EU-Kommission will Senioren in Finanzfragen schulen: Kriegsfinanzierung und Enteignung

11. Juni 2025von 6,7 Minuten Lesezeit

Die Europäische Kommission hat angekündigt, die Finanzkompetenz älterer Europäer verbessern zu wollen – und sieht dabei die Renten als Ansatzpunkt. Damit will man Mittel zur Besicherung der Kriegsfinanzierung frei machen.

Auf einer Konferenz in Brüssel am 10. Juni hob Finanzkommissarin Margarida Marques Albuquerque einen wichtigen Aspekt der bevorstehenden Strategie der EU für eine Spar- und Investitionsunion (SIU) hervor, die sicherstellen soll, dass ältere Menschen Investitionen und Sparmöglichkeiten verstehen.

Während sich die meisten Bildungsmaßnahmen im Finanzbereich auf junge Menschen konzentrieren, müsse die Europäische Union auch Senioren berücksichtigen, von denen viele ohne die notwendigen Kenntnisse für die Verwaltung ihrer Ersparnisse in den Ruhestand gehen.

„Finanzkompetenz ist ein Bedürfnis, das nicht nur junge Menschen betrifft“, sagte sie.

Die rasch alternde Bevölkerung mache das Thema dringend, fügte sie hinzu. „Wir können nicht zulassen, dass eine ganze Generation alt wird und dann feststellt, dass sie nicht genug Rente hat“, warnte sie.

Die EU-Kommission möchte, dass die Europäer einen „großen Schritt“ von einfachen Sparkonten zu tatsächlichen Investitionen machen. Dieser Übergang sei das Kernstück der Strategie, so Albuquerque. Um dies zu erreichen, seien jedoch Vertrauen und Einfachheit erforderlich.

„Selbst Menschen mit Finanzwissen finden es manchmal schwierig, Investitionen zu tätigen“, sagte sie. „Es sollte nicht so schwierig sein, wie es derzeit ist.“

Der Plan sah vor, einfache Anlageprodukte zu entwickeln und zu fördern, die für Menschen mit begrenzten Mitteln zugänglich sind. „Es sollte sich um einfache Produkte handeln, die die Menschen tatsächlich kaufen können“, sagte Albuquerque. „Man sollte 10 bis 15 Euro pro Monat investieren können, denn die meisten Menschen können nicht viel mehr investieren.“

Das Ziel sei langfristiges Sparen: Wenn die Menschen früh mit kleinen Beträgen anfangen, könne sich bis zur Rente „tatsächlich ein beträchtlicher Betrag ansammeln“.

Albuquerque bezeichnete Renten, insbesondere privat verwaltete Zusatzrenten, als Einstiegspunkt für viele Menschen in die Welt der Finanzen. Die SIU-Strategie würde Empfehlungen an die Mitgliedstaaten enthalten, wie solche Systeme gestärkt werden können.

„Wo es einen entwickelten Kapitalmarkt gibt, gibt es auch ein entwickeltes Rentensystem“, sagte sie. „Die Frage ist nicht ob, sondern wann.“

Sie warnte jedoch auch, dass Reformen die demografischen und sozialen Realitäten widerspiegeln müssen. „Frauen verfügen in der Regel über weniger Finanzwissen. Sie haben niedrigere Renten und ein höheres Armutsrisiko nach der Pensionierung“, sagte sie. „Wir müssen verschiedene Gruppen ansprechen – verschiedene Altersgruppen und verschiedene Gruppen in der Gesellschaft.“

Die Europäische Kommission sieht ihre Rolle darin, die nationalen Bemühungen zu ergänzen. „Die Kommission kann das nicht alleine schaffen“, sagte Albuquerque. „Wir müssen auf dem aufbauen, was die Mitgliedstaaten bereits tun, und es vervollständigen.“

Die Strategie würde auch die fragmentierte Finanzlandschaft der EU angehen. „Wir haben viel Geld, aber es steckt in 27 verschiedenen Taschen“, sagte Albuquerque.

Wenig überraschend zielt ein wesentlicher Teil des Vorschlags darauf ab, die Aufsicht über die EU-Kapitalmärkte zu stärken, indem bestimmte Aufsichtsaufgaben auf die EU-Ebene übertragen werden.

Nach Angaben der Europäischen Kommission zielte die am 24. Mai erstmals angekündigte SIU darauf ab, das „unerschlossene Finanzpotenzial“ Europas zu erschließen und Sparern den Zugang zu besseren Finanzprodukten zu erleichtern.

Geld für die Kriegsfinanzierung oder die große Enteignung

Ursula von der Leyen kündigte im März ganz offen an, dass mit „privaten Ersparnissen“ die notwendigen Investitionen für den Krieg finanziert werden sollen. Wie kann das funktionieren? Über Kriegsanleihen wie 1914? Besteht ein Zusammenhang mit der Absicht das Geld von älteren Menschen vom Bargeld im Schrank, vom Sparbuch oder dem einfachen Konto in andere Anlageformen umzuleiten, die dann als Besicherung für Kriegskredite dienen?

Aber es kann sogar noch weiter gehen. Denn kommt es zum Bankencrash, dann werden diese Besicherungen an die Kreditgeber ausgezahlt und damit die Eigentümer des Geldes enteignet.

Und weil die EU-Kommission weiß, dass gerade ältere Menschen sich an Erzählungen der eignen Eltern erinnern, die das alles in den 1930er Jahren live miterlebt hatten, braucht es die Propaganda um an das Geld auch der älteren Menschen zukommen.

Aber wie genau funktionieren diese Schemata der Enteignung. Darüber hat TKP in mehreren Artikel hier, hier und hier berichtet.

Die EU hat für diese Arten der Finanzierung schon 2004 den rechtlichen Rahmen geschaffen. Die Vorbilder dafür stammen aus den USA der Jahre 1929 bis 1933. Das Schema, das sich US-Milliardäre wie Rockefeller, Rothschild und Co ausgedacht hatten, lief ganz einfach. Man nehme Wertpapiere und Geld von Kunden der Banken und besichere damit Groß-Kredite. Im März 1933 wurden von der US-Regierung die Banken zunächst geschlossen, euphemistisch „Bankfeiertage“ genannt. Niemand kam mehr an sein Geld. Die Federal Reserve Banken ließen dem Finanzminister Listen zukommen welche Banken wieder öffnen durften.

Was dann gemacht wurde, führt David Rogers Webb in seinem Buch „DIE GROSSE ENTEIGNUNG“ aus.

Menschen, die Geld bei Banken deponiert hatten, die nicht wieder öffnen durften, verloren ihre Guthaben. Die Schulden wurden jedoch nicht gestrichen, sondern durch die vom Federal Reserve System ausgewählten Banken übernommen. Wenn diese Menschen ihre Schulden nicht bezahlen konnten – was nunmehr wahrscheinlich war, da sie ja ihre Bankguthaben verloren hatten – verloren sie alles, was sie auf Schulden finanziert hatten z.B. ihr Haus, ihr Auto und ihr Geschäft.“

Genau dieses System der US-Finanzkapitalisten hat die EU legistisch und organisatorisch abgebildet, es ist seit 2004 in Kraft und es funktioniert.

Auf TKP habe ich über das Buch von David Rogers Webb in seinem Buch „DIE GROSSE ENTEIGNUNG“ hier berichtet. Später habe ich dann gezeigt, wie dieses finanzkapitalistische Enteignungsschema für die Kriegsfinanzierung genutzt werden kann.

Die moderne Enteignung durch die EU zur Kriegsführung

Webb erläutert in seinem Buch, wie der gleiche Mechanismus wie 1933 in den USA heute in der EU funktioniert. Dazu muss man sich vor Augen halten, wie insbesondere nach dem Platzen der Dotcom-Blase eine ungeheure Ausweitung der Geldmenge in den folgenden Jahren und den diversen Krisen 2007-2008 und seit 2020 erfolgte. Der Handel mit Finanzderivaten hat mittlerweile verrückte Ausmaße angenommen.

Webb zeigt, wie schon 2011 die gesamte Wertschöpfung aller Länder der Welt 74 Billionen Dollar betrug, die alleine von der Derivat-Handelstochter von JPMorgan gehaltenen Derivate aber bereits auf 79 Billionen Dollar gerechnet nach den Nominalwerten angewachsen waren. Derivate sind im Grunde genommen nichts anderes als Wetten auf zukünftige Ereignisse. Man wettet etwa, dass im Mai 2025 Strom einen bestimmten Preis haben wird. Je nachdem wie er dann tatsächlich ist, gewinnt oder verliert man. Die Derivate werden natürlich mit riesigen Umsätzen an den Weltbörsen gehandelt.

Besichert werden diese, im Grunde genommen, Luftgeschäfte jenseits jeglicher realer Wirtschaft durch die Bankeinlagen von Kunden – Geld und Wertpapiere. Ausgehend von den USA wurden weltweit die rechtlichen Grundlagen nach dem Jahr 2000 so geändert, dass alle Finanzinstitute die Besicherung solcher Derivatgeschäfte mit den Einlagen ihrer Kunden durchführen dürfen. Die EU hat diesen Rechtsrahmen bereits 2004 übernommen, der nun für die Kriegskredite herangezogen wird.

Die Wertpapiere werden gepoolt von zentralen Finanzinstitutionen, den so genannten Central Securities Depositories, gehalten und können gesetzlich gedeckt in Sekundenschnelle über Ländergrenzen hinweg bewegt werden, zum Beispiel zur Besicherung der Derivate bei JPMorgan. Das wird bewerkstelligt durch die Central Clearing Counterparties.

Der Witz ist nun der, dass die Sicherungsnehmer, also die, die diese Derivate halten, im Falle eines Crashes bevorzugt behandelt werden. Platzt die riesige Finanzblase, so verlieren wir unser Geld und unsere Wertpapiere. Die Zentralbanken übernehmen aber die Schulden bei den geschlossenen Banken und können damit die Schuldner enteignen. „Ihr werdet nichts besitzen ….“. Aber vermutlich ziemlich zornig sein.

Leseempfehlung: David Rogers Webb: Die Große Enteignung – The Great Taking

Polish presidency of the Council of the EU 2025, Public domain, via Wikimedia Commons

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8 Kommentare

  1. Jurgen 12. Juni 2025 um 19:35 Uhr - Antworten

    Die Rentenkasse ist tot. Es lebe das physische Edelmetall Sparen, das Bargeld der Zukunft.

  2. Peter-Schmidt-News 12. Juni 2025 um 8:48 Uhr - Antworten

    Wie sollen denn Menschen, die nicht genug Netto verdienen, noch zusätzlich für die Rente Geld anlegen?
    Das Rentenproblem lösen:
    •Die zweckentfremdet entnommenen Gelder in die Rentenkasse zurückzahlen.
    •Dann: Neues Rentensystem, bei dem alle für ihre eigene Rente einzahlen und dieses angelegte Geld plus Zinsen zurückerhalten.
    •Steuergelder, die jetzt schon zur Unterstützung der Renten bezahlt werden müssen, nicht zweckentfremdet ausgeben!
    Beispiel: 5 % des BIP für Rüstungsausgaben entsprechen etwa 44 % des deutschen Bundeshaushalts. Geld für Renten, Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Sozialsystem.
    Eine Billion [1.000.000.000.000 €] neue Schulden NICHT machen! Denn eine Billion kostet [selbst ohne Tilgung] bei 2 % Zinsen 20 Milliarden [20.000.000.000€] Zinsen JÄHRLICH. Geld für Renten, Krankenhäuser, Schulen, Straßen, Sozialsystem.

  3. Daisy 11. Juni 2025 um 12:58 Uhr - Antworten

    Sie wollen also an die Ersparnisse der Alten heran. Sie sollen Kriegsanleihen o.Ä. kaufen, denn das ist ein txdsicheres Geschäft. Große Gewinne sind möglich. Wie widerlich!

    Für die gigantischen Schulden sucht man nun private „Investoren“. Mörz hat ja auch schon geschwärmt, wieviel die Leute auf der hohen Kante hätten. Dabei brachte er zum Ausdruck, dass das ja niemand braucht. Der Staat hingegen wisse schon, was Sinnvolles mit dem vielen Geld der Sparer anzufangen. Dieses Geld liege ja brach. Da gehen sich noch weitere Billionen an Schulden aus. Und dass wir durch Russland bedroht werden, ist ja ein ganz dringender Notfall. Es gibt aber auch viele andere Krisen….neuerdings zB 26° in Deutschland…
    Ab 26 Grad: Hitzefrei am Arbeitsplatz und gratis Sonnencreme!
    Der Chef der Linkspartei, Jan van Aken, will mehr Schutz für Arbeitnehmer bei Hitze. Etwa die Verkürzung der Arbeitszeit je nach Temperatur.“

  4. Anna 11. Juni 2025 um 11:46 Uhr - Antworten

    Na mich soll einer ansprechen !!!!

  5. Daisy 11. Juni 2025 um 11:39 Uhr - Antworten

    Naja, das sind die Keilermethoden. Ich werde auch oft von der Bank belästigt, ich solle mir doch Aktien kaufen, Fondssparen. Aber die können mich kreuzweise. Einmal hat eine neue Beraterin mir eine Mail geschickt, ich solle doch unterschreiben, dass ich mit der Datenverwertung einverstanden bin. Aber natürlich nicht so direkt, sondern sie habe festgestellt, dass ich das noch nicht habe und Bla. Ich rief sie an und fragte sie mit ruhiger Stimme: Wozu brauche ich das? Was habe ich davon? Ich wusste natürlich Bescheid. Sie stammelte, dann könne sie mir Angebote usw. schicken. Sie mailen mir sowieso schon, sagte ich. Sie schwieg…

    Sie darf das aber nur zu Mitteilungszwecken. Dann sagte sie, ich solle halt die Kästchen nicht ankreuzeln und ihr das unterschriebene Formular schicken. Ich sagte, wozu soll ich das tun, wenn ich es eh nicht brauche? Arg. Die hätte es dann im Nachhinein ausgefüllt. Das sind die Methoden der Bank. Und die EU macht sich jetzt auch an die Leute, die nur normal sparen und keine Aktien haben wollen – widerlich! Denn auf die anderen Formen der Veranlagung hätten sie dann Zugriff…Sie wollen auf mein Risiko mit meinem Geld spekulieren. Niemals! Dabei sind die Verluste dann noch höher als durch die unverschämt niedrigen Zinsen.

    Einmal schickte sie mir eine Einladung und tat dabei so, als wäre es ganz was Dringendes und ich müsse unbedingt kommen, gerade so, als schriebe das Gesetz jetzt etwas vor. Ich fragte, was sie wolle. Es ginge um die Zinsen, meinte sie kryptisch. Wie ich Zinsen bekomme, weiß ich eh selbst, antwortete ich. Prinzipiell, sagte ich zu ihr, wenn ich was brauche, informiere ich mich selbst oder frage dann… Seither ist Ruhe.
    Früher mal wurde ich jeden Tag angerufen von irgendeinder Werbefirma, die von der Bank damit beauftragt war. Ich hab die sich ândernde Nummer immer wieder blockiert. Dann habe ich meine Nummer geändert und ein Schutztäschchen für mein Handy besorgt. Volksbank…

    Also wird das jeder wieder zunehmen, dass man von den EU-Keilern belästigt wird. Nun, einfach ignorieren…

    • Daisy 11. Juni 2025 um 12:00 Uhr - Antworten

      Jo, und Schulden habe ich auch keine. Ich bin eine harte Nuss :-)
      Ich ka

  6. W. Baehring 11. Juni 2025 um 11:16 Uhr - Antworten

    Zitat: “ Margarida Marques Albuquerque hob einen wichtigen Aspekt der bevorstehenden Strategie der EU für eine Spar- und Investitionsunion (SIU) hervor, die sicherstellen soll, dass ältere Menschen Investitionen und Sparmöglichkeiten verstehen … die Europäische Union müsse auch Senioren berücksichtigen, von denen viele ohne die notwendigen Kenntnisse für die Verwaltung ihrer Ersparnisse in den Ruhestand gehen“.

    Was fabuliert diese Dame denn da?

    Wenn ältere Menschen nicht spätestens zum BEGINN ihrer Rentenzeit ihr „Schäflein ins Trockene gebracht“ haben, brauchen sie danach auch keine „Investitionen und Sparmöglichkeiten (mehr) verstehen“, weil die verbleibenden Laufzeiten (allein auf Grund der „überschaubaren“ Restlebenszeit) bei erneuten einigermaßen sicheren Investitionen und anderen Anlagemöglichkeiten keine Aussicht mehr auf lohnende Erträge bieten, die die Senioren noch selbst nutzen können.
    Die Senioren haben also, wenn sie in den Ruhestand gehen, nicht mehr das Ziel, ihre DAVOR erzielten Ersparnisse zu „verwalten“ oder gar mit unsicheren Geldgeschäften noch weiter zu vermehren, sondern diese (falls sie schlau sind) für einen schönen Lebensabend selbst zu verbrauchen.
    Denn im Grab nützen sie ihnen auch nichts mehr!

    • Patient Null 11. Juni 2025 um 11:44 Uhr - Antworten

      Korrekt. Man weiß man wird den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen (und in Aufrüstung stecken) und versucht jetzt den Leuten den schwarzen Peter zuzuschieben. Lieber Bürger, jetzt wo wir deine Rente verjubeln musst du auch mehr vorsorgen.

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