Tatort Vergangenheit

20. Mai 2025von 5,3 Minuten Lesezeit

Fake News als Machtinstrument ist zu unseren täglichen Kost geworden. Ist jedoch eine Fake Past weniger problematisch?

Glaubt man der Recherche von Suchmaschinen, dann scheint dies so zu sein: „Fake Past“ generiert keine Treffer. Nun erleben wir aber ständig, dass Fake News zur Fake Past von morgen werden und der Fake News von morgen den Boden bereiten. Wer die Waldbrände von Kalifornien als Naturkatastrophe verbucht hat, der glaubt leichter den nächsten Starkregen als Folge eines Klimawandels. Es ist also Vorsicht vor jeder Geschichtserzählung geboten. In meinem aktuellen Buch Tatort Vergangenheit“ (Engelsdorfer Verlag) versuche ich die Frage zu beantworten: Was ist, wenn wir schon seit Jahrhunderten belogen werden?

Wir leben in der Illusion, über unsere Geschichte weitgehend Bescheid zu wissen. So, wie wir glauben, die Gegenwart einschätzen zu können. Schulbücher und voluminöse Geschichtswerke erwecken mit zahlreichen Details und Verweisen auf frühere Chronisten den Eindruck, die Zeiten, die hinter uns liegen, seien einigermaßen bekannt: die Denker der griechischen Antike, die kampfestüchtigen Römer, dann Kaiser und Päpste, die Französische Revolution und natürlich die beiden Weltkriege. Im Gegensatz zur mündlichen Tradition einer Vergangenheitsbewältigung gaukelt uns Geschriebenes Authentizität vor. Besonders wenn Texte noch reich bebildert sind.

Wir sollten uns allerdings vor falscher Sicherheit hüten. Kaum einer der angeblichen Zeitzeugen war bei den Ereignissen zugegen, die er mitteilt. Und wenn, dann hatte er bei seinen Beobachtungen und Nacherzählungen neben eigener Befangenheit meist noch einen Auftrag zu erfüllen.

Vor der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine Fotografien. Und als es sie gab, waren sie wegen der langen Belichtungszeiten jahrzehntelang gestellt. Erst ab Ende des 19. Jahrhundert konnten Momente der Gegenwart als Schnappschüsse eingefroren werden. Mit der Scheinwelt von Computeranimationen und Echtzeitvideos drohen wir spätestens seit 9/11 wieder in einer Zeit zu versinken, in der man jedem Bild misstrauen muss.

Seit wir mit „Covid-19“ sehen, wie die gelebte und die archivierte Zeit auseindanderklaffen, sollten wir hinsichtlich jeder Geschichtserzählung misstrauisch sein. Was ist, wenn damals oder in späterer Zeit eine Fake Past zusammengezimmert wurde? Nicht nur Originalschriften antiker Dichter und Denker werden vermisst. Die Ausstattung der Mondlandungen ist genauso abgängig wie die Reste der Türme des World Trade Centers oder der behaupteten Attentatsflugzeuge von 9/11. Entscheidendes fehlt gerne. Zeigen Museen wirklich Authentisches wie den Wagen des österreichischen Thronfolgerehepaars von Sarajewo, handelt es sich vorzugsweise um Requisiten inszenierter Ereignisse, die nur scheinbar Geschehnisse plausibel machen.

Es muss kein Blut geflossen sein, damit Vergangenheit zum Tatort wird. Die Täter benutzten Tinte und Feder, um Geschichten und Personen in die Welt zu setzen. Wir sind die Opfer, wenn uns Schulbücher und Geschichtswerke vorgaukeln, die Vergangenheit zu kennen. Lügen, die wir glauben, verwandeln sich in „Wahrheiten“, mit denen wir leben.

Die Mächtigen einer Zeit steuern die Zukunft über die Wahrnehmung der Vergangenheit: “Wer die Gegenwart kontrolliert, kontrolliert die Vergangenheit. Wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert die Zukunft.“ (George Orwell) Die Gegenwart ist zu flüchtig, um die Zukunft vorherzubestimmen, die die wirklichen Risiken für uns alle bereithält. Wir erhaschen den Wimpernschlag der Gegenwart gerade in dem Moment, da die auf uns zu eilende Zukunft im Nebel der Vergangenheit verschwindet. Es sind die Ereignisse, die hinter uns liegen, die die Schlüssel für die Zukunft beinhalten.

Damit unsere Vergangenheit das Kommende im Interesse der Machthaber prägen kann, muss die Geschichte so erinnert werden, dass diese sich reimen oder nachhallen kann. Nur wenn unser Gedächtnis die vorbeihuschende Gegenwart irgendwie bestätigt, sind wir bereit, Entwicklungen ohne Widerstand zu akzeptieren. Selbst Verschlechterungen werden von der Bevölkerung toleriert, falls das kollektive Gedächtnis eine Erinnerung vorspiegelt. Europa konnte sich zum Hotspot der „Covid“-Gläubigen und Impfopfer verwandeln, weil vermeintliche Erinnerungen an eine „Spanische Grippe“ und europaweite „Pest“-Ereignisse vorgeprägt waren. Kämen tatsächliche Geschehnisse statt Narrative zu ihrem Recht, würden Fakten statt handlungsmächtiger Personen die Welt bestimmen.

Die Antike gilt zu Unrecht als unantastbar. Allerdings erst, seit die lateinische Westkirche im 14. Jahrhundert fest im Sattel saß. Seither wird uns eingehämmert, das Licht der Erkenntnis käme aus dem Osten und unsere Zivilisation aus dem Süden. Ein Fragezeichen hinter diesen vermeintlichen Grundtatsachen qualifizierte bereits für den Ketzerstatus. Heute droht zwar nicht mehr der Scheiterhaufen, dafür ist die Diffamierung als „Geschichtsleugner“ oder „Geschichtsrevisionist“ und die Verbannung aus den Bibliotheken garantiert.

Aber woher stammt die Sicherheit, die Vergangenheit hätte sich so zugetragen, wie es die Lehrstühle verkünden? Viele Zeugnisse unserer Vergangenheit tauchten erst in der Renaissance auf, als sie gebraucht wurden. Unsere Geschichte ist ein Labyrinth von Kopien fraglicher Herkunft. Es fehlen Originalschriften, die älter als etwa 1000 Jahre sind. Das meiste davon soll innerhalb weniger Jahrzehnte von einer Handvoll Personen an ungewöhnlichen Orten oder über unbenannte Mittelsmänner aufgespürt worden sein. Nichts wurde dort gefunden, wo sich die Ereignisse abgespielt hätten. Die Abschriften, die der gesamten Antike zugerechnet werden, passen in einen einzigen Bücherschrank.

Alle naturwissenschaftlichen Materialdatierungen beinhalten für präzise Altersbestimmungen zu viele Fehlerquellen und zu große Schwankungsbreiten. Ereignisse, die länger als ein Jahrtausend zurückliegen, sind mehr Mutmaßungen als Fakten. Wir wissen nicht einmal definitiv, ob die Zeit, um die es geht, ganze 2000 Jahre oder vielleicht einige Jahrhunderte weniger zurückliegt. Der Zeitstrahl, auf dem wir fest zu sitzen glauben, ist alles andere als astronomisch und historisch-kritisch evidenzbasiert. Wer jedoch weiß, wie unsere Vergangenheit manipuliert wurde, kann daraus ableiten, was kommt. In „Tatort Vergangenheit“ ist zu lesen, wie eine Fake Past unsere Zukunft diktiert.

Tatort Vergangenheit – Wie eine Fake Past unsere Zukunft diktiert


Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten spiegeln nicht unbedingt die Ansichten der fixen Autoren von TKP wider. Rechte und inhaltliche Verantwortung liegen beim Autor.

Dr. med. Gerd Reuther ist Radiologe, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Er hat 8 Bücher veröffentlicht. Darunter „Hauptsache Panik. Eine neuer Blick auf Pandemien in Europa“, „Heilung Nebensache. Eine kritische Geschichte der europäischen Medizin“, „Hauptsache krank?“ und „Tatort Vergangenheit


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5 Kommentare

  1. therMOnukular 21. Mai 2025 um 2:10 Uhr - Antworten

    Warum nur muss ich da an die Konstantinische Schenkung denken?….;))

  2. Fritz Madersbacher 20. Mai 2025 um 20:44 Uhr - Antworten

    „Wir leben in der Illusion, über unsere Geschichte weitgehend Bescheid zu wissen. So, wie wir glauben, die Gegenwart einschätzen zu können. Schulbücher und voluminöse Geschichtswerke erwecken mit zahlreichen Details und Verweisen auf frühere Chronisten den Eindruck, die Zeiten, die hinter uns liegen, seien einigermaßen bekannt … Wir sollten uns allerdings vor falscher Sicherheit hüten“

    Oft war und ist die Vermittlung von Geschichte beschränkt auf Jahresdaten und „große/wichtige Persönlichkeiten“. Die dazu gelieferten Angaben mögen stimmen oder auch nicht, aber wissen wir damit schon Bescheid über unsere Geschichte? Wozu brauchen wir überhaupt Geschichtskenntnisse? Wir brauchen sie, um die Gegenwart einschätzen und beeinflussen zu können. Dazu genügt das Aneinanderreihen und Aufzählen von Einzelheiten und Details nicht, auch nicht das Fixieren auf Personen ohne Kenntnis der Hintergründe ihrer Handlungsweisen, ohne Kenntnis der zur jeweiligen Zeit wirksamen materiellen und ideellen Zusammenhänge.
    Wenn es uns gelingt, mit geschichtlichen Kenntnissen zu Einschätzungen der Gegenwart zu kommen, die sich als richtig erweisen, dann ist das ein Hinweis darauf, dass die miteinbezogenen geschichtlichen Erwägungen nicht ganz daneben liegen. Ein Problem dabei sind die ’self-fulfilling prophecies‘, die das Unpassende passend machen, um es in das festgefahrene Weltbild einordnen zu können …

  3. Varus 20. Mai 2025 um 12:34 Uhr - Antworten

    Europa konnte sich zum Hotspot der „Covid“-Gläubigen und Impfopfer verwandeln, weil vermeintliche Erinnerungen an eine „Spanische Grippe“ und europaweite „Pest“-Ereignisse vorgeprägt waren.

    Diese Epidemien gab es wohl tatsächlich, allerdings mit einer Sterblichkeit von etwa 5% bei Spanischer Grippe und bis zu 1/3 der Gesamtbevölkerung bei der Pest in einzelnen Pandemien – nicht bloß 0,23% der Infizierten, welches Ergebnis einer Corona-Studie recht schnell bekannt wurde. Zumindest jenen, die nicht bloß blind hysterisieren wollten.

    Im Londoner Urlaub im März habe ich entdeckt – am Themse-Ufer wurde ein „Nationaldenkmal der COVID-Opfer“ mit Tausenden Fotos eingerichtet. Es gibt aber WEIT mehr Krebs-Todesfälle – wo sind Nationaldenkmäler der Krebs-Opfer?

    Mit anderen Worten – theoretisch ist das Wissen da, dennoch wird hysterisiert gegen jede Vernunft.

  4. Ogmios 20. Mai 2025 um 9:22 Uhr - Antworten

    Ich warne schon lange davor, etwas als „Wahrheit“ hinzunehmen, was man auf Bildern, Videos und Tonaufnahmen sieht und/oder hört. Auch „Liveübertragungen“ kann man in Zeiten von Echtzeitvideobearbeitung (Unreal Engine 5) nicht vertrauen.

    Ob die menschliche Geschichte so stattfand, wie sie dargestellt wird, zweifle ich mittlerweile auch länger an, dafür gibt es zu viele Ungereimtheiten. Und es ist nun einmal ein Fakt: Der Sieger schreibt die Geschichte.
    Schon alleine was ich während des Geschichtsunterrichts bis 2000 lernte, differenziert sich zum heutigen Unterricht, speziell um die Geschehnisse bevor, während und nach den 1. Wk und 2. Wk.

    Aber es ist eine Tatsache, dass die Menschen verdammt dazu sind, die Geschichte zu wiederholen, wenn sie nicht bereit sind, daraus zu lernen. Ich sehe in den aktuellen Geschehnisse sehr viele Parallelen zu den Geschehnissen im Zuge des 1. und 2. Wk, ganz besonders was Deutschland betrifft.

    Auch, das die UNO unfähig ist, wie einst der Völkerbund auch.
    Die Menschen stecken einfach in einer „Zeitschleife“ fest und nur ein generelles Umdenken befreit sie davon.

  5. Gabriele 20. Mai 2025 um 9:04 Uhr - Antworten

    Eigentlich logisch, denn Geschichtsfälschung war bekanntlich schon im Mittelalter üblich – die ganzen Privilegien der Kaiser, Könige und Herzöge mit ihren fetten Wachstafeln als Punzierung waren nicht selten pure Erfindungen, um sich Land, Ehre und Titel zu verschaffen. Und sogar Karl der Große hat sich die Krone selber aufs Haupt gesetzt – der Papst durfte nur zuschauen…
    Vielleicht leben wir insofern wirklich in einer Matrix und kapieren es bloß nicht.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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