Nordische Stimmen zur NR-Wahl in Österreich

30. September 2024von 14 Minuten Lesezeit

Das Thema dieser Tage ist die Nationalratswahl in Österreich, deren vorläufiges Ergebnis eine historische Zäsur bedeutet. Angesichts der Schnappatmung, die die überwiegende Reaktion der „Leit- und Qualitätsmedien“ im deutschsprachigen Raum beherrscht, zeigen Reaktionen aus Skandinavien, wie hochemotionalisiert, bar vieler Fakten und verkürzt die Berichterstattung (sic) ist. Eine Rundschau durch die Staatsmedien Dänemarks, Schwedens und Norwegens mit einigen Bemerkungen des Verfassers, der seit 2020 in Norwegen lebt und arbeitet.

Nun ist die Wahl des Jahres also geschlagen und wie es den Anschein hat, ist ausreichend Porzellan zu Bruch gegangen. Höchste Zeit also, mit etwas (räumlicher) Distanz auf die Ergebnisse der Nationalratswahlen zu blicken.

All hier anzutreffenden nichtdeutschen Textpassagen habe ich übersetzt und ggf. mit Hervorhebungen [sowie Kommentaren] ergänzt. Ich habe ob der Repräsentativität und Gewichtigkeit sowie aus Gründen der Beitragslänge lediglich Artikel aus den öffentlich-rechtlichen Agenturen Dänemarks (DR), Schwedens (SVT) und Norwegens (NRK) hier berücksichtigt.

Dänemark: „Rechtsaußenpartei FPÖ wird größte Partei“

In dem Beitrag wird einerseits recht „normal“ über die FPÖ berichtet, was angesichts des vorherrschenden Klimas in Dänemark wenig überrascht: immerhin regiert Premierministerin Mette Frederiksen von den Sozialdemokraten seit 2019, wurde im Herbst 2022 mit guten Ergebnissen wiedergewählt (was wiederum gegen die oft vertretene These spricht, dass die Corona-Regierungen alle bestraft werden) und steht einer Linksaußenkoalition vor, die seit der Flüchtlingskrise eine vergleichsweise restriktive Ausländer- und Immigrationspolitik fährt.

Nach der Auszählung von 99,4 Prozent der Stimmen bei den Parlamentswahlen in Österreich am Sonntag steht fest: Die FPÖ ist die stimmenstärkste Partei…

Dies ist das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg, dass eine rechtsextreme Partei eine Wahl gewonnen hat. Es deutet jedoch wenig darauf hin, dass die Partei eine künftige Regierung führen wird. Keine der anderen Parteien will eine Regierung mit FPÖ-Parteichef Herbert Kickl an der Spitze bilden.

Wie Caroline Christensen zudem ausführt, waren die folgenden Themen wahlentscheidend:

Die FPÖ hat im Wahlkampf unter anderem mit einer harten Linie gegenüber Einwanderern und einem totalen Asylverbot geworben. Die Partei hat auch ein Ende weiterer wirtschaftlicher und militärischer Hilfen für die Ukraine gefordert und der EU vorgeworfen, mit ihren Sanktionen gegen Russland „zum Krieg anzustiften“.

Und obwohl die Partei insgesamt die meisten Stimmen von der österreichischen Bevölkerung erhalten hat, hat das Ergebnis für Verärgerung gesorgt.

Bereits nach der ersten Prognose des Abends, die auf einen Sieg der Freiheitlichen Partei hindeutete, gingen anti-Rechtsaußen-Demonstranten auf die Straße und zogen in Richtung des österreichischen Parlamentsgebäudes in Wien.

Alles in allem eine recht ausgewogene, wenn auch für Kenner wenig überraschende Berichterstattung.

SVT-Korrespondent über den Sieg der FPÖ: „Vielleicht doch ein Verlust“

Der Tenor im seit etwas über einem Jahr „nach rechts“ gerutschten Schweden ist ähnlich ausgewogen und nüchtern, wie der schwedische SVT-Korrespondent gestern Abend aus Wien berichtete:

Die Freiheitliche Partei ist bei den österreichischen Parlamentswahlen die stärkste Partei geworden und das Ergebnis wird als historisch bezeichnet. Doch die rechtsnationale und prorussische Partei könnte es trotzdem schwer haben, eine Regierung zu bilden.

Der einzige mögliche Koalitionspartner, die derzeitige Regierungspartei ÖVP, hat signalisiert, dass sie nicht an einer Zusammenarbeit mit der FPÖ interessiert ist, sagt SVT-Europakorrespondent Christoffer Wendick [Anm.: am 29. Sept. gegen 23 Uhr basierend auf den zu diesem Zeitpunkt verfügbaren Ergebnissen].

„Die Bereitschaft, sich als Juniorpartner in eine rechtsnationale Regierung zu setzen, ist sehr gering. Also ja, ein Sieg kann immer noch ein Verlust sein.“

„Das wahrscheinlichste Szenario sei derzeit, dass die konservative ÖVP Gespräche mit der sozialdemokratischen SPO aufnehme, während die FPÖ die Möglichkeit erhalte, ein Martyrium zu pflegen“, so Wendick.

„In diesem Fall wird die FPÖ den anderen Parteien weiterhin vorwerfen, ein Kartell zu bilden, um die FPÖ auszuschließen.“

Auch in der schwedischen Berichterstattung aus Wien zeigt sich sowohl die Distanz als auch ein Ausmaß politischer Analyse, die die an Einfältigkeit und Einseitigkeit kaum zu übertreffenden „Leit- und Qualitätsmedien“ in Österreich wie auch großteils in Deutschland rasch und entscheidend in den Schatten stellt.

Dies tritt umso deutlicher zu Vorschein in dem mit Abstand längsten einschlägigen Beitrag, der im norwegischen Staatsfunk NRK erschien.

Norwegen: „Von SS-Offizieren gegründete Partei ist heute die größte in Österreich“

Neben SVT hat auch NRK einen Korrespondenten nach Wien entsandt, um über die Nationalratswahl zu berichten. Zofia Paskiewicz war ebenso vor Ort und hat einen ausführlichen und auch gut recherchierten Bericht verfasst, der nahezu als ein Beispiel für fundierten Journalismus gelten kann:

Am Sonntag haben die Österreicherinnen und Österreicher einen neuen Nationalrat gewählt. Als die Wahllokale um 17:00 Uhr schlossen, stand die rechtsradikale [orig. høyreradikale] Freiheitliche Partei kurz davor, die größte Partei zu werden…

Die beiden Parteien, die das Land derzeit in einer Koalitionsregierung regieren, die Österreichische Volkspartei (ÖVP) und die Grünen, sind im Niedergang begriffen. Die Volkspartei erhält jede vierte Stimme, während die Grünen 8% der Stimmen erhalten.

Bundeskanzler Karl Nehammer hat während des Hochwassers Ende September eine gute Figur gemacht, aber es hat nicht gereicht…Die Sozialdemokraten der SPÖ kamen mit 20% auf den dritten Platz.

So weit die Berichterstattung, in Folge teilt sich der Bericht in zwei Teile auf: eine Wahlanalyse und die ausführlichen Hintergründe zur FPÖ.

Glaubt, von Asylbewerbern überschwemmt zu werden

Herbert Kickl will der Anwalt des kleinen Mannes sein. Er plädiert für „Remigration“. Das bedeutet, Einwanderer dorthin zurückzuschicken, wo sie herkommen.

Nach den Plänen der FPÖ sollen Asyl-Aufnahmezentren zu Abschiebezentren werden.

Bei einer öffentlichen Veranstaltung in Graz verglich er Österreich mit einem sinkenden Schiff:

„Wenn wir Wasser einlassen und nur ein paar Liter abpumpen, wird das Schiff sinken. Ich will nicht, dass Österreich untergeht. Wir müssen die Löcher stopfen und dürfen keine Asylwerber reinlassen“, sagte der Kanzlerkandidat vor seinen Anhängern.

In Wien haben 42% der Einwohner einen Migrationshintergrund. Viele rechtsextreme Wähler sind der Meinung, dass Flüchtlinge mehr soziale Unterstützung erhalten als österreichische Rentner.

In den letzten Jahren sind die Lebenshaltungskosten im Land gestiegen und die Menschen haben aufgrund der Inflation mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Die FPÖ gibt der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung, der Zuwanderung und dem Krieg in der Ukraine die Schuld.

Der FPÖ wird vorgeworfen, sowohl antisemitisch als auch rassistisch zu sein.

In einer Umfrage vor den Wahlen gaben 6 von 10 Österreichern an, dass sie mit der derzeitigen Regierung unzufrieden sind.

Als einer der Gründe werden die Restriktionen während der Corona-Pandemie angeführt.

Soweit der Analyseteil von Zofia Paskiewicz, doch da der darauf folgende Hintergrundbericht ebenso recht, nun, sagen wir „anders“ ist, habe ich diesen ebenso großteils übersetzt. Dies bedeutet übrigens nicht, dass der Tenor der Berichterstattung so „anders“ ist, aber, naja, lesen Sie selbst:

Von der SS bis Haider

Lange vor Trump, Orban und Le Pen hatten die Österreicher eine Partei, die „Österreich an erster Stelle“ steht.

Sie haben die Wähler mit einfachen Slogans wie „Weg mit den Einwanderern“ und „Schließung der Grenzen“ angesprochen.

Nachdem Hitler den Zweiten Weltkrieg verloren hatte, wurde das Land nicht entnazifiziert.

Die FPÖ wurde 1955 vom ehemaligen SS-Offizier Anton Reinthaller gegründet. Obwohl die Partei von mehreren Nazis gegründet wurde, war sie ursprünglich eine liberale Partei.

Erst in den 1980er Jahren wurde sie zu einer großen, rechtsnationalen Partei. Zu dieser Zeit war der charismatische Jörg Haider der Parteivorsitzende.

Haider hatte auch Nazi-Sympathien, was ihn aber nicht davon abhielt, die FPÖ zu einer großen Volkspartei zu machen.

Und das, obwohl viele Menschen auf ihn mit der Aussage reagierten, dass die Nazi-Regierung 1938 eine „ordentliche Beschäftigungspolitik“ betrieben habe im Vergleich zu der damaligen österreichische Regierung im Jahr 1991.

Es war der Kampf gegen die Einwanderung, der die Partei groß gemacht hat. Unter Haiders Führung bildete die FPÖ eine Regierung mit der konservativen ÖVP.

Bei den Wahlen im Jahr 2000 wurde die FPÖ mit 27% der Stimmen zur zweitgrößten Partei des Landes.

Tanzen mit Putin

In ihren Anfängen, in den 1950er Jahren, war die FPÖ eine kremlfeindliche Partei. Aber in der heutigen Zeit hat die Partei enge Beziehungen zu Putins Russland aufgebaut.

Die Partei hat Putin zu allen seinen Wahlsiegen Glückwünsche geschickt. Im Jahr 2018 unterzeichnete die österreichische Partei ein Kooperationsabkommen mit Putins Partei Einiges Russland.

Auch auf persönlicher Ebene gab es enge Beziehungen. Als die ehemalige Außenministerin Karin Kneissl 2018 heiratete, war Wladimir Putin einer der Ehrengäste.

Die enge Verbindung wurde 2019 sichtbar. Damals gelangten deutsche Medien in den Besitz eines heimlich gedrehten Videos.

Es zeigt den damaligen Parteivorsitzenden und Vizekanzler Heins Christian Strache beim Treffen mit einer russischen Frau in einer Luxusvilla auf Ibiza.

Die Frau gibt vor, die Nichte eines russischen Oligarchen zu sein. Sie erzählt ihm, dass sie die Kontrolle über Österreichs größtes Boulevardblatt, die Kronen Zeitung, haben will.

Sie bietet Strache an, während des Wahlkampfs positiv über die Partei zu berichten. Im Gegenzug bietet der Vizekanzler der Russin Zugang zu lukrativen Regierungsaufträgen an.

Nach der Ibiza-Affäre musste Strache zurücktreten und die FPÖ verschwand aus der Regierung.

Das bedeutete aber nicht, dass der Kontakt zu Russland abbrach. Die Unzufriedenheit mit dem Krieg in der Ukraine ist einer der Gründe, warum die Partei an Popularität gewonnen hat.

Bei den Wahlen zum Europäischen Parlament in diesem Sommer wurde die FPÖ die größte Partei Österreichs.

Neue Ära in der europäischen Politik

Eine FPÖ-Regierung sorgt in Brüssel für Unruhe. Die Partei hat vorgeschlagen, die EU-Sanktionen gegen Russland aufzuheben.

„Wir treten in eine neue Ära in der europäischen Politik ein“, sagte Kickl.

Im Sommer dieses Jahres half er bei der Gründung der Patriots of Europe, einer Gruppierung im Europäischen Parlament.

Bei der Gründungsversammlung stand er Hand in Hand mit dem östlichen Nachbarn Ungarns, Viktor Orban.

Die italienische Lega und die spanische Vox sind ebenfalls Mitglieder, die von Jordan Bardella von der französischen Rassemblement National angeführt werden.

Alle diese Parteien sind skeptisch gegenüber der Macht, die Brüssel über die Mitgliedstaaten hat.

Kickl bezeichnete Ursula von der Leyen als Kriegstreiberin und sagte, er und Orban könnten „eine friedliche Lösung für den Krieg zwischen der Ukraine und Russland“ herbeiführen.

Obwohl sowohl Österreich als auch Ungarn kleine Länder sind, können sie zusammen mit einer Reihe von Gleichgesinnten die EU in eine neue Richtung lenken.

Ein neuer Volkskanzler?

Auch wenn die Rechtsextremen die meisten Stimmen in Österreich erhalten haben, bedeutet das nicht, dass Kickl wie gewünscht Volkskanzler wird.

Denn die Partei hat in Österreich keine absolute Mehrheit und muss die Unterstützung anderer Parteien gewinnen.

Die naheliegendste Partei, von der man sich Unterstützung erhofft, ist die Mitte-Rechts-Partei ÖVP.

Der Parteivorsitzende und amtierende Bundeskanzler Karl Nehammer hat wiederholt bekräftigt, dass er Kickl nicht an der Spitze des Landes sehen will. Bei der letzten Wahlkundgebung sagte der Kanzler, Kickl sei zu radikal…

Doch anders als im benachbarten Deutschland, wo die rechtsextreme AfD von der politischen Zusammenarbeit ausgeschlossen ist, war die FPÖ schon einmal an der Regierung. Beide Male war sie zusammen mit der konservativen ÖVP.

Es wird daher spekuliert, ob die Konservativen auch dieses Mal eine Regierungspartnerschaft mit der extremen Rechten eingehen werden. Vor allem, wenn Kickl nicht den Anspruch erhebt, Bundeskanzler zu werden.

Es wird erwartet, dass die Regierungsverhandlungen mehrere Monate dauern werden.

An diesem Punkt schließt die NRK-Berichterstattung, die m.E. vor allem durch den Analyseteil besticht, der die Zusammenhänge klar an Qualität übertrifft.

Ausdeutende Kommentare eines Auslandsösterreichers

Wie erwähnt, so lebe ich seit Sommer 2020 in Norwegen und verfolge die Geschehnisse in meinem Heimatland aus knapp 2.000 Kilometern Entfernung. Was ich beobachte, deckt sich zum einen mit den skandinavischen Berichterstattern, also eine durchaus entspanntere bis entemotionalisierte Betrachtung, die nicht „nur“ der räumlichen Distanz geschuldet ist.

So beträgt etwa im Kontext der Migrationsdebatte der Ausländeranteil in Norwegen rund 16%, der in Österreich laut Statistik Austria bei rund 20% liegt (per 1. Juli 2024), was nicht so viel höher ist. Man beachte, dass sich diese 20% in Österreich auf nichtösterreichische Staatsangehörige beziehen – und ein Blick auf die einschlägigen Seiten der norwegischen Statistikbehörde zeigt, dass der Anteil an der Gesamtbevölkerung mit 16,8% (ausländische Staatsangehörige) plus 4% (deren Kinder) nahezu identische Dimensionen aufweist. Es liegt also nahe, dass die norwegische Bevölkerung entweder ähnlich böse und rassistisch ist oder dass „die Ausländerfrage“ keine wirklich gute Erklärung für das Wahlergebnis der FPÖ darstellt.

Ich denke, da alle drei skandinavischen Länder seit 2017 – und zwar unabhängig von der politischen Schlagseite der amtierenden Regierungen – eine nahezu diametral andere Ausländer- und Asylpolitik verfolgen, dass dies entscheidend für das Verständnis ist. Sowohl die damals Mitte-Rechts-Regierung in Norwegen (2017) als auch die Mitte-Links-Regierung in Dänemark (seit 2019) verfolgen ausgesprochen eine restriktive Ausländer- und Asylpolitik. In Schweden, seit Frühjahr 2023 von einer Mitte-Rechts-Regierung regiert, ist man ebenso von der Idee abgekommen, eine „humanitäre Supermacht“ sein zu wollen; mittlerweile patroulliert das Militär gemeinsam mit der Polizei in den schwedischen Promlemvierteln in einem Versuch, der z.T. ausufernden Banden- und organisierten Kriminalität sowie den unfassbar hohen Vergewaltigungsfällen Herr zu werden. Wenn Sie sich für einen Überblick hierzu interessieren, so lege ich Ihnen meinen einschlägigen Beitrag im „Kontrafunk“ vom 5. Jan. 2024 nahe.

Nun müsste man dabei wohl hinzufügen, dass die erwähnten nordischen Länder allesamt zentralistische Einheitsmonarchien und keine föderal-republikanischen Gemeinwesen sind, was es zwar den Regierungen erleichtert, Beschlüsse rasch umzusetzen – aber man kann dies kaum als belastbare Bewertung bzw. als Alleinstellungsmerkmal einstufen.

Vielmehr sind die ebenso erwähnten Positionen – Gegnerschaft zur weiteren Eskalation in der Ukraine, Misswirtschaft und Teuerung sowie die Corona-Maßnahmen – gewiss „bessere“ Gründe für das gute Abschneiden der FPÖ.

Wir werden dazu in den nächsten Tage gewiss „mehr“ lesen und hören, zwei Dinge stechen jedoch für mich klar hervor:

  1. Man verwehre sich gegen „einfache Erklärungen für komplizierte Probleme“, denn die 28-29% der Österreicherinnen und Österreicher nun als „Ewiggestrige“ oder „Rassisten“ darzustellen ist nicht minder verkürzt, wie mit dem Finger auf Vladimir Putin zu zeigen oder zu behaupten, die Kurz/Schallenberg/Nehammer-Kogler-Regierung hätte bei „Corona“ nicht so manches, wenn nicht nahezu alles „anders“ oder „besser“ machen können. Weder sind alle FPÖ-Wähler so oder so noch sind nahezu alle anderen Themen ähnlich karikaturenhaft zu bearbeiten. Besonders sticht hierbei hervor, wie von nahezu allen „Leit- und Qualitätsmedien“ versucht wird, „die eine“ oder „jene andere“ Erklärung anzubieten. In all diesen Aspekten ist die nordische Berichterstattung zwar nicht um vieles besser, aber immerhin „entspannter“ bzw. eine Runde ausgewogener.
  2. Es gibt eine Reihe legitimer Missstände in Österreich, die einem Gutteil der Bürgerinnen und Bürger Sorgen bereitet; so zu tun, als ob eine (Protest-) Stimme gegen diese Zustände gleichzusetzen wäre mit Zustimmung für die z.T. hanebüchenen Positionen, die Teile der FPÖ vertreten ist jedoch eine nicht falsifizierbare Hypothese und somit eine Glaubensfrage. Wie auch im benachbarten Deutschland, so ist ein Teil der wahlberechtigen Bevölkerung zu der Überzeugung gelangt, dass lediglich eine Stimme für die FPÖ (AfD) einen ausreichend großen Mittelfinger in Richtung „der da oben“ darstellt (was wiederum zulasten der vielen Kleinparteien ging). In der BRD ist dies übrigens aufgrund der vielfachen Ressentiments einiger „Wessis“ gegenüber ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern in der ehemaligen DDR nahezu karikaturenhaft auf die Spitze getrieben. In Österreich ist dies so nicht möglich, daher der Griff in die Klamottenkiste mit einschlägigen Untergriffen und Vorurteilen.

Man muss schon auf einem Auge blind sein, um derartige „Haltungen“ als „Analyse“ oder gar „fundierte Beiträge“ zu Debatten anzusehen (eine Langform auf Englisch finden Sie hier).

So werden die Menschen in Österreich wohl noch eine Runde länger an der Nase herumgeführt, denn diese Woche bekommen wir gewiss mehr „einfache Erklärungen für komplizierte Probleme“, weswegen eine ergebnisoffene Debatte über viele brennende Themen – von Masseneinwanderung über die pervertierten, von der UNESCO vertretenen „Inhalten“ in Kindergärten und Schulen bis hin zu Fragen von Krieg und Frieden bzw. der Zukunft der EU – kaum eine Rolle spielen werden.

Die Verhausschweinung des Souveräns geht lediglich in die nächste Runde oder, wenn Sie dies aus dialektischer Perspektive haben wollen: in der nächsten Stufe weiter.

Von Lösungsansätzen o.ä. fehlt weiterhin jede Spur, von ernstzunehmenden Debattenbeiträgen in den „Leit- und Qualitätsmedien“ ganz zu schweigen.

Bild Screenshot von https://www.bundeswahlen.gv.at/2024/nr/

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5 Kommentare

  1. Martin E. 3. Oktober 2024 um 14:04 Uhr - Antworten

    Sehr geehrter Herr Sander-Feas!
    Sie zitieren eine Quelle so: „In Wien haben 42% der Einwohner einen Migrationshintergrund.“

    Dies sollte korrigiert werden, denn es sind bereits 50,5%.

  2. Glass Steagall Act 30. September 2024 um 13:00 Uhr - Antworten

    Die internationalen negativen Stimmen deuten auf Eliten-Denkweise hin! Sie drücken ihren Unmut über die Mainstream Medien aus und garnieren diesen Unmut mit viel Hass und Hetze gegen Bürger, die die Nase voll von den Gängeleien der bisherigen linken Parteien haben! Speziell in Deutschland, dem Propagandaland Nr. 1 in Europa, verurteilen die Eliten in ihrer Wut, die neuen Stimmen der Vernunft als rechtsextrem! Dabei kommen die wirklich extremen Parteien aus den linken Lagern, da sie sich eine Diktatur wünschen und auch schon bewiesen haben, diese ohne die Bürger zu fragen, umsetzen!

    Hat etwa der europäische Bürger nach Massenmigration in die sozialen Systeme gefordert? Gegen arbeitsfähige Migranten hat wohl kaum jemand etwas!
    Hat der Bürger Sanktionen gegen Russland gefordert?
    Hat der Bürger teure LNG-Energie aus den USA gefordert? Oder Windräder?
    Hat der Bürger nach Krieg in der Ukraine gefordert?
    Hat der Bürger nach militärischer Aufrüstung gefordert?
    Hat der Bürger nach Lockdowns während der Fake-Pandemie gefordert? Oder nach gefährlichen Spritzen?
    Hat der Bürger nach dem Superstaat EU gefordert?
    Oder hat der Bürger nach einem Krieg mit Russland gefordert?

    Nein!!!
    Alles das haben Ideologen aus den politischen linken Lagern gefordert! Der Bürger will das alles nicht, aber er wird als rechtsextrem oder Nazi bezeichnet, wenn er das ablehnt! Dabei kommt die Bezeichnung genau von der Seite, die Nazi-Methoden einsetzt, aber angeblich für das Gute steht. Einfach lächerlich!

  3. Jan 30. September 2024 um 12:58 Uhr - Antworten

    Ich verstehe die Kickl-FPÖ als sozialliberale Partei, nicht als rechtsaußen, auch wenn sich das wording gedreht hat.

    Ein Rückzug auf den Nationalstaat ist angesichts der unsicheren Weltlage geboten und auch von den US-Republikanern eingeleitet worden.

    Ich kann die Strategie Globalismus, Krieg, Klima und Impfen der Linken nicht nachvollziehen, abgesehen davon, dass ich sie nicht für links halte.

    ÖVP-Stocker hat sinngemäß gesagt, solche Leute finden sie in allen Parteien. Die FPÖ-Führung in die Naziecke zu stellen, ist absurd.

  4. Varus 30. September 2024 um 10:02 Uhr - Antworten

    Die Unzufriedenheit mit dem Krieg in der Ukraine ist einer der Gründe, warum die Partei an Popularität gewonnen hat.

    Dennoch kommen die Kartellparteien nicht darauf, dass man vielleicht aufhören sollte, auf Kosten eigener Bürger Schnorrlensky & Co zu alimentieren? Glaubt wirklich jemand in Wien, dass „der Russe“ kommt?

    • Pet van de Werft 30. September 2024 um 13:48 Uhr - Antworten

      @ Varus
      Ich denke, die österreichische Regierung als Teil des zukünftigen Westweltzone (mit harter Zonengrenze) wird solange die Russen attackieren, bis die in einem heissen Krieg in Wien stehen.
      Das kann man in wenigen Tagen, Wochen, Monaten, Jahren haben, je nach Attacken.
      Insofern ist es nicht glauben sondern wissen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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