Reisebericht aus der weitgehenden Normalität im Libanon und Jordanien

Der Nahe Osten ist nicht nur eine politisch, sondern auch epidemiologisch hoch spannende Region. 18 Tage konnte ich den 1/2/3G-Regeln entfliehen und eine entspannte Zeit in der Wärme verbringen. Das Land, das problematisch ist, weil früh und hoch geimpft, habe ich praktisch rundherum umflogen. In den weniger geimpften Ländern hatte ich dagegen viele sehr offene und herzliche Kontakte.

Aber bevor ich über die Erfahrungen berichte noch kurz die epidemiologische Situation. Israel ist wohlbekannt, eine frühe massive Impfkampagne und seit Anfang August bis heute wurden 3,71 Millionen Booster-Dosen verabreicht. Jordanien ist mit 34% doppelten Dosen auch schon recht weit fortgeschritten, Fahrt aufgenommen hat die Kampagne aber erst gegen Ende Juni. Ähnlich der Libanon mit unter 20% Impfquote.

Dementsprechend haben sich auch die bestätigten Fälle und Todesfälle entwickelt: In Jordanien und dem Libanon eher unauffällig, vor allem im Vergleich zu Israel, bei dem insbesondere der massive Anstieg der Todesfälle mit Beginn der Booster-Kamapgane ins Auge sticht.

Der Libanon

Einstmals als die Schweiz des Ostens berühmt, leidet das Land seit Jahrzehnten unter seinen Nachbarn, insbesondere Syrien und Israel, sowie der seit dem Bürgerkrieg vorgenommenen Aufteilung der politischen Ämter und Posten auf die einzelnen religiösen Sekten. Im Oktober 2019 brach gegen die im Vergleich zu anderen Ländern noch wesentlich korruptere Regierung ein Bürgeraufstand aus. Eine Änderung des Systems gibt es bis heute nicht, obwohl Politiker ausgetauscht wurden.

Eine galoppierende Inflation, unfähige Behörden, denen Tausende Tonnen Düngemittel mit Spregstoffwirkung im Hafen entgehen, und kürzlich eine massive Treibstoffknappheit haben das Land im heurigen Sommer an den Rand des völligen Zusammenbruchs geführt. Kilometerlange Schlangen vor den Tankstellen mit Anstellen am Vorabend war der Weg für normale Menschen um zu Treibstoff zu kommen. Das endete jedoch schlagartig am 27. September, kaum hatte ich das Land verlassen.

Die Entspannung scheint aber nur kurz angehalten zu haben, denn am Samstag haben die beiden größten E-Werke wegen Mangel an Diesel eingestellt. Allerdings sind im Gegensatz zu Medienberichten die Auswirkungen gering, da die Stromversorgung ohnehin schon überwiegend durch private Generatoren erfolgt.

Der eigentlich Anlasse für die Reise war der Besuch einer Hochzeitsfeier in Zahlé mit 200 Teilnehmern. Schon am Flug über Istanbul fiel zunächst die FFP2 Maske, am Flughafen Beirut wurde Maske, wenn überhaupt, nur mehr unter der Nase oder am Kinn getragen. Epidemiologisch ist das offenbar sinnvoller als die strengen Auflagen in Israel.

Sowohl im Libanon als auch in Jordanien herrscht in Hotels, Taxis und Gastronmie Maskenpflicht, die aber nur von den Bediensteten wahrgenommen wird, meist unter der Nase oder am Kinn getragen. In Geschäften scheinen zumindest in Jordanien sich auch die Besucher daran zu halten.

Nähe, Berührung, eine ganze Nacht lang Tanz, Essen und Spaß, sind der Gesundheit und dem Immunsystem der Besucher der Hochzeitsfeier offenbar gut bekommen. Prof. Christian Schubert hat darauf hingewiesen, dass es auch wissenschaftlich bewiesen ist, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Infektion reduziert wird.

In der Nähe von Zahle, das im Bekaa Tal an der Straße von Beirut nach Damaskus liegt, finden sich auch antike Stätten und Ausgrabungen wie Baalbek, die wohl größte und besten erhaltene römische Ausgrabungsstätte weltweit. An solchen Stätten ist das Land übrigens reich. Die uralten maronitischen Klöster, oder die 7000 Jahre Besiedlungsgeschichte dokumentierende Halbinsel vor der Stadt Biblos mit der Templerburg. In einem Museum kann man unter anderem die Entwicklung der Schrift von den ägyptischen Hieroglyphen zur griechischen Buchstabenschrift verfolgen.

Auf nach Jordanien

Da eine Rückreise aus dem Libanon eine 10-tägige Quarantäne in Österreich erforderlich gemacht hätte, lag es nahe diese in der Wärme am Meer abzusitzen. Jordanien hat den gleichen Status wie die EU-Länder, die Einreise daher problemlos möglich und schon erfolgt.

Zunächst durfte ich am Flug von Beirut nach Amman mit Royal Jordanian einen nächtlichen Rundflug um Israel genießen. Und da alle Passagiere da waren, erlebte ich in meinem jahrzehntelangen Leben als Passagier erstmals einen Abflug eine halbe Stunde vor Plan.

Raus aufs Meer, entlang der Küste nach Süden, über den Sinai und dann am 4-Ländereck mit Ägypten, Israel, Jordanien und Saudi-Arabien ganz knapp unterhalb von Israel nach Jordanien bei Aqaba eingefädelt.

Schon am Flughafen wieder das gleiche Bild wie im Libanon: Entweder keine Masken oder unter der Nase.

Jordanien ist hervorragend organisiert, Sicherheit wird penibelst betrieben, Koffer beim Check in im Hotel durchleuchtet. Die Fahrt von Amman am Toten Meer vorbei ist ein Erlebnis. Man kommt relativ rasch von 1000 Meter Höhe auf 400 Meter unterhalb des Meeresspiegels und spürt das durchaus. Und die ganze Zeit gegenüber nur einige Tausend Meter entfernt Palästina oder Israel.

Aqaba hat den Status einer Sonder-Wirtschaftszone mit zollfreiem Einkauf und vielen Läden in denen es alle Arten von Alkoholika zu kaufen gibt. Die Zollgrenze wird relativ scharf bewacht und es ist die einzige Gelegenheit im ganzen Land, wo die Vorschrift des Maskentragens im Taxi eingehalten werden muss.

In Aqaba herrscht am Donnerstag abends (entspricht dem Samstag bei uns) enormes Gedränge, insbesondere in den Märkten und am Strand. Im Zugang zu Petra in der Schlucht war kaum noch ein Durchkommen, vor dem Schatzhaus herrschte erhebliches Gedränge:

Ganz ander Sitten übrigens im nur einige Kilometer von Aqaba entfernten Eilat:

Sogar auf der Autobahn Zufahrt herrscht schon Trennung zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Weder im Libanon noch in Jordanien muss man bei irgendeiner Gelegenheit außer der Einreise seinen Impfstatus oder Gesundheit nachweisen, obwohl in Jordanien bei der Einfahrt in ein Hotel gelegentlich die Temperatur gemessen wird.

Die Beduinen

Wenn man schon in Jordanien und insbesondere in Aqaba ist, dann ist ein Besuch im Wadi Rum mehr oder weniger Pflicht, genauso wie der in Petra. Sinnvollerweise bucht man einen Jeep für zwei oder drei Stunden, am besten so, dass man den Sonnenuntergang in der Wüste miterleben kann.

Unser Fahrer und Führer war Salamah, der uns ohne Zögern mit kräftigem Händedruck begrüßte. Hier sehen wir ihn und mich am Mars – oder besser einem der Drehorte für den oder die Mars-Filme.

Sein Verhalten und das seiner Beduinen-Kollegen, denen wir immer wieder begegneten faszinierte mich. Umarmung, Küsschen links und rechts war ihr normales Ritual bei Begegnung. Berührung, auch von den Gästen, ist ein normales menschliches Verhalten, das diese mit der Natur noch verbundenen Menschen, pflegen. Ich habe mich schon lange nicht mehr so wohl gefühlt wie mit Salamah und beim Tee im Beduinenzelt.

Ein Sonnenuntergang in der Wüste vermittelt allerdings ein gutes Gefühl für Stille und für das, was wirklich wichtig ist. Ein Gefühl, das die dort noch lebenden Beduinen sich bewahren konnten.

Ein Vergleich der drei Länder, die die gleichen klimatischen Bedingungen haben und auch ähnlich Bevölkerung und Bevölkerungsdichte, spricht nicht für die Wirksamkeit von Impfung und Masken.

Wieder zurück im Alltag werde ich wieder Mails lesen, die in den vergangenen 18 Tagen ungelesen ins digitale Nirwana entschwanden und auch um Kommentare werde ich mich häufiger kümmern. Versprochen!


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Update zu den Ergebnissen von Israels Booster-Impfkampagne

Vergleich Israel mit Nachbarländern zeigt Wirksamkeit der Impfung

Israel im Vergleich zu Palästina

14 Kommentare zu „Reisebericht aus der weitgehenden Normalität im Libanon und Jordanien

  1. Weitgehend normales Leben in Ungarn. Ein ähnlich entspanntes Bild ergibt sich, wenn man mit der Bahn von Wien nach Budapest fährt. An der Grenze fällt die FFP2 Maske. In Budapest ist das Leben fast völlig normal. Kein 3G oder 2G, keine Masken in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Keine Masken in Geschäften oder Restaurants. Geimpfte und Ungeimpfte werden völlig gleich behandelt.

  2. Ähnliche Erfahrungen habe ich in Russland gemacht. 3 Wochen Freiheit, allerdings fällt die Wiedereingliederung in unser Irrenhaus danach besonders schwer. Obwohl mein Urlaub schon fast einen Monat her ist, fallen mir die Absonderlichkeiten der hiesigen Bevölkerung wesentlich mehr auf als vor meiner Reise.

  3. In Deutschland,hauptsächlich aber in Österreich und Italien wird wohl die Normalität erst dann eintreten, wenn die Polit- und Medien-Panikmacher es so lange getrieben haben werden, bis sie per Volksauftand von ihren Machtpositionen entfernt und abgeurteilt sein werden.

    Wie im 2. Weltkrieg geht nun dieser unfassbare Corona- Irrsinn genau in den Ländern weiter, die damals vom Faschismus heimgesucht wurden. Die Regierungen betreiben praktisch eine faschistische Politik.
    Diese fusst auf Angstmache, einer Megadosis täglicher Lügen, Diskriminierung, Abkehr von aufklärerischen, liberalistischen und demokratischen Prinzipien, Aushebelung des Parlamentarismus und der,Verfassungen, Drangsalierung der Bürger, Schikanierung und nicht endenwollenden drakonischen, vollkommen perversen und abgehobenen Massnahmen.

    In Italien werden bereits KZ’s gebaut.
    In Südtirol (Info von vor ca. 3 Tagen) wurde in einem Ort Schulkindern verboten, während des Mittagessens zu sprechen! Kein Witz!!! Es ist nicht mehr auszuhalten. Nicht mal Urmenschen oder Tiere schikanieren ihre eigenen Kinder!!! Ab Freitag, den 15.10 gilt die 3-Regel auch an ausnahmslos allen (!!!) Arbeitsplätzen, auch im Freien und im home – working!!!!, dass sehr eingeschränkt wird, um keinen Ausweg vor der Impf- und Testpflicht darzustellen. Was für ein irrer Widerspruch!!!

    Wer kann uns hier noch retten? Hiiiiilfeeee!!!!

  4. @Kriegsgegner
    11. Oktober 2021 um 11:53 Uhr
    „…bis sie per Volksaufstand von ihren Machtpositionen entfernt und abgeurteilt sein werden“
    Das sind aber sehr unbotmässige Ideen! Nur zur Erinnerung: Volksaufstände werden nicht aufgrund von Wahlsiegen oder Umfragemehrheiten begonnen und durchgeführt, sondern durch organisierte Menschen, die sich für Ziele zusammengeschlossen haben, die im Interesse einer grossen Bevölkerungsmehrheit liegen. Mit Unterstützung vieler dazukommender Menschen werden sie erfolgreich zu Ende gebracht. Das lehrt die Geschichte.
    Umgelegt auf heute: die Gegner der Pandemie-Diktatur bekommen weder Umfrage- noch Wahlmehrheiten. Aber sie brauchen sie auch nicht. Aufgrund ihrer ständigen Aufklärungsarbeit und der sich immer weiter verschlimmernden Realität wird sich Im Volk noch vieles tun. Das wissen auch die Verantwortlichen für die autoritären Massnahmen und ihre Befürworter in Medien und bei den „Experten“. Und sie haben offensichtlich nicht wenig Angst vor den weiteren Ereignissen …

    1. Genau so wird es sein. Die Mehrheit ist derzeit definitiv auf der Seite der Befürworter. Und werden noch lange benötigen um aufzuwachen.
      Es ist unglaublich wie einfach Menschen manipuliert werden können. Es ist so gut wie unmöglich selbst mit Argumenten an diese Menschen heranzukommen.

  5. Der Wahnsinn wird also nicht weltweit auf die Spitze getrieben. Das macht Hoffnung, wenngleich wir hier in Österreich sicher die letzten sind, die die Masken abnehmen dürfen.

    1. Der Wahnsinn würde sehr wahrscheinlich schneller in sich zusammenbrechen, wenn er wirklich weltweit vorangetrieben würde.
      Das wissen die Wahnsinnigen. Selbsterhaltungstrieb!

  6. Vielen Dank für den interessanten Reisebericht, die Lebensfreude der Menschen ist direkt spürbar. Da würde ich wirklich Lust bekommen, diese beiden Länder zu besuchen.

    Zu den Gesichtsmasken: Meine Vermutung ist, dass sich die Menschen an ihren eigenen Masken mit den diversesten Krankheiten anstecken, aber dass kaum eine Infektion verhindert wird. Die Maske hat nur die Funktion eines Maulkorbes.

    Mfg,
    Toni

  7. Es gibt aktuell ja etliche Personen, die ich liebend gerne “in die Wüste schicken“ täte, aber nach Ihrem Bericht von den Beduinen, Herr Mayer, ist das auch keine Option. Wohin dann mit Leuten wie Fauci?

    “Video: Fauci Grants Permission For Kids To Go Trick Or Treating“ (summit.news) – Zeile einfach in Suchmaschine eingeben.

    ““Particularly if you’re vaccinated,” Fauci declared, adding “If you’re not vaccinated, again, think about that you’ll add an extra degree of protection to yourself and your children and your family and your community. So it’s a good time to reflect on why it’s important to get vaccinated.”“

    Einfach nur krank.

  8. Dem Reisebericht kann ich einen ähnlichen aus Polen beifügen: keinerlei Kontrollen bei Ein- und Ausreise (beiderseits an Stadtübergängen Swinemünde und Görlitz), nachdem ich mir total Gedanken über nötige Tests, Quarantäne u. ä. gemacht hatte. Ein völlig freies Leben in Polen, das wohl einige Restriktionen hat, die aber kaum eingehalten werden. Keine Masken und Kontrollen in Hotels, in Gaststätten, im öffentlichen Trubel. Ein wenig Masken in Geschäften, ein bisschen mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln. Überall hängen die vorgeschriebenen Handschuhe, die kaum jemand benutzt. Gelassener Alltagsbetrieb mit einigen wenigen Ausnahmen. Aber das haben die Polen, so glaube ich, freundlich und innerlich irgendwie freier als wir, immer schon besser gekonnt.

  9. Ungarn hat seit Juni alles aufgehoben und behandelt C19 eben so wie die Grippe nun. Kein 3G kein Test, keine Maske, nur mehr sehr selten wird wer damit gesichtet. Keine Kontrollen bei der Einreise, zumindest von Österreich aus. Interessant ist aber, dass das viele Österreicher gar nicht wissen. Die notwendigen Heimatland Österreich Besuche fühlen sich nun immer komischer, skurriler an, wenn man schon bald wieder 5 Monate in der Zeit wie früher, vor C19 in Ungarn verbracht hat. Immer mehr Unverständnis entsteht für das Verhalten der Leute, der Medien und der Politiker in Österreich. Wie gefangen in ihrer eigenen Angst, wovor auch immer.

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