Fast 50 Prozent der Bevölkerung in Tokio verfügt vermutlich über Antikörper und ist immun

Japan ist eines der eigenartigeren Länder in Bezug auf Infektionen mit SARS-CoV-2 und Sterblichkeitsraten. Die Zahl der Infektionen ist offenbar ungewöhnlich hoch, die Sterblichkeit dagegen extrem niedrig. Und das bei der weltweit ältesten Bevölkerung mit 29% über 65 und 2,3 Millionen Menschen zwischen 90 und 100. Todesfälle bisher insgesamt 1549, das sind 12 pro Million Einwohner (Österreich 82, Deutschland 114).

Dabei ist die Sterblichkeit in Japan noch immer das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu Südostasien insgesamt. Die Mortalität in den Ländern Südostasiens trotz einer Bevölkerung von 2314 Millionen ist erstaunlich niedrig, obwohl wir nicht genau wissen woran das liegt. Eine weit verbreitete Immunität durch Infektionen mit 100 eng verwandten SARS-ähnlichen Coronaviren könnte einer der Gründe sein.

Kein Lockdown – stattdessen gezielte Maßnahmen

Aber Japan hat noch weitere Besonderheiten zu bieten. Ähnlich wie im größten Teil von China, Südkorea, Taiwan, Hongkong, Kambodscha und anderen gab es nie einen Lockdown, sondern nur gezielte regionale Maßnahmen, die Teilbereiche betrafen. Bei knapp 127 Millionen Einwohnern wurden bis heute insgesamt 1.938.827 Tests durchgeführt. Deutschland hat dagegen in den letzten beiden Wochen seine knapp 84 Millionen Einwohner mit 2.206.353 Tests traktiert.

Ganz besonders schräg ist aber, dass Japan so etwas wie eine zweite Welle hatte, wie oben an der Zahl der Fälle zu sehen. Wobei Fälle in Japan ja wirklich Fälle zu sein scheinen und nicht das Resultat von Massentestungen. Die zweite Welle manifestiert sich auch in einer Welle von Todesfällen. Und wieder etwas schräg: obwohl es massiv mehr Infektionen gegen hat, ist die Welle der Todesfälle deutlich kleiner ausgefallen als die erste, wie unterhalb in dem zweiten Chart zu sehen.

Zweite Welle im Sommer

Und noch eine Eigenartigkeit ist zu vermelden: Die zweite Welle trat im Sommer auf, so ziemlich einzigartig auf der Nordhalbkugel, wo über all selbst bei massiver Testhäufigkeit ein Rückgang der „Fälle konstatiert wurde.

Um wie viel die zweite Welle massiver gewesen ist als die erste, ist aus den „Fällen“ nicht mal ansatzweise ersichtlich. Serologische Tests auf Antikörper, die den Verlauf der zweiten Welle überwacht haben, können Einblicke in die Prävalenz auf Bevölkerungsebene und die dynamischen Muster der COVID-19-Infektion geben.

Herdenimmunität aus hoher Seroprävalenz zu schließen

In einer auf medRxiv als Preprint veröffentlichten Studie wurde die Veränderungen der COVID-19-Seroprävalenz unter asymptomatischen Beschäftigten, die während der zweiten Welle in Tokio arbeiteten erhoben. Gesunde Freiwillige, die für ein japanisches Unternehmen in Tokio arbeiteten, wurden vom 26. Mai bis zum 25. August 2020 an verschiedenen Orten eingeschrieben, um die Seropositivität gegen COVID-19 zu bestimmen. COVID-19 IgM- und IgG-Antikörper wurden mit einem COVID19 IgM/IgG-Schnelltestsatz unter Verwendung von Fingerspitzenblut bestimmt. Im gesamten Unternehmen wurden wöchentlich Tests durchgeführt und ausgewertet. Für jeden Teilnehmer wurden zweimal im Abstand von etwa einem Monat serologische Tests angeboten, um eine Selbstreferenz der Testergebnisse zu erhalten und die Serokonversion und Seroreversion zu beurteilen.

Gesunde Freiwillige aus 1877 Mitarbeitern eines großen japanischen Unternehmens wurden an 11 verschiedenen Standorten in Tokio für die Studie rekrutiert. Teilnehmer, die zum Zeitpunkt der Tests Fieber, Husten oder Atemnot hatten, wurden ausgeschlossen.

Die Seropositivitätsrate (SPR) wurde durch gepoolte Daten aus jedem Zwei-Wochen-Fenster der gesamten Kohorte berechnet. Entweder IgM- oder IgG-Positivität wurde als seropositiv definiert. Änderungen des immunologischen Status gegenüber SARS-CoV-2 wurden durch Vergleich der Ergebnisse zweier Tests, die von derselben Person gewonnen wurden, bestimmt.

Die Seroprävalenz , also Antikörper im Blut, stieg im Laufe des Sommers von 5,8 % auf 46,8 %. Der dramatischste Anstieg der SPR trat Ende Juni und Anfang Juli ein und verlief parallel zum Anstieg der täglich bestätigten Fälle innerhalb Tokios, der am 4. August seinen Höhepunkt erreichte. 21,4 % der Personen, die seronegativ getestet waren, wurden seropositiv, und bei 12,2 % der ursprünglich seropositiven Teilnehmer wurde eine Seroreversion festgestellt, sie verloren also die vorhandenen Antikörper. Sogar 81,1 % der IgM-positiven Fälle beim ersten Test wurden nach etwa einem Monat IgM-negativ.

Die COVID-19-Infektion könnte sich trotz der sehr niedrigen Sterblichkeitsrate in der Allgemeinbevölkerung von Tokio weit verbreitet haben. Angesichts der zeitlichen Korrelation zwischen dem Anstieg der Seropositivität und dem Rückgang der gemeldeten COVID-19-Fälle, die ohne Lockdown oder ähnlich Maßnahmen auftraten, könnte eine Herdenimmunität involviert sein.

Bleibt nur noch die Bevölkerungszahl vom Großraum Tokio nachzutragen: rund 37 Millionen Menschen. Tokio selbst hatte mit 14 Millionen Einwohnern bisher etwa 300 Todesfälle zu verzeichnen. Damit kommt man auf eine Letalität IFR von etwa 0,0006 Prozent wie auf Seite 8 der Studie errechnet, was erheblich unter selbst einer ganz leichten Grippe liegt.

Wobei natürlich die Studie noch einer Begutachtung unterzogen werden muss, auf eine Firma beschränkt ist und das Sample klein. Warum in Asien vor allem die Todesfälle so niedrig sind, wartet auch noch auf Aufklärung.

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