Demonstrationen, über die keiner spricht

13. Januar 2025von 3,3 Minuten Lesezeit

Hunderttausende Menschen gingen am Wochenende in Rumänien und in Taiwan auf die Straßen. Was die Demos gemeinsam haben: Im Westen wird über beide Proteste kaum berichtet.

Stellen Sie sich vor, 150.000 Menschen würden in Taipeh gegen die Wiedereingliederung der Insel durch China protestieren: Die Proteste würden Schlagzeilen machen. Doch am Wochenende haben tatsächlich mehr als 100.000 Menschen in Taipeh protestiert. Der Unterschied: Der Protest richtete sich gegen die prowestliche Regierung.

Taiwan

Die „demokratische Fortschrittspartei“, die sich für einen taiwanesischen Separatismus einsetzt, wird immer unbeliebter. Sucht man nach Berichten im Westen über Proteste in Taiwan, findet man nur Berichte vom Mai 2024. Einzelne Bürgerjournalisten sprachen von 150.000 Menschen auf den Straßen. Einer der Teilnehmer schreibt: „Wir mögen aus unterschiedlichen politischen Lagern kommen, aber wir sind vereint gegen die Missachtung der Rechtsstaatlichkeit und Demokratie durch die Regierung Lai Ching-te, die sie in den ausländischen Medien ständig anpreist.“

Die Proteste richteten sich vor allem gegen die politische Hexenjagd auf politische die Gegner, die die Fortschrittspartei veranstaltet. Auch die Demonstranten, obwohl nicht alle pro-chinesisch, wird man als „Agenten der KP China“ bezeichnen.

Schauplatzwechsel: Bukarest, Rumänien.

Auch innerhalb des Westens, wenn auch an seiner Peripherie, kam es am Wochenende zu einer Großdemonstration: In Bukarest protestierten mehr als 100.000 Menschen gegen den Staatsstreich, der die Präsidentschaftswahl annullieren hat lassen und so das natokritische Lager von der Macht fernhält. Initiiert wurde die Demonstrationen von der AUR, der nationalistischen Partei, die Calin Georgescu unterstützt und bei der er früher Mitglied gewesen war.

Schon seit Wochen gibt es im ganzen Land Demonstrationen gegen die Annullierung des ersten Wahlgangs und der Absage der Stichwahl. Die Demo am Sonntag war der bisherige Höhepunkt der Protestbewegung. Immerhin: Anders als bei Taiwan findet sich die Demo in der Tagesschau zumindest als Randnotiz. Allerdings nicht, ohne Georgescu als „rechtsextrem“ und „prorussisch“ (der offensichtliche Widerspruch dabei egal) zu bezeichnen.

Auch Georgescu selbst äußerste sich via X zu den Protesten. Er schrieb unter anderem:

„Das rumänische Volk ist zu Bewusstsein gekommen und kämpft für das einzige würdige Prinzip der gesamten freien Welt: demokratische Wahlen und die Wiederaufnahme der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen (eine Runde, die vom rumänischen Verfassungsgericht missbräuchlich unterbrochen wurde).

Unabhängig davon, auf wessen Anweisung das Verfassungsgericht handelte, hat es erkannt, dass es den Willen des Volkes und den Willen Gottes nicht ändern kann!

Die Rumänen lassen es nicht zu, dass die politische Justiz und korrupte Politiker im Inland oder – was noch gefährlicher ist – auf internationaler Ebene einen Präzedenzfall schaffen, der die gesamte freie Welt früher oder später in die Diktatur zurücktreiben würde.

Die Wiederaufnahme der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen ist für die Korrupten die einzige Möglichkeit, das Volk und die heilige Demokratie um Vergebung zu bitten.“

Ein juristischer Einspruch Georgescus, die Wahl wieder anzuerkennen, wurde vom Obersten Gerichtshof bereits abgelehnt. Es wird damit gerechnet, dass er für die Wiederholung der Wahl nicht wieder zugelassen wird.

Taipeh und Bukarest: Zwei Protestbewegungen die unmittelbar nichts miteinander zutun haben. Und doch werden sie vom Westen höchst ungern erwähnt. Denn sie haben eines gemeinsam: Sie richten sich gegen das herrschende Narrativ der NATO-Politik.

Bild „protest“ by Matthias Rhomberg is licensed under CC BY 2.0.

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3 Kommentare

  1. triple-delta 13. Januar 2025 um 20:52 Uhr - Antworten

    Die Meinung der Herrschenden war schon immer die herrschende Meinung.
    Nur war es leider noch nie so deutlich wie aktuell.

  2. Glass Steagall Act 13. Januar 2025 um 13:00 Uhr - Antworten

    Schlechte Medien erkennt man daran, dass sie nur die Seite positiv beleuchten, die in ihre Ideologische Weltanschauung passt! Gute Medien untersuchen und analysieren beide Seiten. Das zieht sich durch alle Themenbereiche in Politik, Klima, Medizin und Gesundheit und vieles mehr.

    Proteste der Bevölkerung kommen immer nur dann auf, wenn die Politik nicht im Interesse der allgemeinen Bevölkerung agiert! Anstatt Reue zu zeigen und im Sinne der Bevölkerung zu handeln, wird immer mehr das Gegenteil versucht.
    Es gibt einen schönen Spruch dazu: „Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht“. Die westliche Politik ist bereits zerbrochen, aber sie tut so, als ob nichts geschehen wäre.

    Während diese Politik und ihre gekauften Medien noch versuchen, mit dem „zerbrochenen Krug“ weiterzumachen wie bisher, ist bereits ihr Untergang besiegelt! Da nützt es auch nicht, die Bevölkerung weiterhin zu ignorieren, denn die hat sich bereits entschieden, diese Parasiten loszuwerden!

    Der Großteil der Bevölkerung muss nur noch verstehen, dass im Hintergrund mächtige Machteliten sitzen, die das Steuer in der Hand halten. Sobald auch diese in den Fokus gerückt werden, kann das große Aufräumen beginnen! Hier ist es wichtig Namen dieser Verantwortlichen zu nennen!

    Allerdings wird das Böse nicht so schnell aufgeben, aber das Volk muss sich nur seiner eigenen Macht bewusst werden, dann kann keine korrupte Regierung dieser Welt sein Volk unterdrücken!

  3. Varus 13. Januar 2025 um 12:17 Uhr - Antworten

    Die „demokratische Fortschrittspartei“, die sich für einen taiwanesischen Separatismus einsetzt, wird immer unbeliebter.

    Kürzlich verglich jemand die Westen-Anbindung mit einem Ticket für die Titanic. Man kann viel einfacher Suizid begehen.

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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