
Steht Moldau vor dem Anschluss an EU-Rumänien?
Neben der Ukraine soll auch Moldau per Schnellverfahren in die EU aufgenommen werden. Nun will die demokratisch umstrittene Präsidentin einen Anschluss an Rumänien – und damit den EU-Beitritt. Das würde neue Spannungen mit Russland bringen.
Die moldauische Präsidentin Maia Sandu hat kürzlich in einem Podcast erklärt, dass sie in einem möglichen Referendum für den (Wieder-)Anschluss an Rumänien stimmen würde, um Moldau besser vor Russland zu schützen. Das heutige Gebiet der Republik Moldau gehörte lange zur rumänischen Kultursphäre, hat aber durch jahrhundertelange russische und später dann sowjetische Herrschaft eine eigene regionale Identität entwickelt. Dieser sozio-historische Kontext erklärt, warum einige Menschen in beiden Ländern einen (Wieder-)Zusammenschluss befürworten.
Sandu selbst ist – wie rund 850.000 ihrer Landsleute, also etwa ein Drittel der geschätzten 2,4 Millionen Einwohner Moldaus – rumänische Doppelstaatsbürgerin. Das gilt auch für ihren russlandfreundlichen Kontrahenten in der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2024, die er verlor, weil der Staat die russische Diaspora am Wählen hinderte. Das Referendum über den EU-Beitritt, das – falls es je kommt – Jahre dauern wird, war aus denselben Gründen weder frei noch fair. Ebenso wenig die Parlamentswahlen im Vorjahr, die Sandus Partei gewann.
Trotz der offiziellen Neutralität nach Artikel 11 der Verfassung ist Moldau heute de facto NATO-Mitglied und praktisch Teil desselben Sicherheitsraums wie das offizielle NATO-Mitglied Rumänien. Es fehlt nur der psychologische Schutz, den viele mit Artikel 5 assoziieren. Ein formeller NATO-Beitritt würde ein Verfassungsreferendum zur Änderung von Artikel 11 erfordern (laut Artikel 142), doch nur 18 % der Befragten wollen als unabhängiges Land beitreten, während 31 % den (Wieder-)Anschluss an Rumänien (und damit an die NATO) bevorzugen – so die Umfragen aus dem vergangenen Jahr.
Obwohl Sandu und ihre Partei durch manipulative Methoden wiedergewählt wurden, könnte es selbst für sie zu riskant sein, ein Referendum zu einer dieser Fragen zu fälschen. Zudem sind die Themen mittlerweile überholt: Moldau ist de facto in der NATO, und wer nach Rumänien will, kann dank Doppelstaatsbürgerschaft bereits dort leben, arbeiten und wählen. Sandus Wunsch nach einem (Wieder-)Anschluss an Rumänien – und somit an die NATO – könnte daher unerfüllt bleiben.
Wichtiger für das große Ganze sind jedoch Sandus Absichten bezüglich Transnistrien, dem abtrünnigen Gebiet am östlichen Ufer des Dnjestr mit einer großen slawischen Bevölkerung, die von etwa 1.500 russischen Friedenstruppen geschützt wird. Der russische Auslandsnachrichtendienst warnt regelmäßig vor Verschwörungen gegen diese Region, doch weder Moldau, Rumänien noch die Ukraine haben bisher militärisch eingegriffen.
Sollte Sandu ihren Willen durchsetzen und Moldau hypothetisch an Rumänien angeschlossen werden, würde dieser eingefrorene Konflikt zweifellos eskalieren und zu einer neuen Krise zwischen NATO und Russland führen. Darin liegt die wahre Brisanz ihrer kürzlichen Podcast-Äußerung. Vielleicht dachte sie nicht daran, als sie ihre Meinung teilte, aber Russland könnte es als Hinweis auf ein solches finsteres Szenario interpretieren – was auch die russisch-amerikanischen Gespräche stören könnte.
Falls die USA ihren Dialog mit Russland über bilaterale Beziehungen und die Ukraine ernst meinen, müssen sie Moldau klar signalisieren, dass jede Veränderung des Status quo in Transnistrien inakzeptabel ist. Entsprechend sollten die USA andeuten, dass sie Rumänien im Falle eines Konflikts mit Russland über Transnistrien nicht via Artikel 5 unterstützen würden. Andernfalls könnte Sandu ein gefälschtes Referendum über den (Wieder-)Anschluss einleiten, nur um eine NATO-Russland-Krise zu provozieren, die schnell außer Kontrolle geraten könnte.
Bild © European Union, 2026, Visit of Maia Sandu, President of Moldova, to the European Commission (01), CC BY 4.0
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Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer politischer Analyst, der sich auf den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität spezialisiert hat. Er veröffentlicht auf Englisch auf seinem Substack-Blog. Auf Deutsch exklusiv bei TKP.
Womit wollen die den Krieg zahlen, 90 Mrd einer Koksnase überweisen und dann zwei Norweger hinschicken?
Die Gefahr ist nicht, dass Putin in Moldau einfällt. Die Gefahr ist, dass EU-Gebiete freiwillig zu Russland wollen, weil sie sich davon ein besseres Leben als in der EU erhoffen.
Das ist ja der Geheimtrick: Europa so unattraktiv zu machen, dass es niemand mehr haben möchte!