
Die Inszenierung der europäischen Expansion
Namen sind selten Zufall, wenn es um symbolträchtige und epochemachende Ereignisse geht. „Grippe“ oder „Influenza“ waren für den Auftakt einer neuen „Ära von Pandemien“ zu abgenutzt; „Corona“ hatte dagegen den nötigen exotischen Esprit.
Als der Papst und die katholischen Majestäten 1492 ihr finanzielles Heil in Übersee suchten, konnte weder ein X-beliebiger Italiener namens Rossi oder ein spanischer Garcia den Anfang machen. Die Kolonisierung der Welt unter christlicher Flagge verlangte mehr. Ein „Christusbringender Kolonist“ wie die Übersetzung vom spanischen „Cristobál Colón“ für Christoph Kolumbus (1451-1506) lautet, kann kein Zufall gewesen sein.
Colóns Herkunft liegt bis heute im Dunkeln. Aktuelle gentechnische Analysen sind ein starkes Indiz, dass es sich tatsächlich um einen Kunstnamen handelt, der dem christlichen Weltbeherrschungsanspruch Rechnung trägt. Schon seit Jahrzehnten hielten sich Vermutungen, dass der Hazardeur in spanischen Diensten keine wunschgemäße Abstammung hätte.
Erstmals äußerte der Gründer des Jüdischen Dokumentationszentrums in Wien Simon Wiesenthal diese Vermutung. Nun belegen DNA-Analysen einer Forschergruppe der Universität Granada, dass Colón einer in Valencia ansässigen jüdischen Familie von Seidenwebern entstammen dürfte. Eine neue Identität wäre damit unumgänglich gewesen, damit er überhaupt für das christliche Europa Neuland betreten durfte.
- Mayer, Dr. Peter F.(Autor)
Im Licht seiner wahren Herkunft werden bisher unverständliche Vorgänge in Colóns Biographie plausibel. Seine erste Ehefrau war Jüdin und seine zweite Lebensgefährtin nicht-jüdischer Herkunft heiratete er nicht. Seine beiden Eltern trugen jüdische Vornamen. Ein zum Christentum konvertierter Jude fungierte als sein hartnäckiger Fürsprecher am kastilischen Königshof, der sogar anbot, einen Großteil der Expedition zu finanzieren, nachdem Königin Isabella Colóns Forderungen bereits abgelehnt hatte.
Colón verbrachte die Wartezeit auf die Entscheidung des spanischen Königshauses in einem Franziskanerkloster, wo ihm die neue Identität angepasst worden sein dürfte. Er lichtete mit seinen beiden Begleitschiffen die Anker mit Kurs auf Indien 3 Tage nach Ablauf des Ultimatums für Nicht-Christen Spanien zu verlassen. Auch seine bis heute rätselhafte pyramidenförmige Signatur mag in dieser Hinsicht neue Bedeutung erlangen.
In der Renaissance hatten Namen eine Schlüsselfunktion. Die neue Elite humanistischer Gelehrter inszenierte sich selbst mit lateinischen oder griechischen Wortschöpfungen und adelig erscheinenden Prädikaten. Aus dem Schwaben Philipp „Schwarzerdt“ wurde die Griechisch-Koryphäe Philipp „Melanchthon“ (1497-1554), aus dem Elsässer Beat Rhinower „Beatus Rhenanus“ (1487-1547), aus einem namenlosen Kind ohne Eltern „Erasmus von Rotterdam“. So wie damals Kleider Leute machten, taten dies auch Namen. Es ist durchaus nicht abwegig, dass die Humanisten mit ihrer Neigung zu Symbolik und Hochstapelei die europäische Expansion nach Amerika für die Geschichtsbücher so inszenierten.
Bild:<Gräff Matthias Laurenz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons/h5>
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Dr. med. Gerd Reuther ist Radiologe, Medizinaufklärer und Medizinhistoriker. Er hat 8 Bücher veröffentlicht. Zuletzt „Die Entdeckung der Alten und Neuen Welt. Mythen und Fakten“ zusammen mit seiner Ehefrau, der Historikerin Dr. phil. Renate Reuther.
Ohne Vatikan, kann man eben nur anderschristlich aufgestellt sein. Leider sind fast alle Gebiete in Europa nur Lehen des Vatikan. Russland hatte sich der Lehen-Erbfolge mit der Zarenfamilie entledigt vor 100 Jahren. Daher hat der Vatikan einen Dauerfeind, den man unbedingt wieder besiegen will und dafür mächtig die Propagandamaschine angeworfen hat…
Künstlernamen sind auch heute gang und gäbe! Die Politik unterscheidet sich da nicht so von Hollywood. Funktionsmechanismen des Selbstmarketing.
Das Dilemma bei der historischen Analyse ist, zu unterscheiden, ob Triebfeder die Inszenierung der Entdeckung war, oder ob die Identität notwendig wurde, um das Vorhaben überhaupt umzusetzen.
Es gibt ernstzunehmende Annahmen, dass der Kontinent längst regelmäßig besucht worden war, vor allen durch Hochseefischer, die zumindest in Kanada auch Trockenfisch in permanenten Siedlungen verarbeiteten. Es gibt dort Freilichtmuseen, die dies behaupten.
Ein Kapitän der damaligen Zeit hat eine enorme Verantwortung auf sich konzentriert und dies auch über seine Reputation getan. Ob man dem Mitglied einer Buchreligion die notwendige Verwegenheit zugetraut hätte?
Auf der anderen Seite hat das Narrativ, das verschollene Brudervolk finden zu wollen, sicher nicht bei der Finanzierung geschadet.
Große Projekte sind multiple Win-Win-Lösungen, und erfordern die Einbindung sehr unterschiedlicher Interessen. Daher ist „Cui bono“ nicht erschöpfend.
Wer möchte schon als Herr Dickdarm Amerika entdecken? Dafür stecken wir Westeuropäer heute in demselben der USA.