Schwächeres Virus und Grundimmunität machen zweite Welle wenig wahrscheinlich

Auf der Nordhalbkugel ist zu beobachten, dass die Hospitalisierungen und Sterbezahlen in einem relativ kurzem Zeitraum von 20 bis 30 Tagen zurückgegangen sind, nachdem es zu 25 kumulativen Todesfällen gekommen war. Das war überall so ziemlich gleich unabhängig von den Maßnahmen wie jüngst wieder eine Studie festgestellt hat. Seither werden zwar in einigen Ländern wieder steigende Zahlen von positiven Tests beobachtet, allerdings bei stark gestiegenen Zahlen von PCR-Tests. Die Ausnahme bildet nur Schweden, wo auch die mit Tests gefunden Zahlen sinken.

Der Immunologe und emeritierte Professor der Universität Bern, Beda Stadler, hat in einem Artikel in der Weltwoche dafür zwei wesentliche Erklärungen gefunden. Einerseits hat das Coronavirus durch Mutation an Gefährlichkeit abgenommen und andererseits bietet eine weit verbreitete Grundimmunität gegen Coronaviren Schutz.

Abnehmende Gefährlichkeit des Coronavirus

Das Virus wird weltweit, also auch bei uns, ständig untersucht und sequenziert. Man weiß daher, dass die ursprünglichen, gefährlicheren Virusstämme in Europa praktisch keine Rolle mehr spielen. In fast ganz Europa ist ein neuer Stamm unterwegs, der leichter von Mensch zu Mensch springt, aber weniger krank machend ist. Auch in Indonesien ist ein mutiertes Coronavirus D614G aufgetaucht, das ansteckender, aber weniger gefährlich ist. Diese Information könnte zu einer allgemeinen Beruhigung beitragen.

Auch die Todesfallzahlen dürfen uns positiv stimmen. Österreich hat 9 Millionen Einwohner. In den vergangenen Wochen wurden täglich zwischen null und zwei Sterbefälle mit Covid-19 gemeldet, zwischen 25. und 31. August kein einziger. Bei 6 aus 45 ist damit die Gewinnchance auf einen Lotto-Sechser mit 1 zu 8 Millionen bereits höher als an Covid-19 zu sterben.

Wie realistisch ist die zweite Welle?

Mit Corona Ampel, täglich Tausenden Tests, Masken beim Betreten von Schulen und bei Gelb auch in den Pausen, sowie Händewaschen und 1 Meter Abstand soll eine zweite Welle verhindert werden.

Bei Grippeviren kommt gelegentlich eine zweite Welle, sicher jedoch eine neue jeden Winter. Das hat damit zu tun, dass die Grippeviren laufend mutieren. Ihre Segmente sind nur lose gekoppelt und wenn da eines oder mehrere getauscht werden, hat unser Immunsystem Probleme sie zu erkennen.

Coronaviren mutieren wesentlich langsamer und bisher nicht so, dass sie von einem Immunsystem, das mit SARS-CoV-1, MERS oder einem der Beta-Coronaviren konfrontiert war, nicht erkannt werden. Die Verwandtschaft ist entsprechend groß, die Merkmale so ähnlich, dass Antikörper, sowie B- und T-Zellen problemlos darauf reagieren.

Grundimmunität

Es herrscht also bereits eine ziemlich weitgehende Grundimmunität, die am Anfang übersehen wurde. Mit dem Adjektiv „neuartig“ wurde unterstellt, dass unser Immunsystem dieses Virus nicht erkennt. Dem ist aber nicht so, wenn schon vorher Kontakt mit den sehr weit verbreiteten Erkältungs-Coronaviren bestanden hat.

Die Antikörpertests erfassen offenbar nur einen Teil der durch SARS-CoV-2 Infektionen verursachten Immunität und  die zugehörigen Antikörper, wie auch in der Wissenschaft immer klarer wird. Und sie erfassen vor allem nicht die bestehende Kreuzimmunität durch Infektionen mit den Corona-Erkältungsviren.

Dazu Stadler in der Weltwoche:

Ohnehin sind die Antikörpertests in einem viel desolateren Zustand als anfänglich die PCR-Tests. Es wird noch eine Weile dauern, bis man die Frage der Rest-, Kreuz- oder Grundimmunität verlässlich klären kann. Derzeit lässt sich nicht einmal ein Immunschutz mit Sicherheit feststellen.

Nur eines steht fest: Die vorbestehende Immunantwort kann nicht mehr wegdiskutiert werden. Sie wäre der Schlüssel gewesen für eine andere Strategie. Solange die Nichtimmunologen behaupteten, es gebe keine Immunität und das Virus sei neu, war eine vernünftige Strategie allerdings nicht möglich. Meiner Meinung nach ist die einzig vernünftige Strategie seit den ersten Corona-Fällen in der Schweiz dieselbe geblieben: Risikopersonen schützen, alle andern in Ruhe lassen.“

Fraglicher Nutzen von Impfungen

Stadler relativiert auch den voraussichtlichen Nutzen von Impfungen. Das Problem bei Covid-19 ist, dass die Mortalitätskurve ein getreues Abbild der normalen Sterblichkeit bietet. Je älter und je kränker desto mehr. Die Risikogruppen jedoch zu impfen stellt ein nicht zu unterschätzendes Problem dar.

„Der Impfstoff müsste also derart stark und speziell sein, dass er sogar bei Menschen funktioniert, die praktisch kein funktionierendes Immunsystem haben. … Es gibt keinen Grippeimpfstoff, der bei den Risikopatienten gleich gut wirkt wie bei Jungen. Bei den kommenden Sars-CoV-2-Impfstoffen muss man leider von der gleichen Annahme ausgehen.“

Insgesamt sind wir also nicht so schlecht aufgestellt. Abzuwarten bleibt, wie sich die Situation entwickelt, wenn wir den jahreszeitlichen Höhepunkt der normalen Infektionswelle im Januar und Februar erreichen. Da ist durch Vitamin-Mangel und zum Teil durch Bewegungsmangel auch das Immunsystem der Menschen weniger abwehrbereit.

Viele Antikörper Studien liefern im Gegensatz zu der in Ischgl zu niedrige Werte

Studie: Entwicklung der Corona Übertragungsrate R unabhängig von Maßnahmen

Public Health Experte Martin Sprenger im Interview: Corona schon seit Herbst 2019 in Europa

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