Ist der Libanon auch Teil von Israel?

1. Oktober 2024von 3,5 Minuten Lesezeit

Israels Premier Netanyahu hatte bei seiner Rede kürzlich vor der UNO Vollversammlung wieder Karten gezeigt in denen auch das Gebiet des Staates Palästina, also Westbank, Gaza und Ost-Jerusalem, als Teil Israels dargestellt sind. In Artikeln in der Times of Israel wird aber mittlerweile auch auf den Libanon Anspruch erhoben, weil er laut Bibelstellen Teil von „Eretz Yisrael“ sei. Kommt also ein Angriffs- und Eroberungskrieg gegen den Libanon?

Ein Artikel, den die Jerusalem Post letzte Woche unter dem Titel „Is Lebanon part of Israel’s promised territory?“ veröffentlichte, war zweifellos nur für jüdische Augen bestimmt. Als die Post erkannte, dass sie zu viel verraten hatte, entfernte sie den Artikel, der glücklicherweise immer noch in vollem Umfang in den Webarchiven zu lesen ist. Während der nichtjüdischen Welt glauben soll, dass „Israel“ einen Verteidigungskrieg führt, verrät der fragliche Artikel, dass es in Wirklichkeit um biblische Aufträge geht. Es gibt offenbar Rabbis und Politikker, die glauben, dass ihnen von Gott befohlen wurde, den Libanon zu erobern.

Wie die folgenden Auszüge zeigen, ist der Artikel von einem „Mark Fish“ mit unverkennbar triumphierendem, erwartungsvollem Eifer geschrieben:

„Der jüngste Konflikt im Libanon wirft die uralte Frage nach den Nordgrenzen des biblischen Eretz Yisrael auf. Wo genau hat Haschem die Grenzen festgelegt, und sind wir verpflichtet, diese Gebiete zu erobern?“

„Die Tora gibt klare Richtlinien bezüglich der Gebiete, die wir bei der Inbesitznahme des Landes zu erobern hatten.“

„In der letzten Generation ist der Begriff „Groß-Israel“ in den Vordergrund gerückt. Er wird manchmal in politischen oder religiösen Diskussionen über die idealen oder zukünftigen Grenzen Israels verwendet, oft im Zusammenhang mit messianischen oder zionistischen Bestrebungen.“

„Als Haschem Avraham Avinu das Land Israel am Brit Bein HaBetarim versprach, sagt der Pasuk: „An jenem Tag schloss Haschem einen Bund mit Avram und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Euphrat.“

„Im Segen am Ende von Parschat Ekev sagt uns Haschem, dass uns jedes Land, das wir innerhalb der genannten Grenzen erobern werden, zugesprochen wird.“

„Der Ramban schreibt, dass der Libanon innerhalb der Grenzen Israels liegt und fügt hinzu, dass wir verpflichtet und befohlen sind, ihn zu erobern.“

Im gleichen Stil fanatischer Fantasie schließt der Artikel mit: „Auch wenn wir vielleicht nicht in der Lage sind, alles in unserer Zeit zurückzuerobern, wird Haschem es uns sicher bald zurückgeben.“

Hier sehen wir also wieder in unglaublicher Offenheit, dass es um den Zionismus geht, der übrigens eine Erfindung christlicher Briten ist, sowie um Religion. Historisch wurden Religionen, vorzugsweise solche mit nur einem Gott, immer wieder als Rechtfertigung für Kriege und Eroberungen genutzt.

Die Jerusalem Post löschte den Artikel, der offenbar nicht für die Öffentlichkeit außerhalb Israels gedacht war. Denn Israel führt angeblich einen ‚Verteidigungskrieg‘.

Ein ähnlicher Artikel The Jerusalem Post wurde allerdings (noch) nicht gelöscht. Unter dem Titel „Israeli Rabbi calls for Israel to conquer Lebanon and settle it“ schreibt die Redaktion:

„Rabbi Yitzchak Ginsburgh hat in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief zur Eroberung des Libanon und zur Besiedlung des Südlibanon aufgerufen.

In Auszügen aus dem Brief, der in israelischen Medien veröffentlicht wurde, schrieb Rabbi Ginsburgh, dass „der Feind mit voller Wucht geschlagen werden muss“, und zitierte einen bekannten jüdisch-ethischen Grundsatz: „Wer zum Töten kommt, kann getötet werden.“

Dies rechtfertige die Tötung aller Mitglieder der Hisbollah, vor allem aber ihrer Führung.“

Beide Artikel sind am 25. September 2024 erschienen, der eine wurde gelöscht, der andere ist noch immer auf der Seite der Times of Israel zu finden. Die Frage stellt sich, wann und ob das offizielle Politik wird.


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6 Kommentare

  1. Andreas I. 2. Oktober 2024 um 12:54 Uhr - Antworten

    Hallo,
    zwischendurch haben die Iraner ihre Antwort auf die Frage, ob Libanon zu Israel gehöre, gegeben.

    Die Palästinenser, konkret damals die PLO, hatten die ,,grüne Linie“ bzw. Grenzen von 1967 akzeptiert, d.h. Land für Frieden; die Palästinenser hatten Land abgegeben – die Israelis hätten froh sein können.
    Denn ein Existenzrecht hat Israel innerhalb der Grenzen, die ihm im UNO-Beschluss von 1947? zugesprochen wurden (wenn UNO-Beschlüsse etwas gelten, was die Israelis selber kräftig untergraben haben).
    Also mit der ,,grünen Linie“! bzw. den Grenzen von 1967 hätten die Israelis viel gewonnen.
    Tja, das wäre Vernunft gewesen, aber wenn regigiöser Wahn herrscht …

    Die geopolitische Frage ist natürlich, wie USA reagiert.

  2. Jurgen 1. Oktober 2024 um 21:46 Uhr - Antworten

    Der Netanjahuhu gehört in die Klapse, Gummizelle, lebenslänglich…

  3. Andreas I. 1. Oktober 2024 um 21:37 Uhr - Antworten

    Hallo,
    religiöse Extremisten sind halt nützliche Idioten.
    Folgendes illustriert den Irrsinn recht gut:
    ,,und zitierte einen bekannten jüdisch-ethischen Grundsatz: „Wer zum Töten kommt, kann getötet werden.“
    Dies rechtfertige die Tötung aller Mitglieder der Hisbollah…“

    Wenn man das so sehen will … aber wer ist gekommen, um zu töten?
    (Ist diesem Rabbi klar, was aus diesem Grundsatz folgen würde?! Offensichtlich nicht, solche Typen merken nix mehr.)

  4. Varus 1. Oktober 2024 um 11:43 Uhr - Antworten

    „An jenem Tag schloss Haschem einen Bund mit Avram und sprach: Deinen Nachkommen habe ich dieses Land gegeben, vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Euphrat.“

    Große Teile Ägyptens und die Hälfte Iraks wollen die auch noch? In vielen unabhängigen Medien haben früher Autoren wie Pepe Escobar die Hisbollah wie eine Nahost-Supermacht dargestellt – jetzt kann die zeigen, was da dran ist. Ich finde schon enttäuschend, dass man auf das Hauptquartier über 80 Eine-Tonne-Bomben (= mit vielen Flügen) abwerfen kann, ohne dass ein einziges Flugzeug abgeschossen wird.

    Was wäre im Westen los, würde Russland Grenzen aus irgend einer religiösen Vision Rasputins anstreben…

  5. Patient Null 1. Oktober 2024 um 11:23 Uhr - Antworten

    Es ging schon immer nur ums Land. 1920, lange vor den Nazis, fing die illegale Landwegnahme an. Die Begründung die sich die Zionisten zurechtgelegt haben war auch schon immer ein angeblich 2000 Jahre alter religöser Anspruch. Nur das es sowas nicht gibt, wenn jeder 2000 Jahre zurückgehen würde wäre die Welt im unendlichen Dauerkrieg.

    • Vortex 2. Oktober 2024 um 0:28 Uhr - Antworten

      Vielleicht spielt da eine fremde Macht (tinyurl.com/ubec977f) eine unbegreifliche Art von Schachspiel mit der Menschheit?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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