
Türkei hat BRICS-Mitgliedschaft beantragt
Am nächsten BRICS-Gipfel im Oktober wird das Staatenbündnis wieder erweitert. Womöglich tritt dann erstmals ein NATO-Mitglied bei.
Die Türkei hat um den Beitritt zur BRICS-Gruppe angesucht. Entsprechende Absichten wurden bisher zwar schon verhalten kommuniziert, TKP hat berichtet, doch im Hintergrund hat man offenbar bereits Ernst gemacht. Mit dem BRICS-Beitritt will die Türkei „neue Beziehungen jenseits ihrer traditionellen westlichen Verbündeten zu knüpfen.“
Orientierung nach Osten
Offiziell gemacht hat die Türkei den Antrag noch nicht, doch Bloomberg berichtet darüber mit Verweis auf „Personen, die mit der Angelegenheit vertraut“ sind. Eine Aufnahme der Türkei in die BRICS-Gruppe hätte geopolitisch erhebliche Auswirkungen. Immerhin stellt die Türkei die zweitgrößte Armee innerhalb der NATO, die sich in einen neuen Kalten Krieg manövriert hat. Die Gegner der NATO, China und Russland, dominieren das Handelsbündnis der BRICS-Staaten.
Die BRICS sind kein militärisches Bündnis. Im Gegenteil: Mit Indien und China sind unter anderem zwei Staaten Teil der Gruppe, deren Konflikte fast schon Tradition haben. Trotzdem müsste eine Mitgliedschaft der Türkei auch als ein Abrücken von der NATO verstanden werden. Zudem ist die Türkei formal weiterhin EU-Beitrittskandidat. Dieses Thema dürfte sich mit dem BRICS-Beitritt aber endgültig erledigt haben.
Bloomberg schreibt dazu:
Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist der Ansicht, dass sich der geopolitische Schwerpunkt von den entwickelten Volkswirtschaften weg verlagert, so die Personen, die anonym bleiben wollten, weil sie nicht befugt sind, sich zu äußern.
Der neue diplomatische Vorstoß des Landes spiegelt sein Bestreben wider, in einer multipolaren Welt Beziehungen zu allen Seiten zu pflegen und gleichzeitig seinen Verpflichtungen als wichtiges Mitglied der Nordatlantikvertrags-Organisation nachzukommen, sagten sie.
Die Türkei, die zwischen Europa und Asien liegt, hat vor einigen Monaten aus Frustration über die mangelnden Fortschritte bei ihrem jahrzehntelangen Versuch, der Europäischen Union beizutreten, einen Antrag auf Aufnahme in die BRICS gestellt, fügten die Personen hinzu. Die Bewerbung sei teilweise auch das Ergebnis von Meinungsverschiedenheiten mit anderen NATO-Mitgliedern, nachdem die Türkei nach dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 enge Beziehungen zu Russland unterhalten habe, fügten die Personen hinzu. Das türkische Außenministerium und die türkische Präsidentschaft lehnten eine Stellungnahme ab.
2023 wurde die Gruppe erstmals in ihrer Geschichte erweitert. 2024 am Gipfel im russischen Kasan dürfte dieser Prozess weitergehen. Mehrere Duzend Staaten aus Asien, Afrika und Südamerika haben Interesse, den BRICS beizutreten. Sieben Staaten haben bereits vor der Türkei einen offiziellen Antrag auf Mitgliedschaft eingebracht: Kamerun, Pakistan, Sri Lanka, Syrien, Thailand, Venezuela und Simbabwe. Laut Bloomberg wollen auch Malaysia und der türkische Verbündete Aserbaidschan in diesem Jahr beitreten. Es könnte also zu einer größeren Erweiterung als 2023 kommen.
Innerhalb Europas gibt es bisher nur in Serbien laute Stimmen, die sich für einen solchen Schritt aussprechen. Ein Antrag auf Mitgliedschaft ist in diesem Jahr allerdings keinesfalls zu erwarten, auch wenn Serbiens Präsident Vucic zum Gipfel nach Russland eingeladen sein soll.
Das ist für die Türkei ein gefährliches Unterfangen ,sich vom diktatorischen Westen,hier USA ,abkoppeln zu wollen.Die USA reagiert in der Regel mit Sanktionen .Wollen wir hoffen,das es keinen neuen Kriegsschauplatz gibt.
Die Ratten verlassen das sinkende Schiff!