Die Tradition der Russenfeindlichkeit

18. März 2022von 9,3 Minuten Lesezeit

Antirussische Stimmungsmache hat im deutschsprachigen und angelsächsischen Raum eine lange Tradition. Sie hat imperialistische und geopolitische Wurzeln und zieht sich vom 19. Jahrhundert über die NS-Politik bis zum Kalten Krieg. Darauf baut die aktuelle Propaganda der NATO und des medialen Mainstreams auf. Egal wie man sich im Detail zum Ukraine-Konflikt positioniert, sollte man diese Ebene nicht aus dem Blick verlieren.

In den hundert Jahren zwischen dem Wiener Kongress und dem Ersten Weltkrieg galt der russische Zarismus als Hort der Reaktion in Europa. Auch Karl Marx und Friedrich Engels sahen das so und diese Sicht war schließlich in der europäischen Sozialdemokratie weit verbreitet. Sie hatte ja auch eine reale Basis nicht nur im autoritären Herrschaftssystem der Zaren, sondern auch in den ökonomischen und kulturellen Verhältnissen des damaligen Russlands.

Britische Russenfeindlichkeit

In England entwickelte sich im 19. Jahrhundert eine Russenfeindlichkeit, die in den Interessen des britischen Imperialismus ihre Grundlage hatte. Dabei ging es um Konflikte mit Russland um Einflussgebiete in Zentralasien und Persien. Dazu kam der Krimkrieg 1853-56, in dem Großbritannien an osmanischer Seite gegen Russland antrat und der in der britischen Öffentlichkeit zu massiver Hetze gegen „die Russen“ benutzt wurde. Und schließlich führte die Ausgleichspolitik des deutschen Kanzlers Otto von Bismarck gegenüber Russland, die im „Rückversicherungsvertrag“ von 1887 zum Ausdruck kam, zu Beunruhigung bei den Spitzen des Empires und zu einer Erneuerung der antirussischen Stimmungen.

Bereits 1904 theoretisierte der englische Geograf Harold Mackinder die britische Geopolitik mit seinem „Heartland-Konzept“. Er betonte dabei die Bedeutung von Geographie, Technik, Wirtschaft, Industrie sowie Rohstoff- und Bevölkerungsressourcen für eine vergleichende Bewertung von Landmacht und Seemacht. Sein Kerngedanke war: Wer die eurasische Landmasse beherrscht, beherrscht die Welt. Die „Seemächte“, also Großbritannien und die USA, müssen um jeden Preis ein Bündnis zwischen Deutschland und Russland verhindern.

Aber auch der deutsche und österreichische Imperialismus entwickelten eine antirussische Richtung. Bismarcks Nachfolger waren geopolitisch weniger weitsichtig als der berühmte Kanzler, erneuerten den Rückversicherungsvertrag nicht und setzen auf eine wahnwitzige „Politik der Stärke“ gegen alle, die auch eine Expansion in Osteuropa im Visier hatte. Und aus der Konkurrenz mit Russland in Südosteuropa und gegen den russischen Panslawismus entstand bei der Führung Österreich-Ungarns eine antirussische Politik, die beispielsweise gezielt die Herausbildung eines ukrainischen Nationalismus in Galizien förderte. Beim österreichischen Deutschnationalismus hingegen dominierte noch bis in die Zeit Jörg Haiders eine allgemeine antislawische Haltung.

Vom Weltkrieg nach Rapallo

Die bereits vorhandenen russenfeindlichen Stimmungen ermöglichten es dem deutschen Imperialismus 1914, den Krieg gegen Russland als Kampf der europäischen Zivilisation gegen die östliche Barbarei zu verkaufen. Deutsche und österreichische Soldaten wurden mit Parolen wie „jeder Schuss ein Russ“ in den Krieg gehetzt. Und die deutsche Führung versuchte auch, die baltischen Völker und die Ukrainer – auf der Grundlage ihrer langen Diskriminierung unter der zaristischen Herrschaft – gegen Russland zu instrumentalisieren. Das kam insbesondere im Separatfrieden von Brest-Litowsk zum Ausdruck, den Deutschland im März 1918 dem revolutionären Russland diktierte.

Mit der russischen Revolution 1917 änderte sich das westliche Bild von Russland teilweise. Zumindest Teilen der Arbeiterbewegung galt es als Speerspitze der Revolution. Und in Deutschland suchten bürgerliche und rechte Kräfte, unterstützt von den Kommunisten, nach dem Diktatfrieden von Versailles einen Ausweg aus der internationalen Isolation und eine Verständigung mit der Sowjetunion, was schließlich 1922 zum Vertrag von Rapallo führte, der wirtschaftliche und militärische Kooperation vorsah und der die westlichen Imperialismen alarmierte.

Auf der anderen Seite kombinierte sich in bedeutenden Teilen der rechten imperialistischen Führungen eine antirussische Haltung nun mit einer antikommunistischen. Das galt in Deutschland besonders für die NSDAP Adolf Hitlers, der auf die antislawische Feindseligkeit des österreichischen Deutschnationalismus aufbaute, den Vertrag von Rapallo rabiat ablehnte, die Russen als „Untermenschen“ kategorisierte und Osteuropa als Hauptexpansionsziel anvisierte.

Das galt aber auch für gute Teile der britischen Eliten, etwa im Königshaus, die die Sowjetunion als Hauptfeind ansahen, eine deutsch-russische Verständigung fürchteten und gewissen Sympathien für die Nazis hegten, weil diese die kommunistische Bewegung in Deutschland zerschlagen hatten und die Garanten für deutsch-russischen Konflikt waren. Dass einige westliche Großindustrielle – etwa die Eigentümer von Ford, Shell und IBM – sowie Banken bei der Finanzierung der NSDAP halfen, könnte durchaus auch mit solchen geopolitischen Motiven verbunden gewesen sein (siehe dazu etwa: Antony Sutten: Wall Street und der Aufstieg Hitlers).

Von den Nazis zum Kalten Krieg

Der Höhepunkt westlicher Russenfeindschaft war dann die Vernichtungspolitik der Nazis in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. In NS-Lagern wurden – gerechtfertigt durch das rassistische „Untermenschen“-Konzept – mindestens vier Millionen russische Kriegsgefangene ermordet und wohl etwa zehn Millionen russische Zivilisten auf verschiedene Arten ums Leben gebracht. Gleichzeitig meldeten sich 84.000 Ukrainer für den Dienst in der SS, 110.000 Letten und 70.000 Esten kämpften in verschiedenen NS-Verbänden gegen die Rote Armee.

In der Ukraine kam dazu der militärische Flügel (UPA) von Stephan Banderas ukrainisch nationalistischer OUN, der sich nicht direkt den Nazis unterstellte, aber mit ihnen gegen die Sowjets kollaborierte. Nach dem Weltkrieg setzte die UPA ihren antirussischen Kampf fort, 1945 bis 1946 gelang es ihr, die westliche Hälfte der Ukraine unter ihre Kontrolle zu bringen, maßgeblich unterstützt durch den CIA und andere US-Strukturen. Erst 1950 waren sie besiegt.

Mit dem Beginn des Kalten Krieges wurden im Westen erneut antirussische Stimmungen gepusht, von Politikern, Medien und Hollywood-Filmen antirussische Stereotypen verbreitet, Russland zum großen Feindbild der „Freien Welt“ gemacht. In Deutschland und Österreich konnte dieses Bild zusätzlich auf zwei Dinge aufbauen, nämlich auf die Übergriffe sowjetischer Soldaten auf die Zivilbevölkerung 1945 und auf die jahrlange antirussische Hetze der Nazis.

Jedenfalls wurde in den NATO-Staaten und auch in anderen westlichen Ländern jahrzehntelang das Bild von finsteren, verschlagenen, böswilligen und kriegstreibenden Russen in allen Farben gemalt. Die NATO und die USA hingegen, die in Wahrheit jeden Aufrüstungsschub begannen und die meisten Kriege führten, wurden als friedens- und freiheitsliebend verklärt. Mit der Unterstützung von islamistisch-reaktionären Freischärlern gegen eine vergleichsweise moderne Regierung in Afghanistan gelang es den USA, die verhassten Russen in eine Falle zu locken und den Untergang der Sowjetunion einzuläuten.

Von Jelzin zu Putin

Ein positives Bild Russlands gestaltete der westliche Mainstream nur in der Phase, als die russische Führung unter Michail Gorbatschow (1985-91) und insbesondere unter dem alkoholkranken Boris Jelzin (1991-99) vor der NATO kapitulierte, die russische Wirtschaft dem Zugriff der westlichen Banken und Konzerne bereitwillig auslieferte und bereit war, Russland dem US-Imperium unterzuordnen. Merke: Nur ein unterworfenes Russland ist ein gutes Russland.

Als Wladimir Putin ab 1999 begann, den zerfallenden russischen Staat wieder zu stabilisieren, die Wirtschaft zu kontrollieren, ernsthaft Konzernsteuern einzutreiben und Löhne wieder zu erhöhen sowie in der internationalen Politik russische Interessen zu definieren, änderte sich die gemachte Stimmung im Westen rasch wieder. Als auch noch der deutsche Kanzler Gerhard Schröder, in der Tradition von Bismarck, eine Annäherung mit Russland suchte, war bei den angelsächsischen „Seemächten“ Feuer am Dach.

Auch die deutschsprachigen Mainstream-Medien, die durch verschiedenste Verflechtungen mit transatlantischen Netzwerken der NATO verpflichtet sind, trugen dem mit zunehmend antirussischer veröffentlichter Meinung Rechnung. Schließlich bilanzierte George Friedman, der Chef des CIA-nahen Informationsdienst Stratfor, im Jahr 2015: Das Ziel der US-Politik seit 100 Jahren sei die Verhinderung eines Bündnisses zwischen Deutschland und Russland, zwischen deutscher Technologie und russischen Ressourcen, weil das die einzige Gefahr für die US-Vorherrschaft darstelle.

Von der Ukraine nach Syrien und retour

Dementsprechend ordnen „unsere“ Medien verschiedene Konflikte der letzten Jahre ein. Der putschistische Charakter des von westlichen Geheimdiensten und NGOs in der Ukraine organisierten antirussischen Maidan-Umsturz 2014, die gewaltsame Unterdrückung von friedlichen Gegendemonstrationen in Odessa, Mariupol und Charkow, das weitgehende Verbot von russischsprachigem Unterricht 2017 sowie der jahrelange ukrainische Artilleriebeschuss auf die Großstädte Donezk und Lugansk mit tausenden Toten wurden von den westlichen Mainstream-Medien weitgehend totgeschwiegen. Nach dem Motto: Sind ja nur Russen, die das betrifft.

In Syrien haben NATO-Länder, wie schon in den 1980ern in Afghanistan, islamistische Kräfte protegiert, um ein Regime, das man nicht völlig unter Kontrolle hat, loszuwerden. Dass man dabei de facto eine Al-Kaida-Formation offen und der Mörderbanden des IS indirekt unterstützte, wurde von US-Stellen in Kauf genommen und von den westlichen Medien, die stets von Humanität faseln, systematisch verschleiert. Als böse dargestellt wurden hingegen wieder mal die Russen, die immerhin die Islamisten in Syrien gestoppt haben.

Und bezüglich der aktuellen Auseinandersetzung üben sich westliche Politiker und Journalisten wieder mal in Schwarz-Weiß-Malerei. Alles wird so hingedreht, als wäre der russische Einmarsch aus heiterem Himmel passiert, als hätte es keine Vorgeschichte von NATO-Vordringen nach Osten, von NATO-Aufrüstung der Ukraine und von nationalistischer Politik der Ukraine gegeben. Glaubt man „unseren“ gleichgeschalteten Medien bringen barbarische Russen aus Mordlust absichtlich Zivilisten um, während heldenhafte und edle Ukrainer Demokratie und Menschenrechte verteidigen. Kaum ein Wort über die Praktiken der Neonazi-Einheiten auf ukrainischer Seite, kein Wort über Folter und Mord an russischen Kriegsgefangenen.

Remember Liebknecht

Was heute im Westen medial stattfindet, ist eine neuerliche Dämonisierung von Russland. Russischstämmige in Westeuropa sind mit pauschalen Anfeindungen, beschädigten Autos und beschmierten Wohnungstüren konfrontiert, russische Künstler und Sportler werden international ausgeschlossen, Konzerthäuser verbannen die Musik von Pjotr Tschaikowsky. Nur die Russen, die sich bereitwillig für die NATO-Propaganda instrumentalisieren lassen, werden in Ruhe gelassen.

Natürlich ist Kritik an der heutigen russischen Führung – und noch mehr an den Regimen des Zarismus und Stalinismus – legitim. Natürlich hat auch Putin geopolitische Ziele. Sie haben aber angesichts der NATO-Einkreisungspolitik mehr Legitimität als die der NATO. Und eine multipolare Welt bedeutet auch mehr Spielräume für kleinere Staaten und Emanzipationsbewegungen, als wenn allein die USA/NATO und die mit ihnen verbundenen globalistischen Netzwerke des Großkapitals alles bestimmen.

Die NATO ist kein „Friedensbündnis“, sondern der bewaffnete Arm der globalen Banken- und Konzernherrschaft und des US-Imperiums. Ihre Ausdehnung auf die Ukraine hat nichts Fortschrittliches. Die Bevölkerung der Ukraine ist auch ein Opfer der aggressiven NATO-Expansionspolitik und der Kräfte im Land, die sich seit Jahren dafür einspannen lassen.

Kritische Menschen sollten sich nicht vor den Karren von NATO und US-Imperialismus spannen lassen und nicht in das antirussische Geheule einstimmen. Diejenigen, denen eine linke Tradition ein Anliegen ist, können sich dabei auf das Diktum des deutschen Sozialisten und Kriegsgegners Karl Liebknecht vom „Hauptfeind im eigenen Land“ beziehen.

In den letzten Wochen waren zwei Dinge auffällig: Erstens sind es in vielen sozialen Zusammenhängen Menschen mit familiären Wurzeln in Serbien, dem Irak oder Afghanistan gewesen, die sich von der Menschenrechtspropaganda der NATO-Politiker nicht blenden ließen, Menschen aus Ländern also, die US-Angriffe selbst erlebt haben. Und zweitens haben viele Menschen im Corona-Regime in der eigenen Lebensrealität erfahren, wie heuchlerisch und verlogen das herrschende Parteienkartell und seine gleichgeschalteten Medien funktionieren. Sie erkennen nun einen ähnlich totalitären Spin in der Ukraine-Frage. Sie sehen, dass wieder jeder stigmatisiert und geächtet wird, der abweicht oder auch nur Fragen stellt. Und diese Menschen glauben nicht mehr alles, was ihnen vorgesetzt wird?


Die ukrainische Vorgeschichte

Tucker Carlson auf Fox News über US-finanzierte Biowaffenlabore in der Ukraine – Vorsicht unangenehme Wahrheiten

Propaganda um Mariupol

16 Kommentare

  1. Eva-Maria 21. März 2022 at 12:11Antworten

    Zitat:
    Mit der russischen Revolution 1917 änderte sich das westliche Bild von Russland teilweise.

    ja, NO NA NET sag ich da
    der Zar war ja weg und die Westfinanzierten kamen rauf

    es gab auch die superfreundlichen Yalta Gespräche wo man sich die Welt aufteilte dann urplötzlich war KALTER Krieg, und dann kam wieder Gorbi in Love und dann Kalter Krieg gegen Putin.

    Und immer kochte pünktlich die Russophobie hoch und nahm wieder ab und kochte wieder hoch und nahm wieder ab.

    Na warum wohl?
    WEIL die Propaganda im Westen so war.

    Und warum war sie so?
    WEIL die West-Liebe zu Russland oder dessen Dämonisierung immer davon abhing, wer genau IN Russland regierte.

  2. Elisabeth 19. März 2022 at 13:19Antworten

    Weltraumkonferenz zensiert den Namen des russischen Kosmonauten Juri Gagarin.

  3. Michael R 19. März 2022 at 12:37Antworten

    Guter Beitrag, bestätigt vieles, was ich mir schon selbst zusammengereimt hatte. Wesentlich:

    》Schließlich bilanzierte George Friedman, der Chef des CIA-nahen Informationsdienst Stratfor, im Jahr 2015: Das Ziel der US-Politik seit 100 Jahren sei die Verhinderung eines Bündnisses zwischen Deutschland und Russland, zwischen deutscher Technologie und russischen Ressourcen, weil das die einzige Gefahr für die US-Vorherrschaft darstelle.《

    Genau darum geht es. Die USA (vermutlich zusammen mit UK) setzen die Tradition der „balance of power“ Politik fort.

    Wie England früher, vom Kontinent getrennt, sich um die Machtentwicklungen dort sorgte und argwöhnisch beobachtete, haben die USA heute global gesehen gegenüber der Euroasiatischen Landmasse eine ähnliche Insellage, und achten peinlich darauf, dass EU und Russland, aber auch China und Russland sich nicht zu stark einander annähern. Sollte das nämlich geschehen, ist die US-amerikanische Vormachtstellung zu Ende.

  4. Pfeiffer C. 19. März 2022 at 11:44Antworten

    Zweiter Versuch – inklusive vorbehaltsloser Zustimmung zur Angerer-Analyse.

    Das Russland-Schurken-Narrativ wurde nach 1989, ab da den US-Strategen die neugemischten geostrategischen Europakarten absolut nicht schmeckten – sie befürchteten eine verstärkte deutsch-russische Zusammenarbeit (was namentlich für Europa & Russland eine friedvolle, allen Bevölkerungsschichten zuträgliche, sichere Zukunft bedeutet hätte) –

    wurde also das Russland-Schurken-Narrativ mit alle nur erdenklichen transatlantischen Mätzchen auf allen nur erdenklichen Ebenen konfiguriert. Dazu gehörte – der schon von Schachbrett-Brzeziński ersonnene – geostrategische Dreh- und Angelpunkt Ukraine.

    Mit dem vorläufigen Höhepunkt (und damit überspringe ich aus Platzgründen alle dahingehenden geostrategischen Polit-Brückenköpfe) ukrainischen Verfassungsänderung zugunsten eines EU- / NATObeitritts.

    40 Prozent der Ukrainer sprechen Russisch – Das Verbot der russischen Sprache macht deutlich, dass dem Krieg in der Ukraine im Inneren ein Kulturkampf zugrunde liegt: Im Mai 2014 haben in Donezk und Lugansk die Menschen bei einem Referendum für die Abspaltung von der Ukraine gestimmt. Zur Verteidigung ihrer kulturellen Identität. Die ukrainische Armee hat versucht, diese kulturelle Identität mit Waffengewalt zu unterdrücken. Seit dieser Zeit tobt der Krieg.

    Situationsverschärfend die faschistische ukrainische Machtkomponente, namentlich Selensky, lat einem RBC-Ukraine im April 2019 sagte er, dass der OUN-B-Führer Stepan Bandera, eine umstrittene Figur in der ukrainischen Geschichte, „ein Held für einen bestimmten Teil der Ukrainer war, und das ist eine normale und coole Sache. Er war einer von denen, die die Freiheit der Ukraine verteidigt haben“.

    Stepan Bandera und seine Partei (OUN) waren mitverantwortlich für die „Säuberungen“, sprich für die Morde an jüdischen und polnischen Ukrainern. Wer Bandrea als Held und Freiheitskämpfer bezeichnet, ist ein Nazi-Freund.

  5. Andreas I. 19. März 2022 at 10:49Antworten

    Mackinder war darauf fixiert, eine Zusammenarbeit von Deutschland und Russland zu verhindern.
    Brzezinski war darauf fixiert, Ukraine an USA zu binden, um Russland zu schwächen.

    Aber beide Mackinder wie Brzezinski waren so gesehen selber Opfer der Russenfeindlichkeit, weil sie beide auf Russland fixiert waren.

  6. Andreas I. 19. März 2022 at 10:28Antworten

    „Separatfrieden von Brest-Litowsk zum Ausdruck, den Deutschland im März 1918 dem revolutionären Russland diktierte.“

    Da wäre die Frage, ob Deutschland diktierte, denn Deutschland war am Ende seiner materiellen Ressourcen, die deutsche Armee hatte ihre Logistik überdehnt usw..

  7. alexandrabader 19. März 2022 at 10:04Antworten

    Heisst das, dass die Russenmafia und ihr dienende (Ex-) Politiker so super sind? Dass das System von KGB – Mafia – Oligarchen toll ist, das auch im Westen viel Schaden anrichtet?

  8. Domenico 19. März 2022 at 8:49Antworten

    Die russische Gefahr wird auch sehr eingehend in „Paneuropa“ von Coudenhove Kalerghi beschrieben, der ja zufälligerweise Großbritannien NICHT in „Paneurutupia“ gesehen hat. Ich erlaube mir, dieses hochinteressante Werk des mythischen Vordenkers, ohne Sarkasmus, jedermann zu Lektüre zu empfehlen. Gibts in vielen Sprachen kostenlos zum Download.

  9. Oskar Krempl 19. März 2022 at 4:27Antworten

    Herr Angerer,

    was Sie hier betreiben ist Geschitsklitterung. Dazu nehmen Sie einzelne Details aus dem Zusammenhang heraus, unterschlagen alles, was nicht zu Ihrer Propaganda passt und fügen es zu einem willkürlichen Gemenge zusammen, um Ihre Ansicht einer konstruierten Realität zu unterstützen. Was Sie hier tun grenzt an Verhetzung, ist aber zumindest propagandistische Falschinformation.

    Nun zu den Fakten im groben Überblick. Wie schon de Gaulle sagte:“Ein Staat hat keine Freunde, sondern lediglich Interessen und die können sich ändern“
    Das ist nun mal die schmutzige Realität der großen Politik sogenannter Imperien.
    Für Großbritannien war Russland ein willkommener Verbündeter im Kampf gegen Napoleon, gegen das deutsche Kaiserreich (allerdings nur bis zum Frieden von Brest-Litowsk, siehe auch die Interventionen in Russland während dem Bürgerkrieg), am Anfang des 2. WK ein gesuchter Verbündeter (scheiterte am Veto der Polen gegen ein Durchmarschrecht der sowjetischen Truppen), dann ein Gegner und ab 1941 bis 1945 ein tatsächlicher Verbündeter, um nachher bis zum Zerfall der Sowjetunion ein Gegner zu sein.
    Das mehr oder minder selbe Bild für Preußen bzw. später das deutsche Kaiserreich. Zuerst neutral, dann von Napoleon besiegt, gezwungen an seinem Feldzug gegen Russland ein Kontigent zu stellen, dann Aufstand gegen Napoleon, verbündet mit den Russen gegen ihn. Deutschland hat sich nicht am Krimkrieg beteiligt. Den Rückverischerungsvertrag haben sie bereits erwähnt, den nicht zu erneuern war ein schwer wiegender Fehler. Zum Unterschied von anderen Großmächten hat allerdings das deutsche Kaiserreich nach seiner „Geburt“ bis zum 1. WK keinen einzigen Krieg geführt.
    In der Zwischenkriegszeit ein Verbündeter, …etc.

    Jeder der sich etwas detailliert mit dem geschichtlichen Verlauf der letzten 200 Jahre in der Welt beschäftigt, kann klar erkennen, wie sich die Bündnisse alle paar Jahrzehnte, manchmal sogar innerhalb von ein paar Jahren komplett änderten.
    Daraus eine konstante antirussische Stimmungsmache ableiten zu wollen ist kompletter Unsinn und nur mittels ihrer selektiven Einzeldarstellung möglich.

    Nach der selben Methode könnte ich auch eine antideutsche Stimmungsmache in Frankreih, Großbritannien, USA, etc. konstruieren.

    Die Presse wurde weltweit seit ihrer Entstehung zur Manipulation der Menschenmassen verwendet. Manchmal subtil durch Geld, manchmal durch geziehltes Durchsickern und in Dikaturen, die ihr Handwerk verstehen (Informationsmonopol) per Anordnung. Das wurde und wird noch von einer Eigenart der Presse (only bad news are good news) unterstützt.
    Diese Manipulation dient immer einem bestimmten Ziel und diese Ziele ändern sich mit der politischen Lage, auch wenn diese urplötzlichen Änderungen mitunter jedem gesunden Menschenverstand widersprechen.

    Daraus resultiert die immer mehr um sich greifende Ablehnung der Massenmedien als Lügenpresse. Dies kann aber weder bzw. noch soll es als Freibrief für so ein Machwerk verstanden werden.

    Von einem studierten Historiker (so ihre Selbstdarstellung) erwarte ich mehr als so ein Machwerk oder gehören Sie etwa du den Leuten, die lediglich alles durch ihre politisch gefärbten Brillen filtern und dementsprechend darstellen?

  10. Uwe Pohle 18. März 2022 at 20:46Antworten

    In der Darstellung wurden 40 Jahre Deutsch-Sowietische Freundschaft ausgeblendet. Auch die DDR war ein Teil Deutschlands. Wenn heute von einer verordneten Freundschaft geschwafelt und fabuliert wird, ist sie doch nicht spurlos an den Menschen in beiden Ländern vorüber gegangen. Einfache Leute haben in dieser Zeit Freundschaften geschlossen die in die Herzen gingen und bis heute andauern. Eine noch so ausgerollte Propaganda kommt dagegen nicht an. Auch in dieser Frage ist Deutschland gespalten – in Ost und West.

    • Andreas I. 19. März 2022 at 10:15Antworten

      @ Uwe Pohle Hallo,
      sowohl als auch, diejenigen Ostdeutschen, die eher im (inneren ;) Konflikt mit den sozialistischen System standen, waren entsprechend auch eher gegen „die Russen“ eingestellt, als z.B. die, die „an die Trasse“ fuhren.

      Ostdeutsche sind aber damit aufgewachsen, dass es immer zwei Ansichten gibt: Ostfernsehen und Westfernsehen. Und das ist spätestens seit 2014 Ukraine Maidan wieder exakt so.

  11. Matthias 18. März 2022 at 20:10Antworten

    Möglicherweise ist die russenfeindliche Stimmung zu Zeiten der Sowjetunion ja die Folge des faschistischen massenmörderischen Bolschewismus, dem ja ua auch ein paar Millionen mehrheitlich ukrainische Kulaken zum Opfer gefallen sind. Nur kane Umständ‘..

    Dass Amerika einen Gutteil seiner Kriege zur Abwehr sowjetischer und chinesischer Agitation geführt hat, bleibt seltsam unerwähnt, so als habe es keine DUTZENDEN MILLIONEN Toten in div unkultivierten Kulturrevolutionen, Großen Sprüngen nach vorne und ins Massengrab oder ähnliche steinzeitliche (pardon, liebe echte Steinzeitler!) Errungenschaften des Sozialismus gegeben. Warum bloß..?

    • Andreas I. 19. März 2022 at 10:00Antworten

      @ Matthias Hallo,
      „Möglicherweise ist die russenfeindliche Stimmung zu Zeiten der Sowjetunion ja die Folge des faschistischen massenmörderischen Bolschewismus“

      Faschismus baut auf Liberalismus auf, Banken und Industrie sind in Privatbesitz.
      Stalinismus baute auf Kommunismus auf, Banken und Industrie waren staatlich.
      Privatbesitz vs Staatseigentum; dieser Unterschied ist für mich ein Grund, an der Stelle begrifflich beim Zutreffenden zu bleiben.

      „dem ja ua auch ein paar Millionen mehrheitlich ukrainische Kulaken zum Opfer gefallen sind“

      Etlichen Ukrainern mag es damals so vorgekommen sein, dass „die Russen kommen“. Den wahrscheinlich konnten diese Ukrainer damals nicht wissen, dass auch Millionen Russen dem selben Stalinismus zum Opfer gefallen sind.
      Heute ist das allerdings bekannt.

      „Dass Amerika einen Gutteil seiner Kriege zur Abwehr sowjetischer und chinesischer Agitation geführt hat, bleibt seltsam unerwähnt,“

      1.
      Soweit ich den Artikel verstanden habe, geht es nicht Chinesenfeindlichkeit oder Kommunistenfeindlichkeit, sondern um Russenfeindlichkeit,
      2.
      Wenn man die „Agitation“ weiter denkt, dass sich dann Staaten wirtschaftlich und finanziell aus dem USA-Einflussbereich herauslösen, dann ergibt es Sinn, denn das sind nach wie vor die Gründe, warum USA Krieg führt; siehe Irak, Libyen, Syrien.
      Dann ist aber „Kriege zur Abwehr [von] Agitation“ falsch und „Krieg zum Erhalt und/oder Ausbau der globalen Führung“ zutreffend („global leadership“ sagen US-Politiker).
      3.
      Mit der Kolonialisierung hat sich der Westen selber verhasst gemacht.
      Diese Bevölkerungen haben erlebt, was „Freiheit“ aus dem Mund von liberalen Westlern bedeutet – nämlich Kolonialisierung.
      Dass die sich dann möglicherweise anders orientieren, das hat der „Westen“ wesentlich selber mit verursacht.

      „so als habe es keine … oder ähnliche … Errungenschaften des Sozialismus gegeben. Warum bloß..?“

      Vielleicht, weil es nicht um Sozialisten- bzw. Kommunistenfeindlichkeit geht, sondern um Russenfeindlichkeit?

      Kommunist = Kulturrevolution = Millionen Tote
      also:
      Kommunist = BÖÖÖSE
      und
      Russe = Kommunist
      also:
      Russe = BÖÖÖSE
      Oder wie ?!

      So wie ich den Artikel verstanden habe, will er ja gerade solche Konstruktionen von Feindbildern hinterfragen.

    • Andreas I. 19. März 2022 at 12:33Antworten

      p.s.:
      4.
      Nein, auch wenn es Sprachgebrauch ist, Amerika hat keine Kriege geführt.
      USA hat Kriege geführt u.a. auch gegen andere Amerikaner wie Mexikaner.
      Den tradierten Sprachgebrauch finde ich verbesserungswürdig, denn von 900 Mio. Amerikanern sind 300 Mio. Usaner, d.h. 1/3 und 2/3.

  12. leontinger 18. März 2022 at 20:02Antworten

    Seit Ausbruch der Corona-„Pandemie“ betrachte ich die Medien viel kritischer, da ich bedauerlicherweise feststellen musste wie sog. “Faktenchecker“ über Corona-kritische Mediziner loszogen, sie sogar denunzierten, wie ein adeliger Praktikant bei Mimikama beleidigend über Bhakdi urteilte.
    Seit dieser Zeit betrachte die Medien reflektierter und sehe auch politisch vieles differenzierter.
    Danke Dr. Mayer immer wieder für diesen Blog!

    (Was mache ich falsch, dass ich die Beiträge, nicht die Kommentare, nicht mehr beurteilen kann?)

  13. lumpazivagabundus 18. März 2022 at 19:34Antworten

    Sehr guter Beitrag! Unbestritten existiert nach wie vor eine russophobe Geisteshaltung, sorgsam konserviert. Derzeit wird fast hysterisch eine antirussische Stimmung entfacht. Dennoch gilt, dass die Zeit weiter gegangen ist und antirussische Ressentiments wohl nicht mehr so wirkmächtig sind wie zur Zeit des Kalten Krieges, des Nationalsozialismus … H. Schmidt, Ex-Bundeskanzler schrieb seinen Nachfolgern ins Stammbuch:“Russland ist der größte Partner und der mächtigste Nachbar in Europa. Ohne Russland kann es keinen Frieden in Europa geben.“
    Wahre Worte! Ein Frieden gegen Russland führt zwangsläufig zum Krieg! Eine simple Wahrheit und auch Mahnung. Eine Mahnung im Rückblick auf die europäische Geschichte in den 1930er Jahren.

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