
Merz in Indien, ein Hoffnungsschimmer?
Die schweizerische Weltwoche jubelt, dass Deutschland aufgewacht sei, weil kein Minus mehr vor dem Wachstum des BIP steht, und TRT Deutsch meinen, Deutschland befände sich auf dem Weg der geopolitischen Neuorientierung, wegen einer Reise von Bundeskanzler Merz nach Indien. Können Deutsche hoffen?
Die Weltwoche spekuliert, dass ein BIP-Wachstum von 0,2% ein Zeichen ist, dass die Talsohle von Deutschlands Wirtschaft durchschritten und der Aufschwung in greifbarer Nähe sei. Dabei werden zu hohe Energiepreise implizit als Lächerlichkeit bezeichnet und der private Konsum als Haupttreiber des Aufschwungs. Allerdings war ein privater Konsumanstieg zu erwarten, weil seit Jahren Zurückhaltung geübt wurde, und irgendwann sind Schuhe und Waschmaschine kaputt und müssen erneuert werden. Die Jahrhundertschulden, und demzufolge -Ausgaben für Rüstung und Hilfsgüter für die Ukraine, werden nur nebenbei erwähnt. Was aber ein Fehler sein könnte. Denn sie sind das Strohfeuer der zu den begrüßten Lohnsteigerungen führte, während die Reduzierung der Inflationssteigerung als Fortschritt gewertet wird, könnte sich das nun schnell wieder ändern. Aber Hoffnung brauchen wir in diesen dunklen Zeiten, und vielleicht fällt Deutschland ja trotz Deindustrialisierungspolitik nicht zurück in die Schrumpfung der Wirtschaft.
Deutschland mit geopolitischer Neuausrichtung?
War hier auf TKP noch vor Kurzem bemängelt worden, dass Deutschland zu langsam auf geopolitische Veränderungen reagiere, liest man in TRT Deutsch einen hoffnungsvollen Bericht von Prof. Uli Brückner.
„Der Besuch von Friedrich Merz in Indien markiert mehr als nur einen protokollarischen Antrittsbesuch des neuen Bundeskanzlers. Es ist das Signal für einen Paradigmenwechsel in der deutschen Außen- und Wirtschaftspolitik in Zeiten, in denen es kaum an Veränderung und Überraschungen mangelt.
- Mayer, Peter F.(Autor)
Während seine Vorgänger Angela Merkel und Olaf Scholz in ihren Beziehungen zu Asien stark auf China fokussiert waren, setzt Merz bewusst einen anderen Akzent: Indien rückt ins Zentrum einer diversifizierten und zukunftsorientierten Strategie. Das bedeutet keinen Rückzug aus China, aber einen weiteren Schritt einer De-Risking Strategie, die asymmetrische Abhängigkeiten abzubauen versucht.“
Der Autor meint, Deutschland sei vorsichtig dabei, Risikien von asymmetrischen Abhängigkeiten abzubauen, und der Besuch in Indien sei dazu ein Meilenstein gewesen. Er sieht die „autokratische Ausrichtung unter Xi Jinping“ als Gefahr für Deutschland, und begrüßt, dass Deutschland nach Alternativen sucht.
Er meint, für Deutschland sei Indien ein Zukunftsmarkt, mit dem aber im Moment nur ein Handelsvolumen von 30 Milliarden existiere, während dasselbe mit China sich auf 250 Milliarden Euro beläuft. Außerdem sei es eine Win-Win-Situation, wenn Deutschland aus Indien Arbeitskräfte rekrutieren könnte. Im Artikel liest man, dass der Besuch von Merz „auch symbolisch für einen Stilwechsel“ stehe, die sich weniger an Menschenrechtsfragen orientiere.
Praktischerweise ist Indien ja auch einer der Staaten, welche Israel beim Völkermord in Gaza herzhaft unterstützten, wie Deutschland auch, und Indien betrachtet Israel für sich in manchen Bereichen als Modell.
„Die Bundesregierung hat die Chance, die deutsch-indische Partnerschaft auf eine neue Ebene zu heben – pragmatisch, interessengeleitet und ohne moralische Überheblichkeit. Das bedeutet auch, Indiens eigene außenpolitische Position zu akzeptieren, seine Beziehungen zu Russland und seine Rolle in den BRICS nüchtern einzuordnen und dennoch die Zusammenarbeit zu vertiefen.“
Reaktion in deutschen Medien
In deutschen Medien wurde die Reise, insbesondere auf Grund der Zusammensetzung der Reisenden, darunter viele Wirtschaftsvertreter, positiv gewertet. Einige Medien betonen aber, dass der Besuch zwar freundlich verlief, Indien aber keine nennenswerten Zugeständnisse machte – etwa in Bezug auf die Haltung zu Russland oder den USA. Dies wird als „stille Lektion“ für Merz gesehen, die den begrenzten Einfluss Deutschlands in einer neuen multipolaren Weltordnung unterstreicht. Andere Kommentare ziehen „drei Lehren“ aus dem Besuch, inklusive schlechter: Indien sei kein „einfacher Partner“ aufgrund unterschiedlicher Ansichten zu Themen wie dem Russland-Ukraine-Krieg oder US-Politik, und Deutschland müsse realistisch bleiben, was seine Erwartungen an schnelle Fortschritte angeht. Und nein, die wertebasierte deutsche Außenpolitik ist nicht tot, wie der TRT-Artikel suggeriert. Kritik richtet sich auch an die anhaltenden Differenzen: Während Deutschland Indien von russischer Abhängigkeit abbringen will, zieht Indien daraus nicht dieselben Schlüsse wie Berlin.
Russische Medien entspannt
Russische Medien (oder Berichte über russische Perspektiven) berichten eher zurückhaltend und betonen geopolitische Spannungen. Der Fokus liegt auf dem Versuch von Merz, Indien zu einer Reduzierung der Abhängigkeit von Russland zu drängen – insbesondere im Kontext des Ukraine-Kriegs und der Energieversorgung. Indien wehrt dies ab und betont, dass seine Beziehungen zu Russland rein nationalinteressengesteuert seien und nicht mit Dritten verknüpft werden dürften. Es wird hervorgehoben, dass Indien und Deutschland trotz „gemeinsamer Werte“ (Demokratie, Multilateralismus) in Fragen wie Russland differieren, und Deutschland solle öffentliche Druckversuche unterlassen.
China neutral bis kritisch
Deutschlands beschränkte Wichtigkeit für die zukünftige Weltwirtschaft und -Politik spiegelt sich auch in chinesischen Medien wieder. Sie berichten neutral bis kritisch, mit Betonung auf Deutschlands Versuch, sich von China abzuwenden. Die Wahl von Merz als Indien für sein erstes Asien-Ziel wird als „Umdrehung des Skripts“ gesehen – ein Bruch mit der Tradition, China priorisiert zu haben – und als Strategie zur Diversifikation in der Indo-Pazifik-Region. Der Push für ein schnelles EU-Indien-Freihandelsabkommen wird positiv notiert, aber als Reaktion auf US-Zölle und chinesische Dominanz interpretiert. Andere Berichte (z. B. in YouTube-Transkriptionen) heben die positiven Aspekte für Indien hervor, sehen aber eine „Verzweiflung in Europa„, die zu Konflikten mit China führen könnte. Insgesamt wird der Besuch als Signal für engere Indien-Europa-Bindungen gewertet, die China umgehen sollen, ohne das dies aber zu größerer Besorgnis führt.
Indien ist euphorisch
Indische Medien berichten enthusiastisch und positiv, mit Fokus auf kulturelle und diplomatische Highlights wie das gemeinsame Drachenfliegen am Internationalen Kite Festival in Ahmedabad und die Stärkung von Handels-, Verteidigungs- und Tech-Zusammenarbeiten. Der Besuch wird als Meilenstein für die 25-jährige strategische Partnerschaft gefeiert, darunter auch eine Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich, mit neuen Zielen bei Halbleitern, kritischen Mineralien und grünen Energien. Kritische Stimmen sind rar. Stattdessen dominiert Optimismus über Freihandel, Migration und Diversifikation von US- und russischen Abhängigkeiten. Anders als China hat Indien noch starken Nachholbedarf in Wissenschaft und Technologie. Einige Kommentare fordern engere Beziehungen, um von deutschen Technologien zu profitieren. Es scheint, als ob Indien das China-Protokoll wiederholen wollte.
Wird Indien Deutschland retten?
Merz wählt Indien als erstes asiatisches Ziel, ein klares Signal gegen China. Schön und gut, aber was bringt das wirklich? Die Gespräche drehen sich um Freihandelsabkommen mit der EU, Tech-Kooperationen in Halbleitern und grüner Energie, plus Verteidigungspartnerschaften. Modi und Merz posieren als Kämpfer gegen US-Protektionismus unter Trump, fordern offene Märkte. Klingt vielversprechend? Nur auf dem Papier. Indien ist kein Ersatz für russisches Gas oder chinesische Lieferketten – es ist ein Land, das selbst mit Energieknappheit ringt und auf Kohle setzt, während Deutschland unter dem Deckmantel des Klimaschutzes seine Industrie stranguliert.
Energiekosten und Indien
Nehmen wir die Strompreise: In Deutschland zahlen wir Rekordpreise, weil die Ampel-Regierung (und nun die CDU unter Merz) auf Wind und Sonne setzt, Atomkraft abschaltet und Milliarden in Subventionen pumpt. Der „Klimaschutz“ ist ein teurer Witz – er treibt Unternehmen in die Pleite oder ins Ausland. Und Indien? Das Land produziert über 70 Prozent seiner Energie aus Kohle, importiert russisches Öl trotz Sanktionen und lacht über westliche Moralpredigten. Merz will Indien von Russland abbringen, aber Modi macht klar: „Unsere Beziehungen sind nationalinteressengesteuert.“ Übersetzt: Indien kauft weiter billiges russisches Öl, während wir in Berlin frieren und zahlen, dafür aber dann teuer in Indien das „indische Öl“ einkaufen. Statt uns zu helfen, unsere Energieabhängigkeit zu reduzieren, verstärkt diese Partnerschaft nur die Heuchelei. Wir predigen Klimaziele, die Indien ignoriert, und hoffen auf „grüne“ Deals, die nie kommen. Ergebnis? Noch höhere Preise für deutsche Verbraucher, weil wir auf indische Batterien oder Solarpaneele warten, die mit chinesischen Komponenten gebaut werden.
Regulierung vs Korruption und unfaire Behandlung
Deutschland erstickt unter EU-Vorschriften – Datenschutz, Umweltstandards, Bürokratie, die jede Innovation blockiert. Natürlich ist vieles sinnvoll, aber die Umsetzung ist „preussisch“ verknöchert. Merz verspricht mit Indien Entlastung durch Freihandel. Aber schaut euch das EU-Indien-Abkommen an: Es schleppt sich seit Jahren hin, blockiert durch indische Forderungen nach Visa-Erleichterungen für Fachkräfte und deutsche Ängste vor Billigimporten. Indien hat seine eigenen Regulierungen – Protektionismus in Landwirtschaft und Dienstleistungen, plus Korruption und bürokratische Hürden, die ausländische Investoren abschrecken. Deutsche Firmen wie Siemens oder BASF sind schon da, aber sie klagen über unfaire Bedingungen. Statt Deregulierung zu bringen, wird diese „Partnerschaft“ nur neue Regeln schaffen – EU-Standards, die Indien ablehnt, oder indische Quoten, die uns schaden. Am Ende? Mehr Papierkram, weniger Wettbewerbsfähigkeit.
Die US-Abhängigkeit
Und die größte Farce: Die Abhängigkeit von den USA. Deutschland ist Washingtons Vasall – in NATO, Sanktionen, sogar in der Wirtschaftspolitik. Der Trip von Merz soll Diversifikation signalisieren, aber Indien ist Amerikas Liebling in der Indo-Pazifik-Strategie gegen China. Modi ist eng mit Biden (und nun Trump?) verbündet, Teil des Quad-Bündnisses mit USA, Japan und Australien. Wenn wir uns enger an Indien binden, binden wir uns indirekt stärker an die USA. Man denke an US-Zölle. Merz und Modi kritisieren sie, aber Indien profitiert von Amerikas „Friendshoring“ – Fabriken verlagern von China nach Indien, finanziert durch US-Kapital. Deutschland? Wir leiden unter Trumps Tarifen auf Stahl und Autos, und statt uns zu emanzipieren, kuscheln wir uns an einen Partner, der selbst von US-Politik profitiert. Statt unabhängig zu werden, vertiefen wir die Transatlantik-Abhängigkeit. Russland und China lachen – wir ersetzen eine Abhängigkeit durch eine andere, teurere.
Zusammengefasst
Die Reise von Merz nach Indien ist keine Hoffnung, sondern ein Ablenkungsmanöver. Sie löst weder unsere Energiekrise, noch die Regulierungswut, noch die US-Abhängigkeit. Stattdessen vertieft sie Illusionen von globaler Partnerschaft, während die Realität zu Hause bröckelt – Fabriken schließen, Rechnungen steigen, Souveränität schwindet. Deutschland braucht keine neuen „Hoffnungsträger“ fernab, sondern eine Politik, die auf Eigeninteressen setzt: Modernste Atomkraft wiederbeleben, Regulierungen pragmatischer machen, neutrale Handelspartnerschaften pflegen. Sonst wird Indien nur der nächste Fehlschlag in einer Reihe von Fehlern.
..“aber Indien ist Amerikas Liebling in der Indo-Pazifik-Strategie..“
Jo, das war auch mein erster Gedanke. Mörds tut nichts Eigenständiges. Primär folgt er seinem Arbeitgeber Schwartz-Fels, aber auch dem Ami-Deep-State hat er sich zu fügen. Scheinbar geht es gegen China, aber es geht vor allem aich gegen Russland. Denn Indien hält sich nicht an die Sanktionen. Ist aber zu schwach, standhaft zu bleiben. Mörds ist also wieder mal dabei, das letzte Geld der Deutschen einzusetzen, um seinen Strippenziehern einen Gefallen zu tun?
„Merz in Indien, ein Hoffnungsschimmer?“
Es gibt ein Video von Christopher Jon Bjerknes, in dem er sagt, dass die Inder geholt werden um die Europäer, insbesondere die Deutschen, davon abzuhalten AI zu programmieren.
https://substack.com/@christopherjonbjerknes