der Identitätslinken und ihrer Kritiker zu sprechen. Ebenso recherchierte er unter Migranten und Arbeitern, die soziale Sicherheit für sich erreichen und sich nicht bevormunden lassen wollen.

Die Betonung der Verachtung, welche die woken „Wohlmeinenden“ gegenüber allen an den Tag legen, die nicht so sind wie sie selbst, ist ein weiterer wichtiger Aspekt, der bisher in dieser Form nur wenig beleuchtet wurde. Wenn man das Buch von Wendt mit den Büchern von David Graeber und Hauke Ritz zusammen liest, ergeben sich wichtige Erkenntnisse über das Phänomen des Wokismus und seine vermutliche Zukunft.

Wendt stellt im ersten Kapitel zu recht fest, dass die heutige Linke nichts mehr mit der traditionellen Linken zu tun hat. Ging es der früheren marxistischen Linken noch um eine Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse und die Herstellung von Gleichheit aller Menschen, so ist die Woke Linke an Ökonomie nicht mehr interessiert. Ihre weltfremden Theorien setzten die Ungleichheit verschiedener Menschengruppen voraus.

Die schneidende Verachtung, die die neue woke Bourgeoisie gegenüber allen unter ihr stehenden empfindet, hat erfolgreich dazu geführt, dass die Bedürfnisse der Arbeiter in der Öffentlichkeit schlicht nicht mehr vorkommen. Ihre Forderungen zum Beispiel nach sozialer Sicherheit, einem Ende von Einwanderung und Klimawahn gelten als unbeachtlich, ja geradezu unverschämt. „Sie sollen gefälligst ihre Arbeit verrichten, sich aber nicht mit eigenen Themen in die gesellschaftliche Debatte einmischen.“ Noch nicht mal in Fernsehserien oder der Werbung kommen Arbeiter vor.[2]

Alle, die zum Beispiel nicht angesichts der Flüchtlingskrise von 2015 nicht in Begeisterungsstürme ausbrachen, wurden von den Medien rüde beschimpft, so zum Beispiel als „wunderliche Nichtneger, die jetzt aus ihren Löchern gekrochen kommen“ (Süddeutsche Zeitung).

Die identitätspolitischen Linken und die progressiven Bürgerlichen haben viele Gemeinsamkeiten und zwar nicht nur ideologischer Art. Beide Gruppen leben in zentralen Stadtvierteln in sanierten Altbauwohnungen, schicken ihre Kinder auf teure Privatschulen oder gute Gymnasien, wohin sich kaum ein Ausländer verirrt, fahren per Bahn von Stadtzentrum zu Stadtzentrum und können so auf das Privatauto verzichten.

Alles lästigen Dinge wurden nach außen an die Peripherie verlagert: Asylbewerberheime, Windkraftanlagen und Industriebetriebe mit ihren Beschäftigen zum Beispiel. Kernenergie und Fracking werden kategorisch abgelehnt, obwohl die wohlgesinnten Milieus diese Energieformen ebenfalls konsumieren, etwa bei Stromimporten aus Frankreich oder durch den Import von US-Frackinggas.

Die Gruppe der woken Sinnproduzenten will Wendt nicht als Klasse bezeichnen, denn zu ihr gehören neben Wohlhabenden auch Normalverdiener auch Personen in finanziell knappen Verhältnissen, die trotzdem über kulturelles Kapital und damit über Definitionsmacht verfügen. Voraussetzung für den Erwerb des kulturellen Kapitals ist ein sozialwissenschaftliches Studium. Sie sind Teil einer Bewegung, die darauf zielt, die „Bürgergesellschaft“ durch etwas radikal anderes zu ersetzen. Sie verwenden Symbole und Theoriefetzen der traditionellen Linken, haben aber mit ihr ansonsten kaum etwas zu tun. Angehörige dieser Gruppe bezeichnet Wendt auch als die Wohlgesinnten. Denn sie legitimieren ihren weitgreifenden Umgestaltungsanspruch durch öffentlich demonstrierte Tugend.

Zentrales Element ihrer Ideologie ist die Litanei von der kollektiven Schuld des Westens und der Männer an allen Übeln, die es dauerhaft abzubüßen gilt. In Diskussionen kann zum Beispiel eine Frau ihre Identität als Opfer des Patriarchats ausspielen. „Da kann jemand jahrelang Soziologie und Philosophie studiert haben – als Teil einer Opfergruppe erledigt man den mit paar Schlagworten.“ Notfalls reicht ein einziger Satz aus: „Das sind Ansichten eines alten weißen Mannes.“

Der Begriff „Alter Weißer Mann“ ist im Grunde genommen ein Synonym geworden für Arbeiter. Arbeiter und Arme hatte die Bourgeoisie immer schon verachtet seit es sie gibt, nur die Ideologie wechselte. Das reichte vom Malthusianismus über die Eugenik bis zu heutigen Schmähungen der Arbeiter als irgendwie rechts und rückständig. Prototypisch für letzteres ist die Rede, die die Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton auf einem noblen Spendendinner 2016 in New York hielt. Sie sprach vom Korb der Jämmerlichen, dem Basket of deplorables. Dabei meinte sie die Anhänger ihres Gegenkandidaten Trump, die sie wie ein Entomologe noch weiter aufgliederte in Rassisten, Homophobe, Fremdenfeindliche und Islamophobe. Erst diese schneidende Verachtung gegenüber großen Teilen der US-Bevölkerung gab der Trump-Kampagne den letzten Schub und sicherte ihm wahrscheinlich 2016 den Sieg.

Ähnlich diffamierend ist der unter Woken weit verbreitete Begriff Karen für eine mittelalte weiße Vorstadtfrau, der Beschränktheit und rassistische Vorurteile unterstellt wird. Solche Diffamierungen kommen nicht nur in den USA vor: Die Komödianten Sarah Bosetti erklärte 2021 die Demonstranten gegen die Coronamaßnahmen zum Blinddarm der Gesellschaft. Beide befänden sich rechts und unten.

Ein wichtiges Merkmal der Moralelite ist auch ihre Heuchelei. So forderte der ARD-Journalist Lorenz Beckhardt wortgewaltig: „Macht Fleisch, Autofahren und Fliegen so teuer, dass wir davon runterkommen. Bitte! Schnell!“ Nach seinem Kommentar verschickte Beckhardt Reisebilder aus Oman, Ägypten und Costa Rica samt Besuchen in gehobenen Restaurants, wo er wie selbstverständlich fleischhaltige Menüs verzehrte!

Die Grüne Klimaaktivistin Luisa Neubauer bekam den Spitznamen Langstrecken-Luisa, weil sie einerseits aufrüttelnde Reden gegen den Klimawandel hält, aber andererseits so oft wie nur wenige Jugendliche ihres Alters durch die Welt jettet „als gäbe es kein Morgen“ und an den angesagtesten Feriendestinationen wie Hong Kong, Macau, Lombok (Indonesien), Marokko, Namibia und Tansania Urlaub macht. Im Winter fährt sie darüber hinaus zum Skifahren nach St. Anton am Arlberg oder zum Passo del Tonale in Italien. Auch das ist ein Vergnügen, das die Woken den Normalbürgern sehr stark vermiest und mit Schuld aufgeladen haben. Für die Wohlmeinenden gelten demnach andere moralische Maßstäbe.

Sie predigen auch unentwegt die Disruption, etwa durch Massenmigration und amüsieren sich über die Angst der anderen vor Veränderungen – während sie für sich selbst im Altbauviertel mit teuren Privatschulen eine bemerkenswert traditionelle und statische Idylle organisieren, so Wendt. Im Grunde genommen verachten die Wohlgesinnten in abgestufter Weise alles außerhalb ihres eigenen Zirkels. Zumindest nehmen sie andere, die sich von ihrer Wahrnehmungs- und Begriffswelt unterscheiden, nicht als gleichrangige Gesellschaftsmitglieder wahr.

Diese Verachtung führt auch dazu, dass alle diejenigen, welche die von Wohlgesinnten aufgestellten Regeln überschreiten, brutal bestraft werden; zunächst nur durch einen Shitstorm, dann durch Existenzvernichtung und in den letzten Jahren immer mehr auch durch den Staat. So sieht das Selbstbestimmungsgesetz horrende Geldstrafen für diejenige vor, die Woke mit einem (ihrer Meinung nach) falschen Pronomen anreden. Alexander Wendt bringt einige haarsträubende Fälle von solchen Bestrafungen und Existenzvernichtungen, die alle Merkmale einer Hexenjagd aufweisen.

Allerdings zeigt sich bei Wendt an einigen Fällen schon eine gewisse Einseitigkeit in der Darstellung. An einer Stelle geht es darum, dass viele Studenten und Professoren angeblich oder tatsächlich den Angriff der Hamas vom Oktober 2023 auf Israel befürworteten. Die Ablehnung von Israel in studentischen Kreisen dürfte wohl eher durch die als Reaktion erfolgten Angriffe auf den Gaza-Streifen ausgelöst worden sein, die mindestens 50.000 Menschen das Leben gekostet haben. Man braucht keine Sympathien für den radikalen Islam, die Hisbollah und erst recht nicht für die Hamas zu empfinden, um ein solches Massaker abzulehnen und auch scharf zu kritisieren. Wendt allerdings erwähnt diese Angriffe auf den Gaza-Streifen mit keiner Silbe. Diese Kritik an der Kriegspolitik Israels hat mit der Cancelkultur eigentlich nichts zu tun. Warum er diese Stelle in sein Buch aufgenommen hat, ist unklar. Auf jeden Fall zeigt sich hier, dass er keinesfalls im Namen der Vernunft gegen verbohrte Ideologen argumentiert, sondern selbst ebenfalls einer ideologischen Agenda folgt.

Bereits in der Tendenz der Wohlgesinnten, immer kleinere Gruppen und Subgruppen von „Opfern“ zu definieren, zum Beispiel im Buchstabensalat LGBTQIA2S, kommt es zu einer Tribalisierung des Westens. Diese Tendenz ist noch wesentlich stärker in sektenähnlichen Klimagruppen wie „Extinction Rebellion“ oder „Letzte Generation“.

Während die sozialistische Arbeiterbewegung eine von ihren antagonistischen Widersprüchen befreite, ökonomisch weitgehend homogene und wohlhabende Gesellschaft anstrebte, verweigert die progressiv-regressive Bewegung diese Befriedung von vornherein. Da in ihrem Weltbild der Westen insgesamt auf Rassismus beruht, kann es in keiner für sie denkbaren Zukunft einen gesellschaftlichen Frieden geben. Jedenfalls nicht, solange der Westen und Weiße überhaupt existieren. Radikale Migrationsaktivisten wie Axel Steier arbeiten deshalb konsequent daran, beides abzuschaffen, in dem sie Deutschland mit Flüchtlingen vollstopfen. Dadurch verschärfen sie alle gesellschaftlichen Konflikte absichtlich und massiv.

Inzwischen studiert in Deutschland mehr als die Hälfte eines Jahrganges, ungefähr 50% davon Sozialwissenschaften im weitesten Sinne. Für diese große Zahl an Absolventen müssen entsprechende Stellen geschaffen werden, was aber immer weniger gelingt.

Die Hauptursache für Aufkommen der Woke-Ideologie sieht Wendt in Entwicklungen des akademischen Bereichs. Im Feld der Sinnschöpfung, das von der Wissenschaft über Medien bis zum Kulturbetrieb reicht, herrscht eine große Knappheit an Stellen, gemessen an den Bewerbern. Wer da mitmachen will, muss sich also anpassen. Dies beschreibt Wendt als Disziplinierung durch Selbstoptimierung. Dies sei ein Vorgang mit hoher Eigenlogik, der keine lenkende Instanz brauche.

Denn gerade das Feld der Sinnproduktion ist durch eine starke Ausprägung der Klassengesellschaft charakterisiert. Ganz wenige Personen auf der Leitungsebene wie Chefredakteure und Professoren sind materiell stark privilegiert, haben nahezu unbegrenzten Zugang zur Öffentlichkeit und besitzen eigenständige besser ausgestattete Rentensysteme, die ihnen Alterswohlstand sichern. Darunter befindet sich die Gruppe der meist fest angestellten Dozenten, Redakteure etc., die zwar keine üppigen, aber wenigstens auskömmlichen Gehälter bekommen. Die weitaus größte Gruppe gehört zum Unterbau. Seine akademischen Angehörigen werden schlecht bezahlt und besitzen streng befristete Verträge oder sie sind freie Journalisten, die ihre Elaborate zu demütigenden Preisen anbieten müssen. Häufig sind sie für ihren Lebensunterhalt auf ergänzende staatliche Transferleistungen angewiesen. Da sich ihr Leben in einer Großstadt abspielen muss, haben sie keinerlei Freiheit, weder finanziell und erst recht nicht im Verhalten. Sie dürfen also keinen Millimeter von der meist woken Linie ihrer Vorgesetzen abweichen, sonst stehen sie ökonomisch vor dem Nichts.

Hauptursache dieser negativen Entwicklung ist nach Peter Turchin eine Überproduktion von Funktionseliten. „Je schlechter die Chancen auf den verheißenen Aufstieg, […], je kleiner die Zahl der privilegierten Posten, desto heftiger der Eifer, sich selbst als besonders wachsam, rein und zuverlässig zu beweisen. Und desto heftiger das Bestreben, Feinde ausfindig zu machen und niederzukämpfen.“

Andererseits ist diese Entwicklung folgerichtig, denn die Zahl der eigentlichen Industriearbeiter schrumpft ebenfalls stark durch Betriebsverlagerungen ins Ausland, Automatisierung und Rationalisierung.

Der Anarchist David Graeber konnte in seinem Buch Bullshit Jobs zeigen, dass gerade viele Tätigkeiten von leitenden Angestellten und im Bereich der Sinnschöpfung im wahrsten Wortsinn unsinnig sind. Dennoch wurden sie bisher eingerichtet und von den wirklich Mächtigen, den Milliardären zumindest toleriert, um den gesellschaftlichen Zusammenhang nicht ganz aufzulösen. Diese Menschen werden besoldet, um die herrschende Ideologie durchzudrücken, zunächst noch hauptsächlich intellektuell (Propaganda, Canceln etc.), manchmal aber auch schon ganz handgreiflich. Damit erfüllen sie alle Merkmale einer Lumpenbourgeoisie bzw. des wildgewordenen Kleinbürgers.

Es mag sein, dass die konkrete Ausformung der Woke-Ideologie nicht von den Milliardären vorgegeben wurde, sondern sich aufgrund der Eigenlogik im Feld der Theorien entwickelte.

Allerdings stellte Hauke Ritz in seinem Buch „Vom Niedergang des Westens zur Neuerfindung Europas“ dar, dass US-Geheimdienste und Milliardärsstiftungen im Kalten Krieg (1945-1991) gezielt eine nichtmarxistische Linke in Europa geschaffen und dazu eine Umwertung aller Werte im Sinne Nietzsches durchgeführt haben. So wurden die Ideen des Fortschritts, des Subjekts, des positiven Menschenbildes, der Vernunft und der Wahrheit „dekonstruiert“, also zersetzt und zerstört, um sie durch Vorstellungen der Dystopie, eines negativen Menschenbildes, einer Aufwertung des Gefühls und der Triebe sowie der Idee vom Ende der großen Erzählungen (Marxismus, Psychoanalyse, Feminismus) zu ersetzen. Nach dieser Umwertung aller Werte verlor der Marxismus an Plausibilität, während die zahlreichen weltfremden postmodernen Theorien aus dem Elfenbeinturm an Plausibilität gewonnen.

Hinzu kommt, dass konkrete Projekte der Woken wie Propaganda für die Aufnahme von Flüchtlingen und die Klimabewegung sehr wohl von Milliardären unterstützt wurden.

Wendt zeigt in weiteren Abschnitten durchaus gewisse Sympathien für Gewerkschaften, etwa wenn er beschreibt, wie in den USA eine Amazon-Gewerkschaft gegründet wurde.

Dennoch ist Wendts Gesellschaftskonzept nostalgisch rückwärtsgewandt. Zentraler Bezugspunkt ist für ihn die Bürgergesellschaft, unter der er wohl so etwas wie die klassische Bürgerlich kapitalistische Gesellschaft versteht. Ein Bürger sei jeder, der selbst seinen eigenen Lebensunterhalt bestreite. Demnach werden auch die Arbeiter darunter subsummiert. Diese „Bürgergesellschaft“ solle wiederhergestellt werden.

Tatsächlich basieren die von Wendt und anderen hervorgehobenen positiven Merkmale der bürgerlichen Gesellschaft wie hohe Bedeutung der Wissenschaft, Aufklärung und der Vernunft, Gewaltenteilung und tatsächliche Beratungen in Parlamenten, sehr stark berechenbare Justiz etc. auf dem Bürgertum, einer Klasse, die meistens noch selbst Produktionsmittel besaß und demnach unabhängig war, nur den Gesetzen des Staates und des Marktes unterworfen. Höhepunkt des Bürgerlichen Zeitalters war der Kapitalismus der Freien Konkurrenz zwischen 1848 und 1895. Bereits mit dem Aufkommen von Monopolen und der Verschärfung des Klassenkampfes zwischen Kapital und Arbeit wurde der Staat autoritärer und viele Merkmale der klassischen bürgerlichen Gesellschaft verblassten. Sie lassen sich auf kapitalistischer Grundlage nicht wiederherstellen, denn ihre materielle Basis – der nichtmonopolistische selbstgeführte Industriebetrieb – ist fast verschwunden; genauer, er bestimmt nicht mehr wesentlich das Wirtschaftsleben. Heute gibt es riesige Monopole wie Blackrock, die ganze Kontinente beherrschen und in deren Herrschaftsbereich der Wettbewerb bewusst zum Erliegen gebracht wurde. „Wettbewerb ist etwas für Verlierer“, sagte der Investor Peter Thiel und dies entspricht auch der Realität im Westen.

Wir leben heute in einer Gesellschaft, die viel zu produktiv geworden ist, um all ihren Mitgliedern noch einen auskömmlichen Erwerb bieten zu können. Im Gefolge von Automatisierungen, Rationalisierungen und – besonders nach 1989 – Verlagerungen von Industriebetrieben ins Ausland schrumpfte die Zahl der Industriearbeiter rapide. Es wurde das Dienstleistungszeitalter ausgerufen. Menschen sollten jetzt in hochwertigen Dienstleistungsberufen Arbeit finden und die Zahl der Studenten wurde deshalb bewusst gesteigert. Inzwischen schrumpft aber auch die Zahl der zum Beispiel in der Sinnproduktion Beschäftigten und ihre Bezahlung wird immer geringer. Mit KI werden viele ihrer Tätigkeiten ebenfalls automatisiert. Viele Menschen stehen erneut vor dem Nichts. Nicht zuletzt deshalb werden die von dieser Gruppe vertretenen Ideologien immer verbohrter, verrückter und dysfunktionaler, was Wendt eindrucksvoll beschrieben hat.

Diese verrückte und dysfunktionale Ideologie hat inzwischen negative Rückwirkungen auf die reale Welt. Aus dem Westen komme nur Schlechtes, der Mensch, insbesondere der weiße alte Mann sei ein Rassist, Sexist und Umweltverschmutzer. Es drohe die Klimaapokalypse und durch eine Politik der teuren Energie wird die Industrie bewusst aus Europa vertrieben. Mit dem Industriellen Niedergang des Westens seit 1989 geht auch viel Produktionswissen – Know-how – verloren, das sich in China konzentriert. Dadurch vergrößert sich die allgemeine gesellschaftliche Krise und die woke Ideologie radikalisiert sich weiter. Zugleich saugen die reichsten Männer der Welt über ihre Schattenbanken wie Blackrock immer mehr Reichtum aus der Gesellschaft ab.

Es ist absehbar, dass die Milliardäre als wahre Herren dieser Gesellschaften bald nicht mehr bereit sein werden, noch sehr viele woke Ideologen durchzufüttern. Die von der DOGE (Department of Government Efficiency) und Elon Musk initiierten Entlassungen der Trump-Administration und die Auflösung von USAID deuten in diese Richtung. Zahlreiche US-Konzerne haben zudem ihre DEI-Abteilungen (Diversity, Equity, and Inclusion) entweder schon ganz aufgelöst oder verkleinert. Sponsoring und Werbung mit woken Themen, die Wendt in seinem Buch ausführlich beschrieben hat, wurden bereits stark zurückgefahren.

Europa möchte gegen Russland kriegsfähig werden. Diesem Zweck dient auch die diskutierte Wiedereinführung der Wehrpflicht. Gefragt ist also nicht mehr das ideale Opfer einer „rassistischen“ Gesellschaft, sondern der gestählte Landser, der nicht groß diskutiert, sondern auf Befehl schießt. Um dies zu erreichen darf der Westen nicht mehr primär negativ und rassistisch dargestellt werden, sondern wie heute schon in vielen Medien als Leuchtturm der Demokratie, der gegen das russische Reich des Bösen steht.

Insofern dürfte der woke Spuk bald vorbei sein. Allerdings ist der Wokismus gegenwärtig die einzige Legitimationsideologie des neoliberalen Kapitalismus. Der Aufbau einer liberalen und nichtmarxistischen Linken hat Jahrzehnte gedauert und es ist nicht ersichtlich, wodurch er ersetzt werden könnte. Die direkte physische Unterdrückung der Menschen durch Polizei, Geheimdienste und Militär dürfte deshalb in Zukunft wichtiger werden als ideologische Beeinflussung. Besser werden die Zeiten also auch dann nicht, wenn die woke Ideologie verschwindet.

Der Verfall der Wissenschaft und der Intellektuellen führt also zum Kern der gegenwärtigen Probleme des Westens. Es ist für den Rezensenten nicht ersichtlich, wie diese gelöst werden könnten ohne eine Umverteilung des Reichtums. Dies wird allgemein als Sozialismus bezeichnet, den Wendt jedoch strikt ablehnt. Er behauptete, dieser hätte die Arbeiter und Bauern stärker verarmt, als es der Kapitalismus je fertigbrachte. Das stimmt für die Sowjetunion schon mal gar nicht. Vielmehr war die planwirtschaftliche Industrialisierung die einzige Möglichkeit, wie sich das 1917 noch agrarisch geprägte Russland zu einem Industrieland entwickeln konnte. Auch in den anderen Ostblockländern wuchs nach dem Zweiten Weltkrieg die Wirtschaft, teilweise sogar rasant. Allerdings: In den meisten Ländern Westeuropas und besonders in der BRD stieg damals der Lebensstandard noch schneller als in Osteuropa. Im Nachhinein zeigt sich jedoch, dass dies keinesfalls ein Merkmal des Kapitalismus an sich war, sondern nur während der Systemkonkurrenz mit dem Sozialismus vorkam.

Alexander Wendt: Verachtung nach unten, Reinbeck 2024, Lau-Verlag, 26 € (gebundene Ausgabe), 21,99 € (E-Book), ISBN 978-3-95768-259-8, eISBN 978-3-95768-264-2

[1] Alexander Wendt: Verachtung nach unten – Wie eine Moralelite die Bürgergesellschaft bedroht, YouTube, im Internet: https://www.youtube.com/watch?v=C2qCnJhBoG4, abgerufen am 05.05.2025

[2] In völligem Gegensatz dazu waren in der DDR Produktionsarbeiter regelmäßig Protagonisten von Fernsehserien z.B. in „Familie Neumann“ (1984) und „Unser Mann ist König“ (1980).

Bild AI

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Jan Müller, geboren 1971, ist Soziologe und lebt in einer Stadt in Hessen.


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14 Kommentare

  1. Rumpelstilz 8. Mai 2025 um 10:56 Uhr - Antworten

    „Ähnlich diffamierend ist der unter Woken weit verbreitete Begriff Karen für eine mittelalte weiße Vorstadtfrau, der Beschränktheit und rassistische Vorurteile unterstellt wird.“

    Das ist mWn nicht richtig.

    Der Begriff „Karen“ bezeichnet im Gegenteil für die Trump-Anhänger eine in der Tat meist mittelalte, weiße Vorstadtfrau, häufig mit ähnlich typischen Vornamen, jedoch, ebenso typisch, eine besessene Anhängerin der Demokraten, die, durch den (erneuten) Wahlsieg Donald Trumps wahnsinnig geworden – Diagnose: TDS (Trump Derangement Syndrom) 4. Grades – alles und jeden Angreift, dessen sie einer Trump-Anhängerschaft verdächtigt. Rote MAGA-Mützen lösen, Video-dokumentiert, Schreikämpfe und hysterische Zustände aus, die teilweise in Gewalt übergehen.

    Ursprünglich stammt der Begriff aus der Corona-Zeit, als mittelalte weiße Vorstadtfrauen auf Masken und Abständen und die strickte Einhaltung der Corona-Regeln bestanden, um nicht zu sterben, und sich nicht zu schade waren, Leute zu verpetzen oder die Polizei zu rufen, wenn sie einen Verstoß erkannten (und sich dabei filmten); vulgo: sich ständig in persönliche Dinge anderer Leute einmischten, die sie nicht angingen.

    Ganz ursprünglich stammt er von einer solchen weiblichen Person, tatsächlich namens Karen, welche die Polizei auf einige weit entfernte, unmaskierte Spaziergänger am Meeresstrand von Kalifornien o. ä. hetzte, und dabei gefilmt wurde oder sich selbst filmte, wenn ich mich recht entsinne.

    • Rumpelstilz 8. Mai 2025 um 11:10 Uhr - Antworten

      Nur der Vollständigkeit halber: Selbstverständlich gibt es auch männliche „Karens“ – mit den selben Eigenschaften.

  2. therMOnukular 8. Mai 2025 um 3:49 Uhr - Antworten

    „Hass nach unten“

    Ist doch nur zu passend zur allgemeinen Psychographie, die sich täglich und permanent der Projektion bedient. So auch hier.
    Nach Jung hassen sie ergo lediglich ihre eigenen Schatten und „wissen“ ganz genau (also das Unbewusste weiß es), wie „ungenügend“ sie selbst sind (bzw sich selbst beurteilen).

    Arm dran – aber leider gefährlich. Genau das füttert den altbekannten Wahn der Herrenrassse bzw jedweder vermeintlichen Überlegenheit über Andere.
    In jedem Fall erbärmlich.

  3. rudifluegl 8. Mai 2025 um 0:42 Uhr - Antworten

    Ach Herrjeh und Igitt igitt!
    Kann man nach 5 Jahren schon wieder mit dieser Diskussion, die von Negierung bis Überhöhung, von der Mythisierung bis zur totalen Ächtung, von der Besserwisserei bis zur Ablenkung von allen drohenden Gefahren und deren Verharmlosung reichen, anfangen. Welch Freuhhdä und froolockender Froossinn!
    Vom Versuch jeglichen Standpunkt das Fundament und die Grundlagen zur Verständigung zu nehmen und jeden Scheiß der sich seit Generationen geklärt hatte neu auf zu rühren um zu beweisen, selber die richtige Ideologie zu haben, die es als Ideologie gar nicht gibt, einfach aus dem Grund weil man das so behaupten will!
    Man dient der Verwirrung aus Absicht oder weil man von Verwirrern gründlich genug verwirrt wurde.
    Alsohhh, wieder einmal zur Grundlage!

    Die Begriffe „links“ und „rechts“ in der Politik kommen ursprünglich aus der Zeit nach 1789, also der französischen Revolution. Damals wurde erstmals ein demokratisches Parlament eingeführt, die Pariser Nationalversammlung. Das war eine Zeit voller Unruhen. Das Volk hatte sich gegen die Herrschaft des Königs aufgelehnt und kämpfte für Gerechtigkeit. Das waren die großen Themen der Zeit, und im Wesentlichen gab es zwei Lager: Das eine saß links im Parlament, das andere rechts.
    Auf der linken Seite kämpfte man für eine Republik, in der alle Bürger gleiches Recht habe und mitbestimmen können. Die rechte Seite dagegen wollte den französischen König und seine Regierung stützen. Statt gleiches Recht für alle wollten sie die Gesellschaft weiterhin in Klassen teilen. Die Bürger sollten also je nach Reichtum oder Macht unterschiedliche Rechte und Freiheiten haben.
    Vereinfacht gesagt, steht „links“ in der Politik oft für soziale Gerechtigkeit und den Kampf für die Rechte aller Menschen. Bei „rechts“ geht es oft eher um den Schutz der eigenen Nationen und ihrer Traditionen.“

    Und von diesen Wurzeln mal ausgehend, Wobei „Grundlagen“ wohl besser passt, da leichter zu ändern und in der Mieselsüchtigkeit des Gedächtnisses leichter zu adaptieren, gibt es für jeden genug der Möglichkeiten.
    Jedenfalsl so lange man sich von Sprachen bedienen lassen muss. Für Leute in höheren Sphären gilt dann die unendliche Abgehobenhei,t die Ihre Weisheiten mit Schwingungen vermitteln und damit jedes Gewordensein ihrer Begriffe endgültig abstreiten können.
    Mit dem besonderen Luxus auch von anderen in diesen Sphären nicht mehr verwirrt werden zu können, da die anderen ohnehin im Turm der absoluten Weisheit, nicht mehr gebraucht werden.
    Ich jedenfalls fühle mich noch als traditioneller erdgebundener Linker der von Marx etc. auch schon gehört hat!
    Sehr viel mehr allerdings von der evolutionären Erkenntnistheorie, die bis auf Lorenz zurückgeht, der- was ihn mir besonders sympathisch macht-, mit sogenannten Experten eher rüde umging und mit Handwerkern eher freundlich!
    Die letzteren zähle ich zumindest, eher zu den traditionellen Linken.
    Und damit hat sich für mich das Thema mal wieder!

  4. Jurgen 7. Mai 2025 um 22:58 Uhr - Antworten

    Linke sind alle Fahrradfahrer! Nach oben buckeln und nach unten treten…

  5. Bautzener66 7. Mai 2025 um 19:56 Uhr - Antworten

    Bei dem Satz, in dem der Author Tichys Einblick als „rechts“ bezeichnet war für mich Grund genug NICHT weiter zu lesen. Jemand sollte mal den Jan Müller erklárend as sowohl tkp.at als auch JEDER author dises mediums seintens ALLER faktenchecker (französische, deutsche, österreichische, englische…) sowie der Medien FAZ, TAZ, Berliner Zeitung, MorgenPost, Focus, Welt sowie den Sendeanstalten ORF, ARD, ZDF, SF1 als „rechtsextrem“ bezeichnet werden.
    Allerdings: Man merkt immer wieder den „Schwenk“ in Richtung „neue globale Ordnung“ ….

    • Jurgen 7. Mai 2025 um 23:02 Uhr - Antworten

      Dafür solltest Du einen Sachsentaler bekommen… oder wär’s der Bayern-Thaler? Pure Silver.

  6. triple-delta 7. Mai 2025 um 19:09 Uhr - Antworten

    Das ist doch schizophren.
    Wenn sich eine Birne Apfel nennt, dann bleibt es doch eine Birne und wird auch so benannt.
    Wenn sich eine bürgerliche Partei als „Linke“ bezeichnet, dann wird das auf einmal ernst genommen. Es gibt also keine „neuen Linken“. Die Nationalsozialisten waren auch keine Sozialisten, sondern einfach nur Faschisten. Die Übernahme solcher demagogischen Synonyme unterstützt die geistige Verwirrung der Menschen nur noch mehr.

    • Varus 7. Mai 2025 um 19:39 Uhr - Antworten

      Die Nationalsozialisten waren auch keine Sozialisten

      Die ewige Leier – sobald eine der Unarten des Sozialismus schief geht, heißt es sofort, es sei eigentlich kein Sozialismus gewesen – aber der „richtige“ würde alle erlösen und glücklich machen. Und dann wieder, in einer Endlosschleife.

      • triple-delta 8. Mai 2025 um 7:57 Uhr

        Der Sozialismus ist, wie die DDR immer freimütig erklärt hat, eine Diktatur des Proletariats. Zeigen Sie mir bitte, wo im 3. Reich das Proletariat die Macht hatte. Lag der Krieg im Interesse der arbeitenden Menschen? Waren Millionen Deutsche nach dem Krieg wohlhabender als davor?
        Wenn sich eine Birne als Apfel bezeichnet, ist sie dann auch ein Apfel?

  7. Wilfried 7. Mai 2025 um 18:58 Uhr - Antworten

    Lieber Jan Müller

    Also wenn Sie der kommunistischen Industrialisierung hier ganz offen das Wort reden, dann müssen sie aber auch vollständig sein.

    Denn diese kommunistische Revolution zur Industrialisierung hat ca. 30 Millionen (!!!!!!) Menschenleben gekostet.

    Nicht nur dass man die russischen Bauern völlig und gewaltsam enteignet hat – Millionen an bäuerlichen Familien sind bei diesem äußerst brutalen Enteignungsprozess Lenins und später Stalins buchstäblich verhungert – oder wurden in die GULAGS nach Sibirien zur Zwangsarbeit verschleppt…

    All diese Monster-Verbrechen sind Ihnen keine einzige Zeile wert.

    Weiters lief dieser „Umstellungsversuch“ zur Industrialisierung derart chaotisch aus dem Ruder – dass nur die USA
    den völligen Zusammenbruch verhinderte – indem immer mehr industrielle Güter von USA nach Russland kamen…

    Lenin und Stalin sowie deren „kommunistisches Paradies“ war nicht als die primitivste – erfolgloseste und verbrecherische Art Misswirtschaft zu erzeugen und gleichzeitig Millionen an Russen gewaltsam zu ermorden.

    Wie ist es möglich- einem derart kriminellen System noch etwas Positives abzugewinnen…

    Man fragt sich nur mehr – ob wir aus Geschichte wirklich nichts lernen wollen oder nur zu wenig intelligent sind dazu !

  8. Jan 7. Mai 2025 um 18:58 Uhr - Antworten

    Glaubt Ihr tatsächlich, wenn der 17-jährige KFZ-Lehrling von seinem gleichaltrigen Freund von der Werkstatt abgeholt wird, seinem „Freund“, also die beiden sind schon zwei Jahre zusammen, dass ihm dabei Conchita Wurst, die mit angeblich 12 Mio öffentlichen Geldern unterstützt worden ist, bei der Inklusion hilft? Drag als schwule Kultur, nicht Tschaikowsy, Alan Turing und Gebrüder Mann?

    Das Thema „Woke“ kann man nicht behandeln, ohne auf den Intelligenzverlust hinzuweisen, Stichwort Dumpfbacken. Die Mehrheit verlangt hochmütig, das Trojanische Pferd in die Stadt zu ziehen, ganz demokratisch, Kritik ist nicht erlaubt.

    Die Idee, dass der Staat bis in kleinste Details durchregulieren und „nudgen“ müsse, bis hin zu der Frage, wieviel Petersilie jemand isst, diese Ideen haben wir „in linken Kreisen“ erstmals in den 90ern diskutiert und waren als Gesellschaftsliberale mit sozialer Verpflichtung nicht einverstanden. Aus meinem Verständnis war und ist der Ursprung religiös motiviert, nicht um Verwaltungsjobs zu mehren, das war bestenfalls ein Nebeneffekt. Die berechtigten Anliegen von Homos und Trans durch Drag zu ersetzen, hat eine spirituelle Komponente, das ist doch offensichtlich! Dann auch noch „Like a Phoenix“. Könnt Ihr, die da zu 50% Sozialwissenschaften studiert haben, keine Symbole zuordnen?

    Ausgerechnet die linken Sozialdemokraten haben den Durchschnittslohn gesenkt, Stichwort „Hartz4“ und die Banken gerettet, siehe Steinbrück und die HRE. Bei Kritik hieß es in der Sozialdemokratie, schon richtig, das sind kapitalistische Anliegen, aber dafür unterstützen wir die Ehe für alle! Ich finde das toll, ich selbst habe Familie, die davon profitiert, aber die beiden Damen sind High Performer in Top Jobs, die kann ich doch nicht staatlich als Drag diffamieren! Das ist, wer sich ein wenig mit Geschichte auskennt, das gleiche Programm wie unter McCarthy! Die fahren heute ungehemmt überall ihre spirituellen Rituale und die Dumpfbacken merken es nicht. Natürlich ist das top down, ganz klar.

    Und der soziale Anspruch ist sowieso vergessen, ebenso wie sich Umweltschutz im Kauf eines Teslas erschöpft, ausgerechnet. Als ob es nie die Suche nach einem anderen Zugang zur Natur gegangen wäre. Als ob eine Generation die Sachen komplett missverstanden und in ihr Gegenteil verkehrt hätten! Sie sind Opfer, ich weiß.

  9. Varus 7. Mai 2025 um 17:06 Uhr - Antworten

    Ging es der früheren marxistischen Linken noch um eine Verbesserung der ökonomischen Verhältnisse und die Herstellung von Gleichheit aller Menschen

    Die Marxisten-Leninisten selbst wollten allerdings in der Praxis stets deutlich gleicher als der gesamte Rest werden. Wer es nicht versteht – bei Orwell nachlesen.

    • triple-delta 7. Mai 2025 um 19:10 Uhr - Antworten

      Sie wollen also ein antikommunistisches Propagandawerk, welches ironischer Weise die aktuellen Verhältnisse im Westen vorhergesagt hat, als absolute Referenz anbringen?
      Beeindruckend!

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