
Wie der KI-Boom der Big Tech die Stabilität der Stromnetze gefährdet
Der rasante Bau von KI-Rechenzentren, deren Stromverbrauch mit dem von Städten vergleichbar ist, führt zu einem dramatischen Anstieg des Strombedarfs und belastet nationale Stromnetze.
Regulierungsbehörden befürchten, dass einige wenige dominante Technologieunternehmen durch Vorzugsverträge oder private Stromerzeugung die kritische Stromversorgung kontrollieren könnten, was möglicherweise zu höheren Kosten für andere und zu gefährlichen Engpässen führen würde.
Technologiegiganten wie Google, Amazon und Microsoft bauen riesige Rechenzentren für KI, wird der unstillbare Strombedarf dieser Einrichtungen die Energielandschaft aller Länder neu gestalten. Die zentrale Frage ist nun, ob eine Handvoll Giganten aus dem Silicon Valley zu den neuen Machthabern werden – sowohl im Bereich der Rechenleistung als auch der Stromversorgung –, möglicherweise auf Kosten der lokalen Gemeinden und des Wettbewerbs auf dem Markt.
Dieses Thema hat die Aufmerksamkeit der US-Kartellbehörden angezogen. Der ehemalige stellvertretende Generalstaatsanwalt Jonathan Kanter warnte, dass Energie selbst zu einem kritischen Bereich für die Wettbewerbsaufsicht werde. Die Sorge ist klar: Wenn einige wenige Technologieunternehmen sich massive, bevorzugte Stromverträge sichern oder ihre eigene Stromerzeugung in großem Maßstab aufbauen, könnten sie die lokalen Energiemärkte dominieren. Dies könnte die Kosten für andere Verbraucher in die Höhe treiben und zu einem Engpass führen, bei dem die Kontrolle über Daten mit der Kontrolle über den zu ihrer Verarbeitung erforderlichen Strom verschmilzt.
- Mayer, Dr. Peter F.(Autor)
Hohe Kosten für notwendigen Netzausbau
Die Zahlen unterstreichen die Krise. Es wird prognostiziert, dass der Strombedarf dramatisch ansteigen wird, eine Umkehrung nach Jahrzehnten flachen Wachstums. Ein Haupttreiber ist die KI-Revolution. Moderne Rechenzentren können mehr Strom verbrauchen als eine mittelgroße Stadt. Der Druck zum raschen Ausbau der KI-Infrastruktur kommt zu einer Zeit, in der Netzüberwacher warnen, dass das Stromnetz des Landes bereits überlastet ist.
In den USA trifft dieser Anstieg ein Netz, das sich in einem prekären Zustand befindet. Die Politik hat nicht nur in den USA den Übergang von traditionellen Grundlaststromquellen – wie Kohle- und Erdgaskraftwerken – zu intermittierenden erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne vorangetrieben. Elektroautos, Wärmepumpen und die dezentrale Energieerzeugung haben die Netze ohnehin bereits an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Alleine deshalb wurden für Österreich die Ausbaukosten auf 60 Milliarden Euro geschätzt und für Deutschland auf 1000 Milliarden. So hatte Sachsen-Energie-Vorstandsvorsitzender Frank Brinkmann kurz nach dem Blackout in Spanien und Portugal erklärt: „Wir beobachten, dass die zunehmende Einspeisung von Solarstrom die Netze in bestimmten Regionen besonders stark belastet.“
Die Niederländer werden in den nächsten Jahren sogar ungefähr 200 Milliarden Euro investieren müssen, um das Stromnetz im Einklang mit dem „grünen“ Wandel am Laufen zu halten, so die Betreiber.
Betreiber von Rechenzentren, die dringend auf eine zuverlässige Stromversorgung angewiesen sind, schließen nun direkte Verträge mit Stromerzeugern ab und erwägen sogar den Bau eigener Kernreaktoren. Dieses Gerangel im privaten Sektor verdeutlicht ein Versagen der öffentlichen Hand: das Fehlen einer kohärenten nationalen Strategie zum Ausbau einer zuverlässigen Stromerzeugung, die dem Bedarf voraus ist.
Die von der Regierung in den USA erklärte Lösung konzentriert sich auf Deregulierung und Diversifizierung. Eine Reform der Genehmigungsverfahren wird als unerlässlich angesehen, um neue Kraftwerke schnell an das Netz anzuschließen. Die Politik drängt darauf, alle Formen konventioneller und zuverlässiger Energie zu fördern – einschließlich Kohle, Erdgas, Kernkraft und Geothermie.
Gleichzeitig wächst der Konsens, dass die großen Technologieunternehmen die Kosten ihres eigenen Energiehungers tragen müssen. Als Haupttreiber der neuen Nachfrage sollten diese profitablen Unternehmen neue Erzeugungskapazitäten finanzieren, um sicherzustellen, dass die Verbraucher nicht mit höheren Rechnungen und weniger zuverlässigen Dienstleistungen konfrontiert werden.
Die kartellrechtlichen Bedenken gehen über einfache Preistreiberei hinaus. Experten weisen auf das Risiko der „Monopolausnutzung” hin, bei der die Dominanz eines Unternehmens in einem Markt es ihm ermöglicht, sich auf unfaire Weise Vorteile in einem anderen Markt, wie beispielsweise der Energiebeschaffung, zu sichern. Wenn ein Versorgungsunternehmen von einem einzigen Technologiegiganten als seinem größten Kunden abhängig ist, könnte es Entscheidungen treffen, die diesen Kunden gegenüber der breiteren Gemeinschaft begünstigen. Wenn sich Technologieunternehmen vertikal in die Stromerzeugung integrieren, könnten sie darüber hinaus einen kritischen Input kontrollieren, den ihre KI-Konkurrenten zum Überleben benötigen.
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Zitat: „So hatte Sachsen-Energie-Vorstandsvorsitzender Frank Brinkmann kurz nach dem Blackout in Spanien und Portugal erklärt: Wir beobachten, dass die zunehmende Einspeisung von Solarstrom die Netze in bestimmten Regionen besonders stark belastet.“
Was für eine freundliche, sanft einlullende Umschreibung des Kernproblems:
Die Netze werden nicht „besonders stark belastet“ (jedenfalls nicht physikalisch), sondern das Netz-Management („Redispatching“) ist mit dem Ausgleich einer immer größeren Differenz zwischen Über – und Unterangebot, bedingt durch immer mehr Flatterstrom-Erzeuger, die trotz der nach wie vor fehlenden, adäquaten Pufferspeicher ans Netz gehen und immer weniger Grundlast-Erzeuger, die noch nicht weggesprengt wurden, zunehmend am Ende, was die Gewährleistung der Stabilität des Gesamtsystems betrifft.
Das ist etwas ganz anderes als „besonders stark belastet“!
Denn auch wenn die physikalische Belastungsfähigkeit der Netze (z.B. für den Transport überhöhter Energiemengen während Hellbrisen) erhöht wird (was letztlich auch wieder die Abnehmer bezahlen müssen), nützt das eine feuchten Kehricht, wenn diese überhöhten Energiemengen weder im eigenen Land, noch bei den Nachbarn abgenommen werden können (denn die haben ja dann bei ähnlicher Großwetterlage die gleichen Abnahmeprobleme), während bei Dunkelflaute (auch bei den Nachbarn) physikalisch hochbelastbare Netze sowieso keinen müden Cent wert sind, weil einfach keine großen Energiemengen verfügbar wären, die (auch länderübergreifend) darüber ausgetauscht werden könnten.
Thema verfehlt! Sechs! Setzen, Herr Brinkmann!
Ich denke, die KI-Industrie (der beste Freund des Überwachungsstaats), wird sich überall ihre eigenen Kraftwerke bauen oder kaufen, ob Kohle oder Atom, spielt für die keine Rolle. Alle anderen, also Bürger und der Rest der Industrie, wird die CO2-Auflagen erfüllen oder ganz verzichten und Flatterstrom in Kauf nehmen müssen, weil sie schließlich „die Welt vor dem Aufheizen retten“ sollen!
Es ist wie beim Auto und beim Pferd: Das Auto braucht eine Garage und muss gewartet werden, das Pferd vermehrt sich selbst und ist, neben der Funktion als Transportmittel, ein Leben. Das Auto reduziert sich zu Fetisch!
Natürlich steht dahinter, dass das Pferd einen Hektar frisst, während der Treibstoff fürs Auto kein Nahrungsmittelkonkurrent ist
Wozu schuften wir für KI und „Singularität“, wenn Menschen es genauso machen könnten? Was machen die stattdessen?
Hauptproblem ist die ideologisierte Energiepolitik. Dank derer wir nicht nur eine wacklige Energieversorgung bekommen haben, sondern auch keine Ressourcen mehr für neue Industriezweige haben. 3 Jahre grüne Planwirtschaft haben gereicht. Früher wurden einfach soviel Kraftwerke gebaut wie benötigt wurden. Diese Logik ist aber für einige scheinbar zu kompliziert. Jetzt streitet man sich um die Reste.