
IAA München vs. Auto Shanghai
Gut vier Monate und rund 10h Flugzeit trennen die beiden großen Automessen. Ich hatte die Möglichkeit, mich im Frühjahr persönlich in Shanghai von den Leistungen und Trends der chinesischen Autoindustrie zu überzeugen.
Für die IAA in München, obwohl viel näher gelegen, kann ich nur eine Literaturrecherche anbieten, aber da gibt es sowohl in Papier als auch online gute Möglichkeiten, zumal die Sprachbarriere wegfällt. Wie schon erwähnt, wurden in China 2024 über 31,2 Mio Fahrzeuge gebaut. Die neuesten verfügbaren Daten weisen für Europa 2024 13,1 Mio PKW und 2,75 Mio LKW aus, insgesamt also minimal mehr als die Hälfte. Alleine bei den PKW beträgt der Rückgang in Europa seit 2019 über 4 Mio Stück!
Aufgrund der Fülle der Hersteller beschränke ich mich auf einige konkrete Vergleiche und Beispiele, fangen wir mit Mercedes an.
Die Marke war auf beiden Messen stark vertreten, die inhaltlichen Schwerpunkte hätten m.E. kaum unterschiedlicher sein können. Zusammengefasst in aller Kürze, in Shanghai wird der 12 Zylinder im Schnittmodell gezeigt, in München ist quasi alles elektrisch, fast verschämt wird beim mit Maxipomp gefeierten neuen GLC darauf hingewiesen, dass auch Hybrid- und Verbrennerversionen folgen werden.
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Auch die seit 1979 (!) in Graz produzierte G Klasse hat an beiden Orten ihren Auftritt, mit der bekannten 45 Grad steilen Rampe jetzt auch elektrisch mit völlig lächerlicher Reichweite zu haben. In München wurde noch ein Cabrio angekündigt, wow schwierig…
Doch schauen wir einmal, was bei diesem Thema in Shanghai geboten wurde, bitte schnallen Sie sich an.
Jetour bietet unter dem Motto „travel worldwide“ eine moderne Interpretation des Klassikers mit einem V8 Hybrid an, der natürlich (wie Dutzende andere chinesische Hersteller) die Rampe schafft- gähn, ABER auch als Boot verwendbar ist.
Jetour springt da auf einen Trend auf, den BYD mit dem Yangwang U8 begonnen hat. Im Gegensatz zum U8, der die Umdrehung der Räder zur Steuerung im Wasser verwendet, verfügt der Jetour über zwei Jetantriebe hinten, die ordentlich Gas geben.
Das ist aber noch nicht alles, denn wenn es zu Lande und zu Wasser nicht mehr weitergeht, oder (viel realistischer) ein Stau das Fortkommen verhindert, dann können bis zu zwei Personen in die hinten am Anhänger befindliche Drohne steigen und losfliegen! Da habe ich das Motto dann richtig verstanden .
Wobei Drohnen für Passagiere auch in China aktuell noch Zukunftsmusik sind, aber an der dazugehörigen Regulatorik schon intensiv gearbeitet wird, es ist von 45.000 Stück die Rede, die in einem ersten Schritt zugelassen werden sollen. Wobei anzumerken ist, dass nach tödlichen Unfällen beim autonomen Fahren im Ministerium die Zügel deutlich gestrafft wurden. Diese Funktionen wurden schlicht verboten, dürfen nicht mehr beworben werden, es ist nur mehr von „Driver assistance“ die Rede.
Das Thema Drohnen war in Shanghai allgegenwärtig. In Europa momentan ja auch, aber dort aufregend positiv, hier wahnhaft und natürlich wirtschaftlich schädlich.
Xpeng hat damit Volkswagen total die Show gestohlen. Am Stand von Xpeng konnte man Robotern die Hand schütteln, die in der Fabrik die Autos bauen und ein Prototyp zog die Massen an. Er hat eine Drohne im Kofferraum, die fast surreal selbstständig aus dem Kofferraum herausschreitet, sich entfaltet und Platz für zwei Passagiere bietet. Genannt wird der Prototyp „Land-Aircraft Carrier“, angeblich liegen dafür schon über 90.000 Vorbestellungen vor.

Der benachbarte Stand von Volkswagen mit dem Slogan „In China for China“ war im Vergleich dazu verwaist und fad. Audi wartete mit einem neuen Logo auf, in China haben die 4 Ringe ausgedient, toll. In München hat der Konzern die revolutionäre Neuigkeit verkündet, dass die bisherige ID-Elektrolinie mittelfristig aufgelassen und mit den traditionellen Baureihennamen wie Polo verbunden wird, dessen Elektroversion wird dann ID Polo heißen. Reine Elektro-Plattformen haben also bei VW ausgedient.
Perfekt dazu passt dazu ein Produkt des Renault-Geely Joint Venture Horse Powetrain. Das Future Hybrid Concept bietet eine Lösung für schwächelnde reine Elektrobaureihen an. Ein kompakter, effizienter Benzin- Generatormotor hat mit dem E-Motor gemeinsam im engen Bauraum reiner E-Fahrzeuge Platz. Statt einer großen, teuren, schweren und grundsätzlich physikalisch unvorteilhaften Batterie, können eine vgl. kleine Batterie für ca. 100 km Reichweite und ein Tank eingebaut werden. So können hunderte Kilogramm Fahrzeuggewicht eingespart und die Reichweite mehr als als verdoppelt werden.

Weil wir gerade beim Gewicht sind ein kleiner Exkurs. Ein Kilo Treibstoff hat ca. 12.000 Wattstunden, die besten Akkus liegen aktuell bei 300, die medial gehypten Feststoffakkus sollen in einer immer ferneren Zukunft sagenhafte 550 Wattstunden pro Kilo speichern können…
Dazu passt auch die ausgestellte Vielzahl von Schnittmodellen modernster Motoren mit Wirkungsgraden von über 45% bis nahezu 50%, die das obige Verhältnis auch in Zukunft bei mindestens 1:10 halten werden. Experten
auf dem Gebiet halten es auch für leicht möglich, dass Verbrennungsmotoren im 1-Punktbetrieb ohne Lastwechsel durch Nutzung der (sauberen) Abgase zur Stromerzeugung Wirkungsgrade von 55% erreichen werden.
Einen Vorgeschmack davon gab es in München. Dort wurde von BYD ein Kombi im gängigen Passat Format vorgestellt, dessen Technik schon 2024 in China für Furore gesorgt hat.
Der im Seal 6 Touring überwiegend als Generator eingesetzte 4-Zylinder hat zwar auf seinem Weg nach Europa 3.% Wirkungsgrad (von 46% auf 43%) eingebüßt, 5 Liter Verbrauch pro 100km mit Bleifuss am Gaspedal sind aber schon real erfahren worden. Die 100 km elektrische Reichweite können auf Kurzstrecken und innerstädtisch genau dann vorteilhaft genutzt werden, wenn ein reiner Verbrenner mit schlechtem Wirkungsgrad fehl am Platz ist. So kommt es ganz einfach zu einer Reichweite von 1.300 km.

Unideologisch und pragmatisch werden kompetent die Stärken beider Technologien vereint.
Der Seal 6 Touring ist aber hierzulande schon zu haben, Probefahrten jederzeit möglich.
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.
Konrad Veritas ist Energiefachmann und schreibt unter einem Pseudonym.
Die Kundenbedürfnisse in China und Europa sind sehr unterschiedlich. Die in China so beliebten elektronischen Spielereien dürften hier kaum auf Nachfrage treffen. Um die europäische Automobilindustrie zu retten, müsste der Markt stark dereguliert werden. Dazu besteht bei den EU-Linkssozialisten aber keine Bereitschaft. Deshalb ist der Untergang unausweichlich.
Wirkungsgrade von über 50% bei Verbrennungsmotoren für Mobilität???
Es ist schon erstaunlich, dass ein 150 Jahre altes Konzept der Fortbewegung immer weiter propagandistisch am Leben erhalten werden kann…