Orban und Fico schmieden Allianz

17. Januar 2024von 3,8 Minuten Lesezeit

Der zweite Staatsbesuch von Robert Fico seit seiner Wiederwahl führte ihn nach Budapest. Dabei stellte er sich in der Frage um nationale Souveränität gegenüber Brüssel eindeutig  hinter Viktor Orban.

Robert Fico und Viktor Orban formieren Ungarn und die Slowakei zur souveränistischen Allianz. Das wurde beim Staatsbesuch Ficos am Dienstag in Budapest deutlich. Der slowakische Premierminister bei seinem Besuch am Dienstag in Budapest dem ungarischen Premierminister volle Rückendeckung bei den Angriffen der EU-Kommission auf die ungarische Souveränität. Auch in der Ukraine-Frage hat Orban erstmals Unterstützung.

Souveränität und Frieden

Dass Brüssel Ungarn aufgrund der inhaltlichen Differenzen „bestrafen“ will, sei nicht zu akzeptieren. „Solange ich an der Spitze der slowakischen Regierung stehe, werde ich niemals zustimmen, dass ein Land für den Kampf um seine Souveränität bestraft werden sollte. Ich werde niemals mit einem solchen Angriff auf Ungarn einverstanden sein“, sagte Fico am Dienstag während der gemeinsamen Pressekonferenz mit Orban nach den Gesprächen in Budapest.

Es war die zweite Auslandsreise Ficos seit seiner Wiederwahl. Die erste führte traditionell nach Prag. Wie Fico hob auch Orban die Frage der Souveränität explizit hervor: „Wir hier in Budapest sind ganz und gar nicht glücklich, was die Bemühungen in Brüssel betrifft, einen Superstaat zu errichten. Wir wollen unsere Grenzen schützen und allein darüber bestimmen, wen wir in unser Land lassen.“ Die Interessen der Slowakei und Ungarns zeige zu „mindestens 99% in die gleiche Richtung“. Hier ist die gesamte Erklärung von Orban zu finden.

Fico unterstützt Orban auch im oppositionellen Kurs in der Ukraine-Frage – das hat Fico in einem aktuellen Gastkommentar über den TKP berichtet hat, deutlich gemacht. Aktuell blockiert Ungarn ein 50-Milliarden-Kriegspaket. Orban hatte sich im Dezember diesbezüglich quergelegt. Orban argumentiert, dass weitere Gelder für Kiew aus einem separaten Budget und nicht aus dem EU-Haushalt kommen sollten.

Wenn wir der Ukraine helfen wollen, was notwendig ist, müssen wir das auf eine Art und Weise tun, die dem EU-Haushalt nicht schadet“, wiederholte Orban am Dienstag und fügte hinzu, dass er, wenn die EU seinen Vorschlag nicht akzeptiere, „gezwungen sein werde, diesen Prozess zu stoppen“. Die Reaktion Brüssels? Man will Ungarn das Stimmrecht entziehen. Woche unterzeichneten 120 Abgeordnete des Europäischen Parlaments eine Petition, in der die EU aufgefordert wird, die nächsten Schritte zu unternehmen, um Ungarns Stimmrechte zu beschränken. Initiiert wurde die Petition von Petri Sarvamaa, der finnische Mann der EU-Volkspartei sitzt seit 2012 im EU-Parlament.

Ein solcher Schritt würde aber die Unterstützung aller Mitgliedsländer benötigen, etwas wofür sich die Slowakei nicht hergeben werde, erklärte Fico. Aber die EU sollte es ruhig versuchen. Er unterstützt auch den Vorschlag, andere Quelle für die Kriegsmilliarden zu finden. Erneut sprach Fico äußerst deutliche Worte:

„Na gut, wir werden der Ukraine weitere 50 Milliarden Euro für vier Jahre geben. Wir werden ihr mehr Panzer geben. Wir werden ihr mehr Waffen geben. Meine Herren, denken Sie daran, was ich Ihnen sage: In drei Jahren werden wir immer noch hier sein, nur werden wir uns dann fragen, wohin die 50 Milliarden Euro verschwunden sind und dass die Russen immer noch Donezk und Lugansk kontrollieren. Von der Krim ganz zu schweigen. Und die Verhandlungsposition der Russen wird sich verbessert haben.“

Die ungarische Journalistin Viktória Serdült deutet den gemeinsamen Auftritt so, dass sich im EU-Rat aktuell eine „starke Veto-Allianz zwischen Ungarn und der Slowakei bildet“. Dafür spricht auch die kommunikative Verwertung des Treffens durch Orban:

Das kleine Ungarn, das in der Ukraine-Frage isoliert war, dürfte einen neuen Verbündeten gefunden haben. Zugleich hat Fico in der Slowakei aber weit weniger Handlungsspielraum als Orban, denn Orban hat eine absolute Mehrheit, davon ist Ficos SMER weit weg. Ein ungarischer Journalist sagt diesbezüglich aktuell: „Die Logik sagt mir, dass er keine Außenpolitik à la Orban machen wird, solange er seine Macht im Inland nicht konsolidiert hat. Es ist auch nicht sicher, dass er angesichts der Regierungskoalition und der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen intern genügend Unterstützung dafür hätte. Politisch ist dies eine sehr heikle Zeit, und es ist nicht bekannt, ob er sich das leisten könnte, was Orban sich leisten kann.“

Bild: Ministerpräsidentenamt/ Vivien Cher Benko


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11 Kommentare

  1. […] weiter Allianzen geschmiedet, wie z. B. aktuell durch die Erweiterung von BRICS oder zwischen Orban und Fico. Letzterer handelt in der Slowakei wegen der Übersterblichkeit, während Pfizer einen […]

  2. Kamil 17. Januar 2024 um 13:34 Uhr - Antworten

    Fico nimmt derzeit am WEF in Davos teil…!!!!

    • Hasdrubal 17. Januar 2024 um 16:22 Uhr - Antworten

      Chinesische Politiker tun es ebenso. Wenn Xi und Putin den Kampf gegen die Globale Woke Kabale ernst meinen, sollten die wesentlich deutlicher was gegen verschiedene Abzocke-Projekte sagen. Sonst wird es unglaubwürdig.

  3. Kamil 17. Januar 2024 um 13:33 Uhr - Antworten

    Fico ist der größte Lügner!! Erst kürzlich hat er im EU-Rat für alles gestimmt und alle seine eigenen Wähler zu Hause getäuscht!! Seine Parteimitglieder von der Smer-SSD-Partei im EP stimmen immer für die EU-Föderation!? Fico ist sogar für die Istanbul-Konvention, für die Asylpolitik, für die EU-Föderation, für die NATO!! Orbán will die Beneš-Dekrete aufheben! Fico akzeptierte auch das amerikanische Drei-Meere-Projekt, akzeptierte TTIP … also prüfen Sie es zuerst gründlich und schreiben Sie dann über diesen Ode-Betrug. Fico und seine Regierung stimmen mit der WHO überein, ich habe ein offizielles Dokument veröffentlicht, das an die WHO geschickt wurde!! Ich würde gerne wissen, wie viel Fico diesem Herrn für diese Schimpftirade zahlt… beste Grüße, Kamil

  4. suedtiroler 17. Januar 2024 um 13:08 Uhr - Antworten

    wichtig ist, dass möglichst viel Sand ins Getriebe der EUdSSR gestreut wird

  5. Johann 17. Januar 2024 um 10:47 Uhr - Antworten

    „Orban und Fico schmieden Allianz“

    Das glaube ich nicht.
    Fico ist ein Blender der versucht an die alleinige Macht zu kommen.
    Der Mann dreht sich wie das sprichwörtliche Fähnchen im Wind.
    Ich bin der Überzeugung das
    dass Orban die „Freundschaft“ auf der Suche nach Mitstreitern genauso überschätzt,
    wie er die “ Freundschaft mit Meloni.

    • elfenzauberin 17. Januar 2024 um 11:57 Uhr - Antworten

      Ich stehe Fico auch skeptisch gegenüber, doch wenn er sich einmal für die richtige Sache einsetzt, ist das für mich in Ordnung.

      • Vortex 17. Januar 2024 um 15:10 Uhr

        Er könnte aber auch (sinnbildlich) ein trojanisches Pferd in menschlicher Gestalt sein, welches die Botschaft aus Davos (tinyurl.com/2fruzdcn) Orban schmackhaft machen wird, nur halt in kleinen (freundschaftlich beratenden) Häppchen …

  6. Uwe Lorenz 17. Januar 2024 um 10:37 Uhr - Antworten

    Ich wünsche den beiden Herren viel Erfolg bei ihrem Machtkampf mit der EU.

  7. Hasdrubal 17. Januar 2024 um 10:35 Uhr - Antworten

    Dabei stellte er sich in der Frage um nationale Souveränität gegenüber Brüssel eindeutig hinter Viktor Orban.

    Damit werden sich beide Länder gegenseitig vor EUdSSR-Tricks schützen – zuerst einem Land das Stimmrecht wegnehmen, dann auf das andere stürzen. Früher schützten sich Polen und Ungarn gegenseitig.

    Hoffentlich muss man auf das Ende des Woken Imperiums nicht mehr lange warten, dann ist diese totalitäre Diktatur vorbei. Bitte-bitte, am besten noch dieses Jahr…

    • Heiko S 17. Januar 2024 um 16:15 Uhr - Antworten

      Sie wissen, dass das erste S in UdSSR für sozialistische stand? Wofür soll denn das erste S in EUdSSR stehen?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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