Diego Garcia – Das wahre Gesicht Trumps

25. Januar 2026von 5,4 Minuten Lesezeit

Er wirft die UN und das Völkerrecht in den Mülleimer, erhebt sich zum einzigen Veto-Berechtigten Chef einer neuen „Friedensordnung“, bombardiert andere Länder nach Belieben, erpresst, belügt und vertritt die hässlichste koloniale Politik, die man sich vorstellen kann. Aber man sagt, er sei ein Dealmaker?

US-Präsident Donald Trump setzte Großbritannien am 24. Januar unter Druck, von einem Vorhaben zurückzutreten, eines der abscheulichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der modernen Geschichte wiedergutzumachen, weil er befürchtet, es könne einen Präzedenzfall gegen die eigenen Interessen erschaffen, wo er doch gerade Grönland übernimmt. Premierminister Keir Starmer zog heute nach Kritik von Trump den Gesetzentwurf zu den Chagos-Inseln zurück.

Die Chagos-Inseln

Der Gesetzentwurf in Großbritannien hätte den Überlebenden einer Gruppe Vertriebener indigener Gruppen die Möglichkeit gegeben, ihre Heimat zurückzuerhalten, Jahrzehnte nachdem die Briten sie illegal auf Boote verfrachtet und vertrieben hatten. … In den 1960er Jahren beschlossen die Briten stillschweigend, einen Teil der Chagos-Inseln zu behalten. Warum? Weil ihre Komplizen, die Amerikaner, die Weltherrschaft von einem Netzwerk militärischer Stützpunkte aus anstrebten – und die Chagos-Inseln im Indischen Ozean als Teil ihres globalen Militärnetzwerks nutzen wollten.

Was „USA zuerst“ bedeutet

Schon immer waren die Kolonialstaaten gut darin, das Völkerrecht zu umgehen oder in ihrem Sinne auszulegen. Also wie sollte man das geschickt anstellen, dass die Chagos-Inseln nicht in die Selbständigkeit entlassen werden konnten?

Nach Meinung der internationalen Gerichte, insbesondere des Internationalen Gerichtshofs (ICJ) und des Internationalen Seegerichtshofs (ITLOS), gehören die Chagos-Inseln zu Mauritius. Aber da das Völkerrecht unbewohnte Gebiete anders behandelt als bewohnte schnappten sich die Briten einfach die 2.000 Einwohner der Chagos-Inseln. Jene Inseln, auf denen man das US-Militär unterbringen wollte. Männer Frauen, Kinder darunter Kinder von nur vier Jahren, trieben sie auf Boote, um sie zu evakuieren. Bis 1973 waren alle weggebracht, leben nun in Armut und ohne Heimat.

Ein voller Erfolg für die Briten, ähnlich wie demnächst Israel in Gaza! Die Briten erklärten das Archipel zum „unbewohnten britischen Territorium“, was natürlich illegal war, und verpachteten es an die USA für eine gemeinsame Militäranlage. Im Prinzip also eine ethnische Säuberung, gefolgt von einer Annexion. Was selbst einige ehrliche Briten abscheulich fanden, und lange um den gerade aufgegebenen Gesetzentwurf gekämpft hatten. Die USA nutzen die Basis seit 1971 als Teil ihres globalen Militär-Netzwerks.

Was konnten die Opfer tun? Die Vertriebenen verbrachten Jahrzehnte damit, um ihr Land zu kämpfen. Sie waren obdachlos, lebten in Armut und litten unter schrecklicher Diskriminierung. Viele starben.

Doch die Überlebenden kämpften weiter um ihre Rückkehr. 2019 entschied der Internationale Gerichtshof, dass die Bewohner der Chagos-Inseln eindeutig im Recht waren und ordnete die Rückgabe der Inseln an Maritius an.

Es war sozusagen ein Aufbegehren des Völkerrechts vor dem Komaeintritt. Doch diese Anordnung wurde aufgrund der inoffiziellen britisch-amerikanischen Regelung ignoriert – die Staats- und Regierungschefs dieser Länder stehen schon immer über dem Völkerrecht. Nur hatte es Trump offen ausgesprochen, während es früher schamhaft hinter „Interpretationen“ oder „Umstritten“ versteckt worden war.

„Sorge“ um China

Interessant war zu beobachten, was passierte, als China etwas auf unbewohnten Felsen im Südchinesischen Meer errichteten, also genau das taten, was Großbritannien und die USA vorgemacht hatten. Sie waren „entsetzt“ und sprachen von einem brutalen Akt gegen das Völkerrecht. Aber die Chinesen hatten keine ethnischen Säuberungen durchgeführt! Und das Gebiet, auf dem die US-Basis steht war nicht „umstritten“, sondern gehörte eindeutig nicht den USA oder Großbritannien, während zumindest einige der von China beanspruchten Inseln als tatsächlich „umstritten“ gelten können.

Im Jahr 2019, warnte die britische Zeitung „The Guardian“, dass Großbritanniens „entsetzliche“ Behandlung der Chagos-Bevölkerung die Gefahr berge, dass China Großbritannien mit dessen eigenen Waffen schlagen und die britische Kanonenbootpolitik anwenden würde. Mit anderen Worten: Die Chinesen hätten Großbritanniens ungeheure Heuchelei aufdecken können. Aber China hatte das nicht für notwendig befunden.

Tatsache ist aber, dass China wesentlich mehr Probleme hätte, Akzeptanz für das eigene Vorgehen im Südchinesischen Meer zu erhalten, gäbe es nicht zahlreiche Präzedenzfälle durch die alten Kolonialstaaten, durch welche das Völkerrecht ignoriert wurde.

Und dann bäumte sich das Völkerrecht noch einmal auf

Im Jahr 2021 wandten sich die überlebenden Chagos-Bewohner an den Internationalen Seegerichtshof. Das internationale Richtergremium erklärte die Maßnahmen zur Errichtung des britisch-amerikanischen Militärstützpunkts noch einmal für eindeutig illegal. Auch dies wurde von den USA und Großbritannien ignoriert.

Die internationalen Medien, die sonst so schnell mit Kritik an Ländern auf der Liste der US-Konkurrenten reagieren, äußerten sich zu diesem Fehlverhalten kaum. Menschenrechtsgruppen bezeichneten dies zweifelsfrei als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Im Oktober 2022 traf sich die britische Außenministerin Liz Truss mit Vertretern von Mauritius und unterbreitete den Opfern ein außergewöhnliches Angebot das Beobachter an den Film „Der Pate“ erinnerte. Sollten Großbritannien und die USA die rechtliche Zusage erhalten, ihren Militärstützpunkt und ihr Personal dort behalten zu dürfen, würden sie die Einhaltung des Völkerrechts und der gegen sie verhängten Urteile „in Erwägung“ ziehen. War das nicht großzügig? Nachdem nun Trump dem Völkerrecht den Stecker gezogen hat, wird man so viel Großzügigkeit vermutlich nicht mehr erleben.

Ein Angebot, das man nicht ausschlagen konnte, oder?

Man warnte, dies würde einige Zeit dauern. Und nun, im Jahr 2026, erklärte Großbritannien schließlich, die Souveränität an Mauritius zurückzugeben, wobei das US-Militär vor Ort bleiben würde.

Aber leider wurde die vom Militär besetzte Hauptinsel in der Zwischenzeit durch erhebliche Umweltprobleme verseucht, wie man es von Militärbasen weltweit kennt. Wissenschaftler befürchten, die Inseln seien unbewohnbar geworden. Für die älteren, verarmten Chagossianer wäre es also nur ein Teilerfolg, ein symbolischer Sieg. Nun wurde ihnen auch noch dieser genommen. Das globale Netzwerk der US-Militärbasen darf in keiner Weise beeinträchtigt werden. Dank Trump gibt es also nicht einmal einen symbolischen Sieg.

Und das wurde vom Vorsitzenden des Friedensrates, dem einzigen und alleinigen Veto-Inhaber beschlossen.

Bild: Wikipedia Atoll Diego Garcias, das nach der Zwangsdeportation der Chagossianer von den USA als Militärstützpunkt verwendet wird

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6 Kommentare

  1. Hausmann_Alexander 26. Januar 2026 um 10:34 Uhr - Antworten

    „Am Diego Garcia sind die Sommer kurz, heiß und bedeckt; die Winter sind warm, extrem windig und teilweise bewölkt, und es ist das ganze Jahr über drückend und nass. Im Verlauf des Jahres bewegt sich die Temperatur in der Regel zwischen 25 °C und 31 °C und liegt selten unter 24 °C oder über 33 °C.“

    https://de.weatherspark.com/y/148966/Durchschnittswetter-am-Diego-Garcia-Britisches-Territorium-im-Indischen-Ozean-das-ganze-Jahr-über

    Atoll:

    „Ein Atoll ist ein ringförmiges Korallenriff, das eine zentrale Lagune umschließt und meist auf den Überresten eines versunkenen Vulkans in tropischen Meeren (Indischer/Pazifischer Ozean) entsteht.“ Quelle KI

    🏄‍♂️🍦☔️🤔

  2. triple-delta 25. Januar 2026 um 10:53 Uhr - Antworten

    Den Imperialismus, gepaart mit Faschismus, gibt es in allen möglichen Varianten und Farben. Das reicht vom Lebensraum im Osten bis zu kleinen Inseln im Indischen Ozean. Glücklicher Weise kann er aber nur in einer einzigen Gesellschaftsordnung existieren. Das eröffnet Perspektiven.

  3. Daisy 25. Januar 2026 um 8:15 Uhr - Antworten

    Da kann was ned stimmen..
    „Die Briten hatten die Chagos-Entscheidung im Mai 2025 bekanntgegeben. Für die für Trump entscheidende Insel Diego Garcia, auf der ein gemeinsam von Großbritannien und den USA genutzter Militärstützpunkt liegt, gilt allerdings eine Ausnahme. Die Insel soll trotz der Souveränität Mauritius‘ noch mindestens 99 Jahre unter britischer Kontrolle bleiben. Dafür zahlen die Briten eine Milliardensumme.

    Die US-Regierung hatte den Deal im vergangenen Jahr ausdrücklich begrüßt – dem britischen Premier Keir Starmer zufolge auch Trump persönlich. US-Außenminister Marco Rubio sagte damals, Trump habe seine „Unterstützung für diese monumentale Errungenschaft“ zum Ausdruck gebracht.
    https://www.n-tv.de/politik/US-Praesident-attackiert-Briten-fuer-Akt-grosser-Dummheit-id30261086.html

    Diego Garcia ist ausgenommen. Dafür gibt es einen Pachtvertrag mit den Briten.
    „Ausgenommen wird allerdings die Insel Diego Garcia, auf der ein gemeinsam mit den USA genutzter Militärstützpunkt liegt. Die strategische Position des Gebiets sei von größter Bedeutung für Großbritannien, sagte Starmer. Die Insel soll deswegen noch mindestens 99 Jahre unter britischer Kontrolle bleiben. Dafür zahlen die Briten rund 120 Millionen Euro pro Jahr.“
    https://www.tagesschau.de/ausland/grossbritannien-chagos-inseln-100.html

    Will Starmer nun auch Diego Garcia zurückgeben?, so ist der Zorn des Khan nachvollziehbar. Denn das war nicht so ausgemacht. Oder aber es ist ein Missverständnis…Vielleicht ist GB einfach zu pleite, die Pacht zu bezahlen?

    • Jochen Mitschka 25. Januar 2026 um 9:18 Uhr - Antworten

      Der Deal zur Rückgabe der Chagos-Inseln (einschließlich Diego Garcia) an Mauritius wurde von der britischen Regierung unter Premierminister Keir Starmer im Oktober 2024 angekündigt und sah vor, die Souveränität der Inseln an Mauritius zu übertragen, während der US-Militärstützpunkt auf Diego Garcia für 99 Jahre geleast und weiterbetrieben werden sollte. Der Deal wurde als Kompromiss präsentiert, um Sicherheitsinteressen zu wahren, stieß aber auf Kritik, da er die US-Basis priorisierte und die Inseln durch militärische Nutzung umweltbelastet sind.

      Donald Trump, als US-Präsident, äußerte sich am 20. Januar 2026 öffentlich zum Deal und bezeichnete ihn nicht positiv, sondern als „act of total weakness“ und „great stupidity“ – eine scharfe Kritik, die er mit Bedenken verknüpfte, dass dies US-Interessen schwäche und Präzedenzfälle schaffe (z. B. im Kontext seines Interesses an der Übernahme Grönlands). https://www.reuters.com/world/europe/trump-calls-uks-chagos-deal-with-mauritius-an-act-total-weakness-2026-01-20

      Trump sieht darin eine Bedrohung für das globale US-Militärnetzwerk und drängte die britische Regierung am 24. Januar 2026, den Deal zu stoppen. Als direkte Folge dieses Drucks zog Starmer am 25. Januar 2026 (heute) den entsprechenden Gesetzentwurf (Chagos Islands Bill) zurück, der die rechtliche Umsetzung des Deals im britischen Parlament ermöglichen sollte. Der Gesetzentwurf war bereits durch parlamentarische Debatten und Niederlagen (z. B. am 5. Januar 2026) geschwächt, aber Trumps Intervention war der ausschlaggebende Faktor für den Rückzug, um transatlantische Beziehungen nicht zu gefährden und US-Unterstützung zu sichern. https://www.the-independent.com/news/uk/politics/starmer-trump-chagos-islands-deal-b2906771.html

      Es war eindeutig eine Unterwerfung unter US-Druck, die internationale Rechtsprechung ignoriert und die Rechte der vertriebenen Chagossianer weiter hintanstellt. Es gab nie eine Zustimmung Trumps.

      • Daisy 25. Januar 2026 um 9:48 Uhr

        Steht aber überall so, dass Trump im Vorjahr mit dieser Lösung einverstanden gewesen wäre.
        GB gibt den gesamten Archipel an Mauritius zurück und hat einen Pachtvertrag für den US/GB Stützpunkt Diego Garcia. Das wurde von Trump im Vorjahr für gut befunden. Auch Rubio hat das so goutiert.

        Wenn Starmer nun den Pachtvertrag nicht macht, dann verstehe ich wie gesagt den Zorn. Oder es ist ein Missverständnis…Mauritius erhält die Souveränität über ALLE Inseln, aber die eine mit dem Ami-Stützpunkt wird an GB vermietet, so verstehe ich das.

        Die schreiben ja alle voneinander ab, diese internat. Agenturen…

        Vielleichts Donald auch nicht verstanden? Bei dem vielen Kram, womit er sich zu befassen hat…;-)

      • Fritz Madersbacher 25. Januar 2026 um 12:51 Uhr

        @Jochen Mitschka
        25. Januar 2026 um 9:18 Uhr

        Der springende Punkt ist der übliche, alle Juristereien („Verträge“) und Rechtfertigungen sind aufgebaut auf die Entrechtung einer Bevölkerung, die nie gefragt wurde, ähnlich dem UNO-Mandat 1947 für die Gründung Israels. Für einen Militärstützpunkt, wie für alle imperialistischen und kolonialistischen Interessen, wird Alles niedergetrampelt, was in Sonntagsreden scheinheilig beschworen wird. Natürlich kann man das rechtfertigen, es geschieht ja auch in der üblichen Propaganda mit den üblichen Verdrehungen, man muß halt abgebrüht (abgefuckt?) genug sein, um das für gut zu befinden. In solchen Fällen wird auch das ganze „Freiheits“-Geschwafel entlarvt, denn die Beschwörung der „Freiheit“ liegt irgendwo zwischen beschränkt und scheinheilig. Andere Leute müssen mit ihrem Leben dafür einstehen, ein bißchen Freiheit und Existenzberechtigung zu erlangen, die ihnen in unseren verdorbenen Breiten abgesprochen und vorenthalten wird …

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