Schock in Kiew: Reaktionen auf das Ende der US-Militärhilfen

4. März 2025von 3,5 Minuten Lesezeit

Nach dem Stopp der US-Militärhilfen für die Ukraine, bröckelt die nationale Einheit in Kiew. Die Kritik an Selenski wird lauter. 

Washington hat den radikalen Kurswechsel in der Ukraine-Politik nun tatsächlich wahr gemacht. Die Waffenlieferungen an die Ukraine sind eingestellt, auch solche die bereits im Transit und sich etwa in Polen befinden, gehen nicht mehr in die Ukraine. Damit steht die Ukraine vor einem de facto Ultimatum. Ändert sich an dieser Situation nichts, würde das Land in einigen Monaten kollabieren. Der Schock in Kiew sitzt tief.

Trump, der mindestens eine Entschuldigung aber wohl er den Rücktritt von Selenski will, setzt den obersten Kriegsherren damit massiv unter Druck. Unmittelbar ist kein Kollaps der ukrainischen Streitkräfte zu erwarten, aber für wie viele Monate das Rüstungsmaterial ausreicht, ist schwer zu sagen. Das liegt auch daran, wie intensiv Russland versucht, voranzuschreiten oder ob die EU es schafft, schneller Artilleriegranaten zu produzieren oder Material aus den USA kauft, um das dann via EU in die Ukraine zu bringen.

Zorn und Kritik an Selenski nehmen in der Ukraine jedenfalls zu. Alexander Fedijenko, ein Mitglied der Selenski-Partei „Diener des Volkes“, reagierte mit Hilflosigkeit: „Wenn ich die Morgennachrichten lese, kommt mir nur in den Sinn, mich dringend zu einem Gebetsfrühstück zu versammeln.“

Sein Kollege Max Buzhansky kritisierte seine Abgeordnetenkollegen, die während des Krieges an hochkarätigen Gipfeltreffen teilnahmen, anstatt sich mit der sich verschlechternden Lage der Ukraine zu befassen:

„Ich habe keine Beschwerden gegen die USA – sie handeln in ihrem eigenen Interesse, so wie sie es für richtig halten. Ich bin dankbar für all die Hilfe, die sie geleistet haben. Aber ich habe Fragen an die Abgeordneten, die in den letzten drei Jahren in Davos, Lausanne und bei endlosen ‚Gebetsfrühstücken‘ von einem Ohr zum anderen gelächelt haben. Worüber waren Sie so glücklich? Haben Sie nicht verstanden, was am 24. Februar passiert ist? Oder haben Sie sich so sehr gefreut, dass selbst dieser Tag Ihre Laune nicht trübte? Ich suche keine Sündenböcke, ich bin nur neugierig – lächeln Sie heute Morgen noch?“

In der Opposition klingt es anders. Oleksiy Goncharenko, der auch im Europarat sitzt, erklärte:

„Das ist eine Katastrophe. Und wir haben davor gewarnt, als die so genannte Führung sich mit der ‚Unabhängigkeit‘ der Ukraine und unserem ‚großen Führer‘ brüstete.“

Er fordert Selenski auf, bei Trump zu entschuldigen. Kiew solle sich an die politische Realität in Washington anpassen, anstatt wichtige Verbündete zu verärgern:

„Die Realität ist, dass Trump jetzt der Präsident der USA ist. Wir sind völlig abhängig von den USA. Wir müssen mit Trump zusammenarbeiten, nicht gegen ihn. Wir haben schon genug Feinde – wir sollten nicht auch noch unsere Freunde verlieren.“

Eine Parteikollegin, Iryna Heraschtschenko warnte, dass die Truppen an der Front die Konsequenzen zuerst spüren würden:

„Die Euphorie in den sozialen Medien verblasst, und die Realität sieht so aus, dass unser Militär als erstes unter dem Verlust der US-Hilfe leiden wird. Europa wird nicht in der Lage sein, die amerikanischen Lieferungen zu ersetzen. Auf dem Londoner Gipfeltreffen wurde klargestellt, dass weder die EU noch das Vereinigte Königreich zum jetzigen Zeitpunkt in der Lage sind, die gesamte Bandbreite der amerikanischen Militärhilfe zu leisten. Die ukrainische Führung hätte dies vorhersehen und entsprechend planen müssen.“

Dymtro Gnap, ein Journalist, der nun als Soldat für die Ukraine kämpft,

Dmytro Gnap, ein Journalist, der jetzt in den ukrainischen Streitkräften dient, machte Zelenskys gescheiterte Kontakte zu Trump für die Kürzung der Hilfe verantwortlich:

„Tolle Reise, würde ich sagen. Wie ein Beamter versprochen hat, werden die Ukrainer jetzt mit Schaufeln kämpfen. Nun ja, nicht alle – nur diejenigen, die das Pech hatten, von den Rekrutierern erwischt geworden zu sein“.

Ursula von der Leyen will jetzt den Platz der USA übernehmen, obwohl schon am Gipfel in London am Sonntag erklärt wurde, dass ohne die USA nichts geht. 800 Milliarden sollen innerhalb der EU bald in Aufrüstung investiert werden.


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11 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer 5. März 2025 um 0:27 Uhr - Antworten

    Sie wissen, dass Trump weis:

    Washington Post lüftet den Schleier über den seit 2014 geführten Schattenkrieg der CIA gegen Russland
    Von Jeremy Kuzmarov
    2023_11_01
    https://covertactionmagazine.com/2023/11/01/washington-post-lifts-the-veil-on-cias-shadow-war-against-russia-waged-since-2014/

    The Spy War: How the C.I.A. Secretly Helps Ukraine Fight Putin – The New York Times
    2024_02_25
    https://www.nytimes.com/2024/02/25/world/europe/cia-ukraine-intelligence-russia-war.html
    Übersetzung
    https://uncutnews.ch/bestaetigt-cia-baute-12-geheime-spionagebasen-in-der-ukraine-und-fuehrte-im-letzten-jahrzehnt-einen-schattenkrieg/

    Die New York Times gab bekannt, dass die CIA in der Ukraine „zwölf geheime Spionagebasen“ errichtet und damit im letzten Jahrzehnt einen Schattenkrieg gegen Russland geführt habe.
    Von den USA unterstützter gewaltsamer Putsch die demokratisch gewählte…
    https://t.co/mLhxLebGWI

  2. Glass Steagall Act 4. März 2025 um 14:53 Uhr - Antworten

    Da werden jetzt die Waffenschieber in der Ukraine ganz traurig sein, wenn sie nichts mehr in alle Welt verkaufen können!

    • Varus 4. März 2025 um 15:24 Uhr - Antworten

      Die müssen halt von Waffen auf Kinder umstellen – falls dort der Wettbewerb nicht zu hart wird, so viele Gangs sich schon jetzt dort tummeln: https://uncutnews.ch/ukraine-hat-ein-lukratives-geschaeft-mit-dem-verkauf-von-kindern-aufgebaut/

      • Glass Steagall Act 4. März 2025 um 19:53 Uhr

        Der Wahnsinn nimmt einfach kein Ende.

        Ich würde die Ukraine unter russischer Verwaltung zwingen, bei alldem korrupten Zeugs, was dort geschieht. Und alle europäischen Kriegsbefürworter incl. Selenski müssten dort zur Zwangsarbeit für die nächsten 5 Jahre verpflichtet werden!

  3. Sting2 4. März 2025 um 13:04 Uhr - Antworten

    Europa in heller Aufregung: Übernehmen USA die Nord Streams?

    Die „Financial Times“ berichtete über angebliche Pläne von Investoren aus den USA, die Nord Stream 2 AG und damit die Kontrolle über russische Gaslieferungen in die EU zu übernehmen

    Verkauf von Nordstram an die Amerikaner? Aber natürlich.

    Die Europäer haben ihre Chance gehabt. Scholz stand neben Biden als der die Zerstörung ankündigte wie ein kleiner Junge und hatte es stillschweigend akzeptiert.

    Die Grünen werden nicht müde, sich dieser notwendigen günstigen Energie zuverweigern. Die Roten auch.

    Merz ist auch nicht schlauer. Lasst doch unsere Wirtschaft untergehen.

    Wenn sie gerne teurere Energie aus Russland vom Amerikaner kaufen möchten- dem spricht nichts entgegen.

  4. Sting2 4. März 2025 um 12:53 Uhr - Antworten

    Nur noch Geisteskranke am Werk? Die neuen Schulden-Billionen von heute sind die Zusatz-Steuern von morgen!

    https://opposition24.com/politik/nur-noch-geisteskranke-am-werk-die-neuen-schulden-billionen-von-heute-sind-die-zusatz-steuern-von-morgen/

    von Hans Egeler I Mit Friedrich Merz als Kanzleranwärter tritt der alte Hochfinanz-Jongleur hervor, der er früher war.

    Das Herumschmeißen mit Tausenden Milliarden, die man nicht hat, war seine frühere Profession.

    Der neueste Merz-Plan, zusätzlich zu der beispiellosen Spitzenverschuldung der abgewrackten Ampel noch einmal rund 900 Milliarden Euro neue Schulden aufzunehmen, kann nur als geisteskrank bezeichnet werden.

    Die US-Amerikaner steigen aus dem von Anfang an verlorenen Ukrainekrieg aus.

    Anschließend kann sich Deutschland tot zahlen und wird den Kriegsverlauf nicht ändern.

    Also Schluss mit der Ukraineverschuldung und Beendigung des unverantwortlichen Verheizens unserer Wirtschafts- und Lebensgrundlagen.

    Wir sind nicht dazu da, ein Weltschmarotzer- und Kriegstreibertum über Endlosschulden durchzufüttern! ..ALLES LESEN !!

  5. Sting2 4. März 2025 um 12:15 Uhr - Antworten

    Scott Ritter: «Wir werden Merz und Deutschland zerstören und zu Feinden erklären!»

    https://unser-mitteleuropa.net/2025/03/02/2508/#comment-2941

    Merz hat sich in der Vergangenheit für einen noch härteren Kurs gegen Russland ausgesprochen und Kiew die Lieferung der Taurus Marschflugkörper zugesichert.

    Wohin steuert Deutschland unter Merz? Welche Perspektiven siehst Du für Deutschland nach der Wahl?

    Scott Ritter: Überhaupt keine! Ich sehe, wie die Regierung unter Merz innerhalb von sechs Monaten zusammenbricht, weil man versuchen wird, es mit den Vereinigten Staaten von Amerika in einer Angelegenheit aufzunehmen, die von ihr als kritisch für ihre nationale Sicherheit angesehen werde:

    Infolgedessen wird er [Merz] als Feind der Vereinigten Staaten von Amerika gelten.

    Wir werden ihn und Deutschland zerstören, indem wir sie zu unseren Feinden erklären. …ALLES LESEN !!

  6. Varus 4. März 2025 um 12:01 Uhr - Antworten

    Ursula von der Leyen will jetzt den Platz der USA übernehmen, obwohl schon am Gipfel in London am Sonntag erklärt wurde, dass ohne die USA nichts geht.

    Pepe Escobar sieht es optimistisch: https://uncutnews.ch/pepe-escobar-vom-donbass-bis-zum-suedlibanon-und-in-allen-brics-staaten-geht-es-um-widerstand/ „… Ohne einen einzigen Schritt zu machen, hat Putin, indem er einfach Sun Tzu spielte, Trump bereits dazu gebracht, den Akteur aus Kiew vor den Augen der ganzen Welt zu demütigen und die EU de facto auf den Müllhaufen der Geschichte zu verbannen. …“

    Noch existiert die EUdSSR (Viertes Reich) und wähnt sich als ein Super-Duper-Mega-Giga-Imperium, welches im Alleingang die Globale Kabale der übrigen Welt aufzwingen kann. Würde man nur die Untertanen hart genug abzocken.

  7. Varus 4. März 2025 um 11:56 Uhr - Antworten

    Die Waffenlieferungen an die Ukraine sind eingestellt, auch solche die bereits im Transit und sich etwa in Polen befinden, gehen nicht mehr in die Ukraine.

    Ich bin gespannt, ob die russische Armee jetzt schneller vorankommt. Beim bisherigen Tempo würde die afrikanische Kontinentalplatte eher Buntschland erreichen als die Russen – selbst wenn Putin dorthin wollte. Grotesk, dass der Michel dennoch mit dem Panikschrei „die Russen kommen!“ schlaflose Nächte verbringt.

    Ist Starlink endlich abgeschaltet? Werden keine Satellitenbilder mehr weitergegeben?

  8. Sting2 4. März 2025 um 11:45 Uhr - Antworten

    Die ganzen Jahre zuvor sind die Europäer blindlings zuletzt Obama und Biden in all ihre Kriege gefolgt, OHNE MORAL & GEWISSEN !!

    DER SPIEGEL schrieb 2016: Obama ist jetzt offiziell US-Kriegspräsident No. 1

    https://www.spiegel.de/panorama/krieg-barack-obama-ist-der-us-praesident-mit-den-meisten-kriegstagen-a-00000000-0003-0001-0000-000000567071

    Die USA führten unter der Regierung Obamas seit dessen Amtsantritt am 20. Januar 2009 bis zum 6. Mai insgesamt 2663 Tage Krieg in verschiedenen Ländern.

    Zuvor hielt Obamas Vorgänger George W. Bush mit 2662 Tagen den traurigen Rekord – vom Beginn des Afghanistankrieges am 7. Oktober 2001 bis zum Ende seiner Amtszeit im Januar 2009.

    UND: Kriege und Krisen haben Joe Bidens Amtszeit geprägt.

    Aber der scheidende US-Präsident sagt: Gegner und Konkurrenten haben ihre Ziele nicht erreicht, die USA stehen heute besser da.

    WIE PERVERS IST ES ANGESICHTS DIESER TATSACHEN SICH GEGEN DEN FRIEDLICHEN TRUMP ZU WEHREN UND WEITER KRIEG ZU WOLLEN ???

  9. Daisy 4. März 2025 um 11:25 Uhr - Antworten

    Interessant ist, dass auch Kanada und Australien zu den „Willigen“ gehören und „Friedenstruppen schicken wollen. Um sich neu formieren zu können, brauchen sie einen Waffenstillstand. Natürlich hat Putin das durchschaut.

    Aber ich finde es auch interessant, dass das nun alle WEF-Marionetten sind. Das bedeutet, auch hinter der gruseligen völlig identen Botschaft an Selenski, die wohl von Bots gekommen ist, steckt das WEF. Und, was Trump wissen sollte, Meloni spielt falsch….
    https://www.foxnews.com/politics/european-leaders-flamed-creepy-pro-zelenskyy-posts-read-exactly-same

    Da Selenski keinen Frieden will, sollte er zurücktreten. Sollte er sich erneut bei Trump einschleimen wollen, würde ich ihm nicht vertrauen, aber das sowieso nicht. Das wird nichts mehr. Weiters wäre es sinnvoll, wenn Musk Starlink endlich abschaltet. Das beschleunigte auch das Kriegsende. Kiew muss einsehen, dass es verloren hat. Die Provokationen gingen nur so lange „gut“, solange es die amerikanische Unterstützung dafür gab. Mit den WEF-Marionetten wird ein WK daraus. Trump hat absolut recht. Er spielt mit dem 3. WK.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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