Israel Hauptverdächtiger bei Terroranschlag in der Türkei?

25. Oktober 2024von 5,6 Minuten Lesezeit

Wer steckt hinter dem Terroranschlag vom Mittwoch auf das führende türkische Luft- und Raumfahrtunternehmen? Berichten in Al Jazeera zufolge wurden mindestens fünf Menschen getötet und 22 weitere verwundet, als zwei Terroristen die Anlage mit Sprengstoff und Schüssen angriffen, bevor sie „neutralisiert“ wurden.

Erster Hinweis: Der türkische Präsident Erdogan „führte zum Zeitpunkt des Anschlags Gespräche in Russland mit Wladimir Putin“. Das deutet darauf hin, dass ein oder mehrere Mitglieder des „kollektiven Westens“ den Angriff wahrscheinlich als Rüge oder Warnung für die Türkei und Erdogan inszeniert haben. Und mit dem Angriff auf die führende Luft- und Raumfahrtanlage der Türkei wollte jemand vermutlich eine Botschaft der Missbilligung der Aktivitäten im Zusammenhang mit dieser Anlage übermitteln. Seit dem 24. Oktober 2024 ist die Türkei noch dazu offiziell zu einem der 13 neuen Partnerländer erklärt. Der Status als BRICS-Partnerland ist ein obligatorischer Schritt vor der Vollmitgliedschaft.

Der Angriff wurde nicht nur zeitlich mit Erdogans Treffen mit Putin abgestimmt, sondern erfolgte auch während der offensichtlichen Vorbereitung eines israelischen Angriffs auf den Iran, der voraussichtlich einen größeren regionalen Krieg auslösen wird. Die türkische Regierung ist ebenso wie ihr enger Verbündeter Katar ein wichtiger Unterstützer der Hamas, deren Anführer Yahya Sinwar und Ismail Haniyeh von den Zionisten getötet wurden, was die weltweite Unterstützung für die Widerstandsgruppe noch verstärkt hat, wie auch Erdogan explizit erklärt hat.

Al-Jazeera Arabic hat eine interessante Analyse von Saeed al-Haj veröffentlicht, die den Konsens der regionalen Experten diskret widerspiegelt. Höhepunkte:

Der Terroranschlag auf das Unternehmen für Luft- und Raumfahrtindustrien in Ankara kam zu einem sensiblen Zeitpunkt in der türkischen Innenpolitik, ebenso wie regionale Entwicklungen, insbesondere die Möglichkeit einer Ausweitung der israelischen Aggression in der Region, die viele Implikationen hat und sich auf politische, militärische und sicherheitspolitische Botschaften an Ankara von verschiedenen Seiten bezieht.

… Der türkische Präsident spricht seit Wochen über die Notwendigkeit, „die innere Front zu stärken“, um die Türkei vor den äußeren Gefahren zu schützen, die ihr mit „Israels Expansionspolitik in der Region“, wie er es ausdrückte, und der zunehmenden Möglichkeit eines regionalen Krieges drohen, so Außenminister Hakan Fidan.

… Der Angriff galt dem größten Flugzeughersteller der Türkei, der sich im Besitz der türkischen Streitkräfte und der Regierung befindet und der neben anderen Projekten an der Entwicklung des ersten im Inland hergestellten Kampfjets arbeitet.

… Wir erinnern uns an Erdogans Äußerung über die Notwendigkeit einer Stärkung der Türkei im Bereich der Verteidigungsindustrie, „damit Israel nicht das tun kann, was es jetzt tut“, unter Hinweis auf den militärischen Beitrag seines Landes sowohl in Libyen als auch im Südkaukasus und die Möglichkeit, dies in Palästina zu wiederholen, eine Äußerung, auf die der Außenminister Israels reagierte, indem er Erdogan mit „dem Schicksal von Saddam Hussein“ drohte.

Diese externe Dimension wird auch durch den Zeitpunkt des Anschlags verstärkt, der mit der Teilnahme des türkischen Präsidenten am BRICS-Gipfel in Kasan zusammenfiel, der von vielen als ein Wirtschaftsblock angesehen wird, der mit der G7 konkurriert oder eine Alternative zu ihr darstellt, da ihm Länder wie Russland, China und Indien angehören, deren Mitgliedschaft Ankara kürzlich angekündigt hat. Es ist wichtig, die Ähnlichkeit zwischen dem Namen der Stadt, in der das Gipfeltreffen stattfindet (Kasan), und dem Vorort von Ankara, in dem das betroffene Unternehmen ansässig ist (Kasan), festzustellen, unabhängig davon, ob dies absichtlich oder zufällig geschieht.

Das Streben der Türkei nach einer Mitgliedschaft in den BRICS-Staaten und in der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) erfolgt vor dem Hintergrund instabiler Beziehungen zum Westen angesichts der stagnierenden EU-Beitrittsverhandlungen und der US-Sanktionen aufgrund des russischen S-400-Rüstungssystems und des zögerlichen Abschlusses von Waffenexportgeschäften durch Washington (zuletzt F-16-Kampfflugzeuge), Die Spannungen zwischen der Türkei und dem Westen wegen des Gaza-Krieges und die Besorgnis der Türkei über die Rolle Griechenlands und Zyperns in einem solchen Szenario lassen die Debatte über einen „Richtungswechsel Ankaras vom Westen zum Osten“ wieder aufleben.

In der Öffentlichkeit hat Erdogan die kurdische Separatisten-Terrorgruppe PKK verantwortlich gemacht und seine Luftwaffe angewiesen, als Reaktion auf den Terroranschlag PKK-Stellungen in Syrien und im Irak zu bombardieren. Was die meisten Menschen jedoch nicht wissen, ist, dass die Türkei Stellvertreter der USA und Israels bombardiert. Die PKK-verbundenen Syrischen Verteidigungskräfte (SDF), die direkt von der Achse Washington-Tel Aviv kontrolliert werden, besetzen ein Viertel Syriens, einschließlich der landwirtschaftlich produktivsten und ölreichsten Regionen des Landes. Auch die YPG im Irak ist eine zionistisch-amerikanische Söldnertruppe. Beide „kurdischen“ israelisch-amerikanischen Besatzungen liefern gegen den Willen der Regierungen und der Bevölkerung des Irak und Syriens Öl nach USA und Israel und erzielen massive Gewinne, die den rechtmäßigen Regierungen Syriens und des Irak gehören würden (die beide die immer wieder die US-Besatzungstruppen zum Abzug aufgefordert haben).

Die Türkei hat also gerade eine amerikanisch-israelische Besatzungsarmee bombardiert und dabei 12 Menschen in Syrien und eine noch unbekannte Zahl im Irak getötet. Es ist nicht bekannt, ob bei den türkischen Bombenangriffen auf die Besatzer in Syrien und im Irak auch amerikanische Besatzer getötet wurden.

Präsident Erdogan hatte in Kasan auch ein längeres 1:1 Gespräch mit Präsident Putin, wo auch über das Attentat gesprochen wurde. Die beiden Präsidenten stehen schon seit einiger Zeit im Austausch um eine Lösung für den Konflikt in Syrien zu finden, der das Land von allen fremden Eindringlingen wie eben USA, SDF, PKK befreit und die permanenten Luftangriffe Israels auf Damaskus und andre Städte durch einen Ausbau der Luftabwehr unterbinden kann.

Schlussfolgerung

Der wahrscheinliche US-israelische Angriff auf die türkische Luft- und Raumfahrtanlage und die türkischen Vergeltungsmaßnahmen gegen US-israelische Stellvertreter im Irak und in Syrien legen nahe, dass sich die Türkei auf die Seite des Irans (und Palästinas, des Iraks, Syriens, des Jemens, des Libanons und in der Tat der Völker der Region) stellen wird, wenn Israel durch einen Angriff auf den Iran einen massiven regionalen Krieg entfacht. Ob sie dies jedoch mutig und offen oder auf subtilere und verdeckte Weise tun wird, bleibt abzuwarten.

Offiziell wird die PKK des Attentats verdächtigt. Aber die PKK wird wie andere Terrororganisationen – ISIS, IS, SDF, etc – von den USA wahrscheinlich gemeinsam mit Israel finanziert, ausgerüstet und ausgebildet. Deren Präsenz und Aktivitäten sind gleichermaßen im Interesse Israels.


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4 Kommentare

  1. Varus 26. Oktober 2024 um 8:04 Uhr - Antworten

    eine Äußerung, auf die der Außenminister Israels reagierte, indem er Erdogan mit „dem Schicksal von Saddam Hussein“ drohte

    Will sich die große Türkei einem Land mit gerade mal 7 Millionen Einwohnern einschüchtern lassen, welches auf mehreren Fronten Kriege führt? Spätestens nach dem Anschlag muss die Türkei irgendwie reagieren – sonst landet das Land auf der Liste der muslimischen Länder, welche die US-Neocons vernichten möchten (da steht auch der Iran drauf).

  2. Der Zivilist 26. Oktober 2024 um 2:40 Uhr - Antworten

    Isr hat seine F-35 von den USA, die USA haben die Türkei aus dem F-35 Programm rausgeschmissen, weil die Tr Ru Luftabwehr gekauft hat. Jetzt hat die Tr ihren eigenen Stealth Fighter gebaut, in den Kolonialmächten herrscht darüber ja geradezu Nachrichtensperre

    https://www.tusas.com/en/products/aircraft/indigenous-development/tf

    Die Kolonialmächte wollen jetzt der Tr die Triebwerke vorenthalten, aber auch Ru Triebwerke sind noch eine Option.

  3. Jan 25. Oktober 2024 um 18:58 Uhr - Antworten

    Wenn man annimmt, dass der Hauptgrund für den kommenden Krieg das Ende des US-Frackings um 2030 ist, das heute noch 30% des internationalen Ölbedarfs liefert, und das Ziel eine Neuverteilung von Ressourcen ist – durch Stellvertreter oder direkt – dann muss die NATO Krieg gegen die Türkei führen. Denn das Land kontrolliert weite Teile des Schwarzen Meeres, welches man zum Transport von Öl aus heute russischen Quellen braucht und es kontrolliert den Bosporus, über den viele Pipelines laufen.

    • Der Zivilist 26. Oktober 2024 um 2:41 Uhr - Antworten

      Die Tr ist in der NATO, um vor ihr einigermaßen sicher zu sein.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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