Grönlandische Erklärung für Souveränität

12. Januar 2026von 2,8 Minuten Lesezeit

Im Konflikt zwischen den USA und der EU um Grönland rücken die Parteien des Landes zusammen. Sie erklären gemeinsam: „Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“

Es ist eine ungewöhnliche Einheit, die die fünf größten grönländischen Parteien durch den Konflikt um ihre Nordinsel formiert haben. Trump besteht bekanntlich auf der Übernahme Grönlands, der Konflikt spitzt sich zu und könnte weitreichende Folgen haben – bis hin zu einem Ende der NATO. Die Grönländer selbst pochen auf ihre Souveränität.

In einer gemeinsamen Stellungnahme, die von Premierminister Jens-Frederik Nielsen und den Vorsitzenden der Parteien Siumut, Inuit Ataqatigiit, Naleraq, Atassut und Demokraatit unterzeichnet wurde, fordert man das Recht auf Selbstbestimmung und Souveränität:

„Als grönländische Parteiführer möchten wir erneut unser Verlangen betonen, dass die Verachtung der Vereinigten Staaten für unser Land endet“, heißt es darin. „Kein anderes Land darf sich hier einmischen. Wir müssen die Zukunft unseres Landes selbst entscheiden – ohne Druck zu einer überstürzten Entscheidung, ohne Aufschub und ohne Einmischung von anderen Ländern.“

Die Erklärung endet mit dem klaren Statement: „Die Zukunft Grönlands muss vom grönländischen Volk entschieden werden. Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“

Seit 2009 genießt man weitgehende Autonomie von der dänischen Krone, ist aber politisch weiterhin nicht unabhängig und wirtschaftlich stark von Dänemark abhängig. Während sich Dänemark als EU-Staat als Verteidiger von Demokratie und Menschenrechten inszeniert – wie man es kennt – gedenkt man freilich nicht, Grönland wirklich von der Leine zu lassen. Zugleich dürfte aber klar sein, dass man gegen die USA nichts ausrichten werden können, wenn sie ernst machen.

Jeff Landry, Trumps Sonderbotschafter für Grönland, erklärte am Sonntag etwa ziemlich deutlich die Auffassung Washingtons:

„Geschichte ist wichtig. Die USA verteidigten Grönlands Souveränität im Zweiten Weltkrieg, als Dänemark dazu nicht in der Lage war. Nach dem Krieg besetzte Dänemark das Gebiet erneut – und umging dabei das UN-Protokoll. Hier sollte es um Gastfreundschaft gehen, nicht um Feindseligkeit.“

Trump erklärte zudem, dass die Insel, die reich an Bodenschätzen ist, auch von Russland und China ins Visier genommen werden. Eine solche Übernahme würde aber einen Angriff auf die NATO bedeuten und für die USA wohl weitaus bedrohlicher wirken als etwa ein Angriff auf das Baltikum (die EU bezweifelt, ob die USA tatsächlich ihre NATO-Beistandspflicht in diesem Fall einhalten würden.)

Trump will Grönland. Es sieht in keiner Weise so aus, als würde er davon abrücken. Die Meinung der Grönländer kommt dabei absolut unter die Räder. Und vielleicht die NATO selbst. Der Analyst Dr. Gilbert Doctorow glaubt in einem Interview mit Glenn Diesen, dass Trump durch die Annexion von Grönland sein Ziel erreichen würde, die NATO und die EU aufzulösen.

Bild „Dog Sledding in Uummannaq, Greenland“ by United Nations Photo is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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2 Kommentare

  1. Daisy 12. Januar 2026 um 11:25 Uhr - Antworten

    „Die Zukunft Grönlands muss vom grönländischen Volk entschieden werden. Wir wollen keine Amerikaner sein, wir wollen keine Dänen sein, wir wollen Grönländer sein.“

    Super! Ich frage mich gerade, was die Dänen dazu sagen. Vielleicht kann ihnen Trump ja dabei helfen, souverän zu werden. Wohl eher unbeabsichtigt hat er ja schon mal einen Anstoß dazu gegeben. ;-)
    Das mephistophelesche Prinzip…
    „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ ;-)

    • Pusteblume 12. Januar 2026 um 11:54 Uhr - Antworten

      Im Übrigen war es ein deutscher Geistlicher, der als Missionar in Grönland die Grönländer christianisierte. Hierfür ließ er sich von einem jugendlichen Einheimischen (Grönländer) in die Sprache der Inuit einweihen. Es waren also in keinem Fall die Dänen, die Grönland zuerst kolonisierten, sondern dieses wurde mittels Aufzwingens fremden Glaubens durch einen Deutschen (Missionar) vollzogen.

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