Putschversuch in Bolivien abgewehrt

27. Juni 2024von 2,8 Minuten Lesezeit

Ein Militärputsch in Bolivien scheiterte relativ kläglich. Die Vermutung liegt auf der Hand, das US-Geheimdienste die Aktion unterstützt haben.

Ein Putschversuch wurde in Bolivien vor allem vom Volk aufgehalten. Unter Jubel der Demonstranten mussten sich die putschenden Einheiten zurückziehen. Der General an der Spitze und andere Putschisten wurden vom eigenen Militär festgenommen. Die Regierung Boliviens ist sozialistisch und US-kritisch, schloss erst kürzlich ein neues Abkommen mit Russland.

Siegreiches Volk

Der Putsch hatte offensichtlich weder im Staatsapparat noch in der Bevölkerung kaum Rückhalt. Auch international verurteilten schnell viele lateinamerikanische Länder den Putsch. Selbst die inhaftierte ehemalige Präsidentin Añez verurteilte den Putsch, obwohl Zuniga, der Anführer der Putschisten, ihre Freilassung angekündigt hatte. Añez war damals mithilfe der USA selbst durch einen Staatsstreich an die Macht gekommen.

Universitäten und der Präsident Luis Acre, sowie Evo Morales, riefen zu Protesten auf. Auch die größte Gewerkschaft kündigte schnell einen unbefristeten Generalstreik an. Menschen strömten in das Zentrum der Hauptstadt, um kritische Zufahrten zu blockieren. Die Demonstranten riefen: „Heute nicht!“

Der bolivianische Präsident kam nach der Verhaftung der Putschisten aus dem Präsidentenpalast und sagte:

„Brüder, ich möchte euch danken. Ihr habt das ganze Land schnell mobilisiert… Niemand kann uns die Demokratie nehmen, die wir mit dem Blut des bolivianischen Volkes auf der Straße erkämpft haben!“

Bolivien ist im Fokus des Westens. Nicht erst – aber besonders – seit dem massiven Lithium-Hunger. In der Atacama-Wüste gibt es ein massives Vorkommen des Minerals. Der Abbau ist in staatlicher Hand – für das westliche Großkapital unerwünscht. Deshalb ließ sich auch Musk im Jahr 2020 bereits zu einem Tweet hinreißen. „Wer werden umstürzen, wen immer wir wollen“, schrieb er angesichts des Putsches in Bolivien 2019 gegen Evo Morales.

Auch wenn es aktuell noch keinerlei Information zu den Hintermännern gibt, liegt es auf der Hand, dass die putschenden Militäreinheiten Rückendeckung aus Washington gehabt haben dürften. In den letzten 70 Jahren haben die USA/CIA eine Vielzahl an Militärputsche in Südamerika orchestriert. Der inhaftierte General behauptet, die Regierung hätte ihn beauftragt, um ihre Popularität zu erhöhen. Auch das glaubt selbst die Opposition nicht recht.

Auch 2019 in Bolivien wurde mithilfe der USA Evo Morales aus dem Land vertrieben. Die US-unterstütze Liberale „Nachfolgerin“ sitzt mittlerweile im Gefängnis. Morales kehrte unter großem Jubel 2020 zurück ins Land. Luis Acre, ursprünglich ein Morales-Vertrauter, wurde Präsident. Mittlerweile haben sich Acre und Morales politisch voneinander entfernt, verstehen sich aber beide als Sozialisten und sind US-kritisch. Vor wenigen Wochen schlossen Russland und Bolivien ein Abkommen, das Lithium- und Atomprojekte betrifft. Auch um eine BRICS-Mitgliedschaft bemüht sich das Land.

Bild „No Coup in Bolivia! protest“ by joepiette2 is licensed under CC BY-NC-SA 2.0.

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5 Kommentare

  1. Glass Steagall Act 27. Juni 2024 um 12:45 Uhr - Antworten

    Die USA haben in noch viel mehr Ländern dieser Erde ihre Finger im Spiel. Im „Arabischen Frühling“ in der Ukraine 2013/14, Zerstörung der Krim-Brücke und möglicherweise auch Nordstream und viele mehr in zig Kleinstaaten und Ländern von Südamerika über Afrika, Naher Osten usw.
    Nicht umsonst haben sie dafür eine private 30.000 Mann starke Söldnerarmee, die weltweit operiert. Früher unter dem Namen Blackwater, heute Academi oder jetzt Xe oder Xe Services, LLC. Diese werden überall dort eingesetzt, wo es für das US-Militär zu illegal wäre zu agieren. Davon bekommt man in den Medien nichts mit. Vermutlich jetzt auch in Bolivien. Für ein angeblich demokratisches Land ist eine solche Armee ein Hohn auf die Demokratie, aber deswegen sind die USA auch das größte Terrorland der Welt!

    Man kann die Toten kaum noch zählen, die die USA zur „Verteidigung ihrer Freiheit“ seit Ende des zweiten Weltkriegs schon verursacht haben! Natürlich alles „legal“ versteht sich. Wo sie nicht schon die Herrschaft übernommen haben (Europa), da üben sie eben in anderen Ländern pure Gewalt aus, um ihren Willen durchzusetzen!

  2. Daisy 27. Juni 2024 um 12:14 Uhr - Antworten

    Die Amis waren mir mal sympathisch. Ich weiß, die Leute können ja nix dafür, aber sie müssten sich halt wehren. Sie haben auch viele Lügenmedien, Z ensur, Wahlbetrug usw. Trotzdem! Es wird sonst immer ärger.

    Wieder mal geht es um die Rohstoffe. Wie primitiv! Toll von den Bolivianern, dass sie dieses Xindl gestoppt haben. Von so einem Zusammenhalt kann man hier nur träumen. Und ich glaube, dass die ganze Spalterei und Migrationsagenda ja auch genau dem Zweck dient, unsere Gesellschaft inhomogen zu machen. Wir wurden zudem entwaffnet. Diese Versuche gab es auch in den USA. Aber das hat noch nicht geklappt.

    Je ungerechter und realitätsferner ein System ist, umso mehr Überwachung und Z ensur braucht es. „Die Z ensur ist das lebendige Geständnis der Großen, daß sie nur verdummte Sklaven treten, aber keine freien Völker regieren können.“ [Nestroy]

  3. Fritz Madersbacher 27. Juni 2024 um 12:06 Uhr - Antworten

    „Ein Putschversuch wurde in Bolivien vor allem vom Volk aufgehalten“
    Das zeigt, wer die nationale Unabhängigkeit gegen (imperialistische ) Einmischung von außen schützen muss …

    • suedtiroler 27. Juni 2024 um 13:07 Uhr - Antworten

      die haben wenigstens noch ein „Volk“ und somit einen gewissen Zusammenhalt….
      das ist ja auch der Grund wieso bei uns mit vielen Taktiken die Bevölkerung zersplittert und gespalten wird

  4. Ed Uscho 27. Juni 2024 um 11:01 Uhr - Antworten

    Ist es vorstellbar, dass bei irgendwelchen Putschversuchen in Südamerika die CIA nicht ihre blutigen Finger im Spiel hat?

Regeln für Kommentare: Bitte bleibt respektvoll - keine Diffamierungen oder persönliche Angriffe. Keine Video-Links. Manche Kommentare werden erst nach Prüfung freigegeben, was gelegentlich länger dauern kann.

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