EU-Kommission rudert bei CO2-Zielen zurück – Industrie bekommt mehr Gratiszertifikate

18. Juli 2026von 3,2 Minuten Lesezeit

Die Europäische Kommission hat einen Kurswechsel bei der Klimapolitik eingeleitet. Mit einer Überarbeitung des Emissionshandelssystems (ETS) will sie den Druck auf die energieintensive Industrie spürbar verringern. Die jährliche Reduktion der Emissionszertifikate wird ab 2031 deutlich langsamer verlaufen als bisher geplant. Gleichzeitig sollen Gratiszertifikate für Branchen wie Stahl, Zement und Chemie länger gewährt werden.

Statt der ursprünglich vorgesehenen Reduktion von 4,4 Prozent pro Jahr ab 2028 sollen die verfügbaren Zertifikate zwischen 2031 und 2035 nur noch um 3,7 Prozent und ab 2036 um 1,7 Prozent pro Jahr sinken. Damit verschiebt sich das angestrebte Ende der kostenlosen Zuteilungen von 2034 auf 2038. Unternehmen sollen 80 Prozent der Gratiszertifikate bereits nach Vorlage eines Investitionsplans erhalten, die restlichen 20 Prozent erst nach Nachweis der tatsächlichen Investitionen und Emissionsminderungen.

Das CO2-Zertifikate System ist eine Bonanza für einige Wenige, für die große Masse der Unternehmen bedeutet es aber zusätzliche Kosten und erhöhter, sinnloser bürokratischer Aufwand. Es verändert weder etwas am CO2-Gehalt der Luft, denn dieser hängt von der Temperatur und der dadurch gesteuerten Abgabe oder Aufnahme durch die Weltmeere ab. Noch ändert es das Klima, denn dieses hängt von der Sonne, den Wolken und den zyklischen Oszillationen der Meeresströmungen ab.

Wirtschaftliche Realität zwingt zum Einlenken

Hinter dem Vorhaben steht der wachsende Widerstand der Industrie und mehrerer Mitgliedstaaten. Hohe Energiekosten, Bürokratie und die Belastung durch das ETS haben in den vergangenen Jahren zu Produktionsverlagerungen und De-Industrialisierungstendenzen geführt. Die Kommission reagiert nun mit einer „businessfreundlicheren“ Anpassung, wie Klimakommissar Wopke Hoekstra es formulierte.

Die Marktstabilitätsreserve soll zudem weniger aggressiv überschüssige Zertifikate vom Markt nehmen. Dadurch bleiben mehr Zertifikate länger im Umlauf. Gleichzeitig will die Kommission die Einnahmen aus dem Handel strenger an die Dekarbonisierung der betroffenen Sektoren binden – bisher floss nur ein kleiner Teil der Milliardeneinnahmen tatsächlich in die Industrie zurück.

Man sieht auch hier überwuchernde Bürokratie.

Ausweitung auf weitere Sektoren

Neben der Entlastung der Industrie plant die Kommission auch eine Ausweitung des Systems. Ab 2029 sollen kürzere internationale Flüge (bis 5.000 km) in das ETS einbezogen werden. Ab 2031 soll die Müllverbrennung folgen, und die Schifffahrt wird auf kleinere Schiffe ausgeweitet.

Diese Maßnahmen dienen offiziell der weiteren Emissionsminderung, kommen aber zu einem Zeitpunkt, an dem die Kommission gleichzeitig die Ambitionen beim linearen Reduktionsfaktor zurückfährt. Das Ziel eines 90-prozentigen Netto-Emissionsrückgangs bis 2040 soll formal bestehen bleiben, wird aber durch die verlangsamte Reduktion der Zertifikate zeitlich gestreckt.

Ein stilles Eingeständnis

Der Vorschlag ist ein deutliches Signal, dass die bisherige Geschwindigkeit der Transformation an wirtschaftliche und technologische Grenzen stößt. Die energieintensive Industrie hatte seit Jahren vor den Folgen gewarnt: steigende Produktionskosten, Wettbewerbsnachteile gegenüber Ländern ohne vergleichbare CO2-Bepreisung und die Gefahr von Carbon Leakage.

Durch die Verlängerung der Gratiszertifikate und die Verlangsamung der jährlichen Kürzungen erkennt die Kommission implizit an, dass ein zu schneller Ausstieg aus fossilen Energieträgern ohne ausreichende Alternativen die industrielle Basis Europas gefährdet. Ob die neuen Bedingungen für die Zertifikate (Investitionspläne, Nachweise) tatsächlich zu mehr realen Investitionen in Europa führen oder nur zusätzliche Bürokratie schaffen, wird sich erst in der Praxis zeigen.

Die Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten werden voraussichtlich bis weit ins nächste Jahr dauern. Bereits jetzt ist klar: Die europäische Klimapolitik wird pragmatischer – und langsamer – aber noch immer völlig sinnbefreit und unwissenschaftlich.

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Bild: Takver from Australia, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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8 Kommentare

  1. Michael Rosemeyer 18. Juli 2026 um 23:24 Uhr - Antworten

    Von der Leyen stammt aus Hannover so wie ich.

    Mit der Schule wurden Ausflüge zu den Endmoränen gemacht.

    1.000 Meter Eis über Deutschland
    In vielen Teilen Norddeutschlands war das Eis damals bis zu 1.000 Metern dick. Zum Höhepunkt der Eiszeit vor etwa 135.000 Jahren reichten die Gletschermassen bis südlich von Berlin, Hannover oder Bremen.

    Wer hat das CO2 02 zum Auftauen gemacht?????
    2002_02_19
    https://www.scinexx.de/dossierartikel/1-000-meter-eis-ueber-deutschland/

    Eine Endmoräne oder Stirnmoräne ist eine wallartige
    Aufschüttung (Moräne) von Gesteinsmaterial am Ende von
    glazialem Inlandeis oder eines Gletschers. Eine
    Endmoräne kennzeichnet die Linie des maximalen
    Gletschervorstoßes oder eines Gletscherstillstandes. Sie ist
    Bestandteil der Glazialen Serie.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Endmoräne

  2. Michael Rosemeyer 18. Juli 2026 um 23:16 Uhr - Antworten

    NDR
    Meilenstein“ für Klimaforschung mit Hilfe von Dinosaurier- Zähnen 2025_08_08

    https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/braunschweig_harz_goettingen/go etti ngen-klimaforschung-mithilfe-von-dinosaurierzaehnen,klimaforschung- 100.html

    Die Untersuchung zeigt, dass die Luft vor etwa 150 Millionen Jahren schon viel Kohlenstoffdioxid (CO2) enthalten habe. Laut der Wissenschaftler sogar viermal so viel wie zur Zeit vor der Industrialisierung – das heißt, bevor der Mensch große Mengen des Treibhausgases in die Atmosphäre ausstieß.
    Aktivere Pflanzen zu Zeiten der Dinosaurier
    Der höhere CO2-Gehalt in der Luft und die höhere durchschnittliche Jahrestemperatur führten dazu, dass die Pflanzen damals mehr Photosynthese betrieben haben, so die Forscher weiter

  3. Michael Rosemeyer 18. Juli 2026 um 23:15 Uhr - Antworten

    https://www.tagesschau.de/wetter/wetterthema/klimamachtgeschichte-100.html
    2025_10_24
    Als vor etwa 11.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende ging und sich die Eispanzer nach Norden zurückzogen, begann eine sehr stabile Klimaperiode, die aufstrebenden Hochkulturen ideale Entwicklungsbedingungen bot. Aber auch geringere Klimaschwankungen führten in Europa zu historischen Umwälzungen.
    Die Letzte Eiszeit dauerte etwa 60.000 Jahre und war geprägt von starken Klimaschwankungen. Seit etwa 11.000 Jahren befinden wir uns im sogenannten Holozän oder Neo-Warmzeit, welches durch ein stabiles Klima geprägt war. Tatsächlich fanden die frühen Hochkulturen am Nil und im Zweistromland ideale Bedingungen vor, welche ihnen sehr gute Ernteerträge einbrachten, was den Aufstieg Ägyptens und Mesopotamiens erst ermöglichte. Die Sahara war zu dieser Zeit eine Savanne mit reichlichen Wasservorkommen durch die Giraffen und Elefanten zogen, wie alte Fels- und Höhlenmalereien bezeugen.
    Auch die als Optimum der Römerzeit bezeichnete, recht warme Periode zwischen 100 und 500 n. Chr. fällt wohl nicht ganz zufällig mit der Blütezeit des Römischen Reiches zusammen. Jedenfalls steht diese Epoche in deutlichem Gegensatz zu dem darauffolgenden Pessimum der Völkerwanderungszeit. Denn zwischen etwa 400 und 600 n. Chr. verschlechterten sich die klimatischen Bedingungen in Europa wieder und die ausbleibenden Ernten zwangen viele germanische Völker ihren angestammten Lebensraum zu verlassen und sich auf die Suche nach einer neuen Heimat zu machen

    Darauf folgte zwischen 800 und 1300 das Mittelalterliche Optimum, in dem es ähnlich warm war, wie in der letzten Klimanormalperiode von 1961 bis 1990, deren Mitteltemperatur aktuell noch als Bezugswert verwendet wird. Da aus dieser Zeit keine direkt gemessenen Daten existieren, sondern beispielsweise die Breite von Baumringen oder Eisbohrkerne zu Rate gezogen werden, sind die Unsicherheiten aber größer als bei Messungen.
    Jedoch deuten viele deutsche Ortsnamen aus dieser Zeit auf Weinanbau in Regionen hin, in denen es bis vor Kurzem noch zu kühl dafür war. Des Weiteren besiedelten die Wikinger 982 zum ersten Mal Grönland, was übersetzt „Grünland“ bedeutet. Sie mussten jedoch etwa 200 Jahre später ihre Siedlungen dort wieder aufgeben, da erneut eine kühlere Klimaepoche, die sogenannte „Kleine Eiszeit“ begann.
    Sie war charakterisiert von sehr strengen und langen Wintern, sowie kühlen Sommern. Es ist belegt, dass die Ostsee im 15. Jahrhundert mindestens zweimal komplett zufror. Die Gletschervorstöße in den Alpen in dieser Zeit waren die stärksten der letzten etwa 10.000 Jahre. Hungersnöte und Auswanderungswellen in die Neue Welt waren die Folge. Es wird sogar ein Zusammenhang zwischen dem Höhepunkt der Hexenverbrennungen und einer besonders kalten Phase zu Beginn des 17. Jahrhunderts vermutet. Auch in den Niederlanden traten in dieser Epoche vermehrt Strengwinter auf, was Pieter Bruegel den Älteren möglicherweise 1565 zu dem Gemälde „Die Jäger im Schnee“ inspirierte.
    Ursache hierfür sind Schwankungen der Sonneneinstrahlung und eine Reihe besonders starker Vulkanausbrüche, die zu einer weltweiten Abkühlung in den Folgejahren führten. Das eindrucksvollste Beispiel ist der Ausbruch des Tambora in Indonesien 1815. Das Folgejahr ist als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte eingegangen. Die unausweichlichen Missernten ließen vor allem in Süddeutschland den Getreidepreis auf das Dreifache ansteigen.

  4. Michael Rosemeyer 18. Juli 2026 um 23:13 Uhr - Antworten

    Das Klima der Vergangenheit Bayrisches Landesamt für Umwelt
    2016_12_02

    Spuren der Klimaänderungen findet man sogar in der Kunstgeschichte. So malte Hendrick Avercamp in einer der kältesten Perioden der kleinen Eiszeit vor allem Winterlandschaften

    Veränderungen der durchschnittlichen Temperatur gegenüber dem heutigen Mittelwert (Mittellinie) in den letzten 542 Millionen Jahren.

    https://www.lfu.bayern.de/buerger/doc/uw_82_klima_vergangenheit.pdf

  5. VerarmterAdel 18. Juli 2026 um 13:33 Uhr - Antworten

    „Industrie bekommt mehr Gratiszertifikate“

    Oh, danke, liebe Klimamafia, dass die im Moment zwar röchelnde, aber in Teilen immerhin noch existierende Industrie mehr kostenfreie Schaufeln bekommt um ihr und damit unser aller Grab noch schneller auszuheben. Ihr seid so gut zu uns. Hahaha, IRRE!

    F**K THE EU!

    F**K THE CLIMATE MAFIA!

  6. therMOnukular 18. Juli 2026 um 12:44 Uhr - Antworten

    Kriegswirtschaft geht halt nicht „klimafreundlich“ – und ums „Klima“ ging’s denen sowieso nie.

    Wichtig ist nur, dass der Bürgertrottel brav weiterhin „CO2-Steuern“ bezahlt und in Zukunft sicherlich auch diese „Freistellung“ der (Rüstungs-) Industrie finanziert.

    Wie wird man die EU wohl in Zukunft nennen? Das 4. Rrreich? Europäische Demokratische Volksrepublik?
    Und wir werden wieder zu einem Gau – Ostmark – und versuchen in unserer konformistischen Tradition „Muster-Gau“ zu sein.

    Und wie geht das überhaupt, dass sich eine Gesellschaft einreden lässt, man könne heute die Natur kontrollieren & lenken und passe die Natur an den Menschen an, anstatt umgekehrt wie seit 10.000en Jahren? Wie blöd kann der Mensch noch werden?

  7. Glass Steagall Act 18. Juli 2026 um 10:56 Uhr - Antworten

    Der Schaden ist bereits angerichtet und kann kaum noch rückgängig gemacht werden! Nur ein absolutes Einstellen der gesamten CO2-Lügen und Maßnahmen könnte vielleicht halbwegs noch etwas retten! Vor allem, nachdem die offizielle Klimalüge bereits vom IPCC zurück genommen wurde, gibt es keinen Grund mehr, Europa unter dem Zwang des irrsinnigen Klimadiktats zu halten!
    Der gleiche Unsinn sind auch die Sanktionen gegen Russland! Das alles ist gegen das Interesse und zum Schaden der europäischen Bevölkerung gerichtet! Wir sollten stattdessen die EU-Kommission aus dem Land jagen!

  8. graypants 18. Juli 2026 um 10:34 Uhr - Antworten

    Leider wie beim „Verbrenner Verbot“ reine Augrnauswischerei.

    Da kt die Unternehmen die „gratis“ Zertifikat bekommen müssen sie sich zu umfassenden CO2/Klimaschutz Maßnahmen bekennen, dann bekommen sie 80% davon und die restlichen 20% wenn es umgesetzt ist.

    Und die leichte Reduktion der Jährlichen Senkung der CO2 Emissionen ist das Papier nicht wert auf was es geschrieben ist, wenn die ursprüngliche ln Ziele schon irrsinnig sind.

    Zusätzlich kommt nächste Jahr die Methanregulierungsverordung, damit wird 90% des importierten Öl und 60% des importierten Gas „illegal“ weil es nicht dieser Verordnung entspricht.

    Betroffen davon ist sowohl das LNG aus den USA und Qatar. Also genau jene die uns ja von den Russen unabhängig machen sollen… Wäre alles nicht real könnte man meinen es sei eine 1A Satire.

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