
Nepal: Die Flut, die Dämme und die Frage, wofür Entwicklungshilfe dient
TKP berichtete bereits über das Jahrhundertunglück an der chinesisch-nepalesischen Grenze und den verheerenden Überschwemmungen. In diesem Artikel zeigen wir die inzwischen absehbaren Folgen auf, und gehen den Hintergründen und Ursachen nach.
Am 26. August 2026 brach hoch über dem Grenztal zwischen Nepal und Tibet ein Gletscherstück ab, stürzte über tausend Meter in die Tiefe und riss Fels und Geröll mit sich. Die Druckwelle staute den Fluss Lhende kurz auf, dann brach der improvisierte Eisdamm — eine Flutwelle raste durch das Trishuli-Tal, zerstörte den Grenzposten Gyirong, riss Dörfer, Brücken und Wasserkraftwerke mit sich. Nach aktuellem Stand sprechen die Behörden von über 600 Toten und knapp 2.000 Vermissten allein in Nepal, dazu Dutzende Tote und Vermisste auf tibetischer Seite. Der Pegel des Trishuli stieg binnen 30 Minuten um bis zu neun Meter.
Die Katastrophe dient wieder dem gleichen Zweck: Klimaforscher verweisen auf die zunehmende Instabilität der Himalaya-Gletscher durch die Erderwärmung. Die eigentlich interessante — und politisch unbequeme — Frage ist eine andere: Warum verfügten die Flüsse Nepals über praktisch keine Speicherkapazität, um eine solche Wassermasse abzupuffern? Genau hier setzt die Kritik an, die in nepalesischen und internationalen NGO-kritischen Kreisen seit Jahren kursiert — und die einen wahren Kern hat, auch wenn sie in ihrer zugespitzten Form über das hinausgeht, was sich belegen lässt.
Der belegbare Kern: Blockierte Dämme, echte Geldflüsse
Es ist historisch dokumentiert, dass Nepals größte Mehrzweck-Speicherprojekte über Jahrzehnte scheiterten oder storniert wurden. Das prominenteste Beispiel ist Arun III: 1995 zog sich die Weltbank nach jahrelanger Kampagne nepalesischer und internationaler NGOs aus der Finanzierung zurück — offiziell wegen Kosten- und Managementbedenken, aber Weltbank-Präsident Wolfensohn räumte selbst ein, dass die öffentliche Kampagne die Sorgen der Bank verstärkt hatte. Die Folge war real und schmerzhaft: Fachleute machen den Rückzug für die jahrelangen Stromausfälle verantwortlich, die Nepal bis 2018 plagten.
Ähnlich beim West-Seti-Staudamm, einem 750-Megawatt-Speicherprojekt: 16 Jahre lang wechselten Investoren, bis Nepal die Lizenz 2011 entzog. Auch hier war eine über 15 Jahre laufende Kampagne der nepalesischen NGO WAFED gemeinsam mit internationalen Partnerorganisationen ein zentraler Faktor — flankiert von Rückzügen der Asiatischen Entwicklungsbank und chinesischer Geldgeber aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen. Der Kritikpunkt, dass gerade Speicherdämme — jene Anlagen, die Wasser zurückhalten und damit auch Fluten abfedern könnten — systematisch zu Fall gebracht wurden, während kleinere Laufwasserkraftwerke ohne nennenswerte Rückhaltekapazität gebaut werden durften, ist also keine Erfindung. Es ist dokumentierte nepalesische Wasserpolitik-Geschichte.
Ebenso real sind die US-Geldflüsse nach Nepal — nur eben nicht in Dämme. Laut nepalesischer Regierungsdatenbank hatte USAID bis 2025 insgesamt rund 178 Millionen US-Dollar in 21 laufende Projekte investiert, mit deutlichem Schwerpunkt auf „demokratischer Regierungsführung„, Gesundheit und Bildung. Eine investigative Aufstellung interner USAID-Dokumente zeigt konkrete Posten: 8 Millionen Dollar für „Demokratische Prozesse„, umgesetzt über das National Democratic Institute und die International Foundation for Electoral Systems, sowie 37 Millionen Dollar für ein Programm „Zivilgesellschaft und Medien„. Insgesamt hatte Washington laut Kathmandu Post rund 695 Millionen Dollar an Entwicklungsgeldern über fünf Jahre zugesagt — ein Drittel der gesamten Entwicklungshilfe im Land.
Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass hunderte von Millionen Euro in den Kampf gegen die Entwicklung von Ländern investiert wird, unter dem Vorwand von Umweltschutz, während die größten Umweltschädiger, militärische US-Einsätze… natürlich unberührt bleiben.
Die Farbrevolution im September 2025
Auch dieser Teil der Geschichte ist keine Erfindung, sondern gut dokumentiert. Nach einem staatlichen Verbot von 26 Social-Media-Plattformen organisierten sich im September 2025 vor allem junge Nepalesen über Discord und Instagram. Die NGO Hami Nepal, gegründet vom ehemaligen DJ Sudan Gurung, betrieb dabei zentrale Kommunikationskanäle und organisierte nach dem gewaltsamen Zusammenbruch der Regierung von Premierminister K.P. Sharma Oli sogar eine digitale Online-Abstimmung über Discord, aus der Sushila Karki als Übergangspremierministerin hervorging. Bei den Protesten kamen mindestens 76 Menschen ums Leben.

Bild: Video von Kit Klarenberg über die „Farbrevolution“
Dass Hami Nepal Teil desselben NGO-Ökosystems ist, das über Jahre von US-Demokratieförderung mitgetragen wurde, ist eine Behauptung, die in mehreren Analysen kursiert — belastbare, öffentlich einsehbare Förderbescheide, die eine direkte NED-Finanzierung von Hami Nepal selbst belegen, liegen bislang allerdings nicht vor. Was sich belegen lässt: Der breitere Nährboden aus Jugend-Zivilgesellschaftsprogrammen, Medientrainings und Anti-Korruptions-Initiativen wurde tatsächlich systematisch mit US-Geld aufgebaut, unter anderem über die Asia Foundation. Als die Trump-Administration Anfang 2025 USAID auflöste und 86 Prozent aller Förderungen strich, verloren allein in Nepal nach Schätzungen der NGO-Dachorganisation rund 30.000 Menschen ihre Anstellung in diesem Sektor — ausgerechnet Monate bevor die Proteste losbrachen, die die Regierung stürzten. Aus Sicht von US-Politik-Kritikern liegt der Schluss nahe: Ein über Jahre finanziertes Mobilisierungsnetzwerk existierte bereits, unabhängig davon, ob die Fördergelder im September 2025 noch flossen oder gerade gekappt worden waren.
Wo die Erzählung über die Beweislage hinausgeht
Genau hier beginnt allerdings auch die Vorsicht, die eine seriöse Analyse braucht. Erstens: Die Flut selbst war angeblich ein durch die Klimaerwärmung beschleunigtes Naturereignis, kein von Menschenhand herbeigeführtes. Ein Ursache-Wirkungs-Pfad „NGO-Kampagne führt direkt zur Zahl der Todesopfer“ lässt sich seriös nicht ziehen — auch mit Speicherbecken hätte ein derartiger Gletscherabbruch mit einer derartigen Wassermasse schlimme Folgen gehabt.
Zweitens waren die gescheiterten Großdämme nicht ausschließlich Opfer westlicher NGO-Kampagnen. Bei Arun III spielten auch schlicht explodierende Baukosten eine Rolle, bei West Seti der Rückzug asiatischer und chinesischer Geldgeber aus wirtschaftlichen Gründen sowie – wie ein Urteil des nepalesischen Supreme Court zeigt – auch innernepalesischer Widerstand gegen eine als indienfreundlich wahrgenommene Vergabe. Die Blockade-Erzählung unterschlägt damit die Rolle indischer, chinesischer und rein nepalesischer Interessengruppen, die ihre eigene, von Washington unabhängige Agenda verfolgten.
Drittens ist der Sprung von „US-Gelder förderten Zivilgesellschaft und Jugendnetzwerke“ zu „die USA haben die Revolution geplant, um Nepal als Aufmarschgebiet gegen China zu nutzen“ eine geopolitische Interpretation, die legitim ist, aber nicht bewiesene Tatsache. Dass Nepal geostrategisch zwischen Indien und China eingeklemmt ist und dass tibetische Exilnetzwerke dort historisch aktiv sind, und gegen China agitieren, ist unbestritten. Dass dies der eigentliche Zweck der US-Förderprogramme war und nicht ein Nebeneffekt, bleibt eine Deutung — eine, die aus der Perspektive vieler nepalesischer und internationaler Kritiker der US-Außenpolitik naheliegend erscheint, weil sie sich in ein wiederkehrendes Muster von Washington finanzierter „ziviler“ Mobilisierung in Georgien, der Ukraine, Serbien oder Bangladesch einfügt, ohne dass für Nepal selbst dieselbe Beweisdichte vorliegt wie dort.
Fazit
Der wahre Kern der Geschichte ist robust: Über Jahrzehnte wurden genau jene nepalesischen Infrastrukturprojekte verhindert oder verzögert, die heute im Angesicht der Flut fehlen, während gleichzeitig substanzielle US-Mittel in politische Zivilgesellschaftsstrukturen flossen, die im September 2025 tatsächlich eine Regierung stürzten. Wer daraus eine bewusste, zentral gesteuerte „Eroberung“ Nepals zulasten seiner physischen Sicherheit konstruiert, interpretiert Vorgänge logisch und nachvollziehbar, ohne die These aber beweisen zu können. Wer andererseits jeden Zusammenhang zwischen blockierter Infrastruktur, ausländisch finanzierter „Zivilgesellschaft“ und dem Machtwechsel 2025 leugnet, ignoriert eine gut dokumentierte Entwicklungsgeschichte. Die unbequeme Wahrheit liegt, wie so oft, in der Mitte — aber näher an den Kritikern, als es viele westliche Medien zugeben wollen.
Bild: Screenshot von Videozusammenstellung des Unglücks
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Verheerender Mega-Erdrutsch in China.
Nepal macht digitale ID verpflichtend
Nun kommt das noch verheerendere Ausmaß der Katastrophe zutage, die Opferzahlen steigen. 5 Wasserkraftwerke überschwemmt, zerstört, hunderte Arbeiter waren in Tunnelsystemen der Werke eingeschlossen. Es ist so unfaßbar traurig, heftig.
Frage mich auch, wie man diese Werke jemals bauen konnte und dort Siedlungen gebaut wurden.
Habe vor 10 Jahren ein paar Täler westlich die verheerenden Folgen des natürlichen Flußlaufes gesehen – Reste vom Fluß weggeschwemmter Dörfer. Daß ein Fluß, der aus den Gletschergebieten kommt, in wenigen Minuten, Stunden ums x-fache anschwillt, kommt in dieser Gegend häufig vor. Vielleicht nicht jedes Jahr, aber alle paar Jahre.
Berge waren schon immer und sind nach wie vor in Bewegung, vollkommen unabhängig davon ob Menschen anwesend sind oder nicht. Derartige Ereignisse passieren natürlich auch in den Alpen:
– vor 9 Jahren gab es einen ganz ähnlichen Bergsturz, der ein Dorf verwüstet hat. Das war nur im Ausmaß wesentlich kleiner. Bergsturz von Bondo
– und von 1806 ist ein massiver Bergsturz in der Schweiz dokumentiert, der wegen der in der Folge aufgestauten Seen sogar zu einer Malaria-Epidemie geführt hat. So warm war es damals! Bergsturz von Goldau
Wer derartige Gebiete (egal wo) kennt, gegen so einen Vorgang gibt es keine Schutzmöglichkeit außer sicherer Abstand (Seite / Höhe). War ja früher üblich, bis der Mensch bissel größenwahnsinnig bzw. nachlässig wurde. Einige oder Viele werden daraus definitiv Lehren ziehen und der Rest eben durch Aua lernen.
Wer schon mal im Himalaya war, weiss, daß unsere Alpen im Vergleich ein winziges Minimundus sind.
Dazu hebt sich der Himal jährlich 1-4mm. Dort herrschen derartig gigantische Kräfte und Gewalten – kein Damm kann irgendetwas aufhalten.
Ich denke, solch eine Menge Zeugs kann kein Damm der Welt aufhalten.
Allerdings gibt es Gerüchte: Die Abbruchkante sei zu „gerade“, das sehe „komisch“/seltsam/unnatürlich aus.
Und genau deshalb stellt sich in Erstellungen nicht die Frage, welche Dämme sind gebaut worden oder nicht, sondern wie im Ahrtal entsprechend auch, wann war den zuständigen Behörden bekannt, dass ein Abbruch stattfand und welcher Art er war, musste gegenüber den Anwohnern eine Warnmeldung erfolgen zur Evakuierung. In diesen Gebirgsmassiven stellt sich als erstes die Frage nach einem Gefahrenmonitoring. Kritische Gegenden sind zu beobachten, so wie das auch in der Schweiz erfolgt. Der Himalaya ist gewaltiger als die Alpen, keine Frage, aber trotzdem stellt sich die Frage inwieweit zuständige Behörden zur Gefahrenabwehr reagiert haben, gefahrenmonitoring unterlassen haben, die Anwohner nicht gewarnt haben. Frage ist zu stellen, warum wird keine Entwicklungshilfe zum Aufbau eines solchen Gefahrenmonitorings gewährt und haben Behörden nicht die Anwohner rechtzeitig und adäquat gewarnt.
In diesen Gebieten gibt es keinen Handyempfang – oder nur sehr schlechten bzw. nur ab und zu. Strom detto. „Strassen“ sind Schlammpisten, die ständig vermuhrt werden, abreissen – ohne Sicherung geht es am Rand hunderte Meter steil bergab. Diese Pisten sind nur mit Geländewägen bewältigbar – und man sieht immer wieder abgestürzte Jeeps im Abgrund liegen. Viele Dörfer sind nur zu Fuß oder mit dem Pferd erreichbar.
Interessantes Video zum Vorfall selbst:
„YOU ARE BEING PLAYED LIKE A FIDDLE AND DON’T EVEN REALIZE IT.“ (YT-Video, ab ca. 10:50)
Klimaforscher müssen sich natürlich gleich zu Wort melden. Mit dem Klimawandel hat diese Katastrophe jedoch überhaupt nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Gletscher bewegen sich im Lauf der Zeit kontinuierlich und brechen an den Enden ab, wenn der Untergrund an eine Vertiefung führt und keine Abstützung mehr bietet. Dieser Prozess wird gerade durch eiszeitliche Vergletscherung begünstigt, da das zunehmende Eis ja irgendwo hin muss und sich seinen Weg hangabwärts bahnt. Dann wären die Bruchstücke eher größer, da sie vorher nicht abschmelzen konnten.
Keine Infrastruktur kann geeignet sein, solche Kräfte sicher aufzuhalten. Man hätte lediglich alle Gletscher permanent beobachten und die komplette Gegend rechtzeitig evakuieren können. Und wenn dann ein halbes Jahr lang nichts passiert, haben die Glaziologen ein Problem. Also müsste man evakuieren, den Gletscher in kleinen Stücken absprengen und dann alles, was dabei zerstört wurde, wiederaufbauen. Wer macht sowas?