Moskauer Börse stoppt Handel mit US Dollar und Euro

13. Juni 2024von 1,7 Minuten Lesezeit

Nächste Eskalation im Währungs- und Wirtschaftskrieg zwischen Ost und West: Die Moskauer Börse hat den Handel mit Dollar und Euro eingestellt. 

Nach neuen Finanzsanktionen des US-Finanzministeriums gegen Russland, hat der Kreml reagiert. Die Moskauer Börse hat seit dem heutigen Donnerstag den gesamten Handel mit US-Dollar und Euro eingestellt. Die Börse teilte mit, dass sowohl der Aktienhandel als auch der Geldmarkthandel in beiden Währungen eingestellt wird.

Auswirkungen fraglich

Der Schritt Russlands kommt überraschend, erklärt wurde der Stopp erst am Mittwoch. Der gestrige Mittwoch war zudem russischer Nationalfeiertag. Die Sanktionen, die zu diesem Schritt geführt haben, betreffen konkret mehr als 300 Unternehmen und sollen, „die grundlegende Finanzinfrastruktur des Landes“ ins Visier nehmen, erklärte Washington zuletzt. Auch die Moskauer Börse, das Nationale Clearingzentrum und das Nationale Abwicklungsdepot, die als Vermittler im Dollarhandel auf dem russischen Devisenmarkt fungieren, sind in die neue Sanktionsliste aufgenommen. Hier ist die Presseerklärung des US-Finanzministeriums zu finden.

Die Zentralbank der Russischen Föderation kündigte aber an, dass Transaktionen mit dem US-Dollar und dem Euro weiterhin auf dem Freiverkehrsmarkt getätigt werden können. Anti-Russische Berichterstatter berichten von Problemen des Rubels und erhoffen sich einen „Bank Run“. Die Newsplattform Viségrad berichtet davon, dass eine russische Bank, Rosbank, nicht mehr erreichbar sei. Auch die Gazprombank soll Probleme haben.

Pro-Russische Berichterstatter berichten anders: Dort heißt es, dass die „Entdollarisierung“ voranschreite und der Schritt der Börse auf ein neues Handelsabkommen mit der BRICS-Gruppe folge. Demnach habe man die Entscheidung getroffen, den Handel in einheimischen Währungen abzuwickeln und damit den Bedarf an Dollars zu verringern. Alle Mitglieder der Allianz sowie sechs weitere Länder wurden in das Abkommen einbezogen.

Die Wahrheit liegt möglicherweise irgendwo dazwischen.

Bild „RIAN archive 415543 ‚Birzhevye Vedomosti‘ (Stock Exchange News), an S. Propper’s partnership share worth 1,000 rubles, at the Russian 19th-20th century securities exhibition.“ by Igor Mikhalev / Игорь Михалев is licensed under CC BY-SA 3.0.


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8 Kommentare

  1. Jurgen 13. Juni 2024 um 21:33 Uhr - Antworten

    Das war ja überfällig! Man handelt nicht mit dem Falschgeld vom Feind. Man nimmt nur echtes Gold und Silber… Dumm ist nur, wer keines im Privatbesitz hat….

  2. Daisy 13. Juni 2024 um 20:42 Uhr - Antworten

    Saudi-Arabien hat entschieden, das vor 50 Jahren mit den USA vereinbarte sogenannte Petrodollar-Abkommen nicht über den 9. Juni hinaus zu verlängern.

    Dadurch kann Saudi-Arabien Öl etc. nun in verschiedenen Währungen verkaufen.

    Das ist das Ende des Petrodollars und sohin nimmt der Untergang des Imperiums Fahrt auf. Herbeigeführt und beschleunigt hat man es selbst.

    • therMOnukular 13. Juni 2024 um 22:08 Uhr - Antworten

      Da sind Sie mir zuvor gekommen, werte Kollegin, darauf wollte ich auch hinweisen.

      Man hat es von Anfang an Trump unterstellt und nun war es ausgerechnet Bidel, der mit seinen „Paria“-Statements maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Saudi A. schlussendlich und längst überfällig sagt „wisst’s was, leckt’s uns doch“.

      Es heißt aber noch etwas anderes, viel Größeres amS: Teil des Deals war ja der Schutz durch die USA von Saudi A. und den Regenten. Im arabischen Raum scheint man ergo die USA nicht mehr als fähig zu betrachten, solchen Schutz tatsächlich gewähren zu können, da hat man selbst und im direkten Umfeld mittlerweile mehr Möglichkeiten – im Gegenteil, man wäre sogar in der Lage, es mit den USA aufzunehmen (siehe Iran’s Antwort an Israel nach den Bomben auf das Konsulat).

      Es ist also nicht nur ein finanzielles Fiasko für die USA, sondern auch ein Gesichts- und Abschreckungs-Verlust wie ihn als letzte Supermacht die zerfallende Sovjetunion erlebt hat.

      • Jan 15. Juni 2024 um 7:32 Uhr

        US-Fracking wird nicht dauerhaft weitergehen. Schätzungen sagen, bis max. 2030. Die USA erzeugen aktuell ca. 30% des Weltbedarfs. Venezuela muss man erst einmal annektieren.

        Der Großteil der Ölreserven befindet sich in BRICS-Staaten. Wenn der Handel eingeschränkt wird, bleibt dem Westen nur noch Solarstrom.

  3. Fritz Madersbacher 13. Juni 2024 um 17:58 Uhr - Antworten

    „Demnach habe man die Entscheidung getroffen, den Handel in einheimischen Währungen abzuwickeln und damit den Bedarf an Dollars zu verringern. Alle Mitglieder der Allianz sowie sechs weitere Länder wurden in das Abkommen einbezogen“

    Wie dem beigefügten Link zu entnehmen ist, unternehmen die momentan tagenden BRICS-Staaten große Anstrengungen, den US-Dollar als Reservewährung für internationale Handelsverträge abzuservieren:

    „BRICS Announces Massive Trade Agreement to Ditch the US Dollar“ (June 12, 2024)
    The BRICS economic alliance has announced an extensive trade agreement that will effectively ditch the US dollar. The collective settled on an agreement with a plethora of outside nations to settle trade dealings in their national currencies, circumventing the use of the greenback.
    The agreement includes all BRICS nations as well as Thailand, Laos, Sri Lanka, Kazakhstan, Venezuela, and Bolivia. Moreover, it becomes one of the bloc’s most extensive de-dollarization policies in its history. Its presence should only be magnified by the impending arrival of the bloc’s independent payment system.
    Bolivian President Luis Arce discussed the agreement and the BRICS payment system that is currently being developed by the bloc. Arce noted that the system is developed to compete with the dominance of both the dollar and the Euro. However, using local currencies is a key part of facilitating its eventual arrival.
    Since sanctions were imposed on Russia in 2022, the bloc has sought ways to sidestep US dollar usage. This has involved their steadfast commitment to the promotion of currency alternatives“

    Der stellvertretende Finanzminister der Reagan-Administration, Paul Craig Roberts, schrieb in diesem Zusammenhang kürzlich:

    „Der Tod des US-Dollars wird … nicht auf die unbedachten US-Sanktionen gegen Russland, den Iran und andere Länder geschoben, deren einziger Effekt darin besteht, die Länder zu ermutigen, das auf dem Dollar basierende System aufzugeben, was zu einem Rückgang der Nachfrage nach Dollar und US-Staatsanleihen führt …
    Wenn die Währung eines Landes die Welt-Reservewährung ist – eine Rolle, die die USA als Siegespreis im Zweiten Weltkrieg von Großbritannien übernommen haben – bedeutet dies, dass es eine unbegrenzte Nachfrage nach Ihren Schulden gibt. Der Grund dafür ist, dass Ihre Schulden die Reserven der Zentralbanken der Welt sind. Ein Anstieg der US-Schulden bedeutet einen Anstieg der Reserven des weltweiten Bankensystems. Da die Zentralbanken mehr Reserven haben wollen, gab es immer eine Nachfrage nach US-Staatsanleihen. Es gab kein Finanzierungsproblem …
    Was dieses amerikanische Privileg in Gefahr gebracht hat, ist Washingtons dumme, ja hirnlose Verhängung von Wirtschaftssanktionen, die nur umgangen werden können, indem der US-Dollar nicht mehr als Weltwährung verwendet wird. Wenn Länder ihre internationalen Zahlungsbilanzkonten nicht mehr in Dollar abrechnen, wie es Russland, China, der Iran und andere Länder tun, sinkt die Nachfrage nach Schatzanleihen. Das bedeutet, wenn die sanktionierten Zentralbanken zu Gold und nicht-westlichen Währungen als Reserven übergehen, sinkt die Nachfrage nach US-Schatzanleihen, und zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte wird die Finanzierung der enormen amerikanischen Staatsverschuldung zu einem Problem …
    In dem Moment, in dem der Dollar fällt, geht die amerikanische Macht mit ihm unter. Der größte Teil der Welt kann es kaum erwarten, dass es soweit ist“
    (Paul Craig Roberts, Das wahre Schuldenproblem, deutsche Übersetzung: „Antikrieg.com“, 23/04/2024)

    • Andreas I. 13. Juni 2024 um 18:56 Uhr - Antworten

      Hallo,
      die BRICS wollten sich sowieso vom US-Dollar lösen, aber langsam und schonend, und zwar auch schonend für USA, denn die BRICS wollten keinen Wirtschaftskollaps auslösen und 19 % (oder so) der chinesischen Exporte gehen nach USA, da will China schon deshalb keine Schocktherapie.
      Aber die Sanktionspolitik der USA hat die Loslösung vom US-Dollar beschleunigt, denn Russland ist dadurch gezwungen sofort radikal umzustellen und dadurch müssen auch die anderen BRICS+ mitziehen, wenn sie souverän werden oder bleiben wollen.

      Was Roberts erklärt, Leitwährung und Nachfrage nach US-Dollar und USA-Staatsanleihen, das ist Privileg und Achillesferse zugleich.
      Die scheinbar übermächtige einzige Supermacht steht auf tönernen Füßen aus Schulden. Und genau da setzten die Staaten an, denen die globale USA-Diktatur nicht gefällt.

      • therMOnukular 13. Juni 2024 um 22:23 Uhr

        Toll zusammengefasst, Andreas.

        Ich würde sagen, Saudi Arabien hat den Spieß nun endgültig umgedreht und auf die USA gerichtet. Die haben nur noch nicht bemerkt, woher die Stiche kommen.

        Die, die den Dollar noch verehren, werden bald sehr viel mehr davon haben – und am Ende doch nichts davon…..;)) Als hätte das Schicksal meinen Humor.

    • Fritz Madersbacher 13. Juni 2024 um 19:52 Uhr - Antworten

      @Andreas I.
      13. Juni 2024 at 18:56
      „… die BRICS wollten sich sowieso vom US-Dollar lösen, aber langsam und schonend, und zwar auch schonend für USA“
      Dass ist zweifellos so, vor allem aufgrund der ziemlich umfangreichen wechselseitigen Verflechtungen der Ökonomien Chinas und der USA, wie von Ihnen erwähnt. Aber die westlichen, vor allem die US-Imperialisten schlagen immer irrwitziger um sich, wie Untergehende. Dazu zwei aktuelle Meldungen:
      „The G7 Leaders agreed at a summit in Italy on Thursday to give Ukraine $50 billion using frozen Russian Central Bank assets, a step that marks a significant escalation in the economic war against Russia.
      The plan is to provide the $50 billion to Ukraine by the end of the year in the form of a loan, which will be paid back using profits from the approximately $280 billion in frozen Russian assets held by the US and its allies. The idea is seen as a compromise between the US and Europe, as President Biden wanted to steal all of the frozen Russian funds to give to Ukraine. But the vast majority of the money is held in Europe, and EU leaders were hesitant to do that“
      „The US Treasury Department announced more Russia-related sanctions on Wednesday that target companies based in China and other countries that are accused of supporting Russia’s “war economy” … The US has been trying to pressure China to reduce its trade relationship with Russia and announced its first significant round of Russia-related sanctions on Chinese companies last month. However, trade between the neighboring countries has increased in recent years in response to US sanctions, and new ones aren’t expected to discourage the growing relationship.
      Russia has vowed that it will respond to the new US sanctions. “As always in cases like this, Russia will not leave such aggressive actions without a response,” said Russian Foreign Ministry spokeswoman Maria Zakharova. Following the announcement of the sanctions, Russia’s main stock exchange said it was halting trade in the US dollar and euro“
      („Antiwar.com“, June 12/13, 2024)

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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