Erdogans Sieg über die Kurden

20. Januar 2026von 4,8 Minuten Lesezeit

Relativ unbemerkt passierte, was lange vorhergesagt worden war. Die USA gaben die Unterstützung der von ihnen und den Kurden kontrollierten Gebieten auf, die von HTS ex al-Quadia ex ISIS und Erdogan kontrollierte Regierung in Damaskus beendet die kurdische Autonomie. Und keine deutschen Maschinengewehre fliegen zu den Kurden.

Der türkische Präsident Erdogan kann durch die Verstärkung und Erweiterung seines Einflusses auf Syrien nicht nur seinen Einfluss in der Gemeinschaft der Muslime stärken. Es ist auch abzusehen, dass ein neuer Militärblock entstehen könnte.

Was passierte

Die „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDF), ein Zusammenschluss von kurdischen Milizen, deren bekannteste die YPG sein dürfte, der enge Verbindungen zur türkischen PKK nachgesagt werden, waren relativ schnell besiegt worden, als arabische Stämme sich abwandten und implizit dem Aufruf Erdogans folgten. Damit starb das geopolitische Projekt, einen kurdischen Staat zu errichten. Eine Gemeinschaft, die angeblich nach sozialistisch-liberalen Ideen funktionieren sollte, aber schon zu beginn gegen eigene Prinzipien verstoßen hatte. In der Theorie sollte eine „demokratisch-konföderalistische“ Ideologie des PKK-Gründers Abdullah Öcalan realisierte werden. Aber zu glauben, dass so etwas durch die USA (außer als regionales Spaltinstrument) unterstützt werden würde, war schon immer als naiv angesehen worden.

Tatsächlich war die Kontrolle der fruchtbaren Böden und der Ölquellen durch die militärische Macht der USA einer der Hauptfaktoren für das Zerbrechen der säkularen Regierung in Damaskus. Nahrungsmittel und Geld waren dadurch drastisch reduziert. Aber auch Wasserressourcen wurden dem größten Teil der Bevölkerung vorenthalten. Aber das Modell konnte nicht ohne die eiserne Faust der USA auf Dauer Bestand haben. Trotz Vertreibungen muslimischer Bevölkerungsteile mussten sich die Kurden mit autoritär-islamischen Stämmen verbinden, was die Kurden dazu brachte selbst auch „liberal-demokratische“ Grundsätze nicht so genau zu nehmen. Was aber nicht ausreichte, um die grundsätzlichen Gegensätze auf Dauer zu überbrücken. Und so war ein erzwungener Waffenstillstand, die Kontrolle Erdogans durch Damaskus über die Region, die logische Folge, als Donald Trump das Interesse an Syrien verlor.

Wie oft waren die Kurden gewarnt worden. Ohne den Dreifrontenkrieg, den Assad führen musste, ohne das Vorenthalten der wichtigen Ressourcen durch die Kurden, hätte der säkulare Staat, mit einer begrenzten Autonomie für die Kurden, sich dem Druck der Türkei im Norden und Israels im Süden widersetzen können, und die Kurden hätten davon profitiert. Der neue syrische selbsternannte Präsident Ahmed Sharaa erließ zwar kurz vor den Ereignissen dieses Wochenendes ein Dekret, das den Kurden Sprachrechte und die Staatsbürgerschaft gewährte, doch das ist nicht dasselbe wie die politisch-territoriale Autonomie, für die viele ihr Leben gaben.

Die Frage ist, ob Erdogan dies als Sieg über die USA interpretiert, oder als freundliches Entgegenkommen. Davon dürfte sein weiteres Handeln abhängen, insbesondere in Hinsicht auf BRICS.

Die geostrategischen Folgen

Andrew Korybko beschreibt die Folgen des Zusammenbruchs des „Kurdenstaates“:

„In erster Linie ist dies ein bedeutender geostrategischer Sieg für die Türkei. Sie hat die militärisch-territoriale Bedrohung durch die mit der PKK verbündeten und mit Israel sympathisierenden bewaffneten syrischen Kurden beseitigt, ihr Ziel der Unterwerfung Syriens vorangebracht und kann sich nun verstärkt auf die Ausweitung ihres Einflusses nach Osten, bis nach Zentralasien, konzentrieren. Die ersten beiden Ergebnisse gefährden israelische Interessen, das letzte die Russlands.

Eine Verschärfung der israelisch-türkischen Rivalität in Syrien ist für Tel Aviv bereits besorgniserregend genug, erst recht, wenn Ankara dies durch eine mögliche Mitgliedschaft im pakistanisch-saudischen Bündnis ausnutzt, um Druck von Pakistan und möglicherweise auch von einem potenziellen Mitglied Ägypten auszuüben. Diese entstehende „islamische NATO“, bestärkt durch die Siege im Südjemen und in Syrien, könnte die militärische Zusammenarbeit in der Levante (Syrien und möglicherweise Jordanien) und vielleicht eines Tages auch in Zentralasien (Kasachstan) ausweiten, um Israel und Russland zu bedrohen.

Die Festigung des türkischen Einflusses in Syrien stärkt die Position des sich innerhalb der Umma formierenden Militärbündnisses und begünstigt somit den Aufstieg eines neuen Machtzentrums an der Schnittstelle zwischen Afro-Eurasien, sofern die potenziellen Mitglieder ihre Beziehungen formalisieren. Die USA billigen dies stillschweigend und betrachten eine „islamische (arabisch-pakistanisch-türkische) NATO“ vermutlich als den entscheidenden Keil, um die östliche Hemisphäre aufgrund ihrer geostrategischen Lage und der inhärenten Differenzen mit Russland, Indien, Israel, der EU und Subsahara-Afrika weiterhin zu spalten.“

Eine alternative Sicht

Die Überlegungen von Korybko berücksichtigen nicht die Dynamik der Entwicklung von BRICS. Wenn dieses Forum attraktiv genug ist, um die Türkei einzubinden, könnte sich in dessen Einflussbereich eine weitere Säule von BRICS entwickeln, die dem Iran nicht feindlich gegenübersteht, sondern kooperativ. Das würde dann auch Druck auf Saudi-Arabien und Ägypten ausüben, beitzutreten, um eine Rolle zu spielen. Und hier sieht man, wie wichtig Israel für die USA ist, um als Keil zwischen den verschiedenen neuen entstehenden Machtzentren größtmögliche Instabilität zu erzeugen. Erst wenn Israel demokratisiert ist, d.h. von einem Apartheid-System, das die meisten Nachbarländer regelmäßig bombardiert, zu einem demokratischen Staat wurde, in dem alle unter seiner Kontrolle lebenden Menschen die gleichen Rechte haben, wird sich das Potential der Region voll entfalten können.

Die Ingenieure und Wissenschaftler des Iran, das Heer der Arbeitskräfte Ägyptens, die militärische Macht der Türkei, das Kapital von Saudi-Arabien, und als Bindeglied ein florierendes, multiethnisches Israel-Palästina. Das bereitet sowohl den Planern in den USA als auch der EU schlaflose Nächte.

Bild: Pixabay, Syrien als Wiege der modernen Zivilisation nun unter Kontrolle der Türkei

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Ein Kommentar

  1. Peter Ruzsicska 20. Januar 2026 um 10:34 Uhr - Antworten

    Grundausnahmslos Alles als auch Jedwederliches was von Oben als auch von jedwederlicher Gospodie abgesegnet, fürt letztlich immer in den Generaluntergang des Abhängigen in jedwederlichster Hinsicht und endet ausmahmslosest im Erweitertsten Generalsuizid Aller Zeiten – Das sind die allerbesten Aussichten welche Reinste Herrschaft immerzu zu gebieten vermag, absolut nichts mehr und schon gar nichts weniger.

    Herrschaft ist der effizienteste sich selbstverstetigend selbsterweiterndste Suizidkult menschlicher Spezies, welcher niemals mittels größerer Sozialorganisation überwunden werden kann – Und schon gar nicht durch eine immer kleiner sich selbstselektierende Milliardärskaste, welche in sich selbst völlig zerherrschaftet ist.

    Ein grundbanalster Zirkelschluss kann niemals durch als auch in sich selbst überwunden werden:
    Herrschaft kann nur zu Herrschaft führen und zu sonst gar nichts.

    Die ultraglobalistischt autobrachialistisch
    immer extremer sich verdichtenden Abhängigkeitsverstrickungen
    in den monetär zerangefüttertsten
    sich gewohnheitstatverhaftetst siegesbesoffenst
    in den selbst sich extremst vergesellschaftenden Massenknästen
    explodierendst folgerichtigst als auch implodierendst gleichzeitiglichst
    in allgesamt sämtlichste Richtungen jedwederlichster Landnahmen
    auf allsämtlichsten Ebenen des banalst allzu menschlichen Daseins.

    Herrschaft ist einfach.
    Nichtung ist Güte.
    Der Vorteil, welchen sich der Geringe zu erheischen wähnet, nähret immer dessen Untergang.

    Die Firma dankt und wütet fürderhin…

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