
Der Stier von Pasiphae und die Technik
Ein griechischer Mythos kann als Paradigma der Technik gesehen werden und zeigt, dass der Mensch, wenn er sein eigenes Wesen vergisst, nur noch Ungeheuer erzeugt.
Im Mythos von Pasiphae, der Frau, die sich von Dädalus eine künstliche Kuh bauen lässt, um sich mit einem Stier zu paaren, ist es legitim, ein Paradigma der Technik zu sehen. In dieser Perspektive erscheint die Technik als das Mittel, mit dem der Mensch versucht, die Animalität zu erreichen – oder wieder zu erreichen -. Aber genau das ist das Risiko, das die Menschheit heute durch die technologische Hypertrophie eingeht. Die künstliche Intelligenz, der die Technik ihr extremes Ergebnis anzuvertrauen scheint, versucht eine Intelligenz hervorzubringen, die, wie der tierische Instinkt, sozusagen von selbst funktioniert, ohne das Eingreifen eines denkenden Subjekts. Es ist die dedalische Kuh, durch die die menschliche Intelligenz glaubt, sich glücklich mit dem Instinkt des Stiers paaren zu können, indem sie zum Tier wird oder wieder zum Tier wird. Und es ist nicht verwunderlich, dass aus dieser Vereinigung ein monströses Wesen mit menschlichem Körper und taurinischem Kopf hervorgeht, der Minotaurus, der in einem Labyrinth eingesperrt ist und sich von Menschenfleisch ernährt.
Vom Tier zur Technik
In der Technik – das ist die These, die wir vertreten wollen – geht es tatsächlich um die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Die Anthropogenese, die Menschwerdung des Primaten Homo, ist in der Tat kein einmaliges Ereignis zu einem bestimmten Zeitpunkt: Es handelt sich um einen fortlaufenden Prozess, bei dem der Mensch nicht aufhört, Mensch zu werden und gleichzeitig Tier zu bleiben. Und wenn die menschliche Natur so schwer zu definieren ist, dann gerade deshalb, weil sie die Form eines Zusammenspiels zwischen zwei heterogenen und doch eng miteinander verflochtenen Elementen annimmt. Ihre beharrliche Verflechtung ist das, was wir als Geschichte bezeichnen, an der das gesamte westliche Wissen, von der Philosophie bis zur Grammatik, von der Logik bis zur Wissenschaft und heute bis zur Kybernetik und Informationstechnologie, von Anfang an beteiligt war.
Die menschliche Natur – das sollte man nicht vergessen – ist kein Faktum, das je nach eigenem Willen erworben oder normativ festgelegt werden kann: Sie ist vielmehr in einer historischen Praxis gegeben, die – insofern sie das Innere und Äußere des Menschen, das Lebendige und das Sprechende, das Menschliche und das Tierische zu unterscheiden und miteinander zu artikulieren hat – nicht anders kann, als unaufhörlich umgesetzt und jedes Mal verschoben und aktualisiert zu werden. Das bedeutet, dass in ihr ein wesentlich politisches Problem auf dem Spiel steht, bei dem es um die Entscheidung geht, was menschlich ist und was nicht. Der Ort des Menschen liegt in dieser Kluft und Spannung zwischen Mensch und Tier, Sprache und Leben, Natur und Geschichte. Und wenn er, wie Pasiphae, seinen eigenen Lebensraum vergisst und versucht, die Extreme, zwischen denen er gespannt bleiben muss, zu verflachen, wird er nur Ungeheuer erzeugen und sich mit ihnen in einem Labyrinth ohne Ausweg gefangen halten.
Bild „Fresco depicting the myth of Pasiphae in the House of the Vetti Pompeii Walk“ by mharrsch is licensed under CC BY-SA 2.0.
Giorgio Agamben, Jahrgang 1942, lehrt heute als Professor für Ästhetik an der Facoltà di Design e Arti der Universität Iuav in Venedig, an der European Graduate School in Saas-Fee sowie am Collège International de Philosophie in Paris. Sein Werk wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er war der einzige lebende Weltphilosoph, der von Februar 2020 gegen das Covid-Regime angeschrieben hatte. Deshalb wurde er auch weitgehend aus dem öffentlichen Diskurs gecancelt. Der Text Il toro di Pasifae e la tecnica erschien am 11. Juli am Blog von Agamben auf Italienisch.
unabhängig davon, ob man an gott glaubt oder nicht (man kann hier gott z.b. auch durch natur ersetzen), aber im film „jurassic park“ gibt es eine szene, wo der von jeff goldblum gespielte kritische wissenschaftler sagt:
„gott erschafft dinosaurier. gott vernichtet dinosaurier. gott erschafft adam. adam vernichtet gott. adam erschafft dinosaurier.“
so ähnlich läuft das heute mit KI und zwangsdigitalisierung… technischer fortschritt ist ja nichts grundsätzlich schlechtes, aber derzeit läuft er in eine brandgefährliche richtung. und das kann man mit der erfindung von eisenbahn oder radio nicht im geringsten vergleichen. und im namen eines völlig blinden fortschrittsglaubens lässt man ohne ausreichende studien neuartige impfstoffe auf die menschheit los…
Machines (or ‚Back To Humans‘)
Queen
Es ist alles ganz einfach…
Der Mensch baut alles nach, um es zu verstehen. Es fängt mit dem Zeichnen an. Er bekritzelt Wände mit dem, was er sieht, s. Höhlenmalereien. Das ist kein erlerntes überlegtes Handeln, sondern angeboren wie ein Trieb. Schon kleine Kinder tun es ungefragt. Es ist in ihnen. Das Zeichnen, woraus auch die Schrift entstanden ist (sie haben Zeichen in den Sand gemalt, Pfeile, Tiersymbole, Fische usw.), ist der Ursprung der Technik und jene Eigenschaft, die uns von den Tieren unterscheidet. Aber ich denke, wir sind natürlich auch Tiere.
Ich meine, es geschieht ohne Absicht, dass wir alles nachbauen und so immer mehr verstehen. Wir müssen das tun, weil es in uns ist. Wir erschaffen alles neu. Alles, nicht nur die Tiere und Pflanzen, wir legen immer wieder Systeme an, nach denen zB eine Gemeinschaft funktionieren soll. Aber meistens geht das schief, weil es individuelle Unterschiede und das Bestreben nach Freiheit gibt. Einer kann nicht allen anderen vorschreiben, wie sie zu leben haben, weswegen Ideologien immer Unfug sind, die nur viel Elend und Qual verursachen, bis man sich daraus befreit. So haben sich mit der Zeit Gesetze und Moral (aus den Religionen) entwickelt, die für unser Zusammenleben wichtig sind, damit nicht allein das Recht des Stärkeren bzw. Hinterlistigeren zählt. Diese Regeln können laufend angepasst werden, aber es gibt auch Grundrechte, die nicht verhandelbar sein sollten.
Wie schaffen Ordnung aus dem Chaos. Wenn man vom Flugzeug runterschaut, sieht man die Felder, die Städte, die Straßen…der Mensch verwandelt die Natur zu etwas Künstlichem. Der Prozess ist mancherorts schon weit fortgeschritten.
Das Flugzeug ist der Vogel, das Auto ist die Pferdekutsche… Roboter sind künstliche Menschen (es ist völlig überflüssig, dass wir das tun, denn es gibt uns ja schon), künstliche Intelligenz… irgendwann wird die Erde total künstlich sein und alles existiert verchipt und totalüberwacht in der Matrix. Dann passt auch das künstliche Essen von Gates dazu. Das ist der Endzustand einer Erde, auf der es Menschen gab: Der Mensch wurde durch Maschinen ersetzt, die keine Seele haben… denn die hat man nicht nachbauen können.
Man darf bei diesem Beitrag nicht vergessen, dass der Autor instiktiv davon ausgeht, dass die kapitalistische Gesellschaft die Grundlage seiner Überlegungen ist und keine Alternative in Betracht kommt. Dabei ist es gerade die Gesellschaft, die einen Menschen und seine Denkweise determiniert. Wann könnte man das besser nachweisen als zur Zeit? Die anerzogenen Denkgrenzen sind dermaßen wirksam, obwohl es ausreichend Literatur zu diesem Thema gibt, um sich davon zu befreien.
Wir bezeichneten den Menschen in der DDR immer als vernunftbegabtes Wesen. Aber damit er dieses wird, braucht es Bildung und Erziehung. Sonst gebiehrt die Gesellschaft nur noch Monster.
Eine bemerkenswerte Geschichte, um das Orginäre menschlicher Existenz ins Zentrum zu rücken. Als der Mensch qua seiner kognitiven Entwicklung sich seiner SELBST bewußt wurde, war er in der Lage sein Triebleben von „außen“ zu betrachten und steuern.
Er kann sein Leben reflektieren, als einziges Lebewesen, und alternative Zukunftsgestaltungen anstreben. So er will, und so er selbst denkt.
Diese neue „Freiheit“ , das BEWUßTSEIN, ist im Idealfall mit Verantwortung und Vernunft verbunden. Diese Freiheit birgt auch Gefahren. Hybris und Grenzenlosigkeit, Machtgelüste und Maßlosigkeit. Die Kirche kennt a l l e und praktiziert sie dennoch selbst.👎🏽
Der Mensch schuf Religionen, Gesetze, Verhaltenskodizes als soziale Orientierungspunkte.
Pasiphae war verflucht. Ihren Trieben ausgeliefert. Sie hatte keine Wahl, nur ein „technisches Problem“ 😂, das Daidalos für sie löste.
Pasiphae selbst war kundig in der Herstellung von Kräuter-Drinks und belegte wiederum den untreuen Gatten mit einem nicht minder ekelhaften Fluch
Er ejakulierte im Falle einer ehelichen Untreue Schlangen, Skorpione und Tausendfüssler….damit räumte Madame Pasiphae die Konkurrenz aus dem Weg.😁👍.
Was für eine kranke Phantasie die alten Griechen uns ihren Mythen präsentieren….
Andererseits waren es auch Sittengemälde. Wehe, Du wirst mir untreu 🫵 , dann kommt Pasiphae. ☝🏼
@Sabine Schönfelder
17. Juli 2024 at 18:12
„Als der Mensch qua seiner kognitiven Entwicklung sich seiner SELBST bewußt wurde, war er in der Lage sein Triebleben von „außen“ zu betrachten und steuern. Er kann sein Leben reflektieren, als einziges Lebewesen, und alternative Zukunftsgestaltungen anstreben. So er will, und so er selbst denkt. Diese neue „Freiheit“ , das BEWUßTSEIN, ist im Idealfall mit Verantwortung und Vernunft verbunden. Diese Freiheit birgt auch Gefahren. Hybris und Grenzenlosigkeit, Machtgelüste und Maßlosigkeit …“
Für Baruch de Spinoza (1632 – 1677) ist „Freiheit“ nur möglich in Verbindung mit der „potentia intellectus“, mit der „Macht des Verstandes“. In seinem Hauptwerk „Ethica Ordine Geometrico demonstrata et
in quinque partes distincta“ („Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt und gegliedert in fünf Teile“)
lautet der vierte Teil: „Von menschlicher Knechtschaft oder von den Kräften der Affekte“ („De servitute humana seu De affectuum viribus“). Und der fünfte Teil lautet „Von der Macht des Verstandes oder von menschlicher Freiheit“ („De potentia intellectus seu De libertate humana“).
Es ist ersichtlich, dass von frühester Kindheit an darüber entschieden wird, ob ein Mensch später seine Affekte reflektieren (und beherrschen) und so zu einem frei entscheidenden Menschen wird, werden kann. Andernfalls bleibt er ein Sklave seiner Affekte und auch jener, die diese ausnützen, um Macht über ihn auszuüben. Das ist ein gänzlich anderer – von der Ethik der Stoa beeinflusster – Begriff von „Freiheit“ als die heute üblichen Verwechslungen von Sklaverei mit Freiheit …
Mit der Freiheit verhält es sich ähnlich wie mit der Wahrheit. Es sind Begriffe, die die Interpretationsfähigkeit des menschlichen Geistes stimulieren. Hermeneutische Begriffe, die wir unter philosophischen Aspekten mit den Augen vieler Geistes- und Naturwissenschaften betrachten können.
Ein Computer hat weder Geist noch Bewußtsein. Er ist ein Sammelbecken menschlichen Wissens in unvorstellbarem Umfang. Er funktioniert nach den Vorstellungen seines Programmierers, nach dessen Absichten und Zielen.
Die KI ist DAS TOOL von Silicon Valley, unsere soziologische und politische Menschheitsgeschichte auszulöschen, und durch eine faschistoid entwickelte,
von einer Geldelite gesteuerte, absolutistische DOKTRIN zu ersetzen.
Für „intelligent“ halten diese Menschen ihre eigene Idee einer computergesteuerten Weltregierung.
Man suggeriert den Menschen mit dieser mittlerweile im Dauermodus vermarkteten Computersimulation namens KI eine allmächtige, ihnen total (- itär) überlegene Intelligenz, im Verhältnis zur eigenen, die a l l e Belange ihres Lebens in Zukunft regeln soll. Sonst ist der Mensch verloren. 😂🥳
Die Infantilisierung im öffentlichen Umgang, siehe Wetterprognosen, eine ständige ANGSTPROPAGANDA per Krieginszenierungen, Pandemie usw. sollen permanent Gefühle der Hilflosig- und Abhängigkeiten in uns evozieren.
Dann kommt Papi/Mami/Gendi – KI und sagt Dir, wo es lang geht. 🫵
Das ist deren Plan, und er wird scheitern, denn die Dummen sterben nicht aus.
Die Gescheiten aber auch nicht.😁👍🎶🥳🥂
Noah, so eine andere Legende, wusste vom drohenden Unheil und bereitete sich vor. Von jedem Lebewesen ein vermehrungsfähiges Paar, so wie es ihm Gott in seinem verzweifelten Grübeln vermeintlich eingegeben hatte.
Nach dem Kataklysmus ermöglichte Noahs Vorbereitung einen Neustart. Zur Sicherheit schloss Gott einen Neuen Bund: Dass alle, die auf der Arche gewesen waren, Gotteskinder seien, ebenso wie ihre Nachfahren.
Künstliche Viren und künstliche Tiere gehören nicht dazu. Man kann unmöglich argumentieren, dass sie oder ihre Vorfahren auf der Arche gewesen seien. Auch Außerirdische oder Kobolde unterliegen nicht dem Zweiten Bund.
Durch die Impfung oder die Vermählung mit einer Maschine entstehen Lebewesen, die keine Gotteskinder sind.
Der Gegenspieler hätte Leben erschaffen wie Gott, der Leben gibt und Leben nimmt. Die Selbstvergöttlichung hätte ihr Versprechen erreicht: Ihr werdet sein wie Gott!
„Ein griechischer Mythos kann als Paradigma der Technik gesehen werden und zeigt, dass der Mensch, wenn er sein eigenes Wesen vergisst, nur noch Ungeheuer erzeugt“
„Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (‚El sueño de la razón produce monstruos‘) ist das 43. Bild der insgesamt 80 Aquatinta – Radierungen ‚Los Caprichos‘ von Goya (1799 veröffentlicht)
Für Goya gehört „Vernunft“ sichtlich zum „Wesen des Menschen“ …