Rezension: Menschen mit Mut

Ein Buch für alle Außenseiter oder die, die es endlich werden wollen. Für all die Neugierigen, die sich fragen, wie es sich lebt, dort, wo die Luft dünner wird und die Helden wohnen – oder ist mutig sein und die Gemeinschaft in der man lebt positiv mitgestalten zu wollen vielleicht doch weder eine so gefährliche noch komplizierte Sache?

Von Gastautorin Hedda Heilburg

In der heutigen Zeit ist es zwar nicht schwer zu vielfältigen Informationen zu kommen, aber diese einzuordnen und zu bewerten, gleicht dem Versuch mitten in einem Wildwasser den Fischverkehr regeln zu wollen. Allein die Position zu halten und sich über den eigenen Standort Gedanken zu machen, ist eine Herausforderung – mal ganz abgesehen von der Frage nach der Sinnhaftigkeit der Verkehrsregelung.

Viele Menschen möchten jedoch angesichts so manch tatsächlich existierender Struktur, die unseren Alltag regelt, die aber als sinnbefreit empfunden wird, dem etwas entgegen stellen – eben etwas Sinnvolles tun, einen Unterschied machen. Es gibt sie eben doch noch, die scheinbar schlichte oder naive Überzeugung, dass die Entscheidungen und die Handlungen jedes Einzelnen in der Gestaltung des Miteinanders eine Relevanz haben – und keine andere Vorstellung liegt ja auch den Überzeugungsversuchen zugrunde, sich doch bitte an politischen Wahlen zu beteiligen. Aber vielleicht kann man über die Abgabe seiner Stimme hinaus – oder manche meinen gar stattdessen – auch noch etwas anderes tun.

Menschen mit Mut

Die Idee zum Projekt „Menschen mit Mut“ entstand auf dem Rückweg vom Schweigemarsch in Berlin Anfang Oktober 2020. Andrea Drescher, die Herausgeberin des Buches, kam durch ein Gespräch und die Erinnerung an ein kürzlich geführtes Interview der Gedanke: „Es gibt vielleicht gar keinen Mangel an Mut – man weiß nur nichts von den vielen ‚kleinen‘ mutigen Taten vieler einzelner Menschen!“1

Aus diesem Gedanken heraus entstanden zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 die meisten der insgesamt 92 Interviews, die unter dem Titel „Menschen mit Mut“ veröffentlicht sind. Es wurden die unterschiedlichsten Menschen befragt – es gibt darunter bekannte, teilweise sogar populäre Personen, aber der Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt auch mindestens eben so viele (noch) Unbekannte. Die Titel der einzelnen Interviews geben jeweils einen Hinweis auf den Tenor des Gesprächs oder das Betätigungsfeld der Person, machen neugierig und motivieren einfach mal hineinzulesen. Der Versuch, diesen Gesprächen nach irgendeiner Strukturierung Vielfältigkeit zu attestieren – nach Alter, Anlass zum kritischen Hinsehen, Berufsgruppe, Bildung oder mutigem Betätigungsfeld – erscheint unsinnig. Vielmehr entsteht lebensnah, individuell und aus dem Alltag der befragten Personen heraus ein schillernd buntes Abbild einer kritischen Minderheit. Gleichzeitig baut sich angesichts dieser zahlreichen Menschen, die klar und differenziert ihre persönliche Haltung und ihr entsprechendes Handeln in größeren Zusammenhängen darstellenden unweigerlich Zweifel auf: Kann man hier überhaupt noch von Minderheit sprechen? Sind die üblichen Schubladen der Abwertung, Ausgrenzung und Entsorgung von irritierenden Informationen hier wirklich angebracht?

Es gibt viele Dinge, die man tun kann

Die Interviews starten häufig mit einer Kurzbiografie oder es wird im Gesprächsverlauf beschrieben, wie es dazu kam, dass derjenige anfing sich für eine Sache zu engagieren. Man erfährt am konkreten Einzelfall, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, tatsächlich etwas zu tun und im eigenen Wirkungskreis einen Unterschied zu machen. Denn es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten etwas zu tun, wenn man den Mut hat, auch nur ein klein wenig aus der Reihe zu tanzen. All die vielfältigen und individuellen konkreten Bemühungen etwas bewegen zu wollen, die im Buch „Menschen mit Mut“ zusammengetragen wurden, haben eine wichtige Gemeinsamkeit: sie stützen sich ab auf dem, was wir als demokratische Grundrechte kennen und als Recht auf freie Meinungsäußerung. Ob man im Einzelnen mit so manchen Sichtweisen oder Bemühungen übereinstimmt, mag zur Diskussion gestellt werden, aber insgesamt stellt jedes der 92 geführten Gespräche den individuellen Versuch dar, sich als gleichwertige moralische Instanz an einem demokratischen und rechtsstaatlich abgesicherten Prozess zu beteiligen, der unsere Zukunft maßgeblich beeinflusst. Ist es wirklich eine veraltete Illusion, zumindest Respekt für die reine Existenz einer eigenen, individuellen Perspektive einzufordern?

Allein mit dem Kauf tut man schon Gutes!

Mit dem Kauf des Buches kann man sich daher nicht nur informieren, inspirieren und ermutigen lassen, man kann „Menschen mit Mut“ auch mit gutem Grund erwerben als Wertschätzung für das Engagement aller Beteiligten, die ihre Stimme erheben, ihr Gesicht zeigen und ihre Zeit investieren. Auch der Verlag Vobiscum erhält nur die reinen Druckkosten, die Herausgeberin und sämtliche Helfer der praktischen Umsetzung haben ehrenamtlich gearbeitet und der gesamte Ertrag aus dem Verkauf des Buches geht als Spende an die „Friedensbrücke – Kriegsopferhilfe e.V.“!

Mit dem Kauf von mehreren Exemplaren kann man gleichzeitig ein Geschenk und Inspiration für andere Menschen erwerben – oder man sieht es schlicht als Spende mit Mehrwert, denn optisch, haptisch, qualitativ ist das Buch auch einfach schön! Das Aussehen mag manch Einem gegenüber dem Inhalt vielleicht nebensächlich bis irrelevant erscheinen, aber wenn man zu einem günstigen Preis tatsächlich ein qualitativ hochwertiges Druckerzeugnis erhält, finde ich das durchaus auch bemerkenswert.

Dieses Buch macht Mut!

Die vielen Beispiele zeigen, dass man mit dem Wunsch nach Beteiligung, mit dem Bedürfnis bei Irritationen nachfragen zu dürfen, den unausgesprochenen Zweifeln und der eigenen kritischen Haltung eben nicht allein ist. Es gibt sie wirklich, reale Menschen, die der Ansicht sind, dass es derzeit wichtig ist, sich gegen den Strom zu stellen und die es auch tatsächlich tun!

Ich bin daher schlicht und einfach dankbar für die Möglichkeit, so vielen spannenden Menschen zwischen zwei Buchdeckeln begegnen zu können und daraus Inspiration und Zutrauen zu meinem Eigenen entwickeln zu können. Ich freue mich auf das Lesen weiterer Interviews, darauf mich durch eine andere Perspektive bewegen und manchmal auch begeistern zu lassen. Mich vielleicht zu verändern, eigene Ideen zu entwickeln, nach Gelegenheiten zu suchen selber mutig zu sein, nach dem Sinn zu fragen und gelegentlich zu zeigen, dass die sogenannte Minderheit womöglich gar keine solche ist.

Schlussendlich halte ich dieses Buch und die enthaltenen Interviews mittlerweile auch für ein wichtiges Zeitdokument. Es dokumentiert sowohl das gesicherte Wissen, als auch die Zweifel und Vermutungen, sowie die aus der Zivilgesellschaft formulierte Kritik an den Herausforderungen der Zeit zwischen Herbst 2020 bis zur Veröffentlichung im Frühjahr 2021. Ich persönlich bin daher froh über dieses „Beweisstück“ aus erster Auflage in meinem Bücherregal!

1Andrea Drescher, Menschen mit Mut, S.10


Hedda Heilburg, Jahrgang 1978, arbeitet seit 2006 im heilpädagogischen Bereich mit erwachsenen Menschen mit Behinderung. Daraus ist ein starkes Interesse für Möglichkeiten eines friedlichen und produktiven Zusammenlebens ganz unterschiedlicher Menschen entstanden. Im Spannungsfeld zwischen Solidarität und persönlicher Freiheit ist ihr eine wertschätzende authentische Begegnung besonders wichtig. Sie ist ein undogmatischer Mensch und kann sich über neue Perspektiven und Auflösung von gedanklichen Schubladen begeistern.



Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Ich veröffentliche sie aber gerne, um eine vielfältigeres Bild zu geben. Die Leserinnen und Leser dieses Blogs sind auch in der Lage sich selbst ein Bild zu machen.



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27 Kommentare zu „Rezension: Menschen mit Mut

  1. Der „Versuch mitten in einem Wildwasser den Fischverkehr regeln zu wollen“ … danke für dieses wunderbare Bild!

    1. Dieses Bild verrät uns ein geistiges Ende.

      Selbst die Frage, von wem, bleibt damit nicht offen.

  2. Einer, der gegen den Strom schwimmt, ein mutiger Mensch, ein wirklicher Antifaschist, hat sich im „Standard“ zu Wort gemeldet (07/10/2021):

    https://www.derstandard.at/story/2000129938584/impfdebatte-wider-das-staendige-schueren-von-hass

    Zitat daraus: „Die gesellschaftliche Stimmung, die gegen Ungeimpfte gemacht wird, ist in der Tat allmählich unheimlich. Denn wenn es möglich ist, gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe derartig grausig Stimmung zu machen, dann auch gegen jede beliebige andere. Das ist austauschbar. Es kann morgen genauso Sie oder mich treffen, wenn die Situation danach ist. Eine eigene Gruppendynamik ist da in Gang gekommen.“
    Diese Veröffentlichung hätte ich dem „Standard“ nicht (mehr) zugetraut, obwohl der Autor dort schon zwei- bis dreimal sehr kritische Artikel dort unterbringen konnte, und auch ein anderer Autor (Daniel Witzeling) immer wieder zur Vernunft mahnt. Ich hoffe sehr, dass diese Appelle in der Redaktion des „Standard zu fruchten beginnen – es wäre ein Riesenfortschritt.

    Und eine mutige Frau:
    „Klassikstar Elisabeth Kulman sagt ihren offiziellen Bühnenabschied ab – wegen der geltenden 2G-Regel. Eigentlich wollte die Sängerin am 27. Oktober im Wiener Musikverein an der Seite ihres Klavierpartners Eduard Kutrowatz mit einem Liederabend dem Publikum Lebewohl sagen. Der Bühnenabschied der 48-Jährigen erfolgt nun ohne Adieu, da sie nicht unter der derzeit in Wien geltenden 2G-Regel singen will, nach der nur Geimpfte oder Genesene das Konzert besuchen können.
    „In so einer Situation zu singen, ist für mich undenkbar, weil es mir den Hals zuschnürt“, hatte Kulman bereits vor wenigen Tagen im Interview mit der „Presse“ klargemacht. Ein Teilausschluss des Publikums angesichts eines die Menschen verbindenden Mediums wie der Musik sei für sie unvereinbar mit ihrem Selbstverständnis als Künstlerin. Nun also die Absage.“ (ebenfalls „Der Standard, 07/10/2021)

    Dieser Mut ist ein leuchtendes Vorbild, gerade angesichts der jetzt wieder einmal eskalierenden desolaten politischen Verhältnisse, in denen offenbar ganz andere Verhaltensweisen dominieren …

    1. Tja. Nichts Neues.
      Es kann jetzt und es konnte in der Vergangenheit jedEn treffen.

      Mich HAT es getroffen. Daher bin ich immer wieder erstaunt dass es Menschen gibt, die diese wiederkehrende Ausgrenzung erst nicht sehen, dann leugnen und erst wenn sie nahe kommt, überrascht zur Kenntnis nehmen.

      Mein Dank an die unzähligen HeldInnen, denen es den Hals zuschnürt, und die daraus Konsequenzen ziehen.

    2. Auch die Kisi-Kids haben eine Aufführung in Wien aufgrund der 2G Regel abgesagt.

  3. Ein positiver Ansatz!
    Die World Economy Forum geadelte Maischberger und ein Disput zwischen Medizinerfunktionär Gassen und Lauterbach!
    Gassen „Gefährlichkeit des Virus übertrieben -gerade mit Ioannidis telefoniert“ Lauterbach sinngemäß “ Ioannidis,
    dieser quasi von allen Wissenschaftern als Extremist bezeichnete“
    Lauterbach der offenbar von ca. 45% der DE Bevölkerung als SPD Gesundheitsminister gesucht wird (Was ein Fall für eine Psychiatrieform ist, die auch erst in 8 Monaten unter Milliardenaufwand entwickelt werden muss).
    Maischberger fordert Gassen auf Lauterbach quasi dazu zu gratulieren.
    Der weigert sich und weicht dahin aus, dass falls er dieses Amt bekäme, dann hoffentlich Geld für bisher anderthalb Jahre versäumtes zur Verfügung gestellt würde!
    Der andere Ansatz wäre positive Figuren immer mit der anderen Seite zu nennen. Da gibt es viel mehr aber die Menge der eindeutigen Lügen muss gesammelt werden.
    Jedem Lügner sollte klar sein dass seine Aussagen wahrscheinlich in ein spezielles Archiv kommen.
    Zeitnah innerhalb weniger Tage:
    Auf 3Sat ein Interview einer indisch stämmigen Dame (Name?) in DE aufhältig über Indien!
    “ Indien war auf guten Weg aber als Impfstofferzeuger gab es große Probleme da woanders hin geliefert werden musste. Nunmehr hat Indien alles im Griff da nun genügend geimpft werde.“
    Kein Word über Virostatica. Wir mussten ungläubig in die Statistiken schauen um festzustellen dass die Durchimpfung in Indien unter 20% liegt. Die schaffen es mit ihren Lügen tatsächlich, einem der 1500Stunden Material über die Lügen hat zu zwingen, nochmal in den Statistiken nachzuschauen!
    Auf RTV Talk ein wahrscheinliches Impfopfer, dass sich vor wagt aber schon wieder zensuriert wurde.
    https://www.facebook.com/watch/?v=454580985845374
    Wir haben dass Gefühl dass dieses Gebäude aus Lügen, welches immenses Leid verursacht hat nunmehr unter dem Hervorheben aller anderen Skandale möglichst unauffällig erodiert werden soll! (Arrangiert durch die Hauptverantwortlichen, den Medien)
    Ein Vorgang, der die Mächtigen in Ihren irrwitzigen Treiben bestätigt!

  4. Menschen mit Mut:

    Weiss jemand etwas Neues über Prof. Dr. Hockertz?

    Die Liste von mutigen Menschen ist jedenfalls sehr lang. Mir wäre wohler, wenn mir deren Namen geläufiger wären, als die der Lügner und Täter.

    1. Bemerkenswert … Ich bin kein Anhänger der Schützen, weder dies- noch jenseits des Brenners, aber um deren Meinungen geht es hier nicht! Offensichtlich macht sich Verzweiflung breit und hat zu einem gequälten Aufschrei aus einer unerträglichen Situation heraus geführt!

  5. @ Bewegungen
    @ Gesellschaftliche Dynamik
    @ Mathematik

    Eine Bewegung zeichnet sich durch die Gleichgerichtetheit und Anzahl von Vektoren, inklusive Energie und Kraft, aus.

    Diese Vektoren können sich ändern und damit die Bewegung verlassen.

    Welche Bewegungen haben wir auf der Erde, bei welcher Anzahl von Vektoren?

    Der Vektor „Mensch“ ist dabei mehr oder weniger flexibel.

    Der Mensch gehört immer den Bewegungen recht stabil an, die ihm Geld versprächen.

    Im Umkehrschluss: Er ist in den Gegenbewegungen zu diesen, die ihm kein Geld versprächen.

    Wir können den Mensch insofern als irrend definieren, dass er 2 G verwechselt: Geld mit Gesundheit.

    Wenn wir die Verstandesebene in Richtung Sinnesebene verließen: Der Mensch hat im Sinn ZU ERLEBEN und das MAXIMAL, weil sein Leben endlich ist.

    Wir sind ALLE immer im Bezug auf mindestens eine Relation gleichgerichtet, wir KONKURRIEREN dabei um die QUALITÄT dieser.

    STÖRUNGEN wöllten wir AUSSCHLIEßEN, die aber zum ERLEBEN dazugehörig sind.

    Eine Definition für Leben: DAS ERLEBEN UNTER DER SONNE.

  6. Mich fasziniert seit sehr vielen Jahren arbeitstäglich eine alte Frau mit gebundenen, gekämmten, langen naturgrauen Haaren im Siegburger Bahnhof (D). Sie wirkt nicht ungepflegt. Sie lebt „auf der Straße“.

    Ihre grünen Müllsäcke werden demonstrativ immer mehr mit den Geschenken des sympatisierenden Volkes.

    Fünf Meter neben ihr ist die Bundespolizei-Wache.

    Sie wird geduldet.

    Sie bettelt nicht und hat 0,00 Euro.

    Der türkische Dönerimbiss verpflegt sie.

    Das türkische Essen schmeckt ihr, und sie genießt es.

    Die grünen Müllsäcke stammen vom Imbiss.

    Mein Gefühl: Sie flieht immer „irgendwo“ und wartet geduldig am Bahnhof auf die Ankunft Gottes.

    Meine Frage: Welche Lösungen bietet ein „moderner“ Staat?

    In eine geschlossene Psychiatrie kommt man nur, wenn man als gefährlich gilt.

    Die Frau ist sehr ungefährlich und gutmütig.

    Geschätzt 99,45 % gehen an der Frau vorbei, scheinbar wie an einem Nichts.

    Die grünen Mülltüten waren gestern schon 12 (Wachstum).

    Von der Frau lernte ich mehr als in vier Jahrzehnten Verstandesschule!

    Die Frau ist ein STARKES ABBILD (Prognose), wo unsere Reise hingehen wird: Gesellschaft anders denken und leben, ohne Geld? Sie tut es.

    Ihre Sinne mag ich: Friedlicher Protest beim ewigen Warten am Bahnsteig. Sie lebt und ist hoch betagt. Ihr Job: Ihre „Mülltüten“ umsortieren vom Bahnsteig zum Bahnhofsvorplatz und umgekehrt.

    Sie bewegt sich unter der Sonne, und ihr freiheitlicher Wille ist der offene, unbeheizte Bahnhof Siegburg.

    Sie stellte die Stadt vor eine Aufgabe, die sie nicht lösen kann. Sie redet nicht, sie demonstriert täglich Tausenden ihre Identität, und das türkische abwechslungsreiche Essen schmeckt ihr.

    Wie digital-smart ist nun Siegburg?

    Ich fühle, die Frau hat gesiegt.

    1. @Uschi
      9. Oktober 2021 um 14:04 Uhr
      Ich finde es sehr schön, dass Sie nicht gedankenlos an dieser Frau am Siegburger Bahnhof vorbeigehen und ihr diese Zeilen gewidmet haben …

    2. @ Fritz Mardersbacher

      Ich möchte sie als wahre Freundin bezeichnen, mir würde zweimal arbeitstäglich etwas fehlen, wie der ICE von Siemens und Alstom bei v = 300 km/h.

      Wenn ich mich nicht irre, die „Aufsicht“ lässt sie FREI ohne Maske LEBEN.

      Und sie lebt.

      Unser Aufsehen ist hoch zu Maria mit Jesus im Arm und zu ihm am späteren Kreuze …

    3. @Uschi
      9. Oktober 2021 um 19:40 Uhr
      Solche ausserhalb der Konventionen lebende, arme, vielleicht doch reiche Menschen regen zum Denken über das eigene Leben an. Selbst die „Aufseher“ tasten sie nicht an, sie stehen für unzählige andere … ecce homo! Viele Grüsse an diese Frau aus Tirol!

    4. @Arturo
      10. Oktober 2021 um 11:16 Uhr
      „Blissful ignorance“ – das ist eine beissende, aber gewöhnlich zutreffende Kritik … Anteilnahme bleibt oft bei (karitativer) Sozialromantik stecken. Sie kann aber auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Ursachen und politischem Engagement führen – im Moment ist das dringlich, wie Sie selbst wissen. Und dem politischen Engagement und dem Sich-Organisieren sollten Anteilnahme und Solidarität, nicht Wichtigmachen und Besserwisserei zugrundeliegen …

    5. @ Fritz Mardersbacher

      Grüße aus Tirol werde ich ihr morgen früh zuflüstern dürfen.

      Der Wiener ICE fährt leider linksrheinisch und hält im Bahnhof Bonn, der ehemaligen Hauptstadt der BR Deutschland.

      1999, 10 Jahre nach dem Mauerfall, wurde es wieder preußisches Berlin.

      Stichwort: Friedliche DDR-Revolution -[Sommer 1989 bundesdeutsche Botschaften Prag und Warschau mit DDR-Unzufriedenen, Grenzöffnung Ungarn zu Österreich für DDR-Unzufriedene, Züge von Prag nach Hof mit DDR-Unzufriedenen, 9. Oktober 1989 erste Montagsdemonstration Leipzig, 9. November 1989, Mauerfall Berlin (Ost)]

      Wenn ich mir diese Revolution und die Französische anschaue: Ihnen fehlte nicht die Losung, aber die Ikone!?

      Bei der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917 in Russland sah es anders aus, mit dem in der Schweiz belehrten Herrn Uljanoff.

      Die Seefahrt braucht Leuchttürme, heute nur als fakulative Sichtprüfung der Richtigkeit des Kurses.

      Die Prüfung der Richtigkeit von gesellschaftlichen Bewegungen bedarf des Leuchturms (Losung, Ikone).

      Das „GPS“ und das „Echolot“ der Bewegung sind der Menschen Sinne bei einer voneinander unabhängigen Ähnlichkeit, die auf den Leuchtturm gerichtet ist.

      Mein Gefühl: „Mir und uns fehlt IMMER etwas.“

      In diese Lücke sprang gestern Elon Musk mit Volksfest in seinem ersten europäischen Tesla-Werk in Grünheide-Fangschleuse vor den Toren von Berlin.

      (Fangschleuse ist ein interessanter Fallweg der Kugel Bernoullis.)

      S. Freud meinte, dass die oder der am gesündesten lebte, die oder der sich am besten ablenken könne.

      Meine Frage: „Kann eine Demo mit einem Multimilliardär, bei der Reizung unserer Sinne, mithalten?“

      Eine Ikone „Musk“ zeichnet sich durch Milliarden investierte US-Dollars aus, eine Ähnlichkeit zu US-amerikanischen Präsidentschaftskandidat:innen ist unverkennbar.

      Die ganze Welt legitimiert Oligarchie, um das Problem Sonne besser lösen zu wollen.

      Hatte oder hat die Welt bessere Lösungen als die Oligarchie mit finanzieller Hochspannung, um im Feld Welt etwas zu bewegen, wir sind immer noch im Feudalismus, der Irrtum bestünde im Sozialismus/Kommunismus!?

      Für den sonntäglichen Humor: Ich sehe in Elon Musk Sissi.

    6. @n Fritz Madersbacher
      10. Oktober 2021 um 13:40 Uhr

      Ich hoffe, Sie beziehen die „beissende Kritik“ nicht auf sich.

      Das ’seelige Nichtwissen‘ bezieht sich auf die angebliche Person, die von dem, was über sie fabuliert wird, seeligerweise nichts weiss.

      Von karitativer (oben/unten) Anteilnahme (ich ziehe was Gutes aus deiner beschissenen Situation) kann ich in der Fabel nichts erkennen. Ich assoziiere da eher (das liegt wohl an der Jahreszeit) die zwei nutzlos zerrissenen Mantelhälften des ’sanktmartin‘ und kann nicht umhin an die Nachttemperaturen zu denken, die dort nun herrschen mögen.

      Auffällig jedoch, dass diese Fabel in verstehbarem Deutsch abgefasst war. Es war dem Schreibendem diesmal wichtig verstanden zu werden, mitzuteilen, dass er Gutes über Dritte denken kann.

      Würde er eingreifen, wenn die Hauptfigur der Fabel abgeführt wird? Würde er nachfragen, wo sie hingebracht wurde? (Die Fabel flackert in schwarzweiss Leinwand.)
      Würde er sie suchen?(Geigenteppich kommt auf, ist da eine grüne Tüte im Gedränge zu sehen, kurz.) Der Zug fährt ab.

      Beste Freundinnen. Sagte die eine.

      Ich frage mich, was Wolfgang Borchert vor dem Krieg geschrieben hätte. Als die Ratten noch tagsüber schliefen. Dürfen ungeimpfte, unmaskierte den Bhf betreten? Gibt es das Schild „Eltern haften für ihre Kinder“ noch?

    7. @Uschi
      10. Oktober 2021 um 14:37 Uhr
      Ich bin nicht so pessimistisch wie Sie, sehe auch die angeführten Revolutionen (1989 sehe ich übrigens keine) anders als Sie, und auch anders, als es mir – z.B. in der Schule – beigebracht wurde. Das Verhalten der Medien in der laufenden „Pandemie“ sollte übrigens bei jedem wachen Menschen die Frage aufwerfen, wieviel denn von allem stimmt, mit dem wir täglich überschüttet worden sind und werden, insbesondere auch, was die geschichtlichen Ereignisse betrifft. Mir sind da viele Dinge schon als jungem Menschen aufgefallen, und ich bin in weiterer Folge zu völlig anderen Schlüssen gekommen. Mir ist wichtig, dass wir uns nicht geistig entwaffnen lassen, sondern selbständig und gründlich zu denken wagen, damit wir unsere Interessen in die eigenen Hände nehmen und wahren können, uns nicht ständig verdummen und indoktrinieren lassen, uns auch nicht billig von Multimilliardären oder sonstigem Gesindel ein- und verkaufen lassen …

    8. @Arturo
      10. Oktober 2021 um 15:16 Uhr
      Mit Ihrem literarischen Talent wären Sie ein würdiger Nachfolger von Wolfgang Borchert bei der literarischen Begleitung des laufenden „Krieges gegen das Virus“, mit seinen Verwüstungen in der Gesellschaft, vor allem in den Seelen der Menschen. Wir haben eine Situation erreicht, die sicher einmal ihre literarische Gestaltung finden wird, ob durch jemanden aus der mit wenigen Ausnahmen jetzt – aufgrund materieller Abhängigkeit – so schweigsamen „Kultur“-Welt, sei dahingestellt … ob Sie einen Verleger finden würden, ist momentan auch fraglich … Wie die wenigen Ausnahmen zeigen, befinden wir uns in der Phase „Bücherverbrennung“ …

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