Gegen Drogenhandel: Frankreich diskutiert Abschaffung von Bargeld

30. Mai 2025von 2,7 Minuten Lesezeit

Das französische Justizministerium sorgt mit einem Vorschlag für Aufsehen: Um Kriminalität und Drogenhandel zu bekämpfen, könnte man das Bargeld abschaffen. 

Niemand hat die Absicht, Bargeld abzuschaffen – das wird von offiziellen Stellen immer wieder beteuert. Doch viele glauben diesem Bekenntnis nicht. Das liegt auch daran, dass einige Politiker immer wieder in eine andere Richtung drängen. Diesmal sorgt der französische Justizminister für Aufregung, indem er ein Verbot von Bargeld vorschlägt.

Neue Zeit

Justizminister Gérald Darmanin, ein enger Vertrauter von Präsident Macron und als Hardliner bekannt, war zuvor bereits Innenminister. Nun hat er einen Vorschlag vorgelegt, um den Drogenhandel zu bekämpfen – durch ein Verbot von Bargeld.

Der Plan wurde bei einer Senatsanhörung am 22. Mai vorgestellt. Darmanin erklärte: „Wie können wir den Drogenhandel in unseren Vierteln stoppen? Es gibt eine recht einfache Maßnahme: Das Ende des Bargelds wird die Einrichtung von Drogenumschlagplätzen verhindern.“

Durch die Abschaffung von Bargeld soll der Schwarzmarkt radikal bekämpft werden, so Darmanin. Der umstrittene Justizminister, der durch eine Reihe von Skandalen bekannt ist, liefert damit – absichtlich oder nicht – ein Drehbuch zur Bargeldabschaffung, vor dem Kritiker seit Jahren warnen. Indem politisch der Kampf gegen Kriminalität und Geldwäsche betont wird, würde ein solches Verbot massiv in die persönliche Freiheit und die finanzielle Privatsphäre jedes Einzelnen eingreifen – ob Krimineller oder nicht.

Es ist offensichtlich, dass nur Bargeld es ermöglicht, Zahlungen, Spenden oder Käufe ohne digitale Spuren zu tätigen. Auch Kryptowährungen (mit Ausnahme der besonders verschlüsselten Währung „Monero“) hinterlassen digitale Fußabdrücke auf der Blockchain. Kartenzahlungen und digitale Zentralbankwährungen tun dies erst recht.

Die Datenschutzorganisation Reclaim the Net fasst zusammen, was eine Bargeldabschaffung bedeuten würde:

Die Abschaffung dieser Möglichkeit würde eine Ära einleiten, in der jede wirtschaftliche Handlung verfolgt, protokolliert und potenziell von staatlichen Institutionen sowie privaten Unternehmen analysiert werden kann.

Befürworter einer bargeldlosen Zukunft stellen dies oft als logischen Schritt hin zu mehr Effizienz und Sicherheit dar. Dabei wird jedoch übersehen, was auf dem Spiel steht: das Recht, grundlegende Transaktionen durchzuführen, ohne überwacht zu werden. Wenn jeder Kaffeekauf, jeder Besuch in einer Buchhandlung oder jede Spende für wohltätige Zwecke über ein digitales System abgewickelt werden muss, entsteht ein detailliertes Profil über das Leben einer Person. In den falschen Händen können diese Daten nicht nur für Marketing oder Finanzprofilierung genutzt werden, sondern auch für tiefgreifende soziale Kontrolle.

Anders als in Skandinavien ist Bargeld in Frankreich weiterhin ein fester Bestandteil der Gesellschaft. Laut EZB wurden im vergangenen Jahr 43 Prozent aller Transaktionen in Frankreich mit Bargeld durchgeführt. Dabei geht es nicht um Nostalgie. Viele Bürger nutzen bewusst häufig oder ausschließlich Bargeld, um ihre Autonomie zu schützen, weniger digitale Spuren zu hinterlassen oder ihre Ausgaben besser zu kontrollieren. Bargeld ist letztlich ein Mittel, um der Überwachung zu entgehen, die sich in viele Bereiche des täglichen Lebens eingeschlichen hat.

Bild „Paris – Latin Quarter – Eric Kayser Boulangerie – croissants“ by wallyg is licensed under CC BY-NC-ND 2.0.

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7 Kommentare

  1. Jurgen 1. Juni 2025 um 12:44 Uhr - Antworten

    Das Bargeld kann man niemals verbieten, die eh fast wertlosen Euro-Scheine ohne Gegenpartei vielleicht schon, aber echtes Bargeld mit inhärentem Wert sind nun mal nur die Edelmetalle, die jeder in seinem Besitz haben sollte…

  2. rudifluegl 30. Mai 2025 um 22:25 Uhr - Antworten

    Na hoffentlich kommen die Abhängigen nicht drauf, Leute zu entführen, die bargeldloses Potential aufweisen und neben den Pc`s mittels Daumenschrauben ihre notwendigsten Bedürfnisse befriedigen lassen. Süchtige sind im übrigen Kranke und bedürfen der Hilfe! Auch zur Selbsthilfe!!
    Eventuell etabliert sich dann noch ein Schwarzmarkt, wo die angebotenen geschraubten, von Spezialisten von weißer Folter, bei den Geheimdiensten, vor allem den westlichen gibt es bestimmt schon zu viele, jegliche Reste lukrieren können.
    Es kann gar nicht genügend vorgedacht werden, was „unsere“ repräsentantesten Denker durch Nachdenken noch alles verursachen werden.
    Ich darf gar nicht schreiben was mir so an erpresserisch lukrativer Sabotage so alles einfiele.
    Es soll ja Leute geben, die die Sicherheitslücken, die eh immer mehr werden, testen.
    Bitte Angebote der Nsa, etc. direkt an mich ! Vielen Dank!

    • rudifluegl 30. Mai 2025 um 22:27 Uhr - Antworten

      …von angebotenen geschr…..

  3. Jan 30. Mai 2025 um 17:44 Uhr - Antworten

    Ich bin sicher, die große Mehrheit, einschließlich aller Senioren, die ja nichts anderes kennen als Bargeld, werden jetzt schreiend auf dem Ballhausplatz demonstrieren, und krächzen, dass sie ja nicht Rräächtss!! wären.

  4. local.man 30. Mai 2025 um 17:26 Uhr - Antworten

    gähn
    Die alte Leier wieder…
    Fällt diesen Leuten denn kein neuer Trick ein für ihr Verbrechen?
    Und selbst wenn es gegen Drogenhandel geht, dann lässt sich die restliche Menschheit der nicht Drogenhändler, was wohl sogut wie alle sein werden, nicht deswegen ihre Kohle abnehmen und ersetzen durch die totale Kontrolle. Wobei, im Grunde sind wir ja eh nur moderne Sklaven mit etwas Auslauf.

    • Jurgen 1. Juni 2025 um 12:49 Uhr - Antworten

      Nö, ganz im Gegenteil, wir sind Treuhänder einer juristischen Person, der es erlaubt wurde per Hoheitsrecht (Kirchenrecht) Besitz zu haben. Aber, ob die Eltern den Menschen per Geburtsurkunde an das „System“ verkauft haben (und dazu noch umsonst) ist leider nicht mehr so einfach überprüfbar…

  5. Stunning Greenhorn 30. Mai 2025 um 15:55 Uhr - Antworten

    Würde es dann nicht genügen, ein paar Dutzend Politikern, Polizei- und Geheimdienstoffizieren das Bargeld zu verbieten? Die Durchschnittsbevölkerung nimmt weder am Handel noch am Konsum von Drogen teil. Die »Maßnahme« (es wird an niemandem Maß genommen, sondern allen das Gleiche übergezogen) trifft wieder ‚mal nicht die Richtigen, aber damit haben wir auch nicht gerechnet.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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