Was uns 1.000 Jahre Baumringe über das Klima verraten

17. Juli 2026von 4 Minuten Lesezeit

Eine aktuelle Studie internationaler Forscher liefert eine der präzisesten Rekonstruktionen der Sonnenaktivität für die Zeit von 1 bis 970 CE. Die Arbeit basiert auf jährlich aufgelösten Radiokohlenstoff-Messungen in Baumringen und zeigt deutliche Phasen reduzierter Sonnenaktivität sowie vier mögliche solare Teilchenereignisse.

Die Studie von Jian Wang et al mit dem TitelPatterns in solar activity over the first millennium CE“ (Muster der Sonnenaktivität im ersten Jahrtausend CE) erschien am 6. Januar 2026 in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment. Beteiligt waren Wissenschaftler des Centre for Isotope Research der Universität Groningen, der Macquarie University, der University of Reading, der Queen’s University Belfast, des Curt-Engelhorn-Center Archaeometry in Mannheim sowie des Laboratory of Dendroarchaeology der Universität zu Köln.

Neue hochauflösende 14C-Daten

Die Forscher kombinierten fünf neu gemessene mit drei bereits vorhandenen Baumring-Serien und erstellten damit eine der genauesten jährlichen Radiokohlenstoff-Rekonstruktionen für das erste Jahrtausend. Durch statistische Modellierung des Kohlenstoffkreislaufs, datenadaptive Zerlegung der Sonnenzyklen und probabilistische Erkennung schneller 14C-Anstiege konnten sie sowohl langfristige Muster als auch kurzfristige Extreme identifizieren.

Die Analyse ergab vier größere Phasen reduzierter Sonnenaktivität. Zwei davon waren relativ kurz (etwa 105–150 CE und 400–450 CE), zwei weitere deutlich länger und intensiver (200–280 CE sowie das ausgeprägte Minimum zwischen 640 und 730 CE). Letzteres erinnert in seiner Dauer und Tiefe an bekannte historische Minima wie das Maunder-Minimum.

Zusätzlich fanden die Wissenschaftler zwei charakteristische Muster, bei denen der etwa 11-jährige Schwabe Sonnenzyklus zunächst schwächer wird und sich anschließend wieder verstärkt. Solche Übergangsphasen sind für das Verständnis der langfristigen Dynamik des Sonnenmagnetfelds von besonderem Interesse.

Kandidaten für solare Teilchenereignisse

Besonders bemerkenswert sind vier Kandidaten für sogenannte Miyake-Ereignisse – extreme Ausbrüche hochenergetischer Teilchen von der Sonne, die zu plötzlichen und deutlichen Anstiegen der Radiokohlenstoffproduktion führen. Die Studie identifiziert solche Signale in den Jahren 14, 553, 675 und 954.

Diese Ereignisse sind nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch praktisch relevant. Solche Teilchenstürme können heute Satelliten, Stromnetze und Kommunikationssysteme massiv stören. Die Rekonstruktion historischer Häufigkeit hilft daher bei der Abschätzung zukünftiger Risiken.

Die Bedeutung der Studie

Die neue Arbeit schließt eine wichtige Lücke in der Rekonstruktion der Sonnenaktivität. Während für die letzten Jahrhunderte direkte Beobachtungen und für frühere Perioden teilweise andere Proxydaten vorliegen, war das erste Jahrtausend bisher nur lückenhaft erfasst. Die jährliche Auflösung der 14C-Daten erlaubt nun eine deutlich präzisere Analyse der Zyklenlängen und der Übergänge zwischen aktiven und inaktiven Phasen.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Sonne auch in historischen Zeiträumen erhebliche Schwankungen zeigte – von mehrjährigen Minima bis hin zu extremen Teilchenereignissen. Solche natürlichen Variabilitäten sind für das Verständnis der Klimageschichte von großer Bedeutung, da sie neben anderen Faktoren Einfluss auf die solare Einstrahlung und damit auf das Klimasystem haben können.

Die Studie steht in einer Reihe mit früheren Arbeiten zu Miyake-Ereignissen und großskaligen Sonnenminima und liefert neue, hochaufgelöste Daten für die weitere Modellierung der Sonnenaktivität über Jahrtausende.

Warum das für die Klimadebatte entscheidend ist

Die Studie zeigt mit einer Klarheit, die in der öffentlichen Klimadiskussion systematisch unterdrückt wird: Die Sonne ist der dominante Klimatreiber. Nicht CO₂. Nicht der Mensch. Die Sonne.

Das erste Jahrtausend war eine Zeit ohne industrielle Emissionen. Trotzdem gab es ausgeprägte Klimaschwankungen, korreliert mit solaren Minima und Maxima. Die IntCal20-Referenzkurve — das Standardwerkzeug der Radiokarbon-Datierung — zeigt in den hier gemessenen Zeiträumen signifikante Abweichungen von bis zu −2,22 ± 0,19 ‰, weil sie auf niedriger aufgelösten Daten beruht. Das mag technisch klingen, hat aber handfeste Konsequenzen: Historische Datierungen könnten um Jahrzehnte daneben liegen, und solare Rekonstruktionen, die auf IntCal20 basieren, unterschätzen systematisch die Variabilität.

Das IPCC und der gesamte Klima-Industrie-Komplex behandeln die solare Variabilität als vernachlässigbare Randgröße. Studien wie diese — publiziert in einem Nature-Journal, wohlgemerkt — belegen das Gegenteil. Die Sonne pulsiert in Zyklen, die wir erst ansatzweise verstehen. Ihre Großen Minima haben in der Vergangenheit regelmäßig Kälteperioden eingeläutet. Und wir stehen, wie Valentina Zharkova in Temperature darlegte, am Beginn eines neuen Modernen Großen Sonnenminimums (2020–2053).

Die Frage ist nicht, ob die solare Aktivität zurückgeht. Die Frage ist, ob wir vorbereitet sind — oder ob wir weiterhin Milliarden in CO₂-Reduktion stecken, während die wahre Klima-Lokomotive auf Leerlauf schaltet.

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7 Kommentare

  1. Thomas Moser 17. Juli 2026 um 11:00 Uhr - Antworten

    Neulich bin ich auf den Bias-Variance-Abgleich im Zusammenhang mit Versicherungs-Modellen gestossen. Ich wende das hier mal an.

    Wenn man Klimamodelle unter dem Gesichtspunkt dieses Abgleichs betrachtet, fällt auf, dass viele Modelle heute relativ schlicht aufgebaut sind. Dadurch entsteht ein hoher Bias (Verzerrung): Die Modelle vereinfachen die Klimadynamik stark und führen praktisch jede Schwankung auf denselben Faktor zurück, nämlich menschengemachtes CO₂. Die Varianz der Ergebnisse ist entsprechend gering – egal welche Daten man betrachtet, die Modelle liefern immer dieselbe Ursache.

    Ein komplexeres Modell, das auch Sonnenaktivität, Ozeanzyklen, Wolkenbildung oder Aerosole berücksichtigt, hätte automatisch geringeren Bias und höhere Varianz. Es würde mehrere Einflussgrößen zulassen und deren Gewichtung neu bestimmen. Dadurch würde die Varianz der Ergebnisse automatisch steigen, weil das Modell nicht mehr nur eine einzige Ursache zulässt. Dabei könnte sich herausstellen, dass CO₂ nur einen kleineren Anteil am Gesamt-Geschehen hat, was die Frage nach dem Verhältnis von Aufwand und Nutzen heutiger Klimamaßnahmen stellen würde.

    Und eigentlich lässt sich das auch umgekehrt formulieren: Wenn ein Modell trotz vielfältiger Daten immer nur eine einzige Ursache ausgibt und die Varianz praktisch bei null liegt, dann ist das ein Hinweis darauf, dass das Modell zu weit von der Realität entfernt ist. Eine komplexe Welt produziert keine eintönigen Erklärungen. Geringe Varianz ist in diesem Fall kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Zeichen dafür, dass wichtige Einflussfaktoren fehlen.

    • Dr. Rolf Lindner 17. Juli 2026 um 21:44 Uhr - Antworten

      Mangelnde Plausibilität

      Wissenschaftler achtet penibel,
      dass euer Wirken ist plausibel.
      Fehlt’s ihm an Plausibilität,
      dem Kundigen es dann verrät,
      die Wissenschaft ist keine solche,
      am Werke sind stattdessen Strolche,
      die hinter Wissenschaft verstecken,
      dass Volksverdummung sie aushecken.
      Der Wissenschaftler, der sich beugt,
      wissentlich Lug und Trug erzeugt,
      zeigt Zeitgeistes Haltung dabei,
      ist doch nicht mehr als ein Lakai,
      wird mit falsche Daten Erdichten
      die eigene Zukunft vernichten,
      was ist primär nur äußerlich,
      doch innerlich sitzt auch ein Stich.
      Hat viel Gehirnschmalz aufgewendet,
      was sicher einst im Abfall endet,
      denn falsche Theorien zerbrechen,
      wenn Wahrheiten sich bitter rächen.
      So zeigt sich manche Hypothese
      wissenschaftlich als großer Käse,
      wenn ein Problem am Anfang steht:
      Mangelnde Plausibilität.

  2. Jurgen 17. Juli 2026 um 10:50 Uhr - Antworten

    Und – ganz wichtig – Bäume lügen nicht.

    • Tabascoman 18. Juli 2026 um 1:37 Uhr - Antworten

      Das ist aber nicht mit Greta und Luisa coordiniert.

  3. VerarmterAdel 17. Juli 2026 um 10:15 Uhr - Antworten

    „Die Frage ist nicht, ob die solare Aktivität zurückgeht. Die Frage ist, ob wir vorbereitet sind — oder ob wir weiterhin Milliarden in CO₂-Reduktion stecken, während die wahre Klima-Lokomotive auf Leerlauf schaltet.“

    Die wahre Frage ist, ob wir weiterhin zulassen, dass die ferngesteuerten Polituhren weiterhin alles tun, was sie Profiteure der größten Lüge in der Geschichte (Klimalüge) ausgeheckt haben um die totale Kontrolle über die gesamte Welt zu bekommen, oder wir sie endlich in die Wüste jagen und uns unser Leben zurückholen. Noch ist das möglich, wenn ISrahell sich durchsetzt (totale Kontrolle sog. fossiler Energie, Noahide-Gesetz der schlimmsten Rassisten) bald wird es zu spät dafür sein.

    Bezugnehmend auf den aktuell stattfindenden heißesten Klimasommer aller Klimasommerzeiten mit tiefrot glühenden Wetterkarten bei allen Wetterfröschen:

    „Für mich ist jedenfalls faszinierend, dass dieser Extremsommer 1540 kurz vor der kältesten Epoche innerhalb der „Kleinen Eiszeit“ stattgefunden hat. Nur 50 Jahre später ist in Österreich der Weinbau vorübergehend zum Ende gekommen und die Gletscher sind rasant vorgestoßen. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ist die größte Häufung von „Seegfrörnen“ des Bodensees überliefert. Kurzum: Auf den Jahrtausendsommer 1540 folgte innerhalb von wenigen Jahrzehnten ein unglaublicher Klimaabsturz. Das ist erstaunlich.“

    — Günther Aigner in https://coronistan.blogspot.com/2022/09/627-800-879-1000-1022-1132-1152.html

    Davon ganz abgesehen:

    Valentina Zharkova: Globale Abkühlung (Kaltzeit; engl. Ice Age) hat begonnen – https://coronistan.blogspot.com/2026/01/globale-abkuhlung-hat-begonnen-kleine.html

  4. DrG 17. Juli 2026 um 9:36 Uhr - Antworten

    Desinformationsschleuder wieder auf diesem Blog.
    Die Sonne mag großen Einfluss haben, aber nicht beim derzeitigen Klima. Die Strahlung der Sonne ist exakt messbar, deren kleine Schwankungen derzeit korrelieren überhaupt nicht mit der Erwärmung.

    • Thomas Moser 17. Juli 2026 um 11:48 Uhr - Antworten

      Der harte Vorwurf „Desinformationsschleuder“ passt hier eigentlich nicht, denn im Artikel ging es um den Einfluss der Sonne im ersten Jahrtausend – also um historische Klimavariabilität. Ein Bezug zur Gegenwart wurde nur indirekt hergestellt. Die Frage, warum heutige Schwankungen der Sonnenaktivität keinen Einfluss haben sollen, ist daher völlig legitim. Wenn die Sonne über Jahrhunderte und Jahrtausende nachweislich eine Rolle gespielt hat, ist es zumindest erklärungsbedürftig, weshalb dieser Einfluss heute angeblich keine Bedeutung mehr haben soll. Dass die Strahlungsleistung der Sonne messbar ist, stimmt natürlich, aber daraus folgt nicht automatisch, dass sie klimatisch irrelevant wäre. Die Frage nach der Rolle der Sonne ist also kein Zeichen von Desinformation, sondern ein normaler wissenschaftlicher Reflex: Wenn ein Faktor früher wirksam war, sollte man plausibel begründen können, warum er heute angeblich keine Rolle mehr spielt. Die Klimamodelle sind unterkomplex, siehe Einwand oben.

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