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Wissenschaft

Papier-Strohhalme schlechter als Plastik: Südkoreanische Regierungsstudie entlarvt Greenwashing

8 Kommentare 5. November 2026 3 Minuten Lesezeit von Dr. Peter F. Mayer

Eine vom südkoreanischen Ministry of Climate, Energy and Environment in Auftrag gegebene und von der Korean Society for Life Cycle Assessment durchgeführte Lebenszyklus-Analyse kommt zu einem Ergebnis, das der offiziellen Linie der letzten Jahre widerspricht: Papier-Strohhalme belasten die Umwelt in mehreren wichtigen Kategorien stärker als konventionelle Plastik-Strohhalme.

Die Studie mit dem Titel „Comprehensive Study on Single-Use Straws“ (일회용 빨대 종합 실태조사) lief von Mai 2025 bis April 2026 und wurde am 21. Oktober 2026 vom Abgeordneten Kim Wi-sang (People Power Party) veröffentlicht. Der Korea Herald berichtete ausführlich darüber.

Untersucht wurden vier Varianten: konventionelle Plastik-Strohhalme (Polypropylen), Papier, biologisch abbaubare Plastik-Strohhalme und Bio-PE (aus pflanzlichen Quellen wie Zuckerrohr). Die Bewertung erfolgte über den gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Herstellung bis zur Entsorgung – in 16 Umweltkategorien, darunter Klimawandel, Versauerung, Feinstaub, menschliche Toxizität und Ozonabbau. Als Entsorgungsszenario dienten die südkoreanischen Abfallstatistiken: etwa 73,6 Prozent Verbrennung und 26,4 Prozent Deponie.

Das Ergebnis ist eindeutig. Konventionelle Plastik-Strohhalme hatten in 10 der 16 Kategorien den geringsten Impact – darunter Klimawandel, Versauerung, Feinstaub und menschliche Toxizität. Papier-Strohhalme schnitten deutlich schlechter ab: 6,33-fach höherer karzinogener Impact, 2,04-fach höherer Versauerungs-Impact und 2,23-fach höherer Ozonabbau-Impact.

Bio-PE lag noch schlechter (16,18-fach höherer karzinogener Impact). Biologisch abbaubare Plastik-Strohhalme lagen ebenfalls über dem konventionellen Plastik. Alle Varianten sind schlecht recycelbar – zu klein für Sortieranlagen, bei Papier kommen Beschichtungen und Kleber hinzu. Details finden sich auch bei der South China Morning Post und in der Straits Times.

Der „karzinogene Impact“ ist ein modellierter Wert zu Emissionen im Lebenszyklus, kein direktes Krebsrisiko durch das Trinken. Die Forscher und Kim Wi-sang zogen daraus den Schluss, dass der bloße Materialwechsel wenig bringt. Sinnvoller sei es, Einweg-Strohhalme insgesamt zu reduzieren – etwa nur auf Anfrage auszugeben. Kim bezeichnete die Förderung von Papier-Strohhalmen als „Greenwashing-Politik“.

Südkorea hatte 2022 Plastik-Strohhalme in Cafés und Restaurants eingeschränkt, die Durchsetzung aber 2023 wegen öffentlicher Kritik und Zweifeln an der Wirksamkeit unbefristet ausgesetzt. Der Fall erinnert an die Debatten in Europa und den USA, wo Plastik-Strohhalme vielerorts verboten oder stark eingeschränkt wurden, ohne dass die Alternativen systematisch geprüft worden wären. Die südkoreanische Studie liefert nun belastbare Zahlen dazu.

Das Muster ist bekannt: Eine gut klingende Ersatzlösung wird politisch und medial durchgesetzt, die tatsächlichen Lebenszyklus-Auswirkungen werden erst später oder gar nicht untersucht. Wer weniger Müll und weniger Umweltbelastung will, kommt um die Reduktion des Verbrauchs nicht herum. Material-Tausch allein löst das Problem nicht.

Ganz ähnliche Ergebnisse sind die diversen Manöver von EU und Ländern bei Plastikflaschen. Die Befestigung der Schraubverschlüsse bringt außer Ärger nichts, sie wurden an Stränden sogar häufiger gefunden als vorher. Das Pfandsystem hat nur alles teurer gemacht und verbraucht mehr Strom, da sie jetzt von Maschinen zerknüllt werden, statt von Menschen zuhause.

Links zu früheren TKP-Beiträgen zum Thema finden Sie unterhalb 👇


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8 Kommentare

  1. rudifluegl
    Antworten

    Vor Jahrzehnten schon in Horst Sterns „Natur“ wurde schon berechnet, dass Polyäthylensäcke

    umweltverträglicher als Papiersäcke sind.

    Das traf auch auf das Hochglanzpapier der Zeitschrift im Gegensatz von Papier aus derAltpapiersammlung zu.

    Ich müsste jetzt die Zeitschrift aus ein paar Meter Zeitschriften_Natur_Geo_Psychologie Heute_PM_ Palstek_Tauchen_ usw. am Dachboden herausfischen.

    Aber die Stichworte nach dem Gedächtnis sind!

    Zu kurze Fasern für ausreichend festes Paper, weniger Energiegewinn beim Verbrennen, dabei mehr Schadstoffe auch durch das notwendiges Neupapier, schlechte Wiederverwendung des Papiersackerls_ Nur bei achtloser Entsorgung ohne Verbrennung steigt der Umweltschaden, Viel öftere Wartung der Druckmaschinen bei Altpapier, Probleme beim Einkauf und Warenzerstörung durch Feuchtigkeit.

    Bei entsprechender Wiederverwendung-bis zu 5 mal wie bei einem Leinensackerl _übertrifft das Polyäthylensacker das Papiersackerl bei weitem!

    Noch dazu wenn es bei Abfällen_Tiere_ verwendet wird und in die Müllverbrennanlage kommt!

    Das war einer sehr umweltkritischen Zeitschrift schon vor mehr als 30 Jahren bekannt.

    1. rudifluegl
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      …vor mehr als 40 Jahren……..

  2. Der alte Marxist
    Antworten

    Wer sich jemals kritisch mit LCA („Life Cycle Assessment“ auseinandergesetzt hat, der weiß, dass diese Methode kompetter Humbug ist. Fragwürdige Modelle, jede Menge willkürlicher Annahmen, keinerlei Verifizierbarkeit der Ergebnisse. Aber natürlich ist das auch ein gutes Geschäft.

    Gerade im toxikologischen Bereich ist LCA besonders unsinnig. Es gibt schlicht keinen „karzinogenen Impact“ auf Lebenszyklus-Basis. Das ist wissenschaftlicher Unsinn. Toxische Wirkungen sind immer abhängig von Dosis-Wirkungs-Beziehungen und der aktuellen Exposition. Genau davon abstrahiert diese Zahlenspielerei.

    Es gab übrigens von Anfang an hitzige Diskussionen betreffend die Ergebnisse von Lebenszyklusanalysen. Wenn jemand die Überlegenheit eines bestimmten Produktes mit LCA darlegte, gab es bald darauf eine andere LCA, welche genau das Gegenteil aussagte. Produktvergleiche auf dieser Grundlage machen keinen Sinn. LCA kann bestenfalls orientierende Ergebnisse liefern – und auch das nur für jene Parameter, die von Raum und Zeit unabhängig sind. Das gilt insbesondere für den Energieverbrauch oder auch die Wirkungskategorie zum Treibhauseffekt (der allerdings sowieso fragwürdig ist).

    Das Verbot diverser Einweg-Plastikgegenstände wie eben Strohalme basiert auf der Überlegung, Plastikmüll in der Umwelt zu vermeiden. Die Überlegung ist durchaus berechtigt.

  3. Der Zivilist
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    Bemerkenswert, was für Probleme die Menschheit so hat, die von ihren Regierenden bearbeitet werden. Wirklich Bemerkenswert.

    Eigentlich könnten wir die Probleme vergessen, die Regierenden dafür bezahlen, daß sie nichts tun und uns zurücklehnen

    1. Kurt Mueller
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      Die grösste Gefahr für Politiker ist:
      wenn sich herausstellt, dass alles funktioniert
      ohne dass wir dabei sind.
      Sigmar Gabriel Deutscher Aussenminister

  4. Konrad Kugler
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    Ja mei, 30 000 Beamte in der EU können nicht dauerhaft Nasebohren oder Daumenlutschen, da müssen Ergebnisse her.

    Gibt es irgend etwas Gutes von Brüssel her?

  5. RFonny
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    Das ist doch alles nur grüne Gängelung der Bürger. Keine Ahnung, ob es in Österreich auch den gelben Sack gibt. Das Teil ist völlig nutzlos, genau wie die Mülltrennung allgemein. Es gibt längst moderne Sortiermaschinen, die die Mülltrennung viel effektiver als der Mensch vornehmen können. Das macht den Ökofaschisten aber keinen Spaß. Die wollen lieber Millionen von Bürgern mit Vorschriften bis zum Geht nicht mehr nerven. Wir sind selber schuld, wenn wir diese Chaoten wählen.

  6. Gabriele
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    Je „moderner“ der Mensch wird, umso weiter nimmt sein Hausverstand ab.

    Eine bekannte Tatsache.

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