Belgrad erlebte erneut ein unruhiges Wochenende, das von Protesten und Straßenkämpfen geprägt war. Aleksandar Vučić sieht eine „Farbrevolution“ verhindert.
Am Wochenende erlebte die serbische Hauptstadt Belgrad erneut Massenproteste, Ausschreitungen und Zusammenstöße mit der Polizei. Bis zu 150.000 Menschen forderten vorgezogene Neuwahlen. Präsident Aleksandar Vučić ging nicht darauf ein und erklärte, eine „Farbrevolution“ verhindert zu haben. Moskau stärkt ihm den Rücken.
Der serbische Staatschef, der weiterhin gute Beziehungen zu Russland pflegt, sagte: „Sie wollten Serbien stürzen, und sie haben versagt“, erklärte er nach dem Wochenende. Auch der Kreml schaltete sich ein. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Montag, westliche Länder dürften keine „Farbrevolution“ in dem Balkanstaat unterstützen.
Vučićs Gegner werfen ihm Korruption, Verbindungen zum organisierten Verbrechen und eine zunehmende Kontrolle über die Medien vor. Die Opposition ist jedoch tief gespalten. Anders als bei Protesten in Georgien oder in der Slowakei gegen Fico sieht man in Belgrad keine EU-Fahnen im Menschenmeer der Demonstranten. Stattdessen dominieren serbische Nationalfahnen. Sogar in der Kosovo-Frage scheint Einigkeit zu herrschen: Der Kosovo gehört zu Serbien. Vučić wird vorgeworfen, zu schwach gegen die „Separatisten“ vorzugehen.
Sollten vorgezogene Wahlen stattfinden – regulär sind diese für 2027 geplant –, könnte nur ein liberaler, pro-unionistischer Block Vučić und seiner regierenden SNS-Partei gefährlich werden.
BREAKING: Chaos erupts in the streets of Belgrade (Serbia).
Riot police have fired tear gas as protesters that demand early elections from the pro-EU government. pic.twitter.com/zaYJN3h930
— Global Dissident (@GlobalDiss) June 28, 2025
Obwohl es zuletzt Konflikte zwischen Belgrad und Moskau gab, da Serbien offenbar weiterhin Waffen an die Ukraine verkauft, unterstützte Lawrow Vučić: „Wir hoffen, dass westliche Länder, die oft innenpolitische Angelegenheiten anderer Staaten ausnutzen, um ihre Interessen durchzusetzen, dieses Mal von Farbrevolutionen absehen. Wir beobachten die Situation und unterstützen die Beruhigung der Unruhen, wie der serbische Präsident Aleksandar Vučić sagte, im Einklang mit der Verfassung und den Gesetzen dieses befreundeten Staates.“
Putins Sprecher Dmitri Peskow ergänzte: „Wir können nicht ausschließen, dass bekannte Taktiken zur Durchführung von Farbrevolutionen jetzt in Serbien angewendet werden.“
Damit erhielt Vučić Unterstützung für sein Narrativ, dass die Proteste vom Ausland gesteuert seien. Die Protestbewegung ist seit Monaten auf den Straßen, dürfte aber nun abflauen. Am Wochenende gingen die Zahlen trotz der 150.000 Demonstranten erstmals deutlich zurück. Zudem kam es zu den bisher heftigsten Auseinandersetzungen mit der Polizei. Laut lokalen Medien wurden knapp 50 Polizisten verletzt und etwa 100 Personen festgenommen.
Bild Никола Ђорђевић, Studentski protest Novi Sad 2025-02-01 – 8, CC BY-SA 4.0
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2 Kommentare
Ich finde es sehr wichtig, dass freie Journalisten überhaupt erkennen, DASS es sich um eine Farbrevolution handelt. Aus den Erfahrungen, wie der Tiefe Staat in anderen Ländern mittels einer Farbrevolution Umstürze durchführte, können wir sagen, dass diese Farbrevolution noch nicht zu Ende, noch nicht abgewendet ist.
Das eigentliche Drama ist, dass die nachwachsenden Generationen in Westeuropa, also alles außer Russland, dermaßen entpolitisiert sind, dass sie selbst die Erfahrungen ihrer Eltern nicht mehr mitbekommen. Das Thema der Proteste ist völlig nebensächlich. Die entscheidende Konsequenz ist, dass viele Studenten ihren Abschluß nicht mehr machen können oder das Studium abbrechen müssen. Dem Staat geht seine akademische Elite verloren, weil sie vielleicht Fachwissen hat, aber politische Embryos sind.
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